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Schiedsrichter | Porträts | Fußball | Urs Meier

 

 

Quelle: www.wams.de | 4. Juli 2004 | Autor: Nina Hermann

 

 

Schiedsrichter Markus Merk geht stolz ins Finale

 

Das Schiedsrichter-Gespann bereitet sich in aller Ruhe auf das Finale vor. Markus Merk, seine beiden Assistenten und der 4. Schiedsrichter Anders Frisk.

Lissabon  -  Am Telefon meldet er sich nicht mit einem zackigen "Merk" oder einem genervten "Ja, bitte", sondern mit einem freudigen "Hallo, hier ist der Markus Merk." Das kommt überraschend.

Früher war die Sache klar. "Och nee, nicht schon wieder der Merk", ächzten die Fans, wenn er das Spielfeld betrat. Er war "der Schiedsrichter, der niemals lacht" ("L´Equipe"), wirkte verkniffen und verhängte scheinbar mit Vorliebe Platzverweise gegen Heim-Mannschaften. Der Zahnarzt aus Kaiserslautern eignete sich hervorragend für Beschimpfungen der übleren Sorte.

Nun ist die Nominierung für das EM-Endspiel der bisherige Höhepunkt in Merks Karriere, aber nicht sein größter Erfolg. "Der ist, dass ich mich so lange im Geschäft halten konnte." Über das Durchhalten habe er in den letzten Tagen nachgedacht. "16 Jahre Bundesliga sind eine enorm lange Zeit." Nun pfeift der 42-Jährige als erster Deutscher das Finale einer Europameisterschaft.

Er ist stolz und zeigt es auch. "Ja, das ist wirklich das Höchste. Das wird eine unheimlich emotionale Geschichte für alle Beteiligten. Gerade weil mit den Portugiesen die heimische Nation aufläuft."

Im Brennpunkt steht er schon vor dem Spiel. Gestern titelten portugiesische Zeitungen: "Vorsicht! Der Schiedsrichter ist ein Freund der Griechen" und "Wir haben ein Auge auf dich gerichtet!"

Otto Rehhagel und Merk kennen sich seit über 30 Jahren. Damals spielte Rehhagel beim 1. FC Kaiserslautern, und Merks Vater Rudi arbeitete als Schiedsrichterbetreuer auf dem Betzenberg. "Ich habe mit solchen Reaktionen gerechnet", sagt Merk gelassen. Aber auch in der Champions League treffe er immer wieder auf altbekannte deutsche Spieler. "Es ist absurd zu glauben, dass mich das beeinflusst." Und vergnügt schiebt er hinterher: "Lassen wir es doch einfach klappern."

Markus Merk wirkt erstaunlich entspannt vor seinem heutigen Einsatz im Estádio da Luz in Lissabon. Schon seit einiger Zeit überrascht er auch auf dem Spielfeld mit einer neuen Lockerheit, immer häufiger schenkt er Spielern ein Lächeln. "Ja, ich bin gelassener geworden, nachdem ich mir ein gewisses Standing erarbeitet habe."

Innere Ruhe schöpft der Katholik auch aus "einem großen Gottvertrauen und dem Einsatz als praktizierender Christ". In Indien kaufte er 17 000 Quadratmeter Land und errichtete dort für 170 Kinder ein Waisenhaus und eine Schule. "Da wird einem bewusst, was wirklich im Leben zählt."

Heute Abend zählen aber nur die Tore. 300 Millionen Menschen werden weltweit vor den Fernsehern sitzen. Merk hat einen frommen Wunsch: "Es wäre schön, wenn ich diesmal ohne Gelbe Karten auskommen würde."

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
3. Juli 2004

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