Trainer
und Spieler sind nicht immer gut auf ihn zu sprechen,
denn technische Fouls zeigt er gnadenlos an: Axel Beckmann
(32). Ab Oktober pfeift der Schiedsrichter aus Mainz
in der Bundesliga.
Von Peter H. Eisenhuth
MAINZ. Fragte man Axel
Beckmann nach einer typischen Handbewegung, würde
er vermutlich die rechte Hand senkrecht vor den Körper
halten und die Linke flach darüber legen: das "T".
Kaum ein zweiter Basketball-Schiri verhängt technische
Fouls gegen aufmüpfige Trainer und Spieler so großzügig
wie der 32-jährige Mainzer. Bei den Abgestraften
kommt dies nicht immer gut an, Beckmanns Aufstieg hat
es dennoch keinen Schaden zugefügt - ab Oktober
darf er in der Bundesliga für Ordnung sorgen.
Noch steht nicht fest,
welches Spiel Beckmann zum Saisonauftakt leiten wird.
Doch ein wenig mulmig ist ihm mit Blick auf den ersten
Einsatz in der deutschen Eliteklasse schon zumute. "Das
wird eine gewaltige Umstellung", vermutet der erfahrene
Zweitligareferee. Geht es im Unterhaus zumeist recht
beschaulich zu, weht in den Bundesliga-Arenen ein rauerer
Wind.
"Andere Hallen,
mehr Zuschauer, ungewohnte Atmosphäre", fasst
Beckmann die zu erwartenden Veränderungen zusammen.
Da laste automatisch mehr Druck auf den Referees. Ein
weiterer Unterschied: "In der Zweiten Liga kenne
ich alle, und alle kennen mich. In der Ersten Liga bin
ich ein Nobody. Und es dauert eine Weile, bis man sich
da etabliert hat."
Seit 15 Jahren ist
der ehemalige Center des Regionalligisten BC Darmstadt
als Unparteiischer aktiv. Sein Einstieg erfolgte aus
rein persönlichen Motiven: "Die meisten Schiedsrichter,
mit denen ich als Spieler zu tun hatte, gingen mir auf
die Nerven", erzählt er. "Ich wollte
sehen, ob ich es besser machen kann."
Der lange Weg, den
ein aufstrebender Referee von der D- bis zur A-Lizenz
zurücklegen muss, blieb ihm seinerzeit erspart.
"Damals musste man lediglich einen Theorie-Lehrgang
besuchen und anschließend ein Oberligaspiel pfeifen"
- in Beckmanns Fall war es eine Partie des USC Mainz.
Mit den Jahren fand
Axel Beckmann zunehmend Gefallen an seiner Tätigkeit.
Mit Ehrgeiz verfolgte er sein Ziel, möglichst hochklassig
zu pfeifen. Bis zum vorläufigen Karriereknick:
Nach der Saison 1996/97 stieg er als Referee aus der
zweithöchsten Spielklasse in die Regionalliga ab.
"Danach habe ich die Sache lockerer gesehen",
erzählt Beckmann. "Und seitdem läuft
es besser." Dem direkten Wiederaufstieg folgte
jetzt der Sprung in Liga eins.
Die Kriterien, nach
denen Unparteiische bewertet werden, hält Beckmann
für dringend reformbedürftig. Bislang wird
am Saisonende eine Rangliste erstellt, die sich anhand
der von den Vereinen nach jedem Spiel abgegebenen Beurteilungen
ergibt. Die acht Bestplatzierten werden anschließend
zu einer Sichtung eingeladen; eine neutrale Kommission
entscheidet dann über vier Aufsteiger.
Eine Systemänderung
werde innerhalb des Verbandes schon länger diskutiert.
Geplant sei, künftig neutrale Beobachter der technischen
Kommission einzusetzen. "Aber das kostet Geld und
das ist zur Zeit nicht unbedingt im Übermaß
vorhanden."
Beckmann hofft, nach
einer Orientierungsphase in der neuen Umgebung möglichst
schnell Fuß zu fassen. Den Ermessensspielraum,
der ihm in Sachen "T" bleibt, wird er jedoch
auch künftig in seinem Sinne nutzen.
Daran ändert auch
die Tatsache nichts, dass der 32-Jährige in seiner
Zeit als Coach der Landesligateams des SC Lerchenberg
bisweilen zu cholerischen Ausbrüchen neigte. Hätte
es der Trainer Beckmann mit dem Referee Beckmann zu
tun gehabt, wäre für ihn die Partie schon
vor der Halbzeit beendet gewesen.
"Ich versuche
zwar schon heute, mehr mit Worten zu regeln als früher",
sagt er. "Aber ich glaube, ein Schiedsrichter muss
frühzeitig die Grenzen abstecken, wenn ihm Spieler
und Trainer nicht auf der Nase herumturnen sollen."
Beckmanns typische
Handbewegung werden auch Erstliga-Akteure des öfteren
zu sehen bekommen.
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