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Schiedsrichter | Porträts | Fußball

 

 

Quelle: www.newsclicke.de | 11. Juni 2004

 

 

"Schalte Ohren mal auf Durchzug"

 

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So ersparte Fußball-Schiedsrichter Wolfgang Wiege sich und den Spielern manche Karte

Von Thomas Saalfeld

LESSE. Seinem Vorbild, dem italienischen Weltklasse-Schiedsrichter Pierluigi Collina ähnelt der Fußball-Referee Wolfgang Wiege auch optisch. Der in Lesse lebende Junggeselle hat seit Jahren eher schütteren Haarwuchs. Doch eine eigene Homepage wie der offenbar etwas eitle Collina besitzt Wiege nicht. Zurückhaltung ist auf dem Platz dessen Credo, denn: "Den besten Schiedsrichter bemerken die Zuschauer kaum."

Seit 1970 hat Wiege rund 2600 Fußballpartien geleitet. – Oft zwei bis drei Spiele am Wochenende. Das Bezirkspokalfinale zwischen dem vom Thieder Jochen Osterloh betreuten 2:0-Sieger TSV Helmstedt gegen den BSV 2000 Ölper war sein Abschiedsspiel. Dort gab es Blumen und Hochprozentiges aus dem Kreis der Referees, um dem Schiedsrichter, der im Juli, seinen 50. Geburtstag feiert und die Altersgrenze für Schiedsrichter auf Bezirksebene erreicht, den Ausklang zu erleichtern.

Bis hoch zur Verbandsliga leitete Fußball-Spiele. Er erinnert sich, dass der SV Wilhelmshaven vor Jahren bewusst in gleichfarbigen Trikots wie Gastgeber OSV Hannover antreten wollte, um einen späteren Anstoß zu erreichen. Doch genutzt habe dieser Trick nichts, denn trotz des 4:0-Siegs verfehlte Wilhelmshaven aufgrund des schlechteren Torverhältnisses Meisterschaft und Aufstieg.

Zum späteren Aufstieg verhalf Wiege dem heutigen Fifa-Schiedsrichter Florian Meyer (Burgdorf) vor einem Jahrzehnt. Meyer wäre aufgrund der Schiedsrichter-Beobachtungen eine Liga herabgestuft worden. Doch Wiege verzichtete stattdessen auf seinen Platz und machte so den Weg frei für den Aufstieg des damaligen Mittzwanzigers. Auch der bedankte sich damals wortreich und mit einer Pulle Schluck.

Dies ist keineswegs eine Anspielung auf eine besondere Trinkfestigkeit. Laufstärke ist stattdessen Wieges Thema. Als Mittelfeldmann spielte der eher schweigsame Sportler bis zur A-Jugend Fußball beim TSV Lesse bis er auf Schiedsrichter umsattelte und ist im Fußball-Aufgebot der Salzgitteraner Schiedsrichterzunft als Ballschlepper und Spielgestalter ("torgefährlich bin ich weniger") noch immer ein feste Größe.

Der als Betriebsschlosser bei Alstom tätige Wiege legt den Weg von Lesse zur Firma und nach Hause stets mit dem Fahrrad zurück. – Quasi als Konditionstraining für seinen Sport, bei dem er als Linienrichter, heute Schiedsrichter-Assistent, des Fifa-Referees Volker Roth und von Achim Ren (beide Salzgitter) bis zur Regionalliga an der Seitenauslinie Verantwortung trug.

Wiege hofft, dass seine beiden jungen Assistenten Christopher Hornich (16) und André  Tetera (18) ihre Fahnen in die Ecke legen und zur Pfeife greifen. "Alles sehen und die Ohren auch mal auf Durchzug schalten, war meine Devise. Dies kann auch dem Nachwuchs nur empfehlen", sagt Wiege, der wenigstens bis zum 3000. Schiedsrichter-Einsatz auch auf Kreisebene weiter machen will. – Also wird der laufstarke Fußball-Schiedsrichter, der mit seinem Vater Albert (80) stets beim Silvesterlauf startet und früher gar Marathons absolvierte, auch künftig seine sieben bis acht Kilometer pro Partie samstags und sonntags möglichst auf Ballhöhe zubringen.

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
10. Juni 2004

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