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Die
Fortbildung für Trainer und für Schiedsrichter am Wochenende
9./10. September schloß in sehr erfolgreicher Form an
ähnliche Veranstaltungen früherer Zeiten an. Neu und
zukunftsweisend war, daß die Programmgestaltung diesmal
einen für beide Gruppen gemeinsamen Programmpunkt
vorsah.
Alan
Richardson aus England referierte vor der "Bundesversammlung",
also vor beiden Interessengruppen über die aktuellen
Regeländerungen und darüber, welche Bedeutung diese
für Schiedsrichter und Coaches haben. Seinen Ausführungen
folgten beide "Parteien" mit sichtlicher Aufmerksamkeit,
wenn auch diesmal noch auf den Tribünen streng getrennt.
Wie ich vernahm ist ein Versuch geplant, auch diese
Barriere abzubauen und demnächst zu einer Aussprache
Coaches mit Refs zu laden. Auch dies ist nichts Neues.
Viel Glück dafür! Im Licht früherer Erfahrungen wird
man sicherlich in Kauf nehmen müssen etliches an Zeit
dafür vorzusehen, daß sich beide Gruppen zunächst auf
eine gemeinsamen Sprache einigen und einander zuhören.
Hier
allerdings möchte ich auf einen anderen Schwerpunkt
aus den Referaten von Alan eingehen. In seinem Grundsatzreferat
am ersten Tag der "Schiedsrichter-Clinic"
beschrieb er die Kernstücke der Stufen des Werdegangs
eines Schiedsrichters wie folgt:
1.
Regeln und Bewegungstechnik (rules and mechanics)
2.
"Managing the players"
3.
"Managing the game".
Diese
Entwicklungsvorgabe entspricht vom Inhalt her weitgehend
dem Modell des "abgestuften Einsatzes von freien
Aufmerksamkeits-Kapazitäten" und bedeutet sinngemäß,
daß der Schiedsrichter in der ersten Phase seiner Laufbahn
voll damit ausgelastet ist, die Regeln richtig anzuwenden
und sich zweckmäßig auf dem Spielfeld zu bewegen. Seine
volle Aufmerksamkeit wird also von diesen Elementen
in Anspruch genommen. Sind dann die Anwendung der Regeln
und die Bewegung auf dem Spielfeld weitgehend internalisiert,
wird ein Teil seiner Aufmerksamkeit frei für "managing"
der Spieler. In dieser Entwicklungsstufe kann man diesen
Terminus sicherlich als "führen" oder "leiten"
verstehen. Die Aufmerksamkeit des Schiedsrichters ist
dabei noch immer in erster Linie auf das Spielfeld ausgerichtet.
Die
nunmehr frei gewordene Aufmerksamkeits-Kapazität kann
er dafür einsetzen, durch geeignete Formen der "Einflußnahme"
auf die Spieler, durch "pfeifen" oder durch
"nicht pfeifen", aber auch durch sinnvolle
Kommunikation eine problemlose Abwicklung des Spieles
anzustreben. Beim Schiedsrichter der höchsten Leistungsstufe
erfolgt die Anwendung der Regeln weitestgehend in Form
von bedingten Reflexen und seine Bewegungstechnik auf
dem Spielfeld berücksichtigt die gesamte Spielsituation.
Die nunmehr freien Aufmerksamkeits-Kapazitäten versetzen
ihn in die Lage, auch das Spiel zu "managen".
Dabei bedeutet dieses eingedeutschte Wort in dieser
Phase weniger "führen" oder "leiten",
sondern eher, einem Übersetzungsvorschlag von
Harald Reinbacher folgend im weiteren Sinn "machbar
machen", hier also "spielbar machen".
Das
Spiel attraktiv zu machen für alle Beteiligten, für
die Spieler, die Coaches und die Zuschauer. Die "Führungsfunktion"
des Schiedsrichters wirkt dann auf das gesamte Spielgeschehen:
Auf das Geschehen auf dem Spielfeld und auf das Umfeld
des Spielgeschehens, in der Zeit vor dem Spiel und danach,
manchmal noch sehr lange danach! Dessen ist sich der
Spitzen-Referee bewußt und gestaltet sein gesamtes Verhalten
dementsprechend.
Ein
wesentliches Element beim "managen" des Spieles
durch den Schiedsrichter ist nach Alans Überzeugung
die Kommunikation. "The coaches want to communicate"
waren seine Worte. Und der Schiedsrichter sollte sich
seiner Meinung nach diesem Wunsch nicht verschließen.
