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Der gute Schiedsrichter

 

 

Hausarbeit zur Erlangung der B-Lizenz von Louis Schumann

 

 

Die Funktion und das Auftreten eines Basketball-Schiedsrichters

 

 

Im folgenden sollen grundlegende Eigenschaften eines Basketball-Schiedsrichters1 , nämlich seine Funktion und sein Auftreten, vor, während und nach dem Spiel, betrachtet werden. Sowohl Auftreten als auch Funktion können nicht voneinander abgegrenzt werden und hängen teilweise voneinander ab.

Hierfür soll zuerst die Funktion eines Schiedsrichters näher betrachtet werden. Die Grundaufgabe eines Schiedsrichters ist es, ein Basketballspiel zu leiten, indem er Entscheidungen bezüglich des Spieles trifft. Mit den Entscheidungen, die Schiedsrichter treffen, greifen sie direkt ins Spielgeschehen mit ein. Er muss als kompetenter Vertreter des Basketballsportes nicht als „Polizist“ oder „Regelpapst“, sondern eher als Vermittler zwischen den Beteiligten des Spiels fungieren. Er hat als Werkzeug die Regeln des DBB, die er als Grundlage bei seinen Entscheidungen zu befolgen hat, muss aber zwischen Spielfluss und Regelkonformität abwägen. Kurz zusammengefasst lassen sich die Aufgaben und die Funktion des Schiedsrichters wie folgt aufführen:

  • Die Schiedsrichter müssen sicherstellen, dass das Spiel nach den vorgegebenen Regeln ausgetragen wird
  • Die Schiedsrichter haben ferner dafür zu sorgen, dass dies so unauffällig wie möglich zu geschehen hat, sie sollten keinesfalls im Mittelpunkt des Spieles stehen.
  • Die Schiedsrichter sollen während des Spiels eine angenehme Atmosphäre schaffen und für deren Aufrechterhaltung Sorge tragen.

Als wichtigstes und grundlegendes Instrument zur Wahrung seiner Funktion muss er sich seines Auftritts bedienen. Bei der Betrachtung des Auftretens eines Schiedsrichters sind folgende Punkte als wesentlich herauszustellen:

Entschlossenheit

Eines sollte man auf dem Spielfeld auf jeden Fall vermeiden, nämlich Unsicherheit bei Entscheidungen zu zeigen. Dies heisst aber auch nicht, dass man Entscheidungen ohne zu zögern treffen sollte, denn manchmal kann es auch von Vorteil sein, eine Sekunde vergehen zu lassen, um seine Entscheidung zu überdenken. Doch man sollte seine Bedenkzeit nicht zu lange dauern lassen. Dies führt wiederum zu Unsicherheit bei den Spielern, die damit Anlass hätten, die getroffene Entscheidung in Frage zu stellen. Dies lässt sich dadurch vermeiden, indem man schnelle, klare Entscheidungen trifft (was nicht heißt dass diese richtig sein müssen) und sie mit Entschlossenheit „verkauft“, d.h. allen Beteiligten deutlich anzeigt (setzt gute Schiedsrichtertechnik voraus). Durch einen überzeugten Pfiff und selbstsichere Anzeige lassen sich auch falsche Entscheidungen besser verkaufen, ohne dass Beteiligte bemerken, dass die Entscheidung nicht korrekt war. Dies ist um so wichtiger, je knapper und geladener das Spiel ist.

Gelassenheit

Jeder Schiedsrichter weiß, dass Basketball ein schneller und aufregender Sport ist, mit Spielern, Trainern und Zuschauern, die sich speziell in der Schlussphase nicht immer im Griff haben. Zwar ist es nicht die Aufgabe eines Schiedsrichters die Emotionen anderer zu kontrollieren, aber es ist seine Aufgabe, die eigenen im Griff zu haben, da er hohem Druck von allen ausgesetzt ist. Dazu gehört es unter anderem, dass er keine Angst vor einer Fehlentscheidung haben darf, da dies zu zusätzlicher Belastung (und damit zu abnehmender Konzentration auf das Spielgeschehen) führt. Ebenso wenig darf sich der Schiedsrichter darauf konzentrieren, dass er versucht, es allen am Spiel Beteiligten Recht zu machen. Wie man aus eigener Erfahrung weiß, wird das im seltensten Fall gelingen.

Schiedsrichter müssen speziell in kritischen Situationen (unsportliche oder technische Fouls, usw...) sich selbst im Griff haben, jede Äußerung kann helfen, das Spiel zu beruhigen, oder auch im negativen Fall, die Stimmung anzuheizen. Daher ist es wichtig, selbst ruhig zu bleiben, damit man diese Ruhe auf andere übertragen kann, denn eigene Emotionen schaden der Konzentration und Wirksamkeit des Schiedsrichters.

