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Vorraussetzung für einen guten Schiedsrichter ist nicht nur eine gute körperliche Verfassung, Regelkenntnisse oder eine gute Beobachtungsgabe, sondern auch das Beherrschen der korrekten Schiedsrichtertechnik. Die Schiedsrichtertechnik ist ein System, das den Schiedsrichtern helfen soll, Spielsituationen richtig zu beurteilen und somit die Kontrolle über das Spiel zu behalten, denn nur wenn sie zur richtigen Zeit eine gute Position einnehmen und einen angepassten Blickwinkel zwischen Verteidiger und Angreifer bewahren, können sie Spielsituationen richtig erkennen und dementsprechend korrekt handeln. In Position zu sein, ist also ein Schlüsselfaktor des Schiedsrichterns.
Schiedsrichter müssen sich dorthin bewegen, wo sie sein müssen, um das zu sehen, was sie sehen müssen!!
Eine weitere Grundlage der Schiedsrichter-Technik ist eine gute Zusammenarbeit zwischen den Schiedsrichter durch eine fortlaufende Kommunikation. Aber schon lange vor dem Spiel müssen sich die Schiedsrichter mental auf das Spiel vorbereiten z. B. durch entwickelte Routinen vor dem Spiel und keine unnötigen Ablenkungen. Außerdem sollten die Schiedsrichter vor dem Spiel intensive Besprechungen führen, bei denen sie ihre Zuständigkeitsbereiche abklären und Zeichen abmachen, mit denen sie ihrem Kollegen bei unklaren Situationen Hilfe geben können.
Neben der "Pregame-Conference" sollten die Schiedsrichter auch noch andere Aufgaben erfüllen:
- eine gute Erwärmung, um sich auch körperlich auf das Spiel vorzubereiten
- Kontrolle des Anschreibebogens
- Kontrolle des Spielfelds
- Sicherstellen des Spielballs
- Pfiff bei drei und eine Minute vor Spielbeginn
Vor dem Eröffnungssprungball zum ersten und dritten Viertel bzw. zu jeder Verlängerung muss sich der aktive erste Schiedsrichter mittels "Daumen nach oben"- Handzeichen davon überzeugen, dass sowohl das Wettkampfgericht als auch sein Kollege spielbereit sind, da auch bei Sprungballsituationen eine enge Zusammenarbeit wichtig ist. Der zweite und freie Schiedsrichter stellt sich so an die Seiten- und Mittellinie in der Nähe des Anschreibetisches, dass er zum einen legal war und zum anderen muss er dem Zeitnehmer bei der ersten Ballberührung durch das entsprechende "Zeit-an"- Zeichen zeigen, wann er die Zeit starten muss. Außerdem muss er als freier Schiedsrichter versuchen, sich, nachdem dem der Ball getippt wurde, vor das Spiel zu bewegen, wodurch er zum vorderen Schiedsrichter wird; der aktive Schiedsrichter, der den Sprungball durchgeführt hat, wird somit automatisch zum folgenden Schiedsrichter.
Positionen und Zuständigkeiten
Das Spielfeld ist in sechs Rechtecke aufgeteilt, damit vorderer und folgender Schiedsrichter das Spielgeschehen am Ball bzw. der ballentfernten Seite jederzeit im Blick haben.

Folgender Schiedsrichter:
Der folgende Schiedsrichter ist für die Seitenlinie zu seiner Linken, für die Mittellinie und für die Beobachtung der 24-Sekunden-Uhr zuständig. Am Ende einer Spielperiode bzw. Verlängerung oder auch am Ende einer 24-Sekunden-Periode muss er beurteilen können, ob der Ball die Hände des Korbwerfers rechtzeitig verlassen hat oder nicht. In Wurfsituationen soll er die Flugkurve des Balls beobachten und eventuelle Regelübertretungen durch Goal-tending oder Stören des Balls bestrafen. Zudem ist es für den folgenden Schiedsrichter von äußerster Wichtigkeit, dass er nach vorne also bis ungefähr zur verlängerten Freiwurflinie gehen muss, sobald sich der Ball auf irgendeine Weise (Pass, Dribbling oder Wurf) in Richtung Korb bzw. Endlinie bewegt, damit er die Lücke zwischen den Spielern besser beobachten kann und somit seinem Kollegen auch bei Reboundaktionen helfen kann.
Sobald sich die Spielfeldsituation nach vorne (in Richtung des Korbes der angreifenden Mannschaft) bewegt, soll der folgende Schiedsrichter links hinter dem ballführenden Spieler in einem Abstand von ca. 3-5 m bleiben; der Abstand zu den Spielern kann jedoch je nach Spielsituation variieren. Um den Blickwinkel zum Spielgeschehen zu behalten und die Spielfeldübersicht zu verbessern, soll er immer die Lücke zwischen dem angreifenden und verteidigenden Spieler suchen.
