OBI@OTTO

 

 

Startseitechristmas_next.gifSchiedsrichter christmas_next.gifPsychologiechristmas_next.gifTrainer und Schiedsrichter

Allgemeines

 Diskussionsforum

 Hilfe

 Gästebuch

 Impressum

 Leitartikel

 Links

 Mitglieder

 News

 Shop

 Thema des Monats

 Über "uns"

 

Organisationen

 Bundesligen

 DBB

 Regionalligen

 Landesverbände

 Euroleague

 FIBA

 International

 Luxemburg

 Österreich

 Rolli-Basketball

 Schweiz

 USA

 

Psychologie | Trainer und Schiedsrichter

 

 

Autor: Walter Hospelt & K. Stöger (Deutscher Eishockey Bund)

 

 

"Vom Regelpolizisten zum Spielleiter"

 

W. Hospelt und K. Stöger für den DEB und den DEB-SR-Ausschuss, März 2003

"Wir sind mit der psychologischen Begleitung von Eishockeschiedsrichtern (SR), die mittlerweile seit 1999 bei der DEB-SR-Aus- und Fortbildung praktiziert wird, auf einem günstigen/richtigen Weg".

DEB-SR, die im Rahmen der Grundlehrgänge regelmäßig dazu befragt wurden, haben diesen Satz genauso bestätigt wie DEB-SR, die erfolgreich an Fortbildungen der IIHF oder des Kanadischen Verbandes teilnahmen. Über Literaturrecherchen, z. B. Hans-Dieter Trosse, Aachen 2000, ließ sich dieser Satz belegen ebenso wie mit den Erkenntnissen, die Klaus Stöger, DEB-SR-Obmann, und ich in Berlin gewinnen konnten. Wir danken den DEB-Verantwortlichen, die uns diese Teilnahme ermöglichten.

Schwankungen von SR-Leistungen werden weniger von der fachlichen Seite bedingt, sondern eher von der Eigenart der SR-Persönlichkeit beeinflusst. Menschen haben in der Art ihrer Person und in ihren sozialen Kompetenzen Chancen und Grenzen. Gerade die Grenzen sind jedoch nicht schicksalhaft vorgegeben, sondern lassen sich erweitern. Daher erscheint es hilfreich, die regelbezogene Ausbildung von Schiedsrichtern durch pädagogische und psychologische Anregungen zu erweitern (Hans-Dieter Trosse, Aachen 2000).

Bei "unserem Weg" haben wir auf eng gefasste, spezielle Trainings (siehe andere Sportverbände) verzichtet. Wir setzen auf ein theoretisch fundiertes und systemisch orientiertes Fördern und Stärken der Persönlichkeiten unserer SR. Wir Menschen müssen mit unseren Grenzen leben, z. B. bei der Wahrnehmung, bei unserem Kommunizieren, bei Kenntnissen über das Funktionieren unseres Seelenlebens und beim Blick auf ein Spiel als soziales System mit eigenen Ablaufsregeln.

Darum ist es für SR hilfreich und förderlich, sich mit diesen Aspekten zu beschäftigen und zu lernen, Grenzen zu erkennen und für sich zu erweitern. Das gelingt ganz hilfreich, wenn wir unsere sozialen Kompetenzen, unsere pädagogischen und vor allem psychologischen Fähigkeiten und Fertigkeiten stärken und darüber erweitern. Dann kommen SR in Spielen günstiger und besser klar, senken hemmendes Verhalten und gewinnen an Selbstsicherheit/Selbstvertrauen, finden zur Leistungsautorität und damit die Akzeptanz der übrigen Spielbeteiligten.

Über diese Ansichten konnten wir in Berlin berichten und breite Zustimmung erfahren. Und nun zur Veranstaltung selbst:

Vom 14.-15. Februar 2003 fand am Deutschen Olympischen Institut (DOI) in Berlin auf Initiative der IGBS (Interessengemeinschaft der Basketball-SR), des DOI und des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Stuttgart eine Tagung zum obigen Thema statt.

