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Quelle: NASO Locker Room Volume 3 Number 2; Februar 2002 / Übersetzung und Anpassung an deutsche Verhältnisse: Axel Beckmann

 

 

Akzeptanz, wie weit geht sie bei Dir selber?

 

 

Originaltitel: What's Your Acceptance Level?

In den golden Jahren des Fernsehens beendete der berühmte Nachrichtensprecher Walter Cronkite seine Sendung mit den Worten: "And that's the way it is." [Frei übersetzt: "Und so ist es eben"]. Dieser berühmte Ausspruch spiegelte seinen Stil wieder und sehr wahrscheinlich auch die Art, wie er war.

Dieser Satz beschreibt teilweise auch die Schiedsrichter. Wir analyisieren kontinuierlich Situationen und machen Regeln. Wir erwarten, dass andere unsere Entscheidungen akeptieren - und möglicherweise haben wir die Phrase geäußert: "So ist es eben".

Aber akzeptieren wir selbst unsere Umgebung? Zu oft ist es so, dass die Frustration, die mit dem Schiedsrichtern zusammenhängt, von unserer eigenen Unfähigkeit herrührt, bestimmte Sachen zu akzeptieren. Peter McWilliams schreibt in seinem New York Times Bestseller "Life 101": "Akzeptanz ist kein Zustand der Passivität oder Nichtaktivität. Ich sage nicht, dass Du nicht die Welt ändern, Richtiges verfälschen oder Schlechtes durch Gutes ersetzen kannst. Akzeptanz ist aber in Wirklichkeit der erste Schritt einer erfolgreichen Aktion. Wenn Du eine Situation nicht genauso akzeptierst wie sie ist, wirst Du Schwierigkeiten haben, sie zu ändern. Noch weitergehend ist es eigentlich so, dass Du nie wissen kannst, ob eine Situation überhaupt geändert werden sollte, wenn Du dieselbe nicht voll akzeptierst."

Akzeptiere andere. Viele Schiedsrichter beschweren sich über Trainer und Spieler - manchmal auch über ihre Kollegen. "Coach Smith war wieder unmöglich gestern. Er hat jeden Pfiff hinterfragt. Er hat sich überhaupt nicht um das Coachen der Jugendlichen gekümmert. Er hat auf niemanden gehört." Hört sich bekannt an? Was wäre, wenn wir den Coach akzeptieren als das, was er ist - ein Trainer. Sobald wir die Tatsache akzeptieren, dass ein Coach niemals die Dinge so sehen wird wie wir, weil er ein unterschiedliches Interesse am Ausgang des Spiels hat, werden wir viel besser verstehen können, warum er so handelt. Beachte, wir sagen nicht, dass ein Coach nicht für sein schlechtes Benehmen bestraft werden soll. Akzeptanz bedeutet lediglich, dass wir verstehen, warum er sich so benimmt. Akzeptieren wir ihn, werden viel weniger aufgeregt sein und seine Aktionen nicht persönlich nehmen.

Das gleiche gilt für Spieler. Auch sie haben ganz andere Interessen am Spiel. Wir müssen akzeptieren, dass Spieler weniger respektvoll sind, als sie es vielleicht eigentlich sein sollten. Es unterscheidet sich nicht von der Behandlung von Polizisten, Lehrern usw. Wenn wir akzeptieren und verstehen, dass Dinge unterschiedlich sind, können wir unsere Grundsätze des Spiels zum Korrigieren des Spielerverhaltens so gut wie möglich in den zwei Stunden, die wir Einfluß auf die Spieler haben, anwenden - also während des Spiels. Kinder, die rosa Haare während des Spiels haben, dürfen Dich nicht beeinflussen. Wenn Du die Haarfarbe nicht akzeptierst, nicht begreifst, dass dies ein gesellschaftlicher Trend ist, wirst Du ärgerlich werden und frustriert sein - zwei Eigenschaften, die Dich nicht korrekt pfeifen lassen. Akzeptiere es zuerst, dann kannst Du damit umgehen, wenn es denn etwas ist, womit Du umgehen musst.

Schiedsrichter beschweren sich auch über andere Schiedsrichter. "Ich verstehe nicht, wie Joe ein Play-off-Spiel bekommen konnte. Er ist nicht besonders gut. Er muss den Coaches den Hintern geküsst haben." Diese negative Denken kann Dein Ansehen schädigen. Kannst Du wirklich etwas gegen die Nominierung tun? Nein. Akzeptiere sie. Du wirst dann weniger rummeckern und Dich mehr auf Deine eigene Verbesserung konzentrieren.

Akzeptiere Deinen Platz. Unbestreitbar hängt viel Frust der Schiedsrichter damit zusammen, dass sie die Leiter nach oben klettern wollen. Die meisten Menschen haben den inneren Drang dazu, der Beste zu sein. Wir mögen es nicht gerne, wenn wir dies nicht sind. Das ist okay - wenn Du akzeptierst, dass man nicht immer der Beste sein kann.

Es gibt wahrscheinlich kein besseres Beispiel als die Nominierung für die Play-Offs. Viele Schiedsrichter wollen diese pfeifen. Nur wenige werden es schaffen. Die restlichen sind frustriert. Sie denken über ihre Fehler nach, übertragen ihre Bitterkeit in die zukünftigen Spieler oder hören auf.

Vieles dieser Frustrationen hängt mit dem Mangel an Akzeptanz zusammen. Nicht jeder kann das nächste Level erreichen. Nicht jeder kann ein Play-Off- oder Erstliga-Schiedsrichter sein. Vielleicht fehlt Dir etwas um ein Erstliga-Schiedsrichter zu sein. Aber möglicherweise hast Du alles, um ein sehr guter Zweitliga-Schiedsrichter zu sein.

Analysiere Deine eigene Situation und akzeptiere wo Du bist. Nur dann kannst Du (a) glücklich mit Deiner Situation sein und das Pfeifen auf jeglichem Niveau mit Spaß betreiben, oder (b) arbeite an der Verbesserung Deiner Leistung, um eine neue Chance für den Aufstieg zu erhalten. Beides macht Dich zu einem besseren Menschen, und gleichzeitig zu einem besseren Schiedsrichter.

Wie schon McWilliams schrieb, Akzeptanz bedeutet nicht, dass wir einfach die Hände hochheben und aufgeben. Es bedeutet in erster Linie, sich selbst zu verstehen, dann andere. "And that’s the way it is."

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
31. Dezember 2002

 

© Axel Beckmann