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Schiedsrichter-Kritik |Fußball

 

 

Aus: www.kurier.at | 25. Juni 2004

 

 

Englische Presse: "What an Urs Hole"

 

 

 

 

 

 

Das Tor von Sol Campbell wurde zu Recht nicht gegeben

Urs Meier

Da war die Welt noch in Ordnung. Handshakes der Kapitäne vor dem Spiel.

Vertreter der UEFA-Schiedsrichterkommission haben die Reaktion von Teilen der englischen Medien gegenüber dem Schweizer Schiedsrichter Urs Meier als "inakzeptabel" verurteilt.

Entscheidung verteidigt
Diese folgte auf Meiers viel diskutierte Entscheidung, in den letzten Minuten des Viertelfinalspiels letzten Donnerstag gegen Portugal ein Tor von England nicht anzuerkennen. Sowohl der Vorsitzende der UEFA-Schiedsrichterkommission, Volker Roth, als auch der zweite Vorsitzende Ken Ridden verteidigten die Entscheidung Meiers, das Tor von Sol Campbell nicht zu geben.

Rückendeckung von Roth
"Die Reaktion der englischen Presse gegenüber Urs Meier nach seiner richtigen Entscheidung war inakzeptabel", sagte Roth heute bei einer Pressekonferenz im Hotel Solverde in São Felix da Marinha, nicht weit von Espinho.

Boulevard-Blätter hatten Meiers Telefonnummer und E-Mail-Adresse veröffentlicht und damit eine Flut von wüsten Reaktionen gegen den Schweizer FIFA-Unparteiischen ausgelöst. Die Medien revanchierten sich dergestalt an Meier, der das Tor von Sol Campbell im EM-Viertelfinal gegen Portugal zum 2:1 aberkannt hatte.

"Wir sind sehr enttäuscht über das Verhalten einiger ihrer Kollegen", sagte der Schiedsrichter-Kommissionsvorsitzende Volker Roth zu den anwesenden Journalisten. "Es wurden Details über sein Privatleben, seine Frau und seine Autos veröffentlicht. Das geht zu weit. Ich bin an den Umgang mit der Boulevard-Presse gewohnt, aber die Art und Weise, wie die englische Presse Urs Meier nach einer korrekten Entscheidung beschuldigt hat, ist absolut inakzeptabel", ärgerte sich der Deutsche.

Am nächsten Tag veröffentlichte die «Sun» Urs Meiers E-Mail- sowie Homepage-Adresse, die über ein Gästebuch verfügt. Über 16'000 Schmäh-Mails landeten in seinem elektronischen Briefkasten – bis Urs Meier einen Spam-Filter für Mails aus England installieren liess.

Am Sonntag nun ein weiterer «Sun-Anschlag». Reporter transportierten eine rund 30x15 Meter grosse England-Flagge vom Figuera-Platz in Lissabon quer durch Europa hinter das Haus von Urs Meiers Geschäft in Würenlos!

Nachbarn riefen verärgert die Polizei. Zwei Uniformierte zeigten den «Sun»-Reportern die rote Karte: «Wenn Sie hier nochmals auftauchen, werden Sie verhaftet.»

Urs Meier selber verfolgt in Portugal die ganze Angelegenheit («Das ist ein Problem der Engländer und kein Problem Urs Meier») und will sich erst nach der EM entscheiden, ob er rechtliche Schritte einleiten werde.

"Richtige Entscheidung"

Meier hatte vor dem Kopfball von Campbell richtigerweise ein Foul von John Terry an Portugals Torhüter Ricardo ausgemacht und dem vermeintlichen Siegtreffer die Anerkennung versagt. Den Journalisten wurde das Video des irregulären Tores vorgeführt, und dazu wurde eine Erklärung abgegeben, warum die Experten der UEFA die Entscheidung für richtig halten. "Der Schiedsrichter musste in Sekundenbruchteilen entscheiden", sagte Ridden. "Er musste entscheiden, ob der englische Verteidiger den Torhüter festhielt oder ob der Torhüter behindert wurde. Die Schiedsrichterkommission hat dies natürlich sehr gründlich untersucht, und wir sind der Meinung, dass der Schiedsrichter aus seiner Sicht die richtige Entscheidung getroffen hat."

Spieler gelobt
Ridden lobte die zwölf Schiedsrichter-Teams mit ihren Assistenten für ihre Leistungen bei diesem Turnier. Er lobte aber auch die Spieler für ihr Verhalten in Bereichen, die vor der Endrunde noch als Problemzonen eingestuft wurden.

Gutes Verhalten
"Schwalben sind nicht so ein großes Problem, wie wir es vor dem Turnier angenommen haben", sagte Ridden. "Das Verhalten der Spieler in diesem Bereich war bisher sehr gut. Jede dieser Situationen wurde bisher erkannt und die Spieler dafür bestraft. Die Spieler müssen auch die Verantwortung dafür übernehmen, wenn sie mit ihrem Verhalten Massenaufläufe um den Schiedsrichter herum heraufbeschwören."

Sechs Rote Karten
"Wir wiesen die Schiedsrichter an, bei brutalen Fouls hart durchzugreifen, und bisher sind wir in diesem Bereich sehr zufrieden. Wenn man die Statistik nach den Gruppenspielen betrachtet, stehen nur sechs Platzverweise zu Buche, fünf davon mit der Ampelkarte. Wir meinen, dass sich die Spieler sehr gut darauf eingestellt haben. Und mit den Leistungen der Schiedsrichter und ihrer Assistenten sind wir durch die Bank zufrieden."

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
29. Juni 2004

 

© Axel Beckmann