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Presse | Basketball

 

 

Quelle: www.wiesbadener-kurier.de / 14. November 2003

 

 

Schiedsrichter und die Medien
Lutz Wagner zur Auskunftsbereitschaft von Schiris

 

 

Der unterschiedlich ausgeprägte Bereitschaftswille von Fußball-Schiedsrichtern, sich nach Spielende gegenüber den Medienvertretern zur eigenen Leistung zu äußern, hatte den Kurier veranlasst, in einem Kommentar den 23. Mann auf dem Feld künftig gemeinsam mit den beiden Trainern im Rahmen der obligatorischen Pressekonferenz mit aufs Podium zu bitten. Eine Forderung, die dem Krifteler Bundesliga-Referee Lutz Wagner dann allerdings doch zu weit geht. Kurier-Redakteur Rolf Lehmann sprach mit dem 40-jährigen Familienvater, der seit fast zehn Jahren in der höchsten deutschen Spielklasse pfeift.

Kurier: Herr Wagner, je nach Laune bleibt es jedem ihrer Kollegen selbst überlassen, sich vor laufender Kamera zu der einen oder anderen Entscheidung zu äußern. Dabei müsste es doch auch im Interesse der Schiedsrichter selbst liegen, nicht zuletzt die Möglichkeit zu bekommen, in strittigen Fällen auf das entsprechende Regelwerk zu verweisen und eine gerade für den Fernsehzuschauer nicht immer nachvollziehbare Entscheidung im Nachhinein erläutern zu können.

Wagner: Im Prinzip ist das richtig. Allerdings sehe ich die Gefahr, dass eine solche Pressekonferenz schnell zum Spießrutenlaufen werden würde. In der Regel ist es doch so, dass es nur darum geht, dem Unparteiischen einen vielleicht spielentscheidenden Fehler nachzuweisen. Da kommt niemand und lobt mich auch einmal dafür, dass ich in der 30. Minute die Vorteilsregel richtig ausgelegt habe.

Kurier: Gibt es hierzu eigentlich Vorgaben seitens des Verbandes?

Wagner: In dieser Hinsicht hat sich in den vergangenen zehn Jahren, seit dem ich in der Bundesliga dabei bin, doch sehr viel geändert und das ist auch gut so. Früher musste sich jeder Schiedsrichter, der ein Interview geben sollte, hierfür vom Deutschen Fußball-Bund erst die Genehmigung einholen. Heute gilt lediglich die Empfehlung, sich vor einer öffentlichen Stellungnahme selbst erst einmal die Fernsehbilder anzusehen, um auf dem gleichen Wissensstand zu sein wie der Reporter, der einem oftmals schon mit vorgefasster Meinung gegenüber steht.

Kurier: Wie steht es mit ihrer ganz persönlichen Auskunftsbereitschaft und wo werden Sie als nächstes zur Pfeife greifen?

Wagner: Ich habe damit in der Regel keine Probleme, auch dann nicht, wenn ich einmal einen eigenen Fehler eingestehen muss, aber das trifft auch für die meisten meiner Kollegen zu. Niemand ist unfehlbar. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Zum Beispiel dann, wenn eine Entscheidung eine Schiedsgerichtsverhandlung nach sich zieht und ich möglicherweise in ein schwebendes Verfahren eingreifen würde. Außerdem ist es letztendlich doch auch einem Trainer selbst überlassen, sich anschließend auf der Pressekonferenz zum Spiel zu äußern. Auch da blieben schon Stühle frei. Mein nächster Einsatz wird am kommenden Dienstag in der Regionalligabegegnung zwischen Erfurt und den Bayern-Amateuren sein, ehe dann am Samstag darauf das Heimspiel von Bundesliga-Spitzenreiter VfB Stuttgart gegen Hannover 96 ansteht.

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
17. November 2003

 

© Axel Beckmann