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Der nachfolgende Artikel war 1997 in der Mainzer Rhein Zeitung zu lesen und beleuchtet ein bißchen das Ehrenamt Schiedsrichterwart!

 

 

Die Nase voll von Beleidigungen
Basketball-Schiedsrichter Axel Beckmann mit kritischen Gedanken über das Ehrenamt

 

 

MAINZ. HT. Axel Beckmann hat die Nase vom Ehrenamt im Basketball gestrichen voll. Der Schiedsrichterwart für die Landesliga sowie den Bezirk Rheinhessen hat sich am Ende der Saison nicht mehr zur Wiederwahl gestellt. Zeitliche Überbelastung sei ein Grund gewesen, das Amt abzugeben. Der 28jährige Mainzer studiert Politik und jobbt nebenher. Er ist Trainer beim SC Lerchenberg, Schiedsrichter in der zweiten Liga und spielt selbst in der Regionalliga in Darmstadt. Doch außer dem Zeitfaktor gab es für Beckmann auch eine "gehörige Portion Frust".

Zeitverschwendung

Beckmann hatte zunächst von 1989 bis 1991 das Amt des Schiedsrichterwarts inne und warf damals wegen Differenzen mit dem Landesverband Rheinland-Pfalz während der Saison das Handtuch. Als sein Nachfolger 1995 zurückgetreten war, sprang Beckmann dann doch wieder ein und wurde kurz darauf offiziell gewählt. Seinen Einsatz an den Wochenenden sieht er heute als "Zeitverschwendung" an. "Mir wurde unterschwellig vorgeworfen, meinem Verein SC Lerchenberg durch die Auswahl von Schiedsrichtern Vorteile verschafft zu haben", erklärt Beckmann verärgert. "Das ist lächerlich. Ich kann schließlich nur Leute zu Spielen schicken, die an bestimmten Tagen pfeifen können." Bei der geringen Zahl qualifizierter Schiedsrichter sei gerade bei den höheren Spielklassen die Einteilung häufig sehr schwierig.

"Mir ging es nicht darum, eine Ehrennadel angeheftet zu bekommen. Ich wollte etwas für die Vereine tun", sagt Beckmann über seine Motivation, sich ehrenamtlich zu engagieren. Doch die Vereine würden nicht mitziehen und kaum Spieler zur Schiedsrichterausbildung schicken. "Viele wollen es nicht machen. Schiedsrichter sind nicht gut angesehen. Wenn man etwas über sie hört, dann ist es immer nur Kritik", weiß Beckmann aus eigener Erfahrung. "Es ist nicht jedermanns Sache, sich in der Halle anpöbeln zu lassen. Da muß man viel Stehfleisch haben." Oft beruhten die Beleidigungen der Schiedsrichter auf purer Unkenntnis. Hinzu kommt die geringe Bezahlung der Referees im Basketball. "In der Bundesliga gibt es gerade mal ein Zehntel dessen, was die Fußballschiedsrichter bekommen."

Beckmann will sich allerdings weiterhin um die Aus- und Fortbildung von Basketball-Schiedsrichtern für ganz Rheinland-Pfalz kümmern. Beckmann: "Das macht mir mehr Spaß. Da kann man eher Erfolge sehen." Schiedsrichter für die Spiele anzusetzen sei für ihn dagegen endgültig "ad acta". "Statt daß sich einer bedankt, daß man diese Arbeit macht, bekommt man von den Vereinen solchen Blödsinn an den Kopf geworfen."

Ein Ehrenamt zu übernehmen erfordere großen Idealismus, meint Beckmann. "Lorbeeren kann man sich da nicht verdienen." Als Schiedsrichterwart habe er sich bemüht, die Schiedsrichter für die verschiedenen Klassen möglichst "gescheit anzusetzen". Die Schiedsrichter hätten es sich aber oft zu einfach gemacht, indem sie sich gar nicht erst um Ersatz bemühten, wenn sie Spiele absagten. Ein Anruf beim Schiedsrichterwart ist bequemer.

Auf dem Rückzug

Als Schiedsrichterwart hat Beckmann pro Saison eine Aufwandsentschädigung von 400 Mark erhalten. Auf dem letzten Verbandstag habe die einhellige Meinung geherrscht, daß dieser Betrag erhöht werden muß. Beckmann: "Ich glaube, das Ehrenamt ist insgesamt auf dem Rückzug. In der heutigen Welt muß man jungen Leuten einen finanziellen Anreiz geben." Abgesehen vom ASC, der eine große Anziehung für ambitionierte Jugendliche habe, sei es für die meisten Vereine problematisch, den Nachwuchs an sich zu binden. "Die Vereine müssen vielleicht offener werden, verschiedene Sportarten und mehr Freizeiten anbieten", meint Beckmann. Sie erfüllen schließlich eine wichtige soziale Funktion. Gerade auf dem Lerchenberg könnten durch den Sport viele Jugendliche von der Straße geholt werden.

Um für junge Menschen attraktiver zu werden, müssen laut Beckmann neue Konzepte her. Dazu gehöre offensivere Werbung. "Die Multimedia-Möglichkeiten werden viel zuwenig genutzt, um sich besser selbst darzustellen und Sponsoren zu finden. Um professionell zu arbeiten, muß der Verband, der sich als Dienstleister der Vereine verstehen sollte, einen hauptamtlichen Geschäftsführer einstellen." Die meisten Mitarbeiter im Bezirksverband hätten gleichzeitig auch Funktionen in den Vereinen. "Das ist eine schwierige Situation und ein extremer Aufwand."

Welche Folgen unsensibler Umgang mit ehrenamtlichen Kräften haben kann, zeigte sich auf dem Verbandstag Ende April. Über eine Stunde lang wurde erfolglos versucht, einen Nachfolger für Beckmann zu finden.

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
27. April 2003

 

© Axel Beckmann