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Psychologie | Trainer und Schiedsrichter

 

 

Autor: Todd Warnick / Übersetzung: Dr. Norbert Esser

 

 

Das Verhalten auf der Mannschaftsbank: Eine unserer Aufgaben

 

Steve JavieDie absolut überflüssige und manchmal sogar brutale Härte in den Endspielen der NBA, besonders die massenhaft ausgesprochenen Sperren nach Spiel fünf in der Serie Miami gegen New York, ließen mich spontan an unsere Saison 1997 in Israel denken.

Wahrend wir die üblichen Technischen Fouls und gelegentlich eine Disqualifikation verhängten, werden die mit Volldampf laufenden Vorbereitungen auf unsere Saison 1998, die am 1. September beginnt, durch zwei besonders schmutzige Vorfalle überschattet. In einem Fall ein amerikanischer Spieler, der auf übelste Weise schimpfte und vor aller Augen einen Schiedsrichter bespuckte, im anderen Fall der beste israelische Spieler, der Wasser über das Feld schüttete und dann versuchte, einen Schiedsrichter (und zwar mich) anzugreifen aus Protest gegen einen Pfiff wahrend eines Schlüsselspiels der vergangenen Endrunde. Hintergrund dieser Vorfälle ist, daß das Verhalten auf der Mannschaftsbank -trotz Regeländerung der FIBA wahrend der letzten zehn Jahre - immer noch so schlecht zu sein scheint wie schon immer.

An zu leichten Strafen nach FIBA-Regeln kann es nicht liegen ein Technisches Foul gegen einen Feldspieler zählt zu seinem persönlichen Foullimit (5 Fouls) und führt zu zwei Freiwürfen für die gegnerische Mannschaft. Ein Technisches Foul gegen die Mannschaftsbank führt zu zwei Freiwürfen und Ballbesitz. Mit dem zweiten Technischen Foul gegen den Trainer, oder dem insgesamt dritten gegen die Bank in jeder Kombination (zum Beispiel eines direkt gegen den Trainer und zwei gegen die Bank), wird der Trainer disqualifiziert. Dahinter steckt der Gedanke, daß der Trainer letztendlich persönlich für das Verhalten auf seiner Mannschaftsbank verantwortlich ist.

Die FIBA hat weiterhin in den letzten Jahren den sogenannten Mannschaftsbankbereich eingeführt, der parallel zur Seitenlinie zwei Meter breit ist, fünf Meter seitlich von der Mittellinie beginnt und bis zur Endlinie reicht, und der durch Linien gekennzeichnet ist. Grundsätzlich dürfen der Trainer oder Trainer-Assistenten diesen Bereich nur verlassen, um eine Auszeit zu verlangen oder eine administrative Angelegenheit zu klären.

Das Regelbuch der FIBA sagt weiterhin unmißverständlich, daß nur der Trainer während des Spiels stehenbleiben darf, wobei die Betonung auf,.Bleiben" liegt. Folglich dürfen zwar Personen auf der Bank zum Beispiel vor Begeisterung über einen Spielzug aufspringen, aber nur der Trainer allein darf jederzeit stehen - innerhalb des Mannschaftsbankbereichs natürlich.

Während der Mannschaftsbankbereich in der FIBA anscheinend im großen und ganzen respektiert und ganz gut durchgesetzt wird (es kommt im allgemeinen nicht vor, daß Trainer weit in das Spielfeld treten, um ihren Spielern Anweisungen oder Ermahnungen zuzurufen), sollte das aber kein Freibrief für Trainer und andere Personen auf der Mannschaftsbank sein, zu machen, was sie wollen, auch wenn sie dabei innerhalb des Mannschaftsbankbereichs bleiben.

In einer kürzlichen Unterhaltung mit einem jungen israelischen Schiedsrichter wies ich ihn auf eine ganz bestimmte Kultur hin, die sich in unserer israelischen Liga entwickelt hat: es gibt manchmal auf unserer Seite eine gewisse Zurückhaltung, ein Technisches Foul zu pfeifen. Die gleiche Empfindung mag in anderen Ländern von Zeit zu Zeit ebenfalls vorherrschen. Ein Technisches Foul zu pfeifen ist hier bei uns im Vergleich zu den USA etwas ganz Besonderes geworden. Spieler, Trainer, Zuschauer, Medien - und auch Schiedsrichter - sehen in einem Technischen Foul etwas ganz Außergewöhnliches, ganz im Gegensatz zu dem, was es wirklich sein sollte: Ein klein bißchen ungewöhnlich schon, aber alles in allem lediglich ein Teil des Spiels.