Als Folge einer Podiumsdiskussion am DOI zur Frage "Wie unparteiisch sind die Unparteiischen?" wurde zu dieser Tagung eingeladen, da der Bedarf an einer weiterführenden und vor allem vertiefenden Auseinandersetzung zum Thema festgestellt wurde. Darüber ist im "IGBS-Newsletter-04/2002" berichtet worden. Bei diesem ersten sportartübergreifender Erfahrungsaustausch von Verantwortlichen, Aktiven und Experten sind aktuelle und immer wiederkehrende Problemfelder im Schiedsrichterbereich und bei der Professionalisierung des Schiedsrichterwesens praxisnah diskutiert und teilweise wissenschaftlich untermauert worden. Zugleich wollten die Initiatoren ein Forum schaffen, "um der zunehmenden Kritik an Schiedsrichtern im Spitzensport bei gleichzeitig steigenden Anforderungen und Ansprüchen an deren unverzichtbare (Dienst-) Leistung zu begegnen oder zumindest besser begegnen zu können" (T. Stratemann, 2003).

Teilnehmende waren eingeladene Vertreter des Schiedsrichterbereiches "der großen Mannschafts- und ‚Mediensportarten’ wie Fußball, Basketball, Handball und Eishockey, forschende und bereits in der Praxis tätige Wissenschaftler sowie einige ausgewählte Schiedsrichter":

Teilgenommen haben (aus der Liste des DOI):

Dr. Andreas Höfer Wissenschaftlicher Leiter - Deutsches Olympisches Institut

Referenten:

  • Dr. Ralf Brand Diplom-Psychologe, Universität Stuttgart, Basketball-BL-SR
  • Dr. Hennig Plessner Diplom-Psychologe, Universität Heilberg

Basketball:

  • Michael Geisler Vizepräsident Deutscher Basketball-Bund (DBB), Vorsitzender der SR-Kommission
  • Markus Hesse Internationaler SR
  • Norbert Mosch Psychologe, Verhaltenstrainer, Polizeihochschule Thüringen/Erfurt, Coach und Betreuer Basketball-BL-SR
  • Otto Reintjes General Commissioner, s.Oliver-Basketball-BL
  • Boris Schmidt Internationaler SR, Mitglied der SR-Kommission des DBB, Aktivensprecher BL-SR
  • Uli Sledz Mitglied der SR-Kommission des DBB, Bereich "SR-Coaching"
  • Jens Staudenmayer Internationaler SR, Vorsitzender der IGBS e. V., Mitglied der SR-Kommission des DBB
  • Harald Steinhoff Mitglied der SR-Kommission des DBB
  • Thorsten Stratemann Bundesliga-SR, Vorstandsmitglied IGBS e. V.
  • Eishockey:

  • Walter Hospelt Diplom-Psychologe - SPI NRW - und Vermittler für AT und Schlüsselqualifikationen, begleitet SR des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) und Eishockeytrainer/innen im Ausbildungs-Bereich des LEV NRW
  • Richard Schürz DEB/Deutsche Eishockey-Liga (DEL)-SR
  • Klaus Stöger Schiedsrichterobmann des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB)
  • Fußball:

    • Dirk Brennecke Schiedsrichter-Obmann Hertha BSC Berlin, Generalsekretär Deutscher Baseball-/Softball-Verband
    • Heribert Bruchhagen Geschäftsführer Deutsche Fußball-Liga (DFL)
    • Hans Ebersberger Mitglied des SR-Lehrstabs des DFB, Chefredakteur Schiedsrichter-Zeitung
    • Kevin Langner Stellvertretender. SR-Obmann Hertha BSC Berlin
    • Michael Weiner Bundesliga- und FIFA-SR

    Handball:

    • Bob Hanning Trainer und Manager des Hamburger SV
    • Bernd Methe Internationaler SR
    • Manfred Prause Mitglied der Regel- und SR-Kommission
    • Peter Rauchfuß Schiedsrichterwart des Deutschen Handball-Bundes (DHB)

    Rugby:

    • Bernd Gabbei Bundesliga-SR

    Sportwissenschaft:

    • Wolfgang Neß Diplom-Psychologe, Universität Kassel

    Medien:

    • Hanns Ostermann Deutschlandradio Berlin
    • Tobias Oelmaier Sender Freies Berlin Hörfunk
    • Ulrich Meyer Fußball-Woche
    • Christian Sachs Sport-Informations-Dienst

    Ziele im Rahmen dieser Tagung, u.a.

