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Artikel
"Be a strong lead official" aus: Referee,
Juni 1997
Haben Sie sich schon
einmal Gedanken darüber gemacht, den Sprung vom
Highschool-Schiedsrichter zum College-Schiedsrichter
zu schaffen? Oder den von Spitzenmannschaften im Jugend-
zu denen im Seniorenbereich? Klar, viele Schiedsrichter
wollen Karriere machen. Glauben Sie, daß Sie diesen
Ansprüchen genügen und die Voraussetzungen
erfüllen? Wonach suchen die Inspektoren bei ihrer
Umschau? Was können Sie unter Campbedingungen tun,
um sich von anderen Kandidaten positiv abzuheben?
Eines,
nach dem College-lnspektoren suchen, sind Schiedsrichter
mit Führungsqualitäten - ich will sie im folgenden
Spielleiter nennen - sie suchen nicht nach Mitläufern.
Spielleiter nehmen die Verantwortung ihres Amtes an.
Mitläufer gibt es im Dutzend billiger, fast jeder
kann ein solcher Schiedsrichter sein. Ein Spielleiter
scheut sich nicht, den Stier bei den Hörnern
zu packen und mutige, aber richtige (manchmal unpopuläre)
Entscheidungen zu treffen.
Denken
Sie einmal an gewisse Situationen in der Grauzone, wie
sie während eines Spiels vorkommen. Zum Beispiel
die Entscheidung, ob eine zweifelhafte Schutzvorrichtung
an einem Spieler den Regeln nach zulässig ist oder
nicht, oder ein Pfiff außerhalb Ihres hauptsächlichen
Zuständigkeitsbereichs (nicht weil lhrem Partner
die Sicht verdeckt war, sondern weil er diesen Pfiff
einfach nicht machen wollte), oder ob eine Sperre legal
gesetzt wurde, ob ein Foul, das scheinbar unabsichtlich
aussah, mit Vorsatz begangen wurde, oder ob man einen
Fehler des Anschreibers - wie nach unseren Regeln vorgeschrieben
- bestrafen sollte.
Ein Mitläufer
wurde vielleicht eher einem Spieler mit einer fragwürdigen
Schutzvorrichtung die Teilnahme am Spiel gestatten als
sich den Zorn dessen Trainers zuzuziehen. Denken Sie
mal kurz über diesen Fall nach. Was würde
geschehen, falls ein Spieler verletzt würde,
nur weil sein Gegenspieler eine weich gepolsterte Plastikschiene
trug? Die weiche Polsterung legalisiert ja nicht die
Plastikschiene. Obwohl die Entscheidung, daß ein
Spieler mit einem solchen Ausrüstungsgegenstand
nicht spielen darf klar vorgeschrieben ist, würden
viele Schiedsrichter den Weg des geringsten Widerstands
gehen und dem Spieler die Teilnahme erlauben, vor allem
dann, wenn ihm der Trainer deutlich macht, daß
sein Spieler schon die ganze Saison mit dieser Schutzvorrichtung
spielt.
Ein Mitläufer
wird nicht in den Zuständigkeitsbereich seines
Partners hineinpfeifen. Dennoch sollten solche Pfiffe
dann erfolgen, wenn der Schiedsrichter in der Nähe
der Spielaktion keine gute Position für den Pfiff
hatte, wenn ihm die Sicht verdeckt war, oder wenn jeder
in der Halle die Aktion vor der Nase des Schiedsrichters
anders gesehen hat als dieser selbst. Spielleiter scheuen
sich nicht, in solchen Situationen in den Bereich des
Partners hinein zu pfeifen. Dennoch, seien Sie sich
vorher 110 Prozent sicher, daß dieser Pfiff richtig
ist und positiv zum Spiel beitragt.
Mitläufer
pfeifen eine illegale Sperre nicht, da sie das ballferne
Geschehen nicht beobachten, oder weil sie die Vorschriften
für eine korrekte Sperre nicht genau genug kennen.
Da Sperren meist abseits vom Ball gesetzt werden, laufen
sie in der Regel sowieso unbeobachtet ab, selbst bei
besseren Schiedsrichtern. Lernen Sie die Prinzipien
der Regeln zur Sperre; sie sind nicht so kompliziert
wie die NBA-RegeIn zum Thema "Illegale Mannschaftsverteidigung".
