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Führungsqualitäten

 

 

Autor: Steven Ellinger / Übersetzung: Dr. Norbert Esser

 

 

Gesucht: Schiedsrichter mit Führungsqualitäten

 

Dan CrawfordArtikel "Be a strong lead official" aus: Referee, Juni 1997

Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, den Sprung vom Highschool-Schiedsrichter zum College-Schiedsrichter zu schaffen? Oder den von Spitzenmannschaften im Jugend- zu denen im Seniorenbereich? Klar, viele Schiedsrichter wollen Karriere machen. Glauben Sie, daß Sie diesen Ansprüchen genügen und die Voraussetzungen erfüllen? Wonach suchen die Inspektoren bei ihrer Umschau? Was können Sie unter Campbedingungen tun, um sich von anderen Kandidaten positiv abzuheben?

Eines, nach dem College-lnspektoren suchen, sind Schiedsrichter mit Führungsqualitäten - ich will sie im folgenden Spielleiter nennen - sie suchen nicht nach Mitläufern. Spielleiter nehmen die Verantwortung ihres Amtes an. Mitläufer gibt es im Dutzend billiger, fast jeder kann ein solcher Schiedsrichter sein. Ein Spielleiter scheut sich nicht, den Stier bei den Hörnern zu packen und mutige, aber richtige (manchmal unpopuläre) Entscheidungen zu treffen.

Denken Sie einmal an gewisse Situationen in der Grauzone, wie sie während eines Spiels vorkommen. Zum Beispiel die Entscheidung, ob eine zweifelhafte Schutzvorrichtung an einem Spieler den Regeln nach zulässig ist oder nicht, oder ein Pfiff außerhalb Ihres hauptsächlichen Zuständigkeitsbereichs (nicht weil lhrem Partner die Sicht verdeckt war, sondern weil er diesen Pfiff einfach nicht machen wollte), oder ob eine Sperre legal gesetzt wurde, ob ein Foul, das scheinbar unabsichtlich aussah, mit Vorsatz begangen wurde, oder ob man einen Fehler des Anschreibers - wie nach unseren Regeln vorgeschrieben - bestrafen sollte.

Ein Mitläufer wurde vielleicht eher einem Spieler mit einer fragwürdigen Schutzvorrichtung die Teilnahme am Spiel gestatten als sich den Zorn dessen Trainers zuzuziehen. Denken Sie mal kurz über diesen Fall nach. Was würde geschehen, falls ein Spieler verletzt würde, nur weil sein Gegenspieler eine weich gepolsterte Plastikschiene trug? Die weiche Polsterung legalisiert ja nicht die Plastikschiene. Obwohl die Entscheidung, daß ein Spieler mit einem solchen Ausrüstungsgegenstand nicht spielen darf klar vorgeschrieben ist, würden viele Schiedsrichter den Weg des geringsten Widerstands gehen und dem Spieler die Teilnahme erlauben, vor allem dann, wenn ihm der Trainer deutlich macht, daß sein Spieler schon die ganze Saison mit dieser Schutzvorrichtung spielt.

Ein Mitläufer wird nicht in den Zuständigkeitsbereich seines Partners hineinpfeifen. Dennoch sollten solche Pfiffe dann erfolgen, wenn der Schiedsrichter in der Nähe der Spielaktion keine gute Position für den Pfiff hatte, wenn ihm die Sicht verdeckt war, oder wenn jeder in der Halle die Aktion vor der Nase des Schiedsrichters anders gesehen hat als dieser selbst. Spielleiter scheuen sich nicht, in solchen Situationen in den Bereich des Partners hinein zu pfeifen. Dennoch, seien Sie sich vorher 110 Prozent sicher, daß dieser Pfiff richtig ist und positiv zum Spiel beitragt.

Mitläufer pfeifen eine illegale Sperre nicht, da sie das ballferne Geschehen nicht beobachten, oder weil sie die Vorschriften für eine korrekte Sperre nicht genau genug kennen. Da Sperren meist abseits vom Ball gesetzt werden, laufen sie in der Regel sowieso unbeobachtet ab, selbst bei besseren Schiedsrichtern. Lernen Sie die Prinzipien der Regeln zur Sperre; sie sind nicht so kompliziert wie die NBA-RegeIn zum Thema "Illegale Mannschaftsverteidigung".

