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"What
an Urs Hole" - Schiedrichter Urs Meier wird im englischen Boulevard übel
beschimpft. |
London - Der englische Boulevard schäumt und macht Schiedsrichter Urs Meier
für das Ausscheiden der eigenen Nationalmannschaft bei der Fußball-EM in
Portugal verantwortlich. "What an Urs Hole" und "Cheated by an Urs hole",
schreibt der "Daily Star" in einem Wortspiel mit dem Vornamen des Schweizers.
Selbst die seriösen Blätter stempelten den Eidgenossen zum Sündenbock, weil er
beim Viertelfinal-Elfmeter-K.o. am Donnerstag gegen Portugal in der 90. Minute
ein Tor von Campbell aberkannt hatte. "Schlecht bedient von Krämer aus der
Schweiz", titelte der angesehene "Guardian".
Quer durch die Yellow Press
zog sich der Tenor, dass England "beraubt" ("Daily Mirror") worden war, und zwar
"vom Schiedsrichter", ("Daily Express"). Die "Sun" bezeichnete Meier als
"Schiedsrichter-Halbidioten" und klagte "England stürzt aus Euro 2004, dank des
schummelnden Refs Urs Meier." Auslöser für Hass und Wut der Boulevardblätter war
Meiers Entscheidung, Campbells Treffer in der letzten Minute der regulären
Spielzeit wegen eines Fouls seines Teamkollegen John Terry gegen den
portugiesischen Torhüter Ricardo nicht anzuerkennen.
Ungeheuer
Für die kommenden Jahre wäre Urs Meier
jedenfalls gut beraten, sich nicht in England blicken zu lassen, denn er "wird
immer als Ungeheuer betrachtet, wenn er hier ankommt", wie der "Daily Mirror"
warnte. Dabei herrschte in der Nacht zum Freitag weitgehend Ruhe. Der Verkehr
auf den Straßen lief in den frühen Morgenstunden reibungsloser ab als sonst, in
Zügen und Londons U-Bahn waren plötzlich Sitzplätze zu finden, während sonst die
Pendler gequetscht wie Sardinen in der Dose nur stehen können. Viele Fans hatten
schon vorher den Freitag freigenommen - allerdings in Erwartung, sich von einer
Siegesfeier zu erholen.
Bieler
Tagblatt
England: Reaktionen von fans und
medien
Meier zum Sündenbock gestempelt
Urs Meier leitete den Viertelfinal Portugal - England souverän
und ohne groben Fehler. Dennoch stempelte ganz England den Schweizer zum
Sündenbock.
awz. Mit einer einzigen Szene zog der Aargauer den
englischen Volkeszorn auf sich: In der 90. Minute unterbrach er die Aktion, die
zu England 2:1-Siegestreffer durch Sol Campbell geführt hätte, weil John Terry
den portugiesischen Torhüter Ricardo auf der Torlinie (im massgebenden
Fünfmeterraum) auf regelwidrige Weise behindert hatte.
Unter der Gürtellinie
Meier entschied richtig. Aber schon unmittelbar nach dem
Match lautete die erste Frage eines englischen TV-Journalisten an Coach
Sven-Göran Eriksson vor laufender Kamera: «Hat England nicht gegen zwölf Mann
spielen müssen? Gegen elf Portugiesen und einen Schweizer?» Eriksson ging
zunächst auf die Frage gar nicht ein, sondern sprach von einem «dramatischen
Spiel» und vom «Pech» seiner Mannschaft. Dann fügte er an, er werde sich die
fragliche Szene noch einmal ansehen müssen. Kein Wort gegen Meier. Anderntags
beklagte sich der Schwede vor allem über den schlimmen Zustand des Rasens beim
Penaltypunkt, von dem aus das für England verhängnisvolle Penaltyschiessen
abgehalten wurde. Die englischen Zeitungen dagegen überboten sich mit
unflätigen Beschuldigungen und überschritten die Grenzen des Geschmacks bei
weitem. «Cheated by an Urs hole» (»Beschissen von einem Arschloch») titelte der
«Daily Star», den Schweizer Vornamen für ein Wortspiel verwendend. «The Sun»,
eines der berüchtigtsten Revolverblätter, bezeichnete Meier als
«Schiedsrichter-Halbidioten». Der «Daily Mirror» warnte den Schweizer sogar
davor, sich je noch in England blicken zu lassen, denn «er wird immer als
Ungeheuer betrachtet, wenn er hier ankommt». Auch die Politik konnte der
Versuchung nicht widerstehen, einen Kommentar zum Spiel und zur umstrittenen
Szene abzugeben. Der irische Premierminister Bertie Ahern, der sich gestern mit
seinem englischen Pendant Tony Blair traf, meinte vor versammelter Presse: «Ich
habe die Aktion mehrfach gesehen. Es war ein Tor.» «Da haben sie eine
unparteiische Meinung. Ich kann dem irischen Premierminister nur zustimmen»,
antwortete Blair lachend.
Meier bringt kein Glück
Urs Meier scheint England kein Glück zu bringen. Er war
schon vor vier Jahren an der EM-Endrunde 2000 der Schiedsrichter in der
Vorrunden-Partie England - Rumänien, wonach die Briten ebenfalls die Heimreise
anzutreten hatten. Meier pfiff damals in der 89. Minute einen Foulpenalty gegen
England, der zum entscheidenden 2:3 führte. Der damalige Entscheid war jedoch
selbst von den Engländern kaum angezweifelt worden, zumal sie selber in der
ersten Halbzeit von einem Foulpenalty profitiert hatten, der zumindest nach
Ansicht der Rumänen keiner gewesen war. Diesmal schlug Meiers Einsatz höhere
Wellen, auch für sein privates Umfeld. Es habe bis jetzt zwar keine Drohungen
gegeben, doch Freunde und Bekannte wurden massiv belästigt und englische
Journalisten seien in seinem Wohnort aufgetaucht, so der Aargauer gegenüber dem
Zürcher Radio «Energy»: «Es ist eine riesen Schweinerei, dass so viele Leute
unter meinem Entscheid zu leiden haben.» |