    • Informationen und Erkenntnisse aus dem Bereich Sportwissenschaft und Praxis zum Thema ‚Schiedsrichter’ praxisnah zu nutzen,
    • Erfahrungen von Experten, Verantwortlichen aus Gremien und Kommissionen der "großen" Mannschafts- und Mediensportarten Fußball, Basketball, Handball und Eishockey und ihrer Schiedsrichter themenorientiert auszutauschen und
    • eine Agenda zu Entwicklungsaufgaben und zur grundsätzlichen Richtung beim Professionalisieren von SR-Ausbildungen anzudenken. (Dazu haben wir eine Tischvorlage entworfen, s. Anlage)

    Themen der Impuls-Referate

    • "Schiedsrichter im Stress: Von den Aufgaben eines modernen Spielleiters im Spitzensport",
    • "Vom Regelpolizisten zum Spielleiter: Ansprüche und Herausforderungen" und
    • "Irren ist menschlich: Warum Schiedsrichter immer Fehler machen werden!".

    Über eindeutige Beispiele in den anregenden Beiträge der Referenten wurde klar, wo uns Menschen Grenzen gesetzt sind, wie wir damit umgehen können, welche Konsequenzen und Chancen sich für SR und ihre Ausbildung ergeben. Die psychologisch-systemische Sicht eines Spiels mit daraus erwachsenden, förderlichen Hilfen für eine zeitgemäße SR-Ausbildung hätte stärker betont werden können.

    Themen in drei Arbeitsgruppen waren

    "Management im Spitzenschiedsrichterwesen", "Talentförderung und Ausbildungskonzepte" und "Im Fokus der Medien".

    Die Teilnehmenden spürten offen den sich ergebenden Fragestellungen nach, diskutierten engagiert, achtsam und respektvoll und waren sich einig über Chancen/Ergebnisse für ein Professionalisieren von SR-Ausbildung.

    Kurzfazit:

    Einmütig wurde geteilt, dass zur Professionalisierung im SR-Wesen, ein psychologisches Fördern, Stärken und Coachen gehört. Zum Wie gab es Unterschiede in der Praxis. Ein Profi-SR wurde derzeit aus unterschiedlichen Gründen ausgeschlossen. Aus einsehbaren Gründen wurde mehrheitlich vertreten, den SR-Bereich und die SR-Ausbildung in den Ursprungsverbänden zu belassen und nicht in die wirtschaftlich orientierten Ligen zu überführen. Vereine sollten sich stärker an der Finanzierung von SR-Ausbildung beteiligen, damit eine zeitgemäße Ausbildung stattfinden kann. Es wurde begrüßt, über weitere Treffen die unbestritten notwendige Professionalisierung in der SR-Ausbildung voranzubringen und evtl. zu vereinheitlichen bzw. sich gegenseitig dabei zu unterstützen.

    Vertreter der IGBS wollen ausführlich über Ablauf, Inhalte und Ergebnisse dieser fruchtbaren Tagung berichten. Darauf werden wir rechtzeitig hinweisen und in eigener Form berichten.

    An dieser Stelle möchten wir dem DOI für die herzliche Aufnahme und reibungslose Durchführung, den Referenten für ihre anregenden Impuls-Referate, allen Teilnehmenden für ihr respektvolles Miteinanderumgehen und den Initiatoren für die offene Atmosphäre der Auftakttagung "Vom Regelpolizisten zum Spielleiter" danken.


