Am Sonntag steht Schiedsrichter Dr. Markus Merk vor
seinem 229. Bundesliga-Spiel. Der Leiter des letztjährigen
Champions-League-Finales ist einer der profiliertesten
und erfahrensten Referees in Deutschland - und wird
langsam zum Spezialisten für eine ganz bestimmte
Spielpaarung: Bayern gegen Dortmund. Am Sonntag
ist es wieder so weit - das Duell der beiden deutschen
Top-Klubs der letzten Jahre, die sich neun der letzten
zehn Meisterschaften teiten, steht bevor. Dortmund
gegen Bayern, gelb gegen rot - das war in den letzten
Jahren immer eine Garantie fuer viel "Gelb"
und viel "Rot". In den letzten zehn Duellen
gab es im Schnitt 5,7 Gelbe Karten, 0,5 Gelb-Rote und
0,3 Rote Karten pro Partie. Nur die Kombination Leverkusen
gegen Bremen bringt es im Vergleichszeitraum auf ähnlich
hohe Werte (6,1 Gelbe Karten, 0,1 Gelb-Rote und 0,4
Rote Karten pro Partie).
Den
meisten Fussball-Fans noch im Gedächtnis geblieben ist
das 1:1 zwischen der Borussia und dem Rekordmeister
am 7. April 2001. Schiedsrichter Hartmut Strampe verteilte
insgesamt zehn Gelbe Karten, schickte die Bayern-Akteure
Lizarazu (Gelb-Rot) und Effenberg (Rot) vom Feld sowie
kurz vor dem Ende auch noch Dortmunds Evanilson nach
grobem Foulspiel an Sergio. Der kicker bewertete damals,
Strampe habe bei den persönlichen Strafen oft richtig
gelegen, sich aber ansonsten eklatante Fehlentscheidungen
geleistet (Note 5). Uli Hoeness lästerte, er habe noch
nie einen Schiedsrichter gesehen, der so viele Fehler
gemacht habe.
Nicht
viel besser erging es am 9. November 2002 dem jungen
Schiedsrichter Michael Weiner. Umstritten seine Gelb-Rote
Karte gegen Frings, bei einem überharten Einsteigen
Elbers gegen Lehmann blieb die Rote Karte jedoch in
der Tasche. Nach zweimaligem Meckern flog dann Jens
Lehmann vom Platz, musste durch Jan Koller als "Ersatz-Keeper"
(der im Übrigen seine Rolle hervorragend ausfüllte)
ersetzt werden. "Ich hoffe, dass dieser Mann erst
mal kein Spiel mehr pfeifen darf", so Lehmann nach
dem Spiel. Nach der Partie hatte Merk als "alter
Hase" nach eigenen Angaben Weiner angerufen und
munterte ihn auf: So ein Spiel würde ihn enorm weiterbringen,
durch die Kritik müsse er nun durch.
Merk
selber war es, der im Rückspiel ein schweres Erbe antrat
– und das Spiel bravourös meisterte. "Der mit Abstand
beste Mann auf dem Platz", urteilte der kicker.
Exakt ein Jahr nach Weiners "Grosskampftag"
steht der Klassiker wieder auf dem Programm. Und es
kann gut sein, dass die Emotionen erneut hochkochen,
sind beide Teams doch - gemessen an den eigenen Ansprüchen
- alles andere als zufriedenstellend in die Saison gestartet.
Der
Verlierer läuft Gefahr, den Anschluss an die Tabellenspitze
erst einmal zu verlieren.
Und
erneut soll Dr. Markus Merk ran. Eine Garantie, dass
erneut alles glatt läuft, sei mit seiner Person aber
nicht verbunden, wiegelt er ab. Im April habe er vor
dem Spiel gespürt, "dass ich super drauf bin".
Vom ersten Foul an habe er aus seiner Sicht die richtige
Linie in das Spiel gebracht. Dennoch freut sich der
41-Jährige auf den Sonntag: "Bayern gegen Dortmund
- das ist der Klassiker, auch für mich als Schiedsrichter."
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