 Ex-Schiedsrichter Günter Benkö mit Pierluigi Collina (li) bei einem
Fototermin am Rande der Tagung von Sports Media Austria in
Innsbruck. |
Pierluigi Collina fordert die Installation von
Profi-Schiedsrichtern und räumt mit "verlogenem" Credo auf Innsbruck - Er ist bekannter als die meisten
Spieler, für die Wirtschaft ein begehrter Werbe-Partner und ein positiver
Image-Träger einer Zunft, die stets harter Kritik ausgesetzt ist. Pierluigi
Collina ist die Kultfigur der Fußball-Schiedsrichter. Sympathisch im Auftreten,
aber hart in seinen Entscheidungen, so präsentierte sich der Italiener mit der
markanten Glatze am Donnerstag als Gast bei der Tagung von Sports Media Austria,
der österreichischen Interessensvertretung der Sportjournalisten, in Innsbruck.
EM letzter großer Höhepunkt
Collina, der seit 20 Jahren an der Stoffwechsel-Krankheit Alopezie leidet,
führt seit sechs Jahren stets die Rangliste der besten Schiedsrichter an und war
mit den heikelsten Aufgaben (Finali in Champions League und Weltmeisterschaft)
betraut. Nun ist er 44 und steht bei der EM in Portugal vor seinem letzten
großen Höhepunkt, ehe er im kommenden Jahr seine aktive Karriere wegen des
Alterslimits beenden muss. Davor ist er aber noch einmal in Österreich zu sehen.
Collina pfeift am 18. August im Wiener Happel-Stadion das Jubiläumsspiel
Österreich - Deutschland. Zeit zum Sightseeing wird er sich so wie im Oktober
2002, als er das EM-Qualifikationsspiel Österreich - Niederlande leitete, aber
nicht nehmen.
"Schiedsrichter sein kann kein Hobby sein"
"Es ist fast eine Sünde, in Wien zu sein und nur ein Fußball-Spiel zu leiten.
Aber im Sinne einer seriösen Vorbereitung gehe ich nicht auf Stadtbummel",
erklärte er und sprach sich für die Einführung von Profi-Schiedsrichtern aus.
"Der Fußball heute verlangt ein hohes Maß an Vorbereitung. Man braucht
Kondition, Kenntnis über den Fußball und die Spieler. Dafür braucht man Zeit.
Schiedsrichter sein kann kein Hobby sein", sagt der Finanz-Experte einer Bank in
Viareggio.
"Jeder Mensch macht Fehler"
Denn zwei bis drei Zehntel-Sekunden habe ein Referee Zeit, Entscheidungen zu
treffen. Nicht immer die richtigen. "Jeder Mensch macht Fehler. Das Recht,
Fehler zu machen, muss auch dem Schiedsrichter zugestanden werden. Aber Spielern
lastet man Fehler viel weniger an", sagt er und spricht etwa Roberto Baggio an,
der mit einem verschossenen Elfmeter bei der WM 1994 in den USA Italien die
Chance auf den Titel gekostet hat.
"Der beste Schiedsrichter ist der mutigste"
Wichtig sei, wie man mit Fehlern umgehe. "Wenn du Glück hast, merkst du im
Spiel den Fehler nicht. Schlecht ist, wenn dir bewusst ist, dass du einen Fehler
gemacht hast. Dann musst du dir die Konzentration zurück holen, so wie ein
Stürmer, der nach fünf Minuten eine hundertprozentige Chance vergeben hat",
erklärt der zweifache Familienvater, der von sich und seinen Kollegen viel Mut
einfordert. "Der beste Schiedsrichter ist der mutigste. Ich halte es für
verlogen zu sagen, der beste Schiedsrichter ist der, den man nicht sieht. Es
gibt Spiele, wo man drei Elfmeter verhängen muss. Erklären sie mir, wie so eine
Schiedsrichter nicht präsent sein kann." (APA) |