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Yvonne Bengfort gilt als großes Schiri-
Talent
RHEDE. Mit Begriffen wie "Rudelbildung" hat Yvonne Bengfort keine
Schwierigkeiten. "So was gibt es nicht, wenn ich Männerspiele leite", sagt die
21- Jährige, die als Jüngste ihrer Zunft in die Liste der
Schiedsrichterinnen für die Frauen- Bundesliga aufgenommen
wurde. Bengfort gilt als herausragendes Talent ihrer Gilde. Dass die deutschen
Referees viel Kritik einstecken müssen, stört sie nicht: "Wenn ich pfeife,
werden die meisten Männer lammfromm."
Während die Niederrheinerin, die aus Rhede stammt, bei den Frauen
schon den Durchbruch in die höchste Klasse feierte, wird sie im Männerbereich in
der Verbandsliga eingesetzt - und lernt dort regelmäßig Kavaliere kennen. Häufig
kommen nach dem Abpfiff die Trainer auf sie zu und bitten die Schiedsrichterin,
doch häufiger bei ihnen zu pfeifen. "Weil die Spieler dann so brav sind", heißt
es.
Auch deshalb sieht sich Bengfort in der Lage, im deutschen
Profifußball mitzumischen. "Wir haben in unserem Regelwerk keinen Passus, der
das verbietet", sagt Stefan Trautmann, der beim Deutschen Fußball- Bund (DFB)
für das Schiedsrichterwesen zuständig ist. Trotzdem schaffte es mit der
Schiedsrichter- Assistentin Gertrud Gebhardt bis jetzt
erst eine Frau hinauf in die Bundesliga. Die ranghöchste deutsche Unparteiische
ist momentan Bibiana Steinhaus. Die 23- Jährige aus dem
hessischen Lauterbach wird bei den Männern in der Regionalliga eingesetzt.
75 122 Fußball- Schiedsrichter sind in
Deutschland registriert. Nur 1470 davon, also knapp zwei Prozent, sind weiblich.
Folglich bieten sich überwiegend Männer für höhere Aufgaben an. "Wir würden es
begrüßen, wenn mehr Frauen zur Pfeife greifen", stellt Trautmann in diesem
Bereich ein Nachwuchsproblem fest. Deshalb sei es auch nicht ungewöhnlich, wenn
junge Frauen schon Frauen- Bundesligaspiele leiten. Schiedsrichterinnen, die es
bei den Männern bis zur Landesliga schaffen, haben hierfür automatisch die
Qualifikation.
Bengfort weiß, dass es bei den Frauen weitaus ruppiger als im
Männerbereich zugehen kann. "Frauen reagieren im Spiel oft zickig. Mit den
Männern ist das nicht vergleichbar", sagt sie. Als "Frau unter Frauen" müsse sie
sich dann auch mehr Meckereien anhören. Das sei aber kein Problem. "Ich bin es
gewohnt, bei meinem Hobby ständig angeschimpft zu werden", meint die junge
Unparteiische.
Mit Vorurteilen wird sie ohnehin zur Genüge konfrontiert. Innerlich
fuchst es sie, wenn von den Zuschauerrängen Klischees laut werden. Etwa, dass
ihr Freund bei "so einer" zu Hause nichts zu sagen hätte. "Solche Sprüche höre
ich bei Männerspielen regelmäßig. Völlig ignorieren kann man so was nicht", gibt
Bengfort zu. Ihren Traum von der Männer- Bundesliga will
sie sich dennoch erfüllen. "Der deutsche Fußball sollte sich drauf einstellen,
dass er irgendwann von Frauen geleitet wird", kündigt Bengfort an. Vielleicht
werden dann auch hartgesottene Profis zu echten Kavalieren. |