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Förderung | Profi-Schiedsrichter

 

 

Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 23.2.2000

 

 

Fifa will Profi-Schiedsrichter

 

 

 

Markus MerkOberhaching – Der Weltfußballverband Fifa will bis zur WM 2002 Profi-Schiedsrichter einführen. „Ich hoffe, dass wir das Konzept bis Ende des Frühlings unter Dach und Fach haben und bis zum Ende des Jahres die Gruppe unserer Profi-Schiedsrichter zusammen haben“, erklärte Fifa-Generalsektretär Michel Zen-Ruffinen am Dienstag bei einer Tagung des Fifa-Schiedsrichterkomitees.

Der Fifa-Plan sieht so aus: Der Verband will mit bis zu 40 Schiedsrichtern einen Vertrag abschließen. Diese sollen weiterhin hauptsächlich in den Ländern pfeifen, aus denen sie kommen, müssen aber ihren Beruf aufgeben und dem Weltfußballverband immer zur Verfügung stehen – vor allem für Länderspiele und Weltmeisterschaften. Bezahlt werden sollen diese Schiedsrichter zum Teil von den nationalen Verbänden – in Deutschland also vom DFB – und der Fifa. Um in die elitäre Gruppe aufgenommen zu werden, müssen die Kandidaten bereits Fifa-Schiedsrichter sein und einen Beruf haben, in den sie anschließend zurück kehren können. „Es ist unumgänglich, dass der Schiri Profi wird. Er wird dann besser, weil er auf dem Platz von den Spielern als gleichwertig anerkannt wird“, sagt Fifa-Präsident Josef Blatter. Er glaubt an den Plan.

Viele andere sind skeptisch. Engelbert Nelle, DFB-Vizepräsident: „Was da gefordert wird, haben wir ja.“ Ab der kommenden Saison bekommt ein Bundesliga-Schiedsrichter 6000 Mark pro Spiel; durchschnittlich pfeift er in jedem Monat drei Spiele, macht zusammengerechnet 216 000 Mark im Jahr. Warum sollte er für einige zehntausend Mark mehr seinen Beruf aufgeben und sich von der Fifa als Profi unter Vertrag nehmen lassen?

Markus Merk, Zahnarzt und Bundesliga-Schiedsrichter, sagt: „Mit mir hat noch keiner gesprochen. Erst wenn ein konkretes Angebot vorliegt, werde ich mir Gedanken machen.“ Die kann er sich vielleicht sparen. Volker Roth, deutscher Vertreter im Fifa-Schiedsrichterkomitee, sagt: „Die Frage der sozialen Absicherung ist völlig offen.“ Probleme entstehen vor allem, wenn der Schiri mit 45 aus Altersgründen die Pfeife aus dem Mund legen muss. In Holland läuft ein Gerichtsverfahren, in dem ein gealterter Referee von seinem Verband das Geld für seine Altersvorsorge fordert.

Bekannt wurde am Rande der Tagung am Dienstag auch, dass von Juli 2000 an einige neue Regeln gelten: So muss der Torwart den Ball nach sechs Sekunden wieder fürs Spiel freigeben. Zwei andere Änderungen geben den Linienrichtern mehr Macht. So haben die Assistenten in Zukunft nicht mehr nur das Recht, sondern die Pflicht, dem Schiedsrichter ein unbemerktes Foul anzuzeigen. Außerdem dürfen sie das Feld betreten, um den Abstand beim Freistoß zu kontrollieren. Profi-Linienrichter sind aber noch nicht geplant (siehe Kommentar).


Unausgegorenes aus Haching

Von Thomas Kistner

Nimmt man die Fifa-Schiedsrichterrunde in Oberhaching als Maß, kann man nur hoffen, dass der Weltverband die Vergabe seiner Fußball-WM 2006 im Juli professioneller über die Bühne bringt. Im Münchner Vorort ließ sich Fifa-Boss Blatter höchstselbst herbei, um den Terminplan für das Debüt von Profi- Referees zu verkünden. Aus dieser Nummer kommt der Verband nicht so leicht raus – falls sie schiefgeht, was nicht nur der deutsche Schiedsrichter-Chef Roth befürchtet. Ziemlich unausgegoren ist das an sich begrüßenswerte Vorhaben, der Autorität des Unparteiischen neues und damit mehr Gewicht zu verleihen. Pfeifenmänner, die sich ganz auf den Job konzentrieren können, bewähren sich auch längst andernorts.

Aber: Wie sieht etwa die arbeitsrechtliche Absicherung der künftigen Profi-Referees aus, könnte ein chronischer Minderleister überhaupt in den Lernberuf zurück expediert werden? Wie sind die (erkennbaren) Abhängigkeiten geregelt, wenn berufsabhängige Schiris von Verbandsgremien berufen und bewertet werden – wo doch Ehrenamtliche der Hauptherd für Filz und Gemauschel im Sport sind? Und macht es Sinn, den Pfeifenprofis Assistenten beizugeben, deren Befugnisse zwar erweitert werden, die aber Amateure bleiben? Ein Referee ist immer so gut wie seine Helfer. Zu besichtigen ist das am größten Fehlerquell des Spiels, der Abseitsfindung. Hier werden Resultate am häufigsten beeinträchtigt. Das Problem dürfte mit echten Profis, die auf falsche Fahnenwinks reagieren, kaum zu lösen sein. Nicht nur die Schulung der Schiris ist voranzutreiben, die als Amateure üppig verdienen, sondern die ihrer Helfer. Es ist noch Zeit, darüber nachzudenken.

Übrigens: Freuden und Nöte des Schiedsrichterns könnte Sepp Blatter selbst bald erfahren. Falls beim WM-Entscheid 2006 die Exekutive in eine Patt-Situation driftet, muss es der Fifa-Chef richten. Mit sowas schafft man sich Feinde, und das will er verhindern. Von seinen WM-Inspektoren unter Alan Rothenberg verlangt der Boss jetzt eine Rangliste der Kandidaten. Hinter den technischen Daten der anderen lässt sich besser der eigene Kandidat verbergen: Denn das Herz, so Blatter in Haching, „muss mitentscheiden“. Man sollte das hierzulande nicht unbedingt als Verheißung auffassen.

 

 

 

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 Letzte Aktualisierung:
Dezember 2001

 

© Axel Beckmann