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Schiedsrichter | Porträts | Basketball

 

 

Quelle: www.ksta.de / Autor: Frank Steinke 4. März 2004

 

 

Institution im deutschen Basketball

 

Kleiner Mann ganz groß: Basketball-Schiedsrichter Walter Schrauzer genießt bei den "langen Kerls" höchsten Respekt.

Leverkusen - Jeder Basketball-Fan wird ihn schon in Aktion gesehen haben: Der Leverkusener Walter Schrauzer gehört zu den erfahrensten und angesehensten Bundesliga-Schiedsrichtern. Rund 500 Begegnungen in der höchsten deutschen Liga hat der 48-Jährige bis dato geleitet. Es gibt nicht viele, die diese Zahl noch toppen können. Schrauzer darf sich getrost als Institution im deutschen Basketball beschreiben, ohne damit zu übertreiben.

Und der Schlebuscher fällt wahrlich auf, denn er misst gerade einmal 172 cm, was ihn zwischen all den Riesen auf dem Feld manchmal etwas komisch aussehen lässt. Doch trotz seiner körperlichen Unterlegenheit genießt Schrauzer sowohl bei den Spielern als auch bei den Trainern höchsten Respekt. "Es kommt eben darauf an, wie man mit den Sportlern umgeht und welche Linie man pfeift. Respektlos bin ich jedenfalls nie behandelt worden", erklärt Schrauzer, der im Übrigen für BBZ 95 Leverkusen pfeift.

Deshalb könnte er sogar theoretisch Spiele des Erstligisten Bayer Giants Leverkusen leiten, entsprechende Ansetzungen hat es jedoch noch nie gegeben. Als die Giants noch TSV Bayer 04 Leverkusen hießen, war Schrauzer der Basketballabteilung recht eng verbunden, denn jahrelang (seit 1986) war er dort für die Betreuung der Schiedsrichterkollegen bei den Europacup-Spielen zuständig. "Dafür ist eine Menge Urlaub draufgegangen, den ich jedoch gerne investiert habe", gibt er zu.

Schrauzer erinnert sich gern an diese Zeit zurück, zumal er im Zuge seiner ehrenamtlichen Tätigkeit manche Auslandsreise mit den Basketballern bestritt. So führte es ihn beispielsweise nach Estland, Italien oder Frankreich. Die Damen des Barmer TV Wuppertal begleitete er 1995 in seiner Funktion als Schieri nach Toulouse zum Turnier der besten europäischen Damenteams.

Beeindruckend fand Walter Schrauzer, der seit über 30 Jahren für die Bayer AG (inzwischen für eine Tochterfirma) arbeitet, seinen Besuch vor zwei Jahren beim ehemaligen Leverkusener Profi Michael Koch in Griechenland. Koch stand mit Panathinaikos in den Finals. "Was da abgegangen ist, war unglaublich. Solch eine Atmosphäre habe sonst nirgendwo erlebt", erinnert er sich gern.

Weiterhin hat Schrauzer unter anderem drei deutsche Endspiele bei den Damen sowie ein All-Star-Spiel mit NBA-Größen wie Scottie Pippen oder Charles Barkley gegen die damalige Bayer-Mannschaft vor 4.500 Zuschauern 1991 in München geleitet. Davon schwärmt er noch heute: "Das war mein NBA-Kapitel, eine Erinnerung, die mir keiner mehr nehmen kann." Vom Westdeutschen Basketballverband wird Schrauzer allerdings nach wie vor auch Woche für Woche für Partien bis hinunter in die Kreisliga angesetzt, was ihm genau soviel Spaß bereitet.

"Ich bereue es nicht, soviel Zeit in diesen Sport gesteckt zu haben. Derzeit macht es fast noch mehr Spaß als vorher, denn die neue Regelung mit drei Unparteiischen ist klasse", erklärt der Schnauzbartträger, der höherklassig nur noch zwei Jahre pfeifen darf, denn die Begrenzung liegt bei 50 Jahren. Nach 24 Jahren muss der "positiv Bekloppte" dann Abschied von der Basketball-Bundesliga nehmen, und wer ihn kennt, der weiß, wie schwer es ihm fallen wird.

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
4. März 2004

 

© Axel Beckmann