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Schiedsrichter | Porträts | Basketball

 

 

Quelle: Mainzer Rhein Zeitung vom 14. September 2000

 

 

Ein "Nobody" mit Hang zum "T"
Der Mainzer Basketball-Schiedsrichter Axel Beckmann pfeift ab Oktober in der Bundesliga - "Frühzeitig Grenzen abstecken"

 

Trainer und Spieler sind nicht immer gut auf ihn zu sprechen, denn technische Fouls zeigt er gnadenlos an: Axel Beckmann (32). Ab Oktober pfeift der Schiedsrichter aus Mainz in der Bundesliga.

Von Peter H. Eisenhuth

MAINZ. Fragte man Axel Beckmann nach einer typischen Handbewegung, würde er vermutlich die rechte Hand senkrecht vor den Körper halten und die Linke flach darüber legen: das "T". Kaum ein zweiter Basketball-Schiri verhängt technische Fouls gegen aufmüpfige Trainer und Spieler so großzügig wie der 32-jährige Mainzer. Bei den Abgestraften kommt dies nicht immer gut an, Beckmanns Aufstieg hat es dennoch keinen Schaden zugefügt - ab Oktober darf er in der Bundesliga für Ordnung sorgen.

Noch steht nicht fest, welches Spiel Beckmann zum Saisonauftakt leiten wird. Doch ein wenig mulmig ist ihm mit Blick auf den ersten Einsatz in der deutschen Eliteklasse schon zumute. "Das wird eine gewaltige Umstellung", vermutet der erfahrene Zweitligareferee. Geht es im Unterhaus zumeist recht beschaulich zu, weht in den Bundesliga-Arenen ein rauerer Wind.

"Andere Hallen, mehr Zuschauer, ungewohnte Atmosphäre", fasst Beckmann die zu erwartenden Veränderungen zusammen. Da laste automatisch mehr Druck auf den Referees. Ein weiterer Unterschied: "In der Zweiten Liga kenne ich alle, und alle kennen mich. In der Ersten Liga bin ich ein Nobody. Und es dauert eine Weile, bis man sich da etabliert hat."

Seit 15 Jahren ist der ehemalige Center des Regionalligisten BC Darmstadt als Unparteiischer aktiv. Sein Einstieg erfolgte aus rein persönlichen Motiven: "Die meisten Schiedsrichter, mit denen ich als Spieler zu tun hatte, gingen mir auf die Nerven", erzählt er. "Ich wollte sehen, ob ich es besser machen kann."

Der lange Weg, den ein aufstrebender Referee von der D- bis zur A-Lizenz zurücklegen muss, blieb ihm seinerzeit erspart. "Damals musste man lediglich einen Theorie-Lehrgang besuchen und anschließend ein Oberligaspiel pfeifen" - in Beckmanns Fall war es eine Partie des USC Mainz.

Mit den Jahren fand Axel Beckmann zunehmend Gefallen an seiner Tätigkeit. Mit Ehrgeiz verfolgte er sein Ziel, möglichst hochklassig zu pfeifen. Bis zum vorläufigen Karriereknick: Nach der Saison 1996/97 stieg er als Referee aus der zweithöchsten Spielklasse in die Regionalliga ab. "Danach habe ich die Sache lockerer gesehen", erzählt Beckmann. "Und seitdem läuft es besser." Dem direkten Wiederaufstieg folgte jetzt der Sprung in Liga eins.

Die Kriterien, nach denen Unparteiische bewertet werden, hält Beckmann für dringend reformbedürftig. Bislang wird am Saisonende eine Rangliste erstellt, die sich anhand der von den Vereinen nach jedem Spiel abgegebenen Beurteilungen ergibt. Die acht Bestplatzierten werden anschließend zu einer Sichtung eingeladen; eine neutrale Kommission entscheidet dann über vier Aufsteiger.

Eine Systemänderung werde innerhalb des Verbandes schon länger diskutiert. Geplant sei, künftig neutrale Beobachter der technischen Kommission einzusetzen. "Aber das kostet Geld und das ist zur Zeit nicht unbedingt im Übermaß vorhanden."

Beckmann hofft, nach einer Orientierungsphase in der neuen Umgebung möglichst schnell Fuß zu fassen. Den Ermessensspielraum, der ihm in Sachen "T" bleibt, wird er jedoch auch künftig in seinem Sinne nutzen.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der 32-Jährige in seiner Zeit als Coach der Landesligateams des SC Lerchenberg bisweilen zu cholerischen Ausbrüchen neigte. Hätte es der Trainer Beckmann mit dem Referee Beckmann zu tun gehabt, wäre für ihn die Partie schon vor der Halbzeit beendet gewesen.

"Ich versuche zwar schon heute, mehr mit Worten zu regeln als früher", sagt er. "Aber ich glaube, ein Schiedsrichter muss frühzeitig die Grenzen abstecken, wenn ihm Spieler und Trainer nicht auf der Nase herumturnen sollen."

Beckmanns typische Handbewegung werden auch Erstliga-Akteure des öfteren zu sehen bekommen.

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
27. April 2003

 

© Axel Beckmann