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Schiedsrichter | Porträts | Fussball

 

 

Quelle: Mainzer Rhein-Zeitung vom 05.12.2002, Seite 11

 

 

Für "Rudelbildung" hat sie keinen Sinn

Bild des Monats

Alles tanzt nach meiner Pfeife: Yvonne Bengfort will auch Spiele in der Männer- Bundesliga leiten. Foto: dpa

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Yvonne Bengfort gilt als großes Schiri- Talent

RHEDE. Mit Begriffen wie "Rudelbildung" hat Yvonne Bengfort keine Schwierigkeiten. "So was gibt es nicht, wenn ich Männerspiele leite", sagt die 21- Jährige, die als Jüngste ihrer Zunft in die Liste der Schiedsrichterinnen für die Frauen- Bundesliga aufgenommen wurde. Bengfort gilt als herausragendes Talent ihrer Gilde. Dass die deutschen Referees viel Kritik einstecken müssen, stört sie nicht: "Wenn ich pfeife, werden die meisten Männer lammfromm."

Während die Niederrheinerin, die aus Rhede stammt, bei den Frauen schon den Durchbruch in die höchste Klasse feierte, wird sie im Männerbereich in der Verbandsliga eingesetzt - und lernt dort regelmäßig Kavaliere kennen. Häufig kommen nach dem Abpfiff die Trainer auf sie zu und bitten die Schiedsrichterin, doch häufiger bei ihnen zu pfeifen. "Weil die Spieler dann so brav sind", heißt es.

Auch deshalb sieht sich Bengfort in der Lage, im deutschen Profifußball mitzumischen. "Wir haben in unserem Regelwerk keinen Passus, der das verbietet", sagt Stefan Trautmann, der beim Deutschen Fußball- Bund (DFB) für das Schiedsrichterwesen zuständig ist. Trotzdem schaffte es mit der Schiedsrichter- Assistentin Gertrud Gebhardt bis jetzt erst eine Frau hinauf in die Bundesliga. Die ranghöchste deutsche Unparteiische ist momentan Bibiana Steinhaus. Die 23- Jährige aus dem hessischen Lauterbach wird bei den Männern in der Regionalliga eingesetzt.

75 122 Fußball- Schiedsrichter sind in Deutschland registriert. Nur 1470 davon, also knapp zwei Prozent, sind weiblich. Folglich bieten sich überwiegend Männer für höhere Aufgaben an. "Wir würden es begrüßen, wenn mehr Frauen zur Pfeife greifen", stellt Trautmann in diesem Bereich ein Nachwuchsproblem fest. Deshalb sei es auch nicht ungewöhnlich, wenn junge Frauen schon Frauen- Bundesligaspiele leiten. Schiedsrichterinnen, die es bei den Männern bis zur Landesliga schaffen, haben hierfür automatisch die Qualifikation.

Bengfort weiß, dass es bei den Frauen weitaus ruppiger als im Männerbereich zugehen kann. "Frauen reagieren im Spiel oft zickig. Mit den Männern ist das nicht vergleichbar", sagt sie. Als "Frau unter Frauen" müsse sie sich dann auch mehr Meckereien anhören. Das sei aber kein Problem. "Ich bin es gewohnt, bei meinem Hobby ständig angeschimpft zu werden", meint die junge Unparteiische.

Mit Vorurteilen wird sie ohnehin zur Genüge konfrontiert. Innerlich fuchst es sie, wenn von den Zuschauerrängen Klischees laut werden. Etwa, dass ihr Freund bei "so einer" zu Hause nichts zu sagen hätte. "Solche Sprüche höre ich bei Männerspielen regelmäßig. Völlig ignorieren kann man so was nicht", gibt Bengfort zu. Ihren Traum von der Männer- Bundesliga will sie sich dennoch erfüllen. "Der deutsche Fußball sollte sich drauf einstellen, dass er irgendwann von Frauen geleitet wird", kündigt Bengfort an. Vielleicht werden dann auch hartgesottene Profis zu echten Kavalieren.

 

 

 

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 Letzte Aktualisierung:
27. April 2003

 

© Axel Beckmann