Dazu ist
zu bemerken, daß diesem Wunsch nur dann entsprochen
werden kann, wenn der Schiedsrichter dafür genügend
Aufmerksamkeits-Kapazitäten frei hat. Dies hängt von
der Erfahrenheit des Referees ab, aber auch von der
Spielphase. Im intensiven Spielgeschehen besteht sicher
auch für Top-Leute dafür keine Möglichkeit.
An
die Spielern gerichtet sollte die Kommunikation eher
Führungsmittel sein. Sie kann aber auch als "preventing
refereeing" eingesetzt werden, als vorbeugendes
Pfeifen also, indem sie die Form von Warnungen hat,
mit denen Toleranzgrenzen vorgegeben werden. Diese sollten,
laut Alan dann aber auch an den Coach weitergegeben
werden.
In allen
Fällen des Eingehens auf Äußerungen von Spielern und
Coaches hat jedoch zu gelten: Fragen sollten beantwortet
werden, Feststellungen sind zu ignorieren, Beleidigungen
sind zu bestrafen.
Alan hat
diese Vorgaben nach eigenen Worten ausschließlich an
die Gruppe der Schiedsrichter höchster Leistungsstufe
gerichtet. Und wer schon Zeuge seiner Redegewandtheit
war, versteht seine Zuversicht, daß Konflikten durch
geeignete Kommunikation vorgebeugt werden kann. Insbesondere
dann, wenn sich bei Äußerungen Schlagfertigkeit
mit Humor paart. Das allerdings ist nicht jedermanns
Sache. Manchmal jedoch findet man es völlig unerwartet,
wie die folgende Episode aus dem österreichischen Basketballgeschehen
zeigt. Ich wurde daran erinnert, als Alan zu diesem
Thema eine Glosse gleichen Inhalts aus dem internationalen
Spitzenbasketball zum Besten gab. Vor Jahren war in
Wien eine schillernde Persönlichkeit namens Günther
Schaffer als Basketball-Manager tätig. In dem Bemühen,
mehr Zuschauer in die Halle zu bringen, als dies in
Wien möglich war, startete er den Versuch, die Heimspiele
seines Meisterclubs außerhalb von Wien zu spielen. Das
Spiel, um das es hier geht, fand in Hollabrunn statt.
Wie es seine Gewohnheit war, hielt sich Günther nicht
im Zuschauerraum auf, sondern bei der Spielerbank, von
wo er, auch dies war seine Angewohnheit, nicht nur das
Spielgeschehen, sondern auch die Schiedsrichterentscheidungen
lautstark kommentierte. Dies war schließlich dem Referee
zu viel und er forderte Schaffer auf, auf der Tribüne
Platz zu nehmen.
Darauf dieser:
"Ich bleibe hier! Wissen sie nicht wer ich bin?"
Darauf der Unparteiische: "Das weiß ich nicht!
Aber ich, ich bin der Bäckermeister Kaiplinger aus Steyr
und sie gehen jetzt sofort auf die Tribüne!". Dies
löste bei allen, die es gehört hatten, verständlicherweise
größtes Amüsement aus. Günther Schaffer seinerseits
hatte keine andere Wahl, als der Aufforderung nachzukommen.
Zunächst
muß ich alle, die schon einmal meinen Vortrag über die
"Philosophie des Coachens" gehört haben, ersuchen,
im Zitat aus dem Dschungelbuch von Rudyard Kipling eine
kleine Korrektur anzubringen. Die von mir bei dieser
Gelegenheit stets zitierte Stelle stammt aus dem "neuen
Dschungelbuch" in deutscher Übersetzung und findet
sich in der Geschichte "die Totengräber".
Allerdings nicht dort, wo ich sie aus dialektischen
Gründen gerne hin plaziere. Dies tut aber dem Sinn des
Zitates keinen Abbruch. Wenn ich hier die richtige Passage
kurz skizziere, möchte ich hiermit dem Autor gebührend
Ehre erweisen. Auch diese Erzählung handelt in Indien,
allerdings nicht von Mowgli und seinem Leben im Dschungel.
Es geht vielmehr um ein Gespräch zwischen drei "Totengräbern"
und zwar einem Schakal, einem Geier und dem Magger,
einem riesigen Krokodil von, wie Kipling anführt, über
24 Fuß Länge, einem wahren Monstrum also, älter als
der Älteste im nahen Dorf, Dämon der Furt, Mörder, Menschenfresser
und Orts-Fetisch in einem. Zunächst jedoch unterhalten
sich nur der Schakal und der Geier am Ufer des Flusses,
in dem der Magger seit langer Zeit sein Unwesen trieb.
