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Kreis Soest. Auszüge aus den Protokollen der
Kreisjugend-Spruchkammern des westfälischen Fußballverbandes:
Schiedsrichterbedrohung, tätlicher Angriff auf einen Gegenspieler, sexistische
Äußerung gegenüber dem Unparteiischen und sogar Prügel untereinander. Das sind
die Amokläufe des Jugendfußballs.
Kreisschiedsrichter-Obmann Siegfried Reffelmann und seine
Kollegen sind nahe dran am Geschehen und können ein Lied von solchen Vorfällen
anstimmen. Sie wissen aber auch: "Man darf das nicht überdramatisieren. Woche
für Woche gehen tausende Spiele ganz normal über die Bühne", sagt
Reffelmann.
Und dennoch begrüßt er als Unparteiischer die Initiative
des Jugendfußballkreises Soest, die Vereine verpflichtend zum "Gewalt-Seminar"
einzuladen. Im Dezember trafen sich die ersten Jugendvertreter in Sassendorf.
Heute von 9 bis 15 Uhr sind die Clubs des westlichen Kreises ins
Preußen-Sportheim gebeten. Themen sind Prävention und Umgang mit Gewalt von
Jugendlichen auf dem Sportplatz. "Grundsätzlich sind alle Bemühungen, die Gewalt
einzuschränken, zu begrüßen", sagt Reffelmann, "ich hoffe nur, dass die Vereine
auch die richtigen Leute zu der Veranstaltung schicken".
Festzustellen auf den Plätzen sind verschiedenste
Varianten der Gewalt. Gewalt gegen den Schiedsrichter, Gewalt gegeneinander und
immer häufiger auch untereinander. "Das ist dann ja das Schlimmste, wenn die
Spieler sich untereinander und ihrem Trainer an den Kragen gehen", sagt
Reffelmann. Für ihn muss es ganz klar Grenzen geben: "Auf dem Sportplatz kann
nichts passieren, was rechtfertigt, dass geschlagen wird!"
Siegfried Reffelmann ist Fußballfreund. Ihm liegt es
fern, seine Lieblingssportart zu verdammen. Und so stellt er gerne fest, dass
sich im Kreis Soest die Gewalt gegen Schiedsrichter in Grenzen hält. Im
Jugendbereich, so Reffelmann, habe es in dieser Saison sogar noch gar keinen
Fall gegeben. "Die Rechtsinstanzen haben kapiert, dass man hier auch mit
drastischen Strafen etwas bewirken kann", lobt Reffelmann die gezeigte
Konsequenz von Jugendspruchkammern.
Gewalt ist kein unvermeidbares Unkraut, sondern wird oft
gesät. Und da kommen die Erwachsenen ins Spiel. So kommt es im Fußballverband
Westfalen immer wieder zu Spruchkammer-Urteilen, nach denen "der VfB Oldentrup
angewiesen wird, erzieherisch auf die Zuschauer seiner D-Jugend-Spiele
einzuwirken" (Kreis Bielefeld) oder der "BV Brambauer wegen Widersetzlichkeit
seiner E-Jugend-Zuschauer mit einer Geldstrafe belegt wird" (Kreis
Dortmund).
Kein Wunder, dass Schiedsrichter Reffelmann da
feststellt: "Wir haben es hier auch mit dem Versagen vieler Eltern zu tun!" Und
mit dem schlechten Vorbild von Trainern und Betreuern. Reffelmann appelliert
daher wie viele andere Jugendfunktionäre an die Verantwortung der Träger der
Kinder- und Jugendfußballarbeit: "Es geht darum, den Kindern und Jugendlichen
das normale Benehmen zu vermitteln. Und das über den Fußball hinaus", so
Reffelmann. Trainer müssten ihre Leit- und Einflussrolle verantwortungsvoll
wahrnehmen. Auch das wäre ein Stück Gewaltprävention. |