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Schiedsrichter | Porträts | Basketball

 

 

Quelle: Rheinische Post vom 18. Oktober 2001 / Von BÄRBEL BRASS-MEIER

 

 

Nervös bei der Premiere in Berlin

 

Seit Anfang Oktober 2001 leitet Markus Grievink in Deutschland Spiele der Basketball-Bundesliga. Der in Hommersum lebende Niederländer hatte von der 1.Liga in seinem Heimatland genug.

GOCH-HOMMERSUM. Basketball hat in diesem Jahr einen enormen Aufschwung erlebt. Das gute Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft und der Bekanntheitsgrad eines Dirk Nowitzkis haben Etliches dazu beigetragen. Der Sportinteressierte kennt die Mannschaften von den Spielen oder von den Sportsendern im Fernsehen, die in letzter Zeit häufiger über die boomende Sportart berichten und regelmäßig Bundesliga-Spiele live übertragen.

Doch zu einem guten Spiel gehört immer auch ein gutes Schiedsrichterteam. Zwei der sportlichen Unparteiischen, die auf höchster Ebene agieren, leben im Kreis Kleve. Markus Grievink, der 34-jährige Hüne aus den Niederlanden, lebt seit gut einem Jahr in Goch-Hommersum, wo er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Ellen einen alten Bauernkotten gekauft hat und nun in mühsamer Eigenregie umbaut wenn er denn die Zeit dazu hat. Denn ungefähr zehn Monate im Jahr ist Markus Grievink in Sachen Basketball unterwegs und pfeift Partien in der 1.Basketball-Bundesliga sowie in den Europaligen. Heute abend ist Grievink zum Beispiel in Luxemburg im Einsatz. Mit seinem Job in einer psychatrischen Klinik in Nimwegen lässt sich das Pfeifen jedoch ganz gut vereinbaren.

Mit 13 Jahren begann der wohl damals schon nicht kleine Markus in den Niederlanden mit dem Basketballspielen. „Doch ich hatte kein Talent“, gibt er heute zu. „So habe ich im Alter von 15 Jahren mit den ersten Prüfungen als Schiedsrichter begonnen.“ Seit Anfang Oktober pfeift Markus Grievink nun in der deutschen Bundesliga.

Sein erstes Spiel führte ihn direkt nach Berlin, wo er vor rund 5500 Zuschauern die Partie von Alba Berlin gegen den Mitteldeutschen BC leiten musste. „Da war ich doch noch nervös, denn bei uns in Holland gibt es höchstens mal 1500 Zuschauer in den Hallen. Zwei Spiele hat es gedauert. Aber jetzt fühle ich mich hier in der Bundesliga sehr wohl und habe meine Sicherheit wieder gefunden.“

Warum hat Grievink jetzt dem niederländischen Basketball den Rücken zugewendet? „Schiedsrichter sind dort nur notwendiges Beiwerk.“ Die Organisation lasse zu wünschen übrig, die Bezahlung stehe in keinem Verhältnis zum Aufwand. „Hier in Deutschland hingegen ist die Betreuung vom Verband und durch die Vereine sehr gut und das Niveau der Spiele ebenfalls.“

"Immer Blickkontakt halten"

KLEVE. Guido Radtke, Redakteur bei der Rheinischen Post in Kleve, ist der zweite Bundesliga-Schiedsrichter aus der Region. Auch er lebt erst seit einem Jahr am Niederrhein. Kennen gelernt haben sich die beiden Profis auf einer Fortbildung in Rotenburg (Fulda) und erst im Nachhinein festgestellt, dass sie nicht weit voneinander entfernt wohnen. „Vielleicht werden wir in Zukunft ja mal als Gespann eingesetzt“, hoffen die beiden Wahl-Niederrheiner.

Wie sieht es eigentlich mit weiblichen Referees aus? Der seit 1985 in dieser Sportart als Schiedsrichter aktive Radtke hat noch nicht viele getroffen. „Es gibt bei uns in der 2.Liga mittlerweile eine Schiedsrichterin sowie einen Frauenförderkader mit acht Kolleginnen.“ Kein gute Quote bei Kadern von 25Unparteiischen für die erste sowie 70Schiedsrichtern für die 2.Bundesliga. In den Niederlanden ist eine größere Anzahl von Frauen in den oberen Ligen aktiv.

Auch Guido Radtke ist viel unterwegs in Sachen Basketball. „Für dieses zeitaufwändige Hobby muss man tatsächlich etwas basketballverrückt sein“, gibt der erfahrene Schiedsrichter zu. Den Großteil seiner Partien pfeift er in der 2.Herren-Bundesliga sowie der 1.Damen-Bundesliga.

Bei den Herren ist das Spiel schneller und athletischer. Du musst konzentriert arbeiten, aber auch Fingerspitzengefühl beweisen, denn die Akzeptanz von Seiten der Spieler und Trainer muss man sich erst erarbeiten.“ Da ist es wichtig, als Team aufzutreten: Die beiden Schiedsrichter halten stets Blickkontakt, denn Kommunikation ist alles.

In seinem ersten Bundesliga-Jahr hatte Guido Radtke noch Lehrgeld bezahlen müssen, weil „ich mich zu fest an die Regeln geklammert habe.“ Nach dem Abstieg und dem sofortigen Wiederaufstieg hat der Redakteur aus seinen Fehlern gelernt und sich jetzt fest im Zweitliga-Kader etabliert.

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
23. September 2003

 

© Axel Beckmann