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Das Schiedsrichter-Gespann
bereitet sich in aller Ruhe auf das Finale
vor. Markus Merk, seine beiden Assistenten
und der 4. Schiedsrichter Anders Frisk. |
Lissabon - Am Telefon meldet er sich nicht mit einem zackigen "Merk" oder
einem genervten "Ja, bitte", sondern mit einem freudigen "Hallo, hier ist der
Markus Merk." Das kommt überraschend.
Früher war die Sache klar. "Och nee, nicht schon wieder der Merk", ächzten
die Fans, wenn er das Spielfeld betrat. Er war "der Schiedsrichter, der niemals
lacht" ("L´Equipe"), wirkte verkniffen und verhängte scheinbar mit Vorliebe
Platzverweise gegen Heim-Mannschaften. Der Zahnarzt aus Kaiserslautern eignete
sich hervorragend für Beschimpfungen der übleren Sorte.
Nun ist die Nominierung für das EM-Endspiel der bisherige Höhepunkt in Merks
Karriere, aber nicht sein größter Erfolg. "Der ist, dass ich mich so lange im
Geschäft halten konnte." Über das Durchhalten habe er in den letzten Tagen
nachgedacht. "16 Jahre Bundesliga sind eine enorm lange Zeit." Nun pfeift der
42-Jährige als erster Deutscher das Finale einer Europameisterschaft.
Er ist stolz und zeigt es auch. "Ja, das ist wirklich das Höchste. Das wird
eine unheimlich emotionale Geschichte für alle Beteiligten. Gerade weil mit den
Portugiesen die heimische Nation aufläuft."
Im Brennpunkt steht er schon vor dem Spiel. Gestern titelten portugiesische
Zeitungen: "Vorsicht! Der Schiedsrichter ist ein Freund der Griechen" und "Wir
haben ein Auge auf dich gerichtet!"
Otto Rehhagel und Merk kennen sich seit über 30 Jahren. Damals spielte
Rehhagel beim 1. FC Kaiserslautern, und Merks Vater Rudi arbeitete als
Schiedsrichterbetreuer auf dem Betzenberg. "Ich habe mit solchen Reaktionen
gerechnet", sagt Merk gelassen. Aber auch in der Champions League treffe er
immer wieder auf altbekannte deutsche Spieler. "Es ist absurd zu glauben, dass
mich das beeinflusst." Und vergnügt schiebt er hinterher: "Lassen wir es doch
einfach klappern."
Markus Merk wirkt erstaunlich entspannt vor seinem heutigen Einsatz im
Estádio da Luz in Lissabon. Schon seit einiger Zeit überrascht er auch auf dem
Spielfeld mit einer neuen Lockerheit, immer häufiger schenkt er Spielern ein
Lächeln. "Ja, ich bin gelassener geworden, nachdem ich mir ein gewisses Standing
erarbeitet habe."
Innere Ruhe schöpft der Katholik auch aus "einem großen Gottvertrauen und dem
Einsatz als praktizierender Christ". In Indien kaufte er 17 000 Quadratmeter
Land und errichtete dort für 170 Kinder ein Waisenhaus und eine Schule. "Da wird
einem bewusst, was wirklich im Leben zählt."
Heute Abend zählen aber nur die Tore. 300 Millionen Menschen werden weltweit
vor den Fernsehern sitzen. Merk hat einen frommen Wunsch: "Es wäre schön, wenn
ich diesmal ohne Gelbe Karten auskommen würde."
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