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Presse | Fußball

 

 

Quelle: Kicker Newsletter vom 5. November 2003

 

 

Viel Gelb und Rot bei Gelb gegen Rot

 

Am Sonntag steht Schiedsrichter Dr. Markus Merk vor seinem 229. Bundesliga-Spiel. Der Leiter des letztjährigen Champions-League-Finales ist einer der profiliertesten und erfahrensten Referees in Deutschland - und wird langsam zum Spezialisten für eine ganz bestimmte Spielpaarung: Bayern gegen Dortmund. Am Sonntag ist es wieder so weit - das Duell der beiden deutschen Top-Klubs der letzten Jahre, die sich neun der letzten zehn Meisterschaften teiten, steht bevor.

Dortmund gegen Bayern, gelb gegen rot - das war in den letzten Jahren immer eine Garantie fuer viel "Gelb" und viel "Rot". In den letzten zehn Duellen gab es im Schnitt 5,7 Gelbe Karten, 0,5 Gelb-Rote und 0,3 Rote Karten pro Partie. Nur die Kombination Leverkusen gegen Bremen bringt es im Vergleichszeitraum auf ähnlich hohe Werte (6,1 Gelbe Karten, 0,1 Gelb-Rote und 0,4 Rote Karten pro Partie).

Den meisten Fussball-Fans noch im Gedächtnis geblieben ist das 1:1 zwischen der Borussia und dem Rekordmeister am 7. April 2001. Schiedsrichter Hartmut Strampe verteilte insgesamt zehn Gelbe Karten, schickte die Bayern-Akteure Lizarazu (Gelb-Rot) und Effenberg (Rot) vom Feld sowie kurz vor dem Ende auch noch Dortmunds Evanilson nach grobem Foulspiel an Sergio. Der kicker bewertete damals, Strampe habe bei den persönlichen Strafen oft richtig gelegen, sich aber ansonsten eklatante Fehlentscheidungen geleistet (Note 5). Uli Hoeness lästerte, er habe noch nie einen Schiedsrichter gesehen, der so viele Fehler gemacht habe.

Nicht viel besser erging es am 9. November 2002 dem jungen Schiedsrichter Michael Weiner. Umstritten seine Gelb-Rote Karte gegen Frings, bei einem überharten Einsteigen Elbers gegen Lehmann blieb die Rote Karte jedoch in der Tasche. Nach zweimaligem Meckern flog dann Jens Lehmann vom Platz, musste durch Jan Koller als "Ersatz-Keeper" (der im Übrigen seine Rolle hervorragend ausfüllte) ersetzt werden. "Ich hoffe, dass dieser Mann erst mal kein Spiel mehr pfeifen darf", so Lehmann nach dem Spiel. Nach der Partie hatte Merk als "alter Hase" nach eigenen Angaben Weiner angerufen und munterte ihn auf: So ein Spiel würde ihn enorm weiterbringen, durch die Kritik müsse er nun durch.

Merk selber war es, der im Rückspiel ein schweres Erbe antrat – und das Spiel bravourös meisterte. "Der mit Abstand beste Mann auf dem Platz", urteilte der kicker. Exakt ein Jahr nach Weiners "Grosskampftag" steht der Klassiker wieder auf dem Programm. Und es kann gut sein, dass die Emotionen erneut hochkochen, sind beide Teams doch - gemessen an den eigenen Ansprüchen - alles andere als zufriedenstellend in die Saison gestartet.

Der Verlierer läuft Gefahr, den Anschluss an die Tabellenspitze erst einmal zu verlieren.

Und erneut soll Dr. Markus Merk ran. Eine Garantie, dass erneut alles glatt läuft, sei mit seiner Person aber nicht verbunden, wiegelt er ab. Im April habe er vor dem Spiel gespürt, "dass ich super drauf bin". Vom ersten Foul an habe er aus seiner Sicht die richtige Linie in das Spiel gebracht. Dennoch freut sich der 41-Jährige auf den Sonntag: "Bayern gegen Dortmund - das ist der Klassiker, auch für mich als Schiedsrichter."

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
5. November 2003

 

© Axel Beckmann