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Die
absolut überflüssige und manchmal sogar brutale
Härte in den Endspielen der NBA, besonders die
massenhaft ausgesprochenen Sperren nach Spiel fünf
in der Serie Miami gegen New York, ließen mich
spontan an unsere Saison 1997 in Israel denken.
Wahrend
wir die üblichen Technischen Fouls und gelegentlich
eine Disqualifikation verhängten, werden die mit
Volldampf laufenden Vorbereitungen auf unsere Saison
1998, die am 1. September beginnt, durch zwei besonders
schmutzige Vorfalle überschattet. In einem Fall
ein amerikanischer Spieler, der auf übelste Weise
schimpfte und vor aller Augen einen Schiedsrichter bespuckte,
im anderen Fall der beste israelische Spieler, der Wasser
über das Feld schüttete und dann versuchte,
einen Schiedsrichter (und zwar mich) anzugreifen aus
Protest gegen einen Pfiff wahrend eines Schlüsselspiels
der vergangenen Endrunde. Hintergrund dieser Vorfälle
ist, daß das Verhalten auf der Mannschaftsbank
-trotz Regeländerung
der FIBA wahrend der letzten zehn Jahre - immer noch
so schlecht zu sein scheint wie schon immer.
An zu leichten Strafen
nach FIBA-Regeln kann es nicht liegen ein Technisches
Foul gegen einen Feldspieler zählt zu seinem persönlichen
Foullimit (5 Fouls) und führt zu zwei Freiwürfen
für die gegnerische Mannschaft. Ein Technisches
Foul gegen die Mannschaftsbank führt zu zwei Freiwürfen
und Ballbesitz. Mit dem zweiten Technischen Foul gegen
den Trainer, oder dem insgesamt dritten gegen die Bank
in jeder Kombination (zum Beispiel eines direkt gegen
den Trainer und zwei gegen die Bank), wird der Trainer
disqualifiziert. Dahinter steckt der Gedanke, daß
der Trainer letztendlich persönlich für das
Verhalten auf seiner Mannschaftsbank verantwortlich
ist.
Die FIBA hat weiterhin
in den letzten Jahren den sogenannten Mannschaftsbankbereich
eingeführt, der parallel zur Seitenlinie zwei Meter
breit ist, fünf Meter seitlich von der Mittellinie
beginnt und bis zur Endlinie reicht, und der durch Linien
gekennzeichnet ist. Grundsätzlich dürfen der
Trainer oder Trainer-Assistenten diesen Bereich nur
verlassen, um eine Auszeit zu verlangen oder eine administrative
Angelegenheit zu klären.
Das Regelbuch der FIBA
sagt weiterhin unmißverständlich, daß
nur der Trainer während des Spiels stehenbleiben
darf, wobei die Betonung auf,.Bleiben" liegt. Folglich
dürfen zwar Personen auf der Bank zum Beispiel
vor Begeisterung über einen Spielzug aufspringen,
aber nur der Trainer allein darf jederzeit stehen -
innerhalb des Mannschaftsbankbereichs natürlich.
Während der Mannschaftsbankbereich
in der FIBA anscheinend im großen und ganzen respektiert
und ganz gut durchgesetzt wird (es kommt im allgemeinen
nicht vor, daß Trainer weit in das Spielfeld treten,
um ihren Spielern Anweisungen oder Ermahnungen zuzurufen),
sollte das aber kein Freibrief für Trainer und
andere Personen auf der Mannschaftsbank sein, zu machen,
was sie wollen, auch wenn sie dabei innerhalb des Mannschaftsbankbereichs
bleiben.
In einer kürzlichen
Unterhaltung mit einem jungen israelischen Schiedsrichter
wies ich ihn auf eine ganz bestimmte Kultur hin, die
sich in unserer israelischen Liga entwickelt hat: es
gibt manchmal auf unserer Seite eine gewisse Zurückhaltung,
ein Technisches Foul zu pfeifen. Die gleiche Empfindung
mag in anderen Ländern von Zeit zu Zeit ebenfalls
vorherrschen. Ein Technisches Foul zu pfeifen ist hier
bei uns im Vergleich zu den USA etwas ganz Besonderes
geworden. Spieler, Trainer, Zuschauer, Medien - und
auch Schiedsrichter - sehen in einem Technischen Foul
etwas ganz Außergewöhnliches, ganz im Gegensatz
zu dem, was es wirklich sein sollte: Ein klein bißchen
ungewöhnlich schon, aber alles in allem lediglich
ein Teil des Spiels.
