Der unterschiedlich ausgeprägte
Bereitschaftswille von Fußball-Schiedsrichtern, sich nach Spielende gegenüber
den Medienvertretern zur eigenen Leistung zu äußern, hatte den Kurier
veranlasst, in einem Kommentar den 23. Mann auf dem Feld künftig gemeinsam mit
den beiden Trainern im Rahmen der obligatorischen Pressekonferenz mit aufs
Podium zu bitten. Eine Forderung, die dem Krifteler Bundesliga-Referee Lutz
Wagner dann allerdings doch zu weit geht. Kurier-Redakteur Rolf Lehmann sprach
mit dem 40-jährigen Familienvater, der seit fast zehn Jahren in der höchsten
deutschen Spielklasse pfeift.
Kurier: Herr Wagner, je nach Laune bleibt es jedem ihrer Kollegen selbst
überlassen, sich vor laufender Kamera zu der einen oder anderen Entscheidung zu
äußern. Dabei müsste es doch auch im Interesse der Schiedsrichter selbst liegen,
nicht zuletzt die Möglichkeit zu bekommen, in strittigen Fällen auf das
entsprechende Regelwerk zu verweisen und eine gerade für den Fernsehzuschauer
nicht immer nachvollziehbare Entscheidung im Nachhinein erläutern zu können.
Wagner: Im Prinzip ist das richtig. Allerdings sehe ich die Gefahr, dass eine
solche Pressekonferenz schnell zum Spießrutenlaufen werden würde. In der Regel
ist es doch so, dass es nur darum geht, dem Unparteiischen einen vielleicht
spielentscheidenden Fehler nachzuweisen. Da kommt niemand und lobt mich auch
einmal dafür, dass ich in der 30. Minute die Vorteilsregel richtig ausgelegt
habe.
Kurier: Gibt es hierzu eigentlich Vorgaben seitens des Verbandes?
Wagner: In dieser Hinsicht hat sich in den vergangenen zehn Jahren, seit dem
ich in der Bundesliga dabei bin, doch sehr viel geändert und das ist auch gut
so. Früher musste sich jeder Schiedsrichter, der ein Interview geben sollte,
hierfür vom Deutschen Fußball-Bund erst die Genehmigung einholen. Heute gilt
lediglich die Empfehlung, sich vor einer öffentlichen Stellungnahme selbst erst
einmal die Fernsehbilder anzusehen, um auf dem gleichen Wissensstand zu sein wie
der Reporter, der einem oftmals schon mit vorgefasster Meinung gegenüber steht.
Kurier: Wie steht es mit ihrer ganz persönlichen Auskunftsbereitschaft und wo
werden Sie als nächstes zur Pfeife greifen?
Wagner: Ich habe damit in der Regel keine Probleme, auch dann nicht, wenn ich
einmal einen eigenen Fehler eingestehen muss, aber das trifft auch für die
meisten meiner Kollegen zu. Niemand ist unfehlbar. Natürlich gibt es auch
Ausnahmen. Zum Beispiel dann, wenn eine Entscheidung eine
Schiedsgerichtsverhandlung nach sich zieht und ich möglicherweise in ein
schwebendes Verfahren eingreifen würde. Außerdem ist es letztendlich doch auch
einem Trainer selbst überlassen, sich anschließend auf der Pressekonferenz zum
Spiel zu äußern. Auch da blieben schon Stühle frei. Mein nächster Einsatz wird
am kommenden Dienstag in der Regionalligabegegnung zwischen Erfurt und den
Bayern-Amateuren sein, ehe dann am Samstag darauf das Heimspiel von
Bundesliga-Spitzenreiter VfB Stuttgart gegen Hannover 96 ansteht.