Trotz seiner emotionalen Aspekte sollte man ein Technisches Foul in einer Art und Weise handhaben, die es von anderen Fouls oder von Regelübertretungen nicht signifikant unterscheidet, ganz egal ob das Spiel in Paris, Frankreich oder in Paris, Texas stattfindet. Hier einige Tips:

1. Mache, was Du angekündigt hast -und dann mache es auch wirklich. Wenn Du einen Spieler oder Trainer verwarnst (dies sollte in einer ruhigen, unaufdringlichen Art erfolgen), sei auf nachfolgende Konsequenzen vorbereitet. Andernfalls ist es Deine Schuld, wenn Du Spielkontrolle und an Autorität verlierst, ganz zu schweigen vom Verlust der Selbstachtung.

2. Pfeife das ,,T" in einer ruhigen Weise. Mache keine persönliche Angelegenheit daraus.

3. Führe die Strafen so zügig wie möglich durch. Wenn das Spiel erst einmal wieder läuft, wendet sich die Aufmerksamkeit wieder von Dir ab und dem Spiel zu (auch empfehlenswert nach einer Fehlentscheidung). Falls die Situation etwas komplizierter ist und Du Dich mit Deinem Partner verständigen mußt, beeile Dich dabei, ohne hektisch zu werden, und bringe die Dinge so schnell wie möglich wieder ins Rollen.

4. Gebrauche Deinen gesunden Menschenverstand. Nach einer Fehlentscheidung sollte man den Spieler oder Trainer nicht dafür bestrafen, daß er etwas Dampf abläßt, solange dies innerhalb vernünftiger Grenzen geschieht. Auf der anderen Seite, lasse ihn nicht das ganze Spiel hindurch immer weiter machen. Ein Spruch wie "Sie haben ja Recht, das könnte falsch gewesen sein, mehr will ich aber jetzt darüber nicht mehr hören", oder humorvoll "Meine erste Fehlentscheidung in dieser Saison" kann manchmal ein erster Schritt auf dem Weg sein, schwierige Situationen herunterzuspielen.

5. Lege Deine Toleranzschwelle fest und achte auf deren Einhaltung. Überlasse es nicht einem erfahreneren Partner, alle Schwierigkeiten mit der Sportdisziplin zu meistern. Da ich selbst in der israelischen Nationalliga zu den etablierten Schiedsrichtern gehöre und auch in Europa schon ziemlich herum gekommen bin, gehen Spieler und Trainer auf mich eher nicht los (das haben sie vor einigen Jahren gemacht). Sie gehen auf Dich los! Sei darauf vorbereitet!

6. Unterstütze Deinen Partner. Aus gutem Grund beobachtet der nicht anzeigende Schiedsrichter die Lage hinter dem Rücken des anzeigenden Schiedsrichters.

7. Sei Dein eigener größter Kritiker, besonders hinsichtlich Technischer Fouls. Denke nach dem Spiel darüber nach, welche anderen Mittel Dir eventuell zur Verfügung gestanden hätten, diese Situation auf andere Weise zu handhaben. Einen Trainer oder Spieler zu einem Technischen Foul zu ködern, ist leicht (und ist verführerisch), kann aber noch nach Jahren bei Dir einen Nachgeschmack hinterlassen.

In einem Gespräch mit jungen Schiedsrichtern zitierte ich neulich "Pogo": "ich habe einen Feind gesehen, wir sind es selbst". Trainer und Spieler werden die Grenzen genau so weit verschieben wie wir dies zulassen. Wenn deren unangemessenes Verhalten das Spiel überschattet, liegt die Schuld letztendlich bei den Schiedsrichtern, die ihrer Aufgabe nicht gerecht wurden.

Artikel 'Bench conduct: Taking care of business' von Todd Warnick aus: Referee, August 1997

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
24. April 2003

 

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