Trotz seiner emotionalen
Aspekte sollte man ein Technisches Foul in einer Art
und Weise handhaben, die es von anderen Fouls oder von
Regelübertretungen nicht signifikant unterscheidet,
ganz egal ob das Spiel in Paris, Frankreich oder in
Paris, Texas stattfindet. Hier einige Tips:
1. Mache, was Du angekündigt
hast -und dann mache es auch wirklich. Wenn Du einen
Spieler oder Trainer verwarnst (dies sollte in einer
ruhigen, unaufdringlichen Art erfolgen), sei auf nachfolgende
Konsequenzen vorbereitet. Andernfalls ist es Deine Schuld,
wenn Du Spielkontrolle und an Autorität verlierst,
ganz zu schweigen vom Verlust der Selbstachtung.
2. Pfeife das ,,T"
in einer ruhigen Weise. Mache keine persönliche
Angelegenheit daraus.
3. Führe die Strafen
so zügig wie möglich durch. Wenn das Spiel
erst einmal wieder läuft, wendet sich die Aufmerksamkeit
wieder von Dir ab und dem Spiel zu (auch empfehlenswert
nach einer Fehlentscheidung). Falls die Situation etwas
komplizierter ist und Du Dich mit Deinem Partner verständigen
mußt, beeile Dich dabei, ohne hektisch zu werden,
und bringe die Dinge so schnell wie möglich wieder
ins Rollen.
4. Gebrauche Deinen
gesunden Menschenverstand. Nach einer Fehlentscheidung
sollte man den Spieler oder Trainer nicht dafür
bestrafen, daß er etwas Dampf abläßt,
solange dies innerhalb vernünftiger Grenzen geschieht.
Auf der anderen Seite, lasse ihn nicht das ganze Spiel
hindurch immer weiter machen. Ein Spruch wie "Sie haben
ja Recht, das könnte falsch gewesen sein, mehr
will ich aber jetzt darüber nicht mehr hören",
oder humorvoll "Meine erste Fehlentscheidung in dieser
Saison" kann manchmal ein erster Schritt auf dem
Weg sein, schwierige Situationen herunterzuspielen.
5. Lege Deine Toleranzschwelle
fest und achte auf deren Einhaltung. Überlasse
es nicht einem erfahreneren Partner, alle Schwierigkeiten
mit der Sportdisziplin zu meistern. Da ich selbst in
der israelischen Nationalliga zu den etablierten Schiedsrichtern
gehöre und auch in Europa schon ziemlich herum
gekommen bin, gehen Spieler und Trainer auf mich eher
nicht los (das haben sie vor einigen Jahren gemacht).
Sie gehen auf Dich los! Sei darauf vorbereitet!
6. Unterstütze
Deinen Partner. Aus gutem Grund beobachtet der nicht
anzeigende Schiedsrichter die Lage hinter dem Rücken
des anzeigenden Schiedsrichters.
7. Sei Dein eigener
größter Kritiker, besonders hinsichtlich
Technischer Fouls. Denke nach dem Spiel darüber
nach, welche anderen Mittel Dir eventuell zur Verfügung
gestanden hätten, diese Situation auf andere Weise
zu handhaben. Einen Trainer oder Spieler zu einem Technischen
Foul zu ködern, ist leicht (und ist verführerisch),
kann aber noch nach Jahren bei Dir einen Nachgeschmack
hinterlassen.
In einem Gespräch
mit jungen Schiedsrichtern zitierte ich neulich "Pogo":
"ich habe einen Feind gesehen, wir sind es selbst".
Trainer und Spieler werden die Grenzen genau so weit
verschieben wie wir dies zulassen. Wenn deren unangemessenes
Verhalten das Spiel überschattet, liegt die Schuld
letztendlich bei den Schiedsrichtern, die ihrer Aufgabe
nicht gerecht wurden.
Artikel 'Bench conduct:
Taking care of business' von Todd Warnick aus: Referee,
August 1997
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