 Schiedsrichter Pierluigi Collina studiert alle Mannschaften
(©empics) |
Von Mark Chaplin
Pierluigi Collina, der wohl bekannteste Schiedsrichter der Welt, kann sich
über mangelnde Arbeit auf internationaler und europäischer Bühne nicht
beklagen.
Lange Liste Der 44-jährige Finanzberater aus Italien
wurde ausgewählt, das UEFA-Pokal-Endspiel zwischen Valencia CF und Olympique de
Marseille am Mittwoch im Ullevi-Stadion in Göteborg zu leiten. Ein weiteres
prestigeträchtiges Spiel auf Collinas langer Liste, die er seit 1995 - seit er
die FIFA-Lizenz erhielt - kontinuierlich erweitert.
Große Endspiele Seitdem leitete Collina das Endspiel bei
den Olympischen Spielen in Atlanta (USA) zwischen Nigeria und Argentinien, das
denkwürdige UEFA Champions League-Endspiel zwischen Manchester United FC und dem
FC Bayern München 1999 in Barcelona sowie das FIFA-WM-Endspiel 2002 zwischen
Brasilien und Deutschland in Yokohama.
Jüngster Höhepunkt Die Berufung für das
UEFA-Pokal-Endspiel ist für den 1,88 Meter großen Collina der jüngste Höhepunkt
einer ganzen Reihe bedeutender Einsätze. Es ist sein 93. Auftritt in einer
internationalen Begegnung - ein Abenteuer, das im März 1995 mit dem Spiel
zwischen der Türkei und Frankreich bei der Militär-WM in Istanbul begann und mit
dem UEFA-Pokal-Endspiel einen weiteren Höhepunkt erlebt.
Vorfreude Man könnte davon ausgehen, dass Collina seine
aktuellste Berufung eher gelassen nimmt - als Schiedsrichter hat er schließlich
schon die brisantesten Partien erlebt. Der in Bologna geborene Unparteiische
fühlt sich aber keinesfalls "gelangweilt". Er liebt die Arbeit auf dem Platz so
sehr, dass er sich auf seinen nächsten Einsatz im Rampenlicht des europäischen
Fußballs freut.
Große Ehre "Es ist eine große Ehre", sagte Collina zu
uefa.com. "Ich habe gedacht, dass ich nach den drei Endspielen, die ich bereits
geleitet habe, nicht mehr in den Genuss kommen werde."
Gewissenhafte Vorbereitung "Es macht mir grundsätzlich
sehr viel Spaß, als Schiedsrichter zu arbeiten. Ich bin gerne Schiedsrichter.
Ich mag, was ich tue, und ich bereite mich auf jede Partie auch gerne sehr
gewissenhaft vor", sagte er. "Sicher ist es einfacher, all diese Dinge auf sich
zu nehmen, wenn man für ein wichtiges Spiel berufen wird. Man ist
motivierter."
Vertrauen und Akzeptanz Collinas Umgang mit den Spielern
auf dem Platz ist unvergleichlich. Er braucht nur zu lächeln oder ernst zu
blicken, und die Partie läuft nach seinen Vorstellungen. Die Spieler haben sehr
viel Respekt vor ihm. "Wenn man sich in einer Partie mit den Spielern und auch
mit den Trainern gut versteht, kann es viel besser laufen. Die Spieler können
ihre Arbeit machen und der Schiedsrichter kann die Partie besser kontrollieren",
sagte er. "Wenn die Spieler einem Schiedsrichter vertrauen und seine
Entscheidungen akzeptieren, ist das für den Spielverlauf nur förderlich."
Wichtige Vorbereitung Der Italiener wird auch
hinsichtlich der beiden Endspielteilnehmer seine Hausaufgaben machen, bevor er
mit ihnen in Göteborg den Platz betritt. Taktische Vorbereitungen gehören immer
zur Prozedur vor einem Spiel. "Es ist sehr wichtig, möglichst alle Informationen
zu den Mannschaften zu bekommen. Es ist äußerst wichtig, dass ein Schiedsrichter
möglichst viel über die Spielweise einer Mannschaft und die der einzelnen
Spieler weiß", erklärte er.
Taktik wichtig "Es geht um die Taktik", sagte er weiter.
"Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob eine Mannschaft mit drei oder vier
Verteidigern spielt, ob die Mittelfeldspieler sehr druckvoll spielen oder ob
zwei Flügelspieler ständig über die Flanken kommen. Fußball hat einen sehr hohen
Standard erreicht und die Schiedsrichter müssen sehr gut vorbereitet sein." In
seinem Terminplan wird Collina also ein weiteres Endspiel vermerken - eine
weitere Gelegenheit, bei der er zeigen kann, warum er zur Schiedsrichterelite
gehört.
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