    ANLAGE

    W. Hospelt, Dipl. Psychologe K. Stöger, DEB-SR-Obmann

    Ausgeteilte Tischvorlage zur Tagung "Vom Regelpolizisten zu Spielleiter", Berlin, 14. und 15. Februar 2003

    "Psychologie im Sport": Ziele und Inhalte einer zeitgemäßen Schiedsrichterausbildung

    Akzeptanz förderndes Schiedsrichterverhalten

    1) Schiedsrichter unterscheiden sich weniger in fachlicher Sicht (z. B. Regelkenntnis, Laufvermögen), sie unterscheiden sich eher nach persönlichen Eigenschaften, sozialen Kompetenzen und psychologischen Fähigkeiten, mit denen sie ein Spiel regelkonform und sicher leiten können. Daher lohnt es z. B.:

    • Sich bewusst zu machen, was im Spiel "psychologisch passiert": u. a. Interessenkonflikte und soziale Beziehungen unter den Spielbeteiligten – Funktionen und Rollen, die ein Schiedsrichter sicher, ruhig und selbstbewusst ausfüllen sollte – Sich selbst beobachten lernen und weiteres mehr ... ;
    • Kommunikation umfassend verstehen: z. b. Eigenarten menschlicher Wahrnehmung beachten können– Arten und Formen von Botschaften berücksichtigen – Förderliches Umgehen mit Konfrontation beherrschen ... ; Körpersprache günstig nutzen: u. a. die Bedeutung der Signale von Augen, Gesicht, Händen, Füßen, Körperhaltung beachten und im Auftreten umsetzen ... .

    Über diese Ausbildungsaspekte kommen Schiedsrichter zum "Game Management", d. h. psychologisch gesehen: Sie stärken persönliche Eigenschaften und soziale Kompetenzen, sie zeigen sich als Führungspersonen, sie lösen sich darüber von Amts-Autorität, leiten ein Spiel mit Leistungs-Autorität und gewinnen so die notwendige Akzeptanz. Einer solchen Führungsperson vertrauen - psychologisch gesehen – die übrigen Beteiligten gerne die Spielleitung an.

    2) Schiedsrichter/innen (SR) brauchen bei diesem Prozess fachkundige und verständnisvolle Partner/innen, denn SR haben einen ‚schweren Stand’, da sich ihre Zielsetzung von den Zielen der anderen Spielbeteiligten wie Trainer und Spieler deutlich unterscheidet. In heutiger Zeit jedoch sind sie zusätzlichem Druck ausgesetzt, da Trainer und Spieler ihren Erfolgsdruck auf SR weitergeben. Jedes Mittel ist recht, um diese zu verunsichern und für ihre Ziele zu beeinflussen.

    In diesem Kontext sollte die Schiedsrichterweiterbildung künftig so bedürfnis- und teilnehmerzentriert wie möglich gestaltet werden. Begrenzungen ergeben sich auf der finanziellen Seite. Neben einer treffenden Aus- und Weiterbildung brauchen SR zusätzlich Toleranz und etwas mehr Anerkennung, mehr Unterstützung und Förderung nicht allein durch den Verband, sondern durch Vereine, deren Trainer und Spieler und von den Medien.

    Von SR werden zurecht stets gute Leistungen erwartet. Es erscheint daher zwingend notwendig, von den Beteiligten einer Sportart eine angemessene Einstellung gegenüber den Leistungen der SR erkennen zu können. An erster Stelle sollten 'profihafte' Schulungs- und Weiterbildungsvoraussetzungen geschaffen werden. Die Bereitstellung der benötigten finanziellen Mittel und der personellen Ausstattung muss das Interesse der Vereine und Verbände sein und darf nicht zum Großteil den SR selbst auferlegt werden.

    Von gut ausgebildeten Schiedsrichter/innen profitieren die anderen Spielbeteiligten, und ‚der Sport’ selbst, besonders in seiner gesellschaftlichen Wirkung. In diesem Zusammenhang scheint es angemessen, an die Vorbildwirkung von Wettkampfsportarten zu denken. Fairer oder unfairer Verlauf wirken auf das zuschauende Publikum, auch im Sinne einer passenden Nachwuchsförderung.

    © Walter Hospelt, K. Stöger - Köln, Füssen - Februar 2002

     

     

     

    Regeln

     Änderungen

     Ausarbeitungen

     Grundlagen

     Interpretationen

     Ordnungen

     Regelfragen

     Texte

     

    Schiedsrichter

     Ausbildung

     Förderung

     Fortbildung

     Frauen

     Funktionäre

     Kritik

     Porträts

     Presse

     Psychologie

     Technik

     Tipps

     Vereine

     

    Letzte Aktualisierung:
    23. Juli 2003

     

    © Axel Beckmann