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Presse | Fußball

 

 

Quelle: Westfälischer Anzeiger 22. Oktober 2003

 

 

CR Bergkamen will Schiedsrichter umstimmen

 

FUSSBALL Marcel Wewer besteht auf seiner Anzeige, nachdem er am Sonntag von einem Spieler krankenhausreif geschlagen wurde

HAMM · Der Spielabbruch beim Kreisliga-B-Spiel SC Westtünnen II - City Rangers Bergkamen zieht weite Kreise. Wie Kreisschiedsrichterobmann Michael Allery mitteilte, haben sich mittlerweile Kollegen bei ihm gemeldet, die sich in Zukunft weigern wollen, Spiele der Bergkamener zu pfeifen. "Ich kann keinen zwingen, und wenn die Spiele ausfallen, dann fallen sie eben aus."

Am Sonntag hatte ein Bergkamener Spieler den Schiedsrichter Marcel Wewer vom TuS Lohauserholz mit einer Stange krankenhausreif geschlagen. Wewer hatte fünf CR-Spieler des Feldes verwiesen und anschließend das Spiel abgebrochen. Um was für eine Stange es sich genau handelt, daran wird noch gerätselt. Westtünnens Abteilungsleiter Wolfgang Budde meint, es sei die Linienrichterfahne gewesen. Andere Augenzeugen sprechen von einer "dünnen Eisenstange". Auch Ali Öztürk, der Trainer der City Rangers Bergkamen, meint in einem Interview mit der Westfälischen Rundschau in Kamen, dass es sich wohl um eine Linienrichterfahne gehandelt habe, doch: "So genau habe ich das Ganze aber nicht gesehen." Außerdem meint er, dass der Schiedsrichter eine gewisse Teilschuld am Geschehen habe. Öztürk wird zitiert: "Der war von Anfang an gegen uns." Wewer habe vor Spielbeginn angedeutet, dass man mit ihm keine ‚Männekes‘ machen könne. Ali Öztürk: "Die erste Karte war korrekt, die anderen sehr umstritten."

Derweil sieht sich Marcel Wewer von Seiten des Bergkamener Vereins massiv unter Druck gesetzt. Am Montagabend tauchte eine Bergkamener Delegation in seiner Wohnung im Hammer Westen auf, um sich zu entschuldigen und ihn dazu zu bewegen, die Anzeige zurück zu ziehen. Wewer: "Weiter als bis in den Flur sind sie nicht gekommen, denn Körperverletzung kann man nicht mit einem Blumenstrauß aus der Welt schaffen."

Am Dienstag gegen 11.50 Uhr bekam er dann einen Anruf von einem Mann, der sich als Vater des Spielers ausgab, der ihm die Stange auf den Kopf geschlagen hatte. Wewer: "Der Mann gab an, dass er von den Vorkommnissen gehört habe und seinem Sohn deutlich die Meinung dazu gesagt hätte. Er sei der Meinung, dass dieser Vorfall nichts mit Sport zu tun habe. Danach wollte er wissen, welche Folgen nun auf seinen Sohn zukommen werden. Ich entgegnete, dass ich keine Angaben zu irgendwelchen Strafmaßen machen könne, dass er sich aber neben der Spruchkammerverhandlung und der Verhandlung vor dem Strafgericht auf einen Zivilrechtsprozess einstellen könne. Daraufhin fragte der Vater, ob die Möglichkeit bestände, diesen Vorfall nicht an die große Glocke zu hängen und ihn unter der Hand klären zu wollen. Ich signalisierte ihm, dass an dieser Verfahrensweise meinerseits kein Interesse besteht. Daraufhin argumentierte er erneut, dass es nur sportlich sei, die Anzeige zurück zu nehmen, weil sein Sohn keine Lust habe, über einen solch langen Zeitraum die Folgen eines einzigen Tages zu spüren. Auf diese Weise würde das Lebensglück seines Sohnes, der gerade geheiratet habe, zerstört. Man müsse ja strafmildernde Umstände sehen, weil sich sein Sohn entschuldigt habe, so dass die Rücknahme der Anzeige ja gerechtfertigt sei. Ich entgegnete nur, dass eine Entschuldigung nach so einem Vorfall schlicht und einfach nur das Mindeste sei und machte ihm abermals klar, dass ich nicht bereit bin, meine Anzeige zurück zu nehmen und meinen Rechtsanwalt eingeschaltet habe bzw. einschalten werde. Daraufhin äußerte er sich, dass er vermute, dass es mir nur darum ginge, berühmt zu werden, da die örtlichen Medien ja reichlich von diesem Vorfall berichteten. Ich unterbrach ihn und fragte ihn, ob er sich dessen bewusst sei, was er da gerade von sich gegeben hat, und sagte ihm, dass ich gerne auf diese Art des Berühmtwerdens hätte verzichten können. Nachdem er seine Äußerung aber wiederholte, brach ich das Gespräch ab."

Nach Angaben der City Rangers Bergkamen hat man gleich zwei Spieler nach den Vorfällen vom Sonntag in Westtünnen aus dem Verein geworfen. Der Beschuldigte selbst gab an, dass er sich gewehrt habe, weil er sich in dem Durcheinander angegriffen gefühlt habe. tt

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
29. Oktober 2003

 

© Axel Beckmann