Befindet sich der Ball im Rechteck 1 oder 2, so hat der folgende Schiedsrichter die primäre Aufgabe die Aktionen in der Nähe des Balls zu beurteilen; besondere Beachtung gilt dabei dem angreifenden Spieler mit Ball und dessen Verteidiger.
Sobald sich der Ball in Rechteck 3 befindet, muss der Schiedsrichter die bestmögliche Position durch Bewegung in Richtung der Korb-Korb-Linie finden, um das Spiel am Ball beobachten zu können. In dieser Situationen ist er auch für Ausbälle an der Seitenlinie zu seiner Rechten zuständig.
Befindet sich der Ball in Rechteck 4, so ist der folgende Schiedsrichter nicht mehr für das Geschehen am Ball zuständig, sondern er muss nun die Situationen ( z. B. illegales Sperren) beobachten, die auf der ballentfernten Seite (Weakside) passieren. Dafür nimmt er eine Position im Rechteck 1 ein.
Befindet sich der Ball in Rechteck 5, so müssen sowohl vorderer als auch folgender Schiedsrichter das Geschehen am Ball, besonders bei Korbwurfsituationen, im Auge haben, dürfen dabei allerdings nicht die anderen Spieler außerhalb der begrenzten Zone außer Acht lassen.
Sobald sich der Ball in Rechteck 6 befindet, sind beide Schiedsrichter zu enger Zusammenarbeit durch z. B. Blickkontakt gefordert, denn der folgende Schiedsrichter ist nur für Aktionen hinter der Drei-Punkte-Linie und eventuelle Drei-Punkte-Wurfversuche zuständig. Kommt der Ball allerdings durch z. B. einen Paß in Richtung Korb, so muss der vordere Schiedsrichter die Situation am Ball übernehmen, wodurch sich die Zuständigkeit des folgenden Schiedsrichters in soweit ändert, als dass er nun wieder die Spieler auf der ballentfernten Seite zu beobachten hat.
Bewegt sich das Spiel auf den Korb in der anderen Spielfeldhälfte zu, muss der folgende Schiedsrichter beim Übergang zum vorderen Schiedsrichter stets das Spiel im Auge behalten. Dabei sollte Rückwärtslaufen durch einen Blick über die linke Schulter vermieden werden. Wenn sich bei einer pressenden Verteidigung mehr als drei Verteidiger und Angreifer im Rückfeld befinden, so sollte der vordere Schiedsrichter seine Vorwärtsbewegung kurz verzögern, um seinen Kollegen zu unterstützen. Erst wenn der folgende Schiedsrichter keine Hilfe mehr benötigt, nimmt sein Kollege seine Position hinter der Endlinie ein.
Vorderer Schiedsrichter:
Der vordere Schiedsrichter stellt sich zunächst seitlich vom Korb hinter der Endlinie auf, muss allerdings immer in Bewegung sein, um die bestmögliche Position je nach Ort des Balls zu finden. Begrenzungen für seine Bewegungen sind die Drei-Punkte-Linie zu seiner Linken und der entfernte Rand der Begrenzten Zone zu seiner Rechten. Dem vorderen Schiedsrichter ist eine tiefe Endlinienposition zu empfehlen, (ca. 2 m hinter der Endlinie), damit er den bestmöglichen Blickwinkel für eine gute Sicht und gute Entscheidungen hat. Er sollte sich auf jeden Fall immer vor dem Spielgeschehen befinden und somit das Spiel auf sich zukommen sehen. Des weiteren fällt in seinen Zuständigkeitsbereich die Seitenlinie zu seiner Linken und die Endlinie. Die beiden Schiedsrichter sollten darauf bedacht sein, auch bei Ausballentscheidungen nicht in die Entscheidungen des Partners einzugreifen, damit gegensätzliche Entscheidungen vermieden werden. Sie können sich jedoch Hilfestellungen durch Zeichen, die sie in der Besprechung vor dem Spiel abgemacht haben, geben.
Befindet sich der Ball in den Rechtecken 1, 2 oder 3, muss sich der vordere Schiedsrichter auf die Spieler im ballfreien Raum konzentrieren. Dabei soll er z. B. auf illegales Sperren achten und darauf, dass Kontakte besonders im Pivot-Bereich nicht ausarten und somit die Spielkontrolle in Gefahr gerät. Obwohl er dabei nicht den Ball beobachtet, muss er trotzdem wissen, wo sich der Ball und sein Kollege befinden.
