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So ersparte Fußball-Schiedsrichter Wolfgang Wiege sich und den Spielern
manche Karte Von Thomas Saalfeld
LESSE. Seinem Vorbild, dem
italienischen Weltklasse-Schiedsrichter Pierluigi Collina ähnelt der
Fußball-Referee Wolfgang Wiege auch optisch. Der in Lesse lebende Junggeselle
hat seit Jahren eher schütteren Haarwuchs. Doch eine eigene Homepage wie der
offenbar etwas eitle Collina besitzt Wiege nicht. Zurückhaltung ist auf dem
Platz dessen Credo, denn: "Den besten Schiedsrichter bemerken die Zuschauer
kaum."
Seit 1970 hat Wiege rund 2600 Fußballpartien geleitet. – Oft zwei bis drei
Spiele am Wochenende. Das Bezirkspokalfinale zwischen dem vom Thieder Jochen
Osterloh betreuten 2:0-Sieger TSV Helmstedt gegen den BSV 2000 Ölper war sein
Abschiedsspiel. Dort gab es Blumen und Hochprozentiges aus dem Kreis der
Referees, um dem Schiedsrichter, der im Juli, seinen 50. Geburtstag feiert und
die Altersgrenze für Schiedsrichter auf Bezirksebene erreicht, den Ausklang zu
erleichtern.
Bis hoch zur Verbandsliga leitete Fußball-Spiele. Er erinnert sich, dass der
SV Wilhelmshaven vor Jahren bewusst in gleichfarbigen Trikots wie Gastgeber OSV
Hannover antreten wollte, um einen späteren Anstoß zu erreichen. Doch genutzt
habe dieser Trick nichts, denn trotz des 4:0-Siegs verfehlte Wilhelmshaven
aufgrund des schlechteren Torverhältnisses Meisterschaft und Aufstieg.
Zum späteren Aufstieg verhalf Wiege dem heutigen Fifa-Schiedsrichter Florian
Meyer (Burgdorf) vor einem Jahrzehnt. Meyer wäre aufgrund der
Schiedsrichter-Beobachtungen eine Liga herabgestuft worden. Doch Wiege
verzichtete stattdessen auf seinen Platz und machte so den Weg frei für den
Aufstieg des damaligen Mittzwanzigers. Auch der bedankte sich damals wortreich
und mit einer Pulle Schluck.
Dies ist keineswegs eine Anspielung auf eine besondere Trinkfestigkeit.
Laufstärke ist stattdessen Wieges Thema. Als Mittelfeldmann spielte der eher
schweigsame Sportler bis zur A-Jugend Fußball beim TSV Lesse bis er auf
Schiedsrichter umsattelte und ist im Fußball-Aufgebot der Salzgitteraner
Schiedsrichterzunft als Ballschlepper und Spielgestalter ("torgefährlich bin ich
weniger") noch immer ein feste Größe.
Der als Betriebsschlosser bei Alstom tätige Wiege legt den Weg von Lesse zur
Firma und nach Hause stets mit dem Fahrrad zurück. – Quasi als
Konditionstraining für seinen Sport, bei dem er als Linienrichter, heute
Schiedsrichter-Assistent, des Fifa-Referees Volker Roth und von Achim Ren (beide
Salzgitter) bis zur Regionalliga an der Seitenauslinie Verantwortung trug.
Wiege hofft, dass seine beiden jungen Assistenten Christopher Hornich (16)
und André Tetera (18) ihre Fahnen in die Ecke legen und zur Pfeife greifen.
"Alles sehen und die Ohren auch mal auf Durchzug schalten, war meine Devise.
Dies kann auch dem Nachwuchs nur empfehlen", sagt Wiege, der wenigstens bis zum
3000. Schiedsrichter-Einsatz auch auf Kreisebene weiter machen will. – Also wird
der laufstarke Fußball-Schiedsrichter, der mit seinem Vater Albert (80) stets
beim Silvesterlauf startet und früher gar Marathons absolvierte, auch künftig
seine sieben bis acht Kilometer pro Partie samstags und sonntags möglichst auf
Ballhöhe zubringen. |