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BERLIN
. Schiedsrichter stehen im Sport oft in der Kritik -
meistens derjeniger, die verloren haben. Im zweiten
Halbfinale um die Deutsche Basketball-Meisterschaft
zwischen dem TVG Trier und Alba Berlin am vergangenen
Sonnabend hingegen herrschte Einigkeit: Michael Trumpke
aus Leverkusen und Markus Hesse aus Hamburg hatten die
Partie nicht im Griff. Das sahen sie selbst so. Beide
sind erfahren genug, haben schon in der Europaliga Spiele
geleitet. Hesse erklärte den schwachen Tag in Trier
so: "Wir waren mental nicht fit, und wir haben
versäumt, dafür zu sorgen, daß unsere Akzeptanz gewährleistet
war." So verkam ein Basketballspiel zur aggressiven
Talkshow. Woran nicht nur die Referees beteiligt waren.
Albas Trainer Svetislav
Pesic ärgerte sich: "In der Bundesliga verliere
ich wegen der Schiedsrichter doppelt soviel Nerven wie
in der Europaliga." In Trier war keine Linie bei
der Auslegung der Regeln zu spüren. Normalerweise dienen
die ersten Minuten einer Partie Spielern und Trainern
dazu, diese Linie zu erkennen und sich darauf einzustellen
- wird heute eher streng oder großzügig verfahren? Wird
heute Reklamieren gestattet? "Meckern und Protestieren
gehören dazu", findet Peter Klingbiel, einer der
renommiertesten Schiedsrichter im DBB. Natürlich könne
man über Entscheidungen reden. Der Berliner stellt aber
klar: "Wird die Kritik persönlich, gebe ich sofort
ein Technisches Foul, egal, ob in der ersten oder letzten
Minute." Ein Technisches Foul zieht zwei Freiwürfe
und Ballbesitz für den Gegner nach sich. Pesic kassierte
ein solches in Trier, allerdings erst, als alles außer
Rand und Band geraten war. "Wir haben verpaßt,
rechtzeitig für Ruhe zu sorgen", so Hesse.
Warum Erscheinungen
wie am Sonnabend in der Europaliga eher selten sind,
erklärt Klingbiel so: "Die Spieler in der Europaliga
sind insgesamt besser, bessere Technik, bessere Einstellung,
besseres Verhalten." Das gleiche gelte für Trainer
und Schiedsrichter. Dazu komme, daß man sich international
nicht so oft über den Weg läuft: "Hier in der Bundesliga
kennt man manche Leute seit 20 Jahren, das macht die
Sache nicht einfacher." In der Fremde ist der Respekt
größer. Klaus Preller, Vorsitzender der Schiedsrichterkommission
im Deutschen Basketball Bund (DBB), hält auch den Zustand,
daß die Vereine nach jedem Spiel eine Beurteilung über
die Schiedsrichter abgeben, für falsch.
Am Ende der Saison
entsteht eine Rangliste; von 25 Bundesliga-Referees
steigen vier ab, dürfen zukünftig nicht mehr erstklassig
pfeifen. Die Besten der Rangliste werden dem Weltverband
FIBA für internationale Einsätze genannt. Vor kurzem
wurde im DBB eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, in
der zwei Trainer, zwei Schiedsrichter und zwei Vereins-Manager
nach Wegen suchen, diese und andere Regelungen zu verbessern.
Man hat sich vorgenommen, sich zwei- bis dreimal im
Jahr zu treffen und sich über Regel-Interpretationen
zu verständigen. "Ein Rätsel ist für mich",
sagt Klaus Preller, "daß wir jedesmal darüber sprechen,
daß sich 50 Prozent der Mannschaftsbanken nicht regelkonform
verhalten. Aber dann fehlt es den Schiedsrichtern oft
an Mut, mit Technischen Fouls frühzeitig eine Eskalation
zu verhindern."
Ein Geschäft ist mit
dem Pfeifen nicht zu machen: 250 DM erhält ein Schiedsrichter
im DBB für ein normales Bundesligaspiel, 300 DM für
Play-off-Spiele. In der Woche kommen 330 DM hinzu, weil
ja ein Urlaubstag genommen werden muß. In der Europaliga
sind es immerhin 1000 DM; für andere internationale
Einsätze 500. Zum Vergleich: Im Fußball werden für Bundesliga-Partien
inzwischen 4000 DM gezahlt. Peter Klingbiel sagt: "Jeder
gibt sein Bestes, aber ich weiß, daß ich kein Spiel
ohne Fehler pfeifen kann." Die Fähigkeit zur Selbstkritik,
so scheint es, ist bei Schiedsrichtern erheblich größer
als bei vielen anderen Teilnehmern eines Basketballspiels.
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