Befindet sich der Ball in Rechteck 4, so muss der vordere Schiedsrichter eine Position gegenüber dem Ball einnehmen, da er nun für alle Aktionen um diesen herum verantwortlich ist. Bei einem Drei-Punkte-Wurfversuch muss er seinem Kollegen diesen durch das entsprechende Handzeichen anzeigen.
Befindet sich der Ball in der Begrenzten Zone (Rechteck 6), so beobachtet er alle Vorkommnisse um den Ball herum, wobei er sein Hauptaugenmerk auf den Verteidiger bei Eins gegen Eins- bzw. Wurfaktionen legen sollte. Dabei dürfen allerdings die Spieler im Pivot-Bereich nicht außer Acht gelassen werden. Deshalb soll der folgenden Schiedsrichter auf diese Spieler achten.
Kontakte, die z. B. durch zufälliges Berühren entstehen und weder Vorteil oder Nachteil für einen Spielteilnehmer mit sich bringen, sollen nicht beachtet werden, um den Spielfluß zu wahren.
Befindet sich der Ball in Rechteck 6, teilen sich vorderer und folgender Schiedsrichter die Aufgaben (s. folgender Schiedsrichter).

Auf diesem Bild kann man erkennen, dass die beiden Schiedsrichter alle zehn Spieler nach dem "Boxing-In" Prinzip einschließen. Dabei achtet der folgende Schiedsrichter, der bei einer Wurfaktion bis zur verlängerten Freiwurflinie gehen soll, vor allem auf die Flugkurve des Balls und alle Aktionen ("Goaltending" oder Stören des Balls) über der Brettkante, während der vordere Schiedsrichter seine Aufmerksamkeit den Spielern widmet, um die Wurf- und Reboundaktionen zu beobachten.
Foulsituationen:
Grundsätzlich kann man sagen, dass immer der Schiedsrichter, der am nächsten zu einer Spielsituation steht, entscheiden muss, ob ein illegaler Kontakt durch einen Spieler verursacht wurde oder nicht. Kommt es zu einem Pfiff, der stets laut und durchdringend sein sollte, so sollte der sich der Schiedsrichter, der das Foul gepfiffen hat, zügig aus dem Spielerpulk herausbewegen und eine Position (~ 6 - 8 m) vor dem Anschreibetisch einnehmen. Während seiner Anzeige ( 1. Anerkennung oder Annullierung eines erzielten Korbes; 2. Nummer des Spielers, der das Foul begangen hat; 3. Art des Fouls; 4. Anzahl der Freiwürfe bzw. Spielrichtung) muss er stehenbleiben und auf eine genaue und deutliche Darstellung seiner Entscheidung achten. Die Benutzung von exakten und verständlichen Handzeichen, die in Augenhöhe und mit einem geringen Abstand vom Körper gemacht werden sollten, hilft die getroffene Entscheidung besser zu verkaufen. Nach der Foulanzeige am Wettkampfgericht, soll sich der Schiedsrichter schnell zu seiner neuen Position begeben.
Der Schiedsrichter, der das Foul nicht gepfiffen hat, sollte zunächst einige Sekunden ruhig stehen bleiben ("freeze") und seine Aufmerksamkeit auf die Spieler richten, erst danach begibt er sich schnell zu seiner neuen Position.
Bei Freiwurfsituationen durch Foulentscheidungen stellen sich die Schiedsrichter wie folgt auf:
Der neue vordere Schiedsrichter nimmt eine Position seitlich vom Korb hinter der Endlinie ein, wobei er je einen Fuß auf jeder Seite der verlängerten Freiwurfraumbegrenzung setzt. Der neue folgende Schiedsrichter blickt zuerst zum Anschreibetisch, um sich zu vergewissern, dass keine Auszeiten oder Spielerwechsel durchgeführt werden müssen, und betritt danach den Freiwurfraum von der linken Seite, um von dort den Ball durch einen Bodenpaß von seinem Kollegen zu erhalten. Er führt den ersten von mehreren Freiwürfen aus und tritt bis zum Schnittpunkt der verlängerten Freiwurflinie mit der Drei-Punkte-Linie zurück, wobei er die Anzahl der auszuführenden Freiwürfe anzeigt. Er hat nicht nur die Aufgabe den Werfer und die Spieler der gegenüberliegenden Freiwurf-Seitenlinie zu beobachten, sondern er muss auch die fünf Sekunden zählen, die dem Freiwerfer zu Verfügung stehen, den Ball auf dem Flug zum Korb beobachten und bestätigen, ob der Freiwurf erfolgreich war. Den zweiten bzw. dritten Freiwurf führt der vordere Schiedsrichter aus, indem er den Ball mittels Bodenpaß zum Freiwerfer passt, und tritt dann wieder hinter die Endlinie zurück, von wo aus er die Spieler beobachtet, die an der ihm gegenüberliegenden Linie der Begrenzten Zone stehen. Sobald der Ball die Hand des Werfers verlassen hat, geht er einen Schritt nach rechts, um eine gute Position für die Beobachtung der Reboundaktion zu erhalten.
