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FRANKFURT.
Es trifft zwar „nur" die kleinen Kickers - aber
trotzdem ist es ein großes Ärgernis für die Offenbacher
Kickers. Am Ende der Saison
werden den Hessen zwei Punkte abgezogen. Nicht dem Regionalligateam,
sondern der zweiten OFC-Mannschaft, die in der Fußball-Landesliga
Süd spielt. Wieder einmal hat der Traditionsverein das
Schiedsrichter-Soll nicht erfüllt, das der Hessische
Fußball-Verband (HFV) den Klubs auferlegt. Dabei haben
die Offenbacher, die auch eine Geldstrafe erhalten,
noch Glück im Unglück. Weil die erste Mannschaft der
Kickers den Statuten des süddeutschen Fußballverbandes
unterliegt, wird die fünftklassige Landesligamannschaft
mit dem Punktabzug bestraft.
Die Offenbacher Kickers
sind wahrlich kein Einzelfall. Vor eineinhalb Jahren
hatte der Hessische Fußball-Verband noch rund 7500 Schiedsrichter
in allen Altersklassen. Heute dagegen sind es nur noch
etwa 6700. „Die Lage ist beunruhigend", räumt Stefan
Reuß, Verbandspressewart und Mitglied im Verbandsschiedsrichterausschuß,
ein.
Zwar bildet der HFV
pro Jahr nach wie vor rund 1000 neue Schiedsrichter
aus. Davon sind die meisten Lehrgangsteilnehmer zwischen
15 und 20 Jahre alt. Doch im Gegensatz zu früher beenden
viele junge Schiedsrichter ihre Tätigkeit schnell wieder.
Dazu kommt, daß wegen der augenblicklichen Altersstruktur
in der Bevölkerung viele ältere Schiedsrichter aus dem
Amt ausscheiden.
Für den Rückzug gerade
der Nachwuchsschiedsrichter macht Reuß zum einen das
"veränderte Freizeitverhalten" und das "größere
Freizeitangebot" verantwortlich. Allerdings nähmen
auch die Beschimpfungen der Unparteiischen durch Zuschauer
und Vereinsverantwortliche zu. "Manchmal kommt
es sogar zu tätlichen Übergriffen. Die Hemmschwelle
ist insgesamt eher niedriger geworden." In den
immer öfter auftretenden Schmähungen sehen auch einige
gestandene Schiedsrichter den Grund, ihre Tätigkeit
aufzugeben.
Der alarmierende Rückgang
der Schiedsrichterzahl in Hessen hat dazu geführt, daß
bei der Jugend in einigen Klassen die Begegnungen nicht
mehr von ausgebildeten Schiedsrichtern gepfiffen werden
können. Statt dessen versuchen sich Betreuer oder Eltern
von Spielern an der Aufgabe. "Und dadurch kommt
es immer wieder zu Konflikten", sagt Reuß. Nicht
einfacher wird die Situation auch dadurch, daß seit
1996 Begegnungen der Bezirks-Oberliga von einem Schiedsrichter
und zwei Schiedsrichterassistenten geleitet werden.
„Der Bedarf ist dort höher. Wir müssen die Unparteiischen
also an anderer Stelle abziehen." Für einen geregelten
Spielbetrieb in den Landesligen oder in der Oberliga
sieht der Verbandspressewart aber keine Gefahr. „Geeignete
Schiedsrichter ziehen wir immer aus unteren Klassen
heraus. Die vierte und fünfte Liga sind Leistungsklassen.
Die Unparteiischen müssen sich für sie qualifizieren."
Daß das allgemeine
Niveau der Schiedsrichter angesichts der Negativentwicklung
schlechter wird, will Reuß „nicht ausschließen. Einige
werden dazu gedrängt, Schiedsrichter zu werden, obwohl
sie nicht von der Aufgabe überzeugt sind", sagt
der 31 Jahre alte Wirtschaftspädagoge. Der Hessische
Fußball-Verband sieht nun dringend Handlungsbedarf -
zumal man im nationalen Vergleich Vorreiter bei den
rückläufigen Zahlen ist. "Den Grund dafür kann
ich nicht genau erklären. Vielleicht bereinigen wir
die Statistik aber besser oder die anderen schleppen
mehr durch", vermutet der Oberliga-Schiedsrichter.
Im Frühjahr 2002 wird der HFV wieder eine Werbekampagne
starten. Mit Flugblättern und Aktionen in Vereinen und
Schulen soll darauf aufmerksam gemacht werden, wie wichtig
die Aufgabe des Schiedsrichters ist. Darüber hinaus
will der Verband die Bedeutung des Postens des Schiedsrichterbeauftragten
in den Klubs hervorheben. In diesem Jahr wurde das Amt
erstmals in der Verbandssatzung festgeschrieben. Die
Werbekampagne, die der Deutsche Fußball Bund 1998 veranstaltet
hatte, war auch in Hessen ein Erfolg. Damals bildete
der HFV etwa 500 neue Schiedsrichter mehr aus. Am Jahresende
hatte man einen Überschuß von etwa 400 Unparteiischen.
„In der Regel ist es so, daß das, was wir jährlich an
Schiedsrichtern ausbilden, durch Unparteiische, die
aufhören, wieder verlorengeht", sagt Reuß.
Zur Zeit schwebt die
zweite Offenbacher Mannschaft in Abstiegsgefahr. Am
Ende könnten ihr die beiden Punkte demnach fehlen. Wie
anderen Klubs auch. „Hält die augenblickliche Tendenz
an, nähmen die Strafen für die Vereine weiter zu",
sagt Reuß. JÖRG DANIELS
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