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Presse
| Eishockey
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Quelle: www.hockey-web.de
| 4. November2004
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Schiedsrichter - Menschen wie du und ich |
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Er hat es sich anders gewünscht und doch verläuft der Abend schon
wieder nicht so wie eigentlich erhofft. Die Leute auf den Rängen sind
unzufrieden. Unzufrieden mit ihm und dem was er tut. Aber Gott, sind sie das
nicht immer, egal wann und wo er seinem Job, das heißt eigentlich seinem Hobby,
nachgeht? Im Laufe der letzten Jahre hat er sich für diese Fälle ein Ritual
zurecht gelegt, dessen er sich inzwischen immer häufiger bedient: ´Die grölende,
stampfende Masse meint gar nicht ihn selbst, sondern diesen Kerl in gestreiftem
Hemd und schwarzer Hose und noch mehr schlichtweg seine Funktion.´, beruhigt er
sich dann. Es steckt nichts Persönliches dahinter. Wie denn auch? Ihn kennt doch
von denen kaum jemand wirklich. Es ist lediglich das allwöchentlich eintretende
Stereotyp, das ihn für so viele zum Buhmann werden lässt, wenn er in diese Kluft
steigt. Meist geht die Rechnung auf und er nimmt das Gegröle kaum noch wahr. Nur
dieses ´Hängt sie auf, die schwarze Sau!´ geht ihm nach wie vor nah, so unernst
es auch gemeint sein mag. Schallt das von den Rängen, hat er sich schon oft
gefragt warum er sich das überhaupt noch antut. Und doch liebt er dieses Hobby,
diesen Job, der selten Ruhm, wenig Ehr, geschweige denn Reichtümer einbringt und
ohne den die auf den Rängen rein gar nichts hätten, was sie feiern, betrauern
oder auch verfluchen könnten. Ohne welche wie ihn gäbe es gar kein Spiel!
Schon damals, als er begann Bambini- und Kleinschülerspiele zu pfeifen,
wurde ihm das dicke Fell antrainiert, das ihn über diese Nebengeräusche
hinwegsehen läßt. Eigentlich war es da noch schlimmer, als ihm die Eltern der
kleinen Eishockeyracker ihren vom Stellvertretereifer getriebenen Unmut ins Ohr
keiften, so dass sich die Kids selbst wunderten welch seltsame Veränderungen die
liebe Mama und der sonst so coole Papa von einem auf den anderen Moment
durchmachten. Und dennoch, er hat sich durchgebissen – „durchüberhört“- und
heute steht er hier und pfeift Eishockey auf höchstem Niveau! Mittlerweile
perlen die Schmährufe an ihm ab, wie die Titanic-Karikaturen an der aalglatten
Fassade von Politikern. Bei diesem Gedanken muss er grinsen: Die würde er auch
nur allzu oft und gern auspfeifen oder besser noch vorzeitig Duschen schicken.
Nun ja, wenn die gewählt werden, dann räumt man ihnen hundert Tage Schonzeit
ein, er wird ausgepfiffen noch bevor er etwas falsch machen konnte, schon in dem
Moment wo er das Eis betritt, als hätte er die Kilometerpauschale gekürzt.
Irgendwie ungerecht.
Einen älteren Kollegen hat er vor kurzem gefragt,
wie das früher so war. Ach, was hat er da zu hören bekommen, wie unangreifbar
sie damals doch waren, Autoritäten waren sie! ´Der hat leicht reden´, durchfuhr
es ihm bei diesem Referat, ´war das Spiel dazumal doch längst nicht so schnell
wie heute!´ Dabei hatte er sich zu Beginn seiner Karriere viel vorgenommen. Eben
nicht so arrogant und überheblich wollte er wirken, Partner nicht Gegner der
Spieler wollte er sein. Ausgelacht haben sie ihn dafür und einen Kindskopf
genannt, diese Alten, die sich eingemauert haben in ihrer Autoritätstuerei und
doch nicht fehlerlos sind. Aber das zugeben? Keine Chance! Er hat schon mehrmals
darüber nachgedacht mit einem von denen zu reden, die ihn eben während des
Spiels noch beschimpft haben, doch kam es nie dazu. Und was soll das auch
bringen, gegenseitiges Verständnis? Ok., denkt er, beim nächsten Mal bestimmt!
Doch schon verwirft er diesen Gedanken wieder: Verflucht noch mal! Schon wieder
hat einer von der Heimmannschaft gehakt! Zwei Minuten, keine Frage! Und schon
wieder fliegen Münzen und Feuerzeuge... Der Coach gestikuliert wild auf der
Bank, die Atmosphäre brodelt. Nein, mit denen redet er nicht!
Na Klasse,
Profischiedsrichter wollen sie... Gerne, liebend gerne! Er würde einiges dafür
geben, sich nicht aus dem Büro kommend ins Auto schwingen zu müssen, um irgendwo
am späten Abend unausgeruht ein Spiel zu pfeifen, nachdem er 500 Kilometer auf
der Autobahn zugebracht, im Stau gestanden und vom bitteren Raststättenkaffee
Sodbrennen bekommen hat! Schlaraffenlandähnliche Zustände, müsste er seiner Frau
und den Kindern nicht beibringen müssen, dass am einzig freien Wochenende im
nächsten Monat ein Lehrgang stattfindet, an dem er unbedingt teilnehmen muss!
Geschenkt, so lange es Funktionäre gibt, die meinen, dass in Aus- und
Weiterbildung investiertes Geld verlorenes Geld ist. Lieber kauft man noch einen
Kanadier ein, der am Ende doch nicht das Tor trifft oder erneuert lieber die
Büroeinrichtung, weil der Vorgänger im Amt so einen schlechten Geschmack hatte.
Aber was soll´s, er wird die Dinge nicht ändern können, jedenfalls nicht die
Großen. Vielleicht aber könnte er sich mal mit dem Schreiberling austauschen
über den er sich kürzlich so geärgert hat, weil der ihn nach dem letzten Spiel
so arg kritisiert hatte, natürlich ungerechtfertigt. Wäre ja immerhin ein
Anfang. Aber halt, da war doch noch was! ...Ach herjeh, war das nun Abseits oder
nicht? Mensch, dabei wollte er sich doch konzentrieren! ...Und schon pfeift und
grölt es wieder. Der Gäste-Kapitän kommt wutentbrannt auf ihn zu gefahren
(Himmel, ist der groß!). Was tun?, pocht es hinter seiner Stirn. Egal, ohne all
das würde ihm echt etwas fehlen! Und da denkt er wieder an die Politiker und
ihre Schonzeit, lächelt den verschwitzten Spieler an, hebt entschuldigend die
Schultern und gibt Bully im Mittelkreis. (mac - Foto: City-Press)
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