Ausnahme: Wenn ein Schiedsrichter ein technisches, disqualifizierendes oder unsportliches Foul verhängt, führt er den Freiwurf bzw. die Freiwürfe aus, während sich sein Kollege an der Mittellinie gegenüber dem Anschreibetisch aufstellt, um von dort den weiterführenden Einwurf durchzuführen. Wenn die Schiedsrichter sich so aufstellen, kann eine schnelle Fortführung des Spiels nach der Freiwurfstrafe gewährleistet werden.
Spielerwechsel und Auszeiten:
Der Schiedsrichter, der näher zum Anschreibetisch steht, muss das entsprechende Zeichen für einen Spielerwechsel bzw. eine Auszeit geben. Um das Spiel nicht zu verzögern, behalten die Schiedsrichter ihre Positionen bei einem Spielerwechsel bei.
Bei einer Auszeit stellt sich der freie Schiedsrichter mit Ball dorthin auf, wo das Spiel wieder aufgenommen werden soll. Sein Kollege nimmt eine Position an der Mittellinie ein, von wo aus er die Spieler und Trainer beider Mannschaften beobachten kann. Zusätzlich kann er den Anschreibebogen kontrollieren, um eventuelle Fehler frühzeitig zu erkennen. Wenn 50 Sekunden der Auszeit verstrichen sind, sollen sich die Spieler wieder spielbereit machen und den Einwurf bzw. die Freiwürfe durchführen.
Nach dem Spiel:
Nach dem Signal für das Spielende sollten die Schiedsrichter zügig zum Wettkampfgericht gehen, um den Anschreibebogen zu kontrollieren (1. Überprüfen des Bogens durch den ersten Schiedsrichter, 2. Unterschrift des zweiten Schiedsrichters, 3. Unterschrift des 1. Schiedsrichters).
Da die Schiedsrichter, das Wettkampfgericht und gegebenenfalls der technische Kommissar während dem Spiel ein Team bildeten, ist es eine nette Geste, sich per Handschlag für die Zusammenarbeit zu bedanken.
Tipps:
- Die Schiedsrichter sollten stets darauf bedacht sein, alle Spieler nach dem "Boxing- In" Prinzip einzukreisen d. h. alle aktiven Spieler sollen sich zwischen ihnen befinden.
- Die Schiedsrichter sollten ständig in Bewegung sein, um sich je nach Spielsituation in die korrekte Position zu bringen. Sie sollten das Spiel immer "lesen" und bereit sein, je nach Situation zu agieren und nicht zu reagieren.
- Ein Schiedsrichter sollte nach einem Pass bzw. einem Wurf zuerst auf Aktionen des Verteidigers achten, ehe er dem Ball nachsieht.
- Die Schiedsrichter sollten stets versuchen, Aktionen von beiden Mannschaften gleichmäßig zu beurteilen. Dabei sollten sie nicht die Funktion eines Polizisten einnehmen, sondern ein Gefühl für das Spiel entwickeln.
Eigene Gedanken:
Die Schiedsrichter-Technik ist eine sehr wichtige Grundlange des Schiedsrichterns, was ich aufgrund eigener Erfahrung bestätigen kann. Durch korrekte Anwendung dieser Technik kann man für jede Spielsituation die bestmögliche Position auf dem Spielfeld erlangen, um somit korrekte Entscheidungen zu treffen. Die Einteilung des Spielfeldes in Rechtecke gibt Richtlinien vor, die es ermöglichen, dass alle Spieler von den beiden Schiedsrichtern beobachtet werden. Es kann nur zu einer guten Leitung eines Spieles kommen, wenn diese Zuständigkeitsbereiche, die in der Besprechung vor dem Spiel abgesprochen werden sollen, verstanden sind und beachtet werden. Aber es ist nicht nur eine gute Schiedsrichter-Technik erforderlich, sondern auch eine enge Zusammenarbeit der Schiedsrichter untereinander, mit den Spielern, Mannschaftsbegleitern und nicht zuletzt auch mit dem Anschreibetisch.
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