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MAINZ.
HT. Axel Beckmann hat die Nase vom Ehrenamt im Basketball
gestrichen voll. Der Schiedsrichterwart für die Landesliga
sowie den Bezirk Rheinhessen hat sich am Ende der Saison
nicht mehr zur Wiederwahl gestellt. Zeitliche Überbelastung
sei ein Grund gewesen, das Amt abzugeben. Der 28jährige
Mainzer studiert Politik und jobbt nebenher. Er ist
Trainer beim SC Lerchenberg, Schiedsrichter in der zweiten
Liga und spielt selbst in der Regionalliga in Darmstadt.
Doch außer dem Zeitfaktor gab es für Beckmann auch eine
"gehörige Portion Frust".
Zeitverschwendung
Beckmann hatte zunächst
von 1989 bis 1991 das Amt des Schiedsrichterwarts inne
und warf damals wegen Differenzen mit dem Landesverband
Rheinland-Pfalz während der Saison das Handtuch. Als
sein Nachfolger 1995 zurückgetreten war, sprang Beckmann
dann doch wieder ein und wurde kurz darauf offiziell
gewählt. Seinen Einsatz an den Wochenenden sieht er
heute als "Zeitverschwendung" an. "Mir
wurde unterschwellig vorgeworfen, meinem Verein SC Lerchenberg
durch die Auswahl von Schiedsrichtern Vorteile verschafft
zu haben", erklärt Beckmann verärgert. "Das
ist lächerlich. Ich kann schließlich nur Leute zu Spielen
schicken, die an bestimmten Tagen pfeifen können."
Bei der geringen Zahl qualifizierter Schiedsrichter
sei gerade bei den höheren Spielklassen die Einteilung
häufig sehr schwierig.
"Mir ging es nicht
darum, eine Ehrennadel angeheftet zu bekommen. Ich wollte
etwas für die Vereine tun", sagt Beckmann über
seine Motivation, sich ehrenamtlich zu engagieren. Doch
die Vereine würden nicht mitziehen und kaum Spieler
zur Schiedsrichterausbildung schicken. "Viele wollen
es nicht machen. Schiedsrichter sind nicht gut angesehen.
Wenn man etwas über sie hört, dann ist es immer nur
Kritik", weiß Beckmann aus eigener Erfahrung. "Es
ist nicht jedermanns Sache, sich in der Halle anpöbeln
zu lassen. Da muß man viel Stehfleisch haben."
Oft beruhten die Beleidigungen der Schiedsrichter auf
purer Unkenntnis. Hinzu kommt die geringe Bezahlung
der Referees im Basketball. "In der Bundesliga
gibt es gerade mal ein Zehntel dessen, was die Fußballschiedsrichter
bekommen."
Beckmann will sich
allerdings weiterhin um die Aus- und Fortbildung von
Basketball-Schiedsrichtern für ganz Rheinland-Pfalz
kümmern. Beckmann: "Das macht mir mehr Spaß. Da
kann man eher Erfolge sehen." Schiedsrichter für
die Spiele anzusetzen sei für ihn dagegen endgültig
"ad acta". "Statt daß sich einer bedankt,
daß man diese Arbeit macht, bekommt man von den Vereinen
solchen Blödsinn an den Kopf geworfen."
Ein Ehrenamt zu übernehmen
erfordere großen Idealismus, meint Beckmann. "Lorbeeren
kann man sich da nicht verdienen." Als Schiedsrichterwart
habe er sich bemüht, die Schiedsrichter für die verschiedenen
Klassen möglichst "gescheit anzusetzen". Die
Schiedsrichter hätten es sich aber oft zu einfach gemacht,
indem sie sich gar nicht erst um Ersatz bemühten, wenn
sie Spiele absagten. Ein Anruf beim Schiedsrichterwart
ist bequemer.
Auf dem Rückzug
Als Schiedsrichterwart
hat Beckmann pro Saison eine Aufwandsentschädigung von
400 Mark erhalten. Auf dem letzten Verbandstag habe
die einhellige Meinung geherrscht, daß dieser Betrag
erhöht werden muß. Beckmann: "Ich glaube, das Ehrenamt
ist insgesamt auf dem Rückzug. In der heutigen Welt
muß man jungen Leuten einen finanziellen Anreiz geben."
Abgesehen vom ASC, der eine große Anziehung für ambitionierte
Jugendliche habe, sei es für die meisten Vereine problematisch,
den Nachwuchs an sich zu binden. "Die Vereine müssen
vielleicht offener werden, verschiedene Sportarten und
mehr Freizeiten anbieten", meint Beckmann. Sie
erfüllen schließlich eine wichtige soziale Funktion.
Gerade auf dem Lerchenberg könnten durch den Sport viele
Jugendliche von der Straße geholt werden.
Um für junge Menschen
attraktiver zu werden, müssen laut Beckmann neue Konzepte
her. Dazu gehöre offensivere Werbung. "Die Multimedia-Möglichkeiten
werden viel zuwenig genutzt, um sich besser selbst darzustellen
und Sponsoren zu finden. Um professionell zu arbeiten,
muß der Verband, der sich als Dienstleister der Vereine
verstehen sollte, einen hauptamtlichen Geschäftsführer
einstellen." Die meisten Mitarbeiter im Bezirksverband
hätten gleichzeitig auch Funktionen in den Vereinen.
"Das ist eine schwierige Situation und ein extremer
Aufwand."
Welche Folgen unsensibler
Umgang mit ehrenamtlichen Kräften haben kann, zeigte
sich auf dem Verbandstag Ende April. Über eine Stunde
lang wurde erfolglos versucht, einen Nachfolger für
Beckmann zu finden.
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