Kleiner Mann ganz groß:
Basketball-Schiedsrichter Walter Schrauzer genießt bei den "langen Kerls"
höchsten Respekt.Leverkusen - Jeder Basketball-Fan wird
ihn schon in Aktion gesehen haben: Der Leverkusener Walter Schrauzer gehört zu
den erfahrensten und angesehensten Bundesliga-Schiedsrichtern. Rund 500
Begegnungen in der höchsten deutschen Liga hat der 48-Jährige bis dato geleitet.
Es gibt nicht viele, die diese Zahl noch toppen können. Schrauzer darf sich
getrost als Institution im deutschen Basketball beschreiben, ohne damit zu
übertreiben.
Und der Schlebuscher fällt wahrlich auf, denn er misst gerade einmal 172 cm,
was ihn zwischen all den Riesen auf dem Feld manchmal etwas komisch aussehen
lässt. Doch trotz seiner körperlichen Unterlegenheit genießt Schrauzer sowohl
bei den Spielern als auch bei den Trainern höchsten Respekt. "Es kommt eben
darauf an, wie man mit den Sportlern umgeht und welche Linie man pfeift.
Respektlos bin ich jedenfalls nie behandelt worden", erklärt Schrauzer, der im
Übrigen für BBZ 95 Leverkusen pfeift.
Deshalb könnte er sogar theoretisch Spiele des Erstligisten Bayer Giants
Leverkusen leiten, entsprechende Ansetzungen hat es jedoch noch nie gegeben. Als
die Giants noch TSV Bayer 04 Leverkusen hießen, war Schrauzer der
Basketballabteilung recht eng verbunden, denn jahrelang (seit 1986) war er dort
für die Betreuung der Schiedsrichterkollegen bei den Europacup-Spielen
zuständig. "Dafür ist eine Menge Urlaub draufgegangen, den ich jedoch gerne
investiert habe", gibt er zu.
Schrauzer erinnert sich gern an diese Zeit zurück, zumal er im Zuge seiner
ehrenamtlichen Tätigkeit manche Auslandsreise mit den Basketballern bestritt. So
führte es ihn beispielsweise nach Estland, Italien oder Frankreich. Die Damen
des Barmer TV Wuppertal begleitete er 1995 in seiner Funktion als Schieri nach
Toulouse zum Turnier der besten europäischen Damenteams.
Beeindruckend fand Walter Schrauzer, der seit über 30 Jahren für die Bayer AG
(inzwischen für eine Tochterfirma) arbeitet, seinen Besuch vor zwei Jahren beim
ehemaligen Leverkusener Profi Michael Koch in Griechenland. Koch stand mit
Panathinaikos in den Finals. "Was da abgegangen ist, war unglaublich. Solch eine
Atmosphäre habe sonst nirgendwo erlebt", erinnert er sich gern.
Weiterhin hat Schrauzer unter anderem drei deutsche Endspiele bei den Damen
sowie ein All-Star-Spiel mit NBA-Größen wie Scottie Pippen oder Charles Barkley
gegen die damalige Bayer-Mannschaft vor 4.500 Zuschauern 1991 in München
geleitet. Davon schwärmt er noch heute: "Das war mein NBA-Kapitel, eine
Erinnerung, die mir keiner mehr nehmen kann." Vom Westdeutschen
Basketballverband wird Schrauzer allerdings nach wie vor auch Woche für Woche
für Partien bis hinunter in die Kreisliga angesetzt, was ihm genau soviel Spaß
bereitet.
"Ich bereue es nicht, soviel Zeit in diesen Sport gesteckt zu haben. Derzeit
macht es fast noch mehr Spaß als vorher, denn die neue Regelung mit drei
Unparteiischen ist klasse", erklärt der Schnauzbartträger, der höherklassig nur
noch zwei Jahre pfeifen darf, denn die Begrenzung liegt bei 50 Jahren. Nach 24
Jahren muss der "positiv Bekloppte" dann Abschied von der Basketball-Bundesliga
nehmen, und wer ihn kennt, der weiß, wie schwer es ihm fallen wird. |