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Schiedsrichter-Kritik |Fußball

 

 

Aus: www.kurier.at | 25. Juni 2004

 

 

Englische Presse: "What an Urs Hole"

 

 

 

 

 

 

"What an Urs Hole" - Schiedrichter Urs Meier wird im englischen Boulevard übel beschimpft.
London - Der englische Boulevard schäumt und macht Schiedsrichter Urs Meier für das Ausscheiden der eigenen Nationalmannschaft bei der Fußball-EM in Portugal verantwortlich. "What an Urs Hole" und "Cheated by an Urs hole", schreibt der "Daily Star" in einem Wortspiel mit dem Vornamen des Schweizers. Selbst die seriösen Blätter stempelten den Eidgenossen zum Sündenbock, weil er beim Viertelfinal-Elfmeter-K.o. am Donnerstag gegen Portugal in der 90. Minute ein Tor von Campbell aberkannt hatte. "Schlecht bedient von Krämer aus der Schweiz", titelte der angesehene "Guardian".

Quer durch die Yellow Press zog sich der Tenor, dass England "beraubt" ("Daily Mirror") worden war, und zwar "vom Schiedsrichter", ("Daily Express"). Die "Sun" bezeichnete Meier als "Schiedsrichter-Halbidioten" und klagte "England stürzt aus Euro 2004, dank des schummelnden Refs Urs Meier." Auslöser für Hass und Wut der Boulevardblätter war Meiers Entscheidung, Campbells Treffer in der letzten Minute der regulären Spielzeit wegen eines Fouls seines Teamkollegen John Terry gegen den portugiesischen Torhüter Ricardo nicht anzuerkennen.

Ungeheuer

Für die kommenden Jahre wäre Urs Meier jedenfalls gut beraten, sich nicht in England blicken zu lassen, denn er "wird immer als Ungeheuer betrachtet, wenn er hier ankommt", wie der "Daily Mirror" warnte. Dabei herrschte in der Nacht zum Freitag weitgehend Ruhe. Der Verkehr auf den Straßen lief in den frühen Morgenstunden reibungsloser ab als sonst, in Zügen und Londons U-Bahn waren plötzlich Sitzplätze zu finden, während sonst die Pendler gequetscht wie Sardinen in der Dose nur stehen können. Viele Fans hatten schon vorher den Freitag freigenommen - allerdings in Erwartung, sich von einer Siegesfeier zu erholen.

Bieler Tagblatt

England: Reaktionen von fans und medien

Meier zum Sündenbock gestempelt

Urs Meier leitete den Viertelfinal Portugal - England souverän und ohne groben Fehler. Dennoch stempelte ganz England den Schweizer zum Sündenbock.
awz. Mit einer einzigen Szene zog der Aargauer den englischen Volkeszorn auf sich: In der 90. Minute unterbrach er die Aktion, die zu England 2:1-Siegestreffer durch Sol Campbell geführt hätte, weil John Terry den portugiesischen Torhüter Ricardo auf der Torlinie (im massgebenden Fünfmeterraum) auf regelwidrige Weise behindert hatte.
Unter der Gürtellinie
Meier entschied richtig. Aber schon unmittelbar nach dem Match lautete die erste Frage eines englischen TV-Journalisten an Coach Sven-Göran Eriksson vor laufender Kamera: «Hat England nicht gegen zwölf Mann spielen müssen? Gegen elf Portugiesen und einen Schweizer?» Eriksson ging zunächst auf die Frage gar nicht ein, sondern sprach von einem «dramatischen Spiel» und vom «Pech» seiner Mannschaft. Dann fügte er an, er werde sich die fragliche Szene noch einmal ansehen müssen. Kein Wort gegen Meier. Anderntags beklagte sich der Schwede vor allem über den schlimmen Zustand des Rasens beim Penaltypunkt, von dem aus das für England verhängnisvolle Penaltyschiessen abgehalten wurde.
Die englischen Zeitungen dagegen überboten sich mit unflätigen Beschuldigungen und überschritten die Grenzen des Geschmacks bei weitem. «Cheated by an Urs hole» (»Beschissen von einem Arschloch») titelte der «Daily Star», den Schweizer Vornamen für ein Wortspiel verwendend. «The Sun», eines der berüchtigtsten Revolverblätter, bezeichnete Meier als «Schiedsrichter-Halbidioten». Der «Daily Mirror» warnte den Schweizer sogar davor, sich je noch in England blicken zu lassen, denn «er wird immer als Ungeheuer betrachtet, wenn er hier ankommt».
Auch die Politik konnte der Versuchung nicht widerstehen, einen Kommentar zum Spiel und zur umstrittenen Szene abzugeben. Der irische Premierminister Bertie Ahern, der sich gestern mit seinem englischen Pendant Tony Blair traf, meinte vor versammelter Presse: «Ich habe die Aktion mehrfach gesehen. Es war ein Tor.» «Da haben sie eine unparteiische Meinung. Ich kann dem irischen Premierminister nur zustimmen», antwortete Blair lachend.

Meier bringt kein Glück

Urs Meier scheint England kein Glück zu bringen. Er war schon vor vier Jahren an der EM-Endrunde 2000 der Schiedsrichter in der Vorrunden-Partie England - Rumänien, wonach die Briten ebenfalls die Heimreise anzutreten hatten. Meier pfiff damals in der 89. Minute einen Foulpenalty gegen England, der zum entscheidenden 2:3 führte. Der damalige Entscheid war jedoch selbst von den Engländern kaum angezweifelt worden, zumal sie selber in der ersten Halbzeit von einem Foulpenalty profitiert hatten, der zumindest nach Ansicht der Rumänen keiner gewesen war.
Diesmal schlug Meiers Einsatz höhere Wellen, auch für sein privates Umfeld. Es habe bis jetzt zwar keine Drohungen gegeben, doch Freunde und Bekannte wurden massiv belästigt und englische Journalisten seien in seinem Wohnort aufgetaucht, so der Aargauer gegenüber dem Zürcher Radio «Energy»: «Es ist eine riesen Schweinerei, dass so viele Leute unter meinem Entscheid zu leiden haben.»

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
27. Juni 2004

 

© Axel Beckmann