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Schiedsrichter | Vereine | Schiedsrichter-Betreuung

 

 

Quelle: www.westfalenpost.de / 9. Januar 2004 / Autor: Martin Haselhorst

 

 

Wenn Kinder beim Fußball Amok laufen

 

Kreis Soest. Auszüge aus den Protokollen der Kreisjugend-Spruchkammern des westfälischen Fußballverbandes: Schiedsrichterbedrohung, tätlicher Angriff auf einen Gegenspieler, sexistische Äußerung gegenüber dem Unparteiischen und sogar Prügel untereinander. Das sind die Amokläufe des Jugendfußballs.

Kreisschiedsrichter-Obmann Siegfried Reffelmann und seine Kollegen sind nahe dran am Geschehen und können ein Lied von solchen Vorfällen anstimmen. Sie wissen aber auch: "Man darf das nicht überdramatisieren. Woche für Woche gehen tausende Spiele ganz normal über die Bühne", sagt Reffelmann.

Und dennoch begrüßt er als Unparteiischer die Initiative des Jugendfußballkreises Soest, die Vereine verpflichtend zum "Gewalt-Seminar" einzuladen. Im Dezember trafen sich die ersten Jugendvertreter in Sassendorf. Heute von 9 bis 15 Uhr sind die Clubs des westlichen Kreises ins Preußen-Sportheim gebeten. Themen sind Prävention und Umgang mit Gewalt von Jugendlichen auf dem Sportplatz. "Grundsätzlich sind alle Bemühungen, die Gewalt einzuschränken, zu begrüßen", sagt Reffelmann, "ich hoffe nur, dass die Vereine auch die richtigen Leute zu der Veranstaltung schicken".

Festzustellen auf den Plätzen sind verschiedenste Varianten der Gewalt. Gewalt gegen den Schiedsrichter, Gewalt gegeneinander und immer häufiger auch untereinander. "Das ist dann ja das Schlimmste, wenn die Spieler sich untereinander und ihrem Trainer an den Kragen gehen", sagt Reffelmann. Für ihn muss es ganz klar Grenzen geben: "Auf dem Sportplatz kann nichts passieren, was rechtfertigt, dass geschlagen wird!"

Siegfried Reffelmann ist Fußballfreund. Ihm liegt es fern, seine Lieblingssportart zu verdammen. Und so stellt er gerne fest, dass sich im Kreis Soest die Gewalt gegen Schiedsrichter in Grenzen hält. Im Jugendbereich, so Reffelmann, habe es in dieser Saison sogar noch gar keinen Fall gegeben. "Die Rechtsinstanzen haben kapiert, dass man hier auch mit drastischen Strafen etwas bewirken kann", lobt Reffelmann die gezeigte Konsequenz von Jugendspruchkammern.

Gewalt ist kein unvermeidbares Unkraut, sondern wird oft gesät. Und da kommen die Erwachsenen ins Spiel. So kommt es im Fußballverband Westfalen immer wieder zu Spruchkammer-Urteilen, nach denen "der VfB Oldentrup angewiesen wird, erzieherisch auf die Zuschauer seiner D-Jugend-Spiele einzuwirken" (Kreis Bielefeld) oder der "BV Brambauer wegen Widersetzlichkeit seiner E-Jugend-Zuschauer mit einer Geldstrafe belegt wird" (Kreis Dortmund).

Kein Wunder, dass Schiedsrichter Reffelmann da feststellt: "Wir haben es hier auch mit dem Versagen vieler Eltern zu tun!" Und mit dem schlechten Vorbild von Trainern und Betreuern. Reffelmann appelliert daher wie viele andere Jugendfunktionäre an die Verantwortung der Träger der Kinder- und Jugendfußballarbeit: "Es geht darum, den Kindern und Jugendlichen das normale Benehmen zu vermitteln. Und das über den Fußball hinaus", so Reffelmann. Trainer müssten ihre Leit- und Einflussrolle verantwortungsvoll wahrnehmen. Auch das wäre ein Stück Gewaltprävention.

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
31. Dezember 2002

 

© Axel Beckmann