Ein Mitläufer
pfeift kein Unsportliches Foul, und zwar wegen der damit
verbundenen schwerwiegenderen Strafe. Denken Sie an
Situationen, m denen ein Unsportliches Foul nicht gepfiffen
wurde und das Spiel dann zunehmend härter wurde.
Pfeifen Sie Unsportliche Fouls immer dann, wenn die
Situationen dies erfordern, und Sie werden im weiteren
Spielverlauf keine Probleme durch überharte Spielweise
haben.
Weiterhin
wird ein Mitläufer über einen Fehler des Anschreibers
hinwegsehen, obwohl für diesen Sachverhalt eine
Strafe verbindlich vorgeschrieben ist. Wenn Sie den
Anschreibebogen vor der I0-Minutengrenze präventiv
kontrollieren, werden Sie solche Regelverstöße
weitgehend ausschließen. Obwohl Sie der Meinung
sein mögen, daß bestimmte Strafen, vor allem
die für Anschreiberfehler, einfach zu hart sind,
ist niemand an dieser Ihrer Meinung interessiert, schon
gar nicht der gegnerische Trainer. Setzen Sie einfach
diese Regel um und verhängen Sie die vorgeschriebene
Strafe.
Spielleiter
scheuen sich nicht, diese Art von mutigen und manchmal
unpopulären Entscheidungen zu treffen. Sie nehmen
die Verantwortung ihrer Aufgabe an, vermeiden es aber,
über Gebühr die Aufmerksamkeit auf sich zu
lenken oder das Spiel den Spielern 'wegzunehmen'.
Eine Möglichkeit
zu erkennen, ob Sie bereits ein solcher Spielleiter
sind oder diese Art einer Schiedsrichter-Persönlichkeit
entwickeln können, bietet sich dann, wenn Sie mit
einem schwachen Partner zu tun haben. Wenn Sie in das
'Rampenlicht' treten können und die Verantwortung
übernehmen, dann verfügen Sie vielleicht über
diese Mentalität und sind bereit für den nächsten
Schritt nach oben. Ganz egal, welche Stufe Sie anstreben,
arbeiten Sie an sich, ein Spielleiter zu sein, selbst
wenn Sie mit Ihrer derzeitigen Einstufung glücklich
und zufrieden sind. Solche Schiedsrichter-Persönlichkeiten
werden auf allen Spielebenen gebraucht.
Selbst im Team mit
einem - oder mit zwei Partnern bei einern Spiel mit
drei Schiedsrichtern - ist nichts dagegen einzuwenden,
wenn sich zwei oder drei Spielleiter gleichzeitig auf
dem Feld befinden. Dies kommt in höheren Runden
eines Wettbewerbs oft vor. Das Endturnier der NCAA Division
I zum Beispiel wird von Leuten geschiedsrichtert, die
während der regulären Saison als Schiedsrichter
solche Führungspersonen sind. Ohne diese Eigenschaft
hatten sie es überhaupt nicht soweit gebracht.
Der Schlüssel
zum Erfolg im Team besteht darin, zu verhindern, daß
zu viele egozentrische Führungspersönlichkeiten
einer guten Gesamtleistung der Schiedsrichter entgegenarbeiten.
Falls Sie bereits ein Spielleiter-Typ sind und lhr(e)
Partner auf dem Feld ebenfalls, dann machen Sie sich
klar, daß nicht jeder Schiedsrichter auf dem Feld
die letztendliche Autorität für sich beanspruchen
kann. Arbeiten Sie zusammen, um erfolgreiches Schiedsrichtern
sicherzustellen. Am Ende geht es nicht darum, wer Recht
hat, sondern was richtig ist. Dieses empfindliche Gleichgewicht
muß erreicht werden, andernfalls nimmt das Spiel
durch schiedsrichternde Egozentriker Schaden. Ihre Führungsrolle
oder Ihr Stil kann und wird sich von Spiel zu Spiel
ändern, je nach den Erfordernissen des Spiels und
den Erfordernissen Ihres Partners.
Die Grenze zwischen
dem 'Überschiedsrichtern' einerseits, und jede
Situation voll unter Kontrolle zu haben, ist sehr schmal.
Das ist es, was die Spielleiter von der großen
Masse der Mitläufer unterscheidet. Haben Sie das
Zeug dazu ?
(Steven Ellinger, Anwalt
in Houston, Texas, ist Schiedsrichter für Highschool
und College Spiele. Er ist Direktor der Southwest Basketball
Referees School an der Rice Universität)
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