Ein Mitläufer pfeift kein Unsportliches Foul, und zwar wegen der damit verbundenen schwerwiegenderen Strafe. Denken Sie an Situationen, m denen ein Unsportliches Foul nicht gepfiffen wurde und das Spiel dann zunehmend härter wurde. Pfeifen Sie Unsportliche Fouls immer dann, wenn die Situationen dies erfordern, und Sie werden im weiteren Spielverlauf keine Probleme durch überharte Spielweise haben.

Weiterhin wird ein Mitläufer über einen Fehler des Anschreibers hinwegsehen, obwohl für diesen Sachverhalt eine Strafe verbindlich vorgeschrieben ist. Wenn Sie den Anschreibebogen vor der I0-Minutengrenze präventiv kontrollieren, werden Sie solche Regelverstöße weitgehend ausschließen. Obwohl Sie der Meinung sein mögen, daß bestimmte Strafen, vor allem die für Anschreiberfehler, einfach zu hart sind, ist niemand an dieser Ihrer Meinung interessiert, schon gar nicht der gegnerische Trainer. Setzen Sie einfach diese Regel um und verhängen Sie die vorgeschriebene Strafe.

Spielleiter scheuen sich nicht, diese Art von mutigen und manchmal unpopulären Entscheidungen zu treffen. Sie nehmen die Verantwortung ihrer Aufgabe an, vermeiden es aber, über Gebühr die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken oder das Spiel den Spielern 'wegzunehmen'.

Eine Möglichkeit zu erkennen, ob Sie bereits ein solcher Spielleiter sind oder diese Art einer Schiedsrichter-Persönlichkeit entwickeln können, bietet sich dann, wenn Sie mit einem schwachen Partner zu tun haben. Wenn Sie in das 'Rampenlicht' treten können und die Verantwortung übernehmen, dann verfügen Sie vielleicht über diese Mentalität und sind bereit für den nächsten Schritt nach oben. Ganz egal, welche Stufe Sie anstreben, arbeiten Sie an sich, ein Spielleiter zu sein, selbst wenn Sie mit Ihrer derzeitigen Einstufung glücklich und zufrieden sind. Solche Schiedsrichter-Persönlichkeiten werden auf allen Spielebenen gebraucht.

Selbst im Team mit einem - oder mit zwei Partnern bei einern Spiel mit drei Schiedsrichtern - ist nichts dagegen einzuwenden, wenn sich zwei oder drei Spielleiter gleichzeitig auf dem Feld befinden. Dies kommt in höheren Runden eines Wettbewerbs oft vor. Das Endturnier der NCAA Division I zum Beispiel wird von Leuten geschiedsrichtert, die während der regulären Saison als Schiedsrichter solche Führungspersonen sind. Ohne diese Eigenschaft hatten sie es überhaupt nicht soweit gebracht.

Der Schlüssel zum Erfolg im Team besteht darin, zu verhindern, daß zu viele egozentrische Führungspersönlichkeiten einer guten Gesamtleistung der Schiedsrichter entgegenarbeiten. Falls Sie bereits ein Spielleiter-Typ sind und lhr(e) Partner auf dem Feld ebenfalls, dann machen Sie sich klar, daß nicht jeder Schiedsrichter auf dem Feld die letztendliche Autorität für sich beanspruchen kann. Arbeiten Sie zusammen, um erfolgreiches Schiedsrichtern sicherzustellen. Am Ende geht es nicht darum, wer Recht hat, sondern was richtig ist. Dieses empfindliche Gleichgewicht muß erreicht werden, andernfalls nimmt das Spiel durch schiedsrichternde Egozentriker Schaden. Ihre  Führungsrolle oder Ihr Stil kann und wird sich von Spiel zu Spiel ändern, je nach den Erfordernissen des Spiels und den Erfordernissen Ihres Partners.


Die Grenze zwischen dem 'Überschiedsrichtern' einerseits, und jede Situation voll unter Kontrolle zu haben, ist sehr schmal. Das ist es, was die Spielleiter von der großen Masse der Mitläufer unterscheidet. Haben Sie das Zeug dazu ?

(Steven Ellinger, Anwalt in Houston, Texas, ist Schiedsrichter für Highschool und College Spiele. Er ist Direktor der Southwest Basketball Referees School an der Rice Universität)

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
31. Dezember 2002

 

© Axel Beckmann