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Schiedsrichter | Porträts | Basketball

 

 

Quelle: Mannheimer Morgen | Hartwig Trinkaus | 12. August 2004

 

 

Jens Staudenmayer blickt traurig gen Athen
Internationaler Basketball-Schiedsrichter wäre gerne bei Olympia aktiv gewesen 

 

Rhein-Neckar. Die verpasste Qualifikation der deutschen Basketballer für Athen hatte nicht nur für Deutschlands Ausnahme-Basketballer, Dirk Nowitzki, Konsequenzen. Auch für Jens Staudenmayer zerplatzte der Olympia-Traum. Der 36-jährige gebürtige Berliner ist Spitzenschiedsrichter in der Basketball-Bundesliga (BBL) und kommt auch international zum Einsatz. Kürzlich leitete er das viel beachtete deutsche Länderspiel gegen die USA in der ausverkauften KölnArena.

"Hätte sich die deutsche Mannschaft 2003 für Olympia qualifiziert, wäre die Chance groß gewesen, als Schiedsrichter für Olympia nominiert zu werden, da je ein Referee aus den qualifizierten Nationen nach Athen fährt", bedauert Staudenmayer. Als neutraler Mann vom Weltverband FIBA berufen zu werden, ist für deutsche Schiedsrichter bei solchen Großturnieren nahezu unmöglich, denn "uns fehlt da die internationale Lobby". Aber: Eine kleine Entschädigung für die entgangene Olympiade war das Spiel Anfang August in Köln vor über 18 000 Zuschauern für ihn allemal.

Staudenmayer freute sich, so viele Stars' vor einer derartigen Kulisse "zu pfeifen". Dies war ein Erlebnis der ganz besonderen Art, aber auch Anerkennung seiner Leistungen in den letzten Jahren. Jens Staudenmayer bringt viel freie Zeit für sein am-bitioniertes Hobby auf, denn man kann in Deutschland nicht hauptberuflich als Basketball-Schiedsrichter arbeiten. Seit 1987 hat er über 800 Spiele geleitet. Ab 1991 sporadisch, ab 1995 ununterbrochen in der BBL. "Da geht schon viel Freizeit an den Wochenenden drauf", gibt er unumwunden zu: "Das geht natürlich nur, wenn familiäres Umfeld und Arbeitsleistungen im Büro stimmen".

Der bei der Volksbank Rhein-Neckar als Abteilungsleiter Vertriebssteuerung arbeitende verheiratete Vater einer einjährigen Tochter räumt ein, dass er hier und da an Grenzen stößt, und "ohne die Unterstützung meiner Frau (einer ehemaligen Basketballerin), wäre das Schiedsrichtern auf Spitzenniveau nicht möglich". Auch die Kollegen in der Bank nehmen .Anteil an seinen Schiedsrichter-Aktivitäten. Das USA-Spiel in Köln wurde gar zum kleinen Betriebsausflug. Auch zu Bundesliga-Spielen nimmt er immer mal wieder Arbeitskollegen mit. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Familie, Beruf und Hobby ist für ihn ausschlaggebend, um erfolgreich zu sein, weiß Staudenmayer die Dinge sehr wohl richtig zu gewichten.

In Deutschlands höchster Basketball-Liga, der BBL, ist der in Pfungstadt wohnende Staudenmayer sehr gefragt. In den vergangenen Jahren pfiff er jeweils die Endspiele um die deutsche Meisterschaft, im 2003 und 2004 auch das Pokalfinale. Fragt man nach Gründen dafür, so klärt er den Laien auf: "Vom Schiedsrichter auf höchstem Niveau wird mehr verlangt als Regelwissen. Gefragt sind Persönlichkeiten, die ein Spiel managen. Leiten statt Pfeifen heißt die Devise, dabei sicher kommunizieren und rechtzeitig Konflikte durch souveränes und ruhiges Auftreten entschärfen." Staudenmayer weiß, dass es seine Aufgabe ist, im Hintergrund zu bleiben. "Wenn nach dem Spiel jeder fragt, wer heute eigentlich gepfiffen hat, dann habe ich einen perfekten Job gemacht", ordnet sich der Diplom-Kaufmann richtig ein.

Dennoch ist er ehrgeizig und hat sich vorgenommen, nicht nur in der BBL seinen Spitzenplatz zu verteidigen. Auch international steckt er die Ziele neu ab: "Dirk (Nowitzki) hat nach der verkorksten EM 2003 nicht die Flinte ins Korn geworfen und spontan (Olympia in) Peking 2008 als Ziel definiert. Soweit denke ich nicht. Das internationale Schiedsrichteramt ist nicht nur selbst bestimmt, aber erneut für eine Europameisterschaft, dann 2005 in Serbien und Montenegro, nominiert zu werden, das wäre ein toller Erfolg. Und danach sehe ich weiter."

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
23. August 2004

 

© Axel Beckmann