Sie sprechen über die schlechten Zeiten, über die Dorfhunde,
die ihnen das Leben noch schwerer machen und über Geschehnisse
in den Dörfern, die für Aasfresser wie sie es sind,
für "Totengräber" also Bedeutung haben. Dabei
fing das ruhelose Auge des Schakals "denkbar kleinstes
Kräuseln des Wasser" auf. Kurz darauf schiebt sich
das Krokodil an Land "mit einem weichen, knirschenden
Laut, wie wenn ein Boot in seichtem Wasser auf Grund
liefe". Der Schakal, der beinahe zu knapp am Wasserrand
gewesen war, kreiselte schnell herum und sah dem Wesen
ins Gesicht, was laut Kipling die beste Art ist, sich
einer Gefahr zu stellen. Zugleich ließ er rückwärts
kriechend eine Begrüßungs-Tirade los, mit der er die
Begegnung mit dem "Beschirmer der Armen" als
eine glückselige pries. Er hatte aber gesprochen "just
um vernommen zu werden, denn er wußte, daß Schmeicheleien
am besten zogen, um Fressen zu erschnappen; der Magger
wußte, daß der Schakal deshalb gesprochen, der Schakal
wußte, daß der Magger wußte, und der Magger wußte, daß
der Schakal wußte, daß der Magger wußte; so waren sie
alle ganz zufrieden miteinander". Soweit das Zitat.
Was hat dieses nun mit Basketball zu tun? Nun - aus
meiner Sicht stellt dieses Zitat in einprägsamer Form
auch das taktische Verhalten von Coaches im Spiel dar,
ohne daß ich sie dadurch zu "Totengräbern"
machen will. Ein Coach zum Beispiel wird durch einen
ungewollten Spielverlauf zu einer Auszeit gezwungen.
Er muß nun der Mannschaft die Änderung der Taktik vermitteln.
Das weiß aber auch der Coach des anderen Teams und wird
möglicherweise entsprechend reagieren. Das wiederum
weiß der in Bedrängnis geratene Coach und läßt dieses
Wissen in die taktische Wende einfließen, was aber sein
Gegenüber ebenfalls weiß (oder zu wissen glaubt), und
so weiter, und so weiter! Wer dann am Ende mehr wußte,
der ist dann der Erfolgreichere. Kezojevich hat dies
einmal "Schach auf dem Basketballfeld" genannt,
was die Situation ebenfalls treffend beschreibt. Nun
aber zum Kern des Ganzen wie ich ihn sehe. Der Vortrag
von Alan Richardson vor den Coaches und Schiedsrichtern,
schien über weite Strecken eine Fortbildungsveranstaltung
für Coaches und andere Mannschaftsbegleiter
zu sein mit dem Inhalt, wie Schiedsrichter "zu
behandeln" sind. Der eine oder andere hat sich
sicherlich Notizen gemacht um das eine oder andere demnächst
selbst auszuprobieren. Alan, selbst ein sehr erfahrener
Schiedsrichter und Kommissar, der immer wieder die Kommunikation
sucht, wollte aber nur zeigen, daß es kaum etwas in
diesem Bereich gibt, was neu erfunden werden kann! Die
Schiedsrichter kennen das alles; und das sollten auch
die Coaches wissen; und die Schiedsrichter würden gerne
wissen, daß es auch die Coaches wissen, und dann wären
alle zufrieden miteinander! Es sollten also Coaches
und Mannschaftsbegleiter ihre wertvolle Zeit nicht damit
verschwenden, "Originelles" zu erfinden, wie
man den Schiedsrichter beeinflussen könnte. Es gibt
nichts Neues in diesem Bereich, alles ist schon da gewesen
und daher bekannt. Derartige Maßnahmen sind ja auch
Gegenstand der Besprechung der Schiedsrichter vor dem
Spiel zusammen mit den der Situation entsprechenden
Reaktionen. Es sollte lieber der sportliche Weg der
ehrlichen Kooperation gewählt werden. Für den guten
Schiedsrichter sind die wahrhaft motivierenden Coaches
jene, die die Regeln ebenso gut kennen, wie er selber.
Ein solcher war zum Beispiel der unvergeßliche Hluchy.
Ein erstauntes Dreinschauen nach einer schwachen Entscheidung
war bei ihm wesentlich eindrucksvoller und für den Referee
Anlaß zu Selbstanalyse, als das Aufspringen, das wilde
Gestikulieren und das Brüllen zahlreicher anderer seiner
Kollegen!
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