Selbstsicherheit

Für einen Schiedsrichter ist es wichtig, selbstsicher aufzutreten. Jeder macht mal einen schlechten Pfiff oder ein schwaches Spiel. Es ist normal, dass dann Selbstzweifel in einem hochkommen, aber es ist gerade in diesen Situationen wichtig, sich und seiner Kompetenz zu vertrauen. Wer Angst vor dem nächsten Pfiff oder Spiel behält, wird wieder „versagen“. Und wie „Bluthunde“ kann man als Spieler die Angst eines Schiedsrichters spüren. So bietet man den Spielern eine noch größere Angriffsfläche. Wer aber auf dem Spielfeld selbstsicher auftritt, wird zwar auf falsche Entscheidungen treffen, aber diese schneller vergessen, um seine ganze Aufmerksamkeit weiter auf das Spiel zu forcieren.

Harmonie

In diesem Fall lässt sich Harmonie besser durch die Fähigkeit, auf andere effektiv einwirken zu können, ersetzen. Ein effektives Gespräch zwischen Schiedsrichter und Trainer oder Spieler, ein kurze, aber gehaltvolle, Erklärung erspart so manche Diskussion. Dazu gehört, dass der Schiedsrichter jedem Beteiligten mit Respekt und Höflichkeit zu begegnen hat. Ebenso, wie man es selbst auch behandelt werden will. Dies steigert merklich die Akzeptanz bei Spielern und Trainern und bringt diese auf seine Seite. Er muss Fragen und Beschwerden beantworten, ohne aber zur „Laberbacke“ zu werden. Er darf aber auch nicht gestatten, dass jede Entscheidung in eine Diskussion ausartet und das Spiel unnötig aufhält.

Dazu gehört aber auch die Kommunikation mit seinem Partner über das Spiel sowohl vor dem Spiel als auch während des Spiel (z.B. Halbzeit), um die gegenseitige Linie abzustimmen. Ebenso wichtig ist es, auch zu diesen am Spiel Beteiligten freundlich zu sein, mit denen man nicht unbedingt Freundschaft schließen möchte.

Urteilsvermögen

Grundlage um bestimmte Situationen auf dem Spielfeld beurteilen zu können, ist selbstverständlich eine umfassende Regelkenntnis. Da aber Schiedsrichter meistens nicht die einzigen auf dem oder am Spielfeld sind, die über diese Kenntnisse verfügen, merkt man Schiedsrichter mangelnde Regelkenntnisse relativ schnell an. Daher gehört auch eine gute Regelkenntnis zum guten und überzeugenden Auftreten eines Schiedsrichters.

Motivation

Eine Voraussetzung ein gutes Spiel zu machen (sowohl Schiedsrichter, Spieler und Trainer) ist Motivation. Wer keine Lust hat, wird keine gute Leistung zeigen. Für mich als Trainer gibt es nichts schlimmeres als unmotivierten Spielern gegenüber zu stehen. Ebenso bei Schiedsrichtern. Da man Lustlosigkeit den meisten ansehen kann, weiß man, dass ein demotivierter Schiedsrichter keine gute Leistung zeigen wird. Da viele Spiele zu weniger bekömmlichen Zeiten stattfinden, ist speziell die Motivation dann auf dem Nullpunkt. Doch man muss von einem Schiedsrichter erwarten können, dass er Interesse am Spiel hat. Wer als Schiedsrichter kein Interesse am Spiel hat, hört besser auf zu pfeifen, da dies doch Grundvoraussetzung beim Sport ist. Somit gehört Motivation und Interesse mit zu den wichtigsten Eigenschaften eines Schiris.

Grundsätzliches und Pünktlichkeit

Auch auf dem Spielfeld gilt: Der erste Eindruck ist der entscheidende. Wer erst kurz vor dem Spiel mit unvorschriftsmäßiger Kleidung in der Halle erscheint, kann nicht erwarten, dass er einen positiven Eindruck hinterlässt. Wer jedoch rechtzeitig (also circa 30 bis 40 Minuten vor Spielbeginn) und mit korrekter und sauberer Schiedsrichter-Kleidung (also Schiedsrichter-Hemd, schwarze Hose, schwarze Socken, schwarze Schuhe) in die Halle kommt, erweckt einen ersten positiven Eindruck. Dazu gehört (was eigentlich selbstverständlich sein sollte), dass man die Anwesenden begrüßt und sich den Regeln entsprechend auf das Spiel vorbereitet (dazu gehört auch das Aufwärmen, denn das zeigt vorhandenes Interesse am Spiel). Man sollte vermeiden, z.B. sich lustlos oder müde in eine Ecke zu verkriechen, denn das macht keinen guten Eindruck.

Des weiteren gehört zu einem guten Auftreten auch das Auftreten außerhalb des Spielfeldes. D.h. dass man sich auch sonst freundlich verhalten sollte, gerade so, wie man es beim Spiel tut. Denn wer sich auf dem Spielfeld verstellt und vorgibt, jemand anderer zu sein, ist kein guter Schiedsrichter.


1  Im folgenden wird grundsätzlich für Schiedsrichter, Spieler, Trainer und Zuschauer die männliche Form gewählt. Dies dient nur der Abkürzung und ist nicht irgendwie diskriminierend gemeint.

 

 

 

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 Letzte Aktualisierung:
19. März 2003

 

© Axel Beckmann