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Köln, Juli / August 2002, aktualisiert Juli 2003,
Ausgangslage
Beobachter versus Schiedsrichter
Beide haben unterschiedliche Interessen, es besteht ein Interessenkonflikt:
a) aus logischer Sicht besteht er nicht, denn:
es scheint klar und mehrfach durch Verbandsvorgaben geregelt, dass Beobachter und SR angemessen miteinander auskommen können bzw. sollen. Der SR "pfeift", der Beobachter schaut dabei zu und gibt dem SR ein Feedback zu seiner Leistung.
So scheint es im Sportalltag vieler Verbände jedoch nicht zu sein.
Was kann dem entgegenstehen?
b) aus psychologische Sicht stellt sich der Interessenkonflikt etwas anders dar:
Die Selbstwahrnehmung eines SR versus Fremdwahrnehmung durch einen Beobachter.
Diese "zwei Bilder" unterschiedlicher Herkunft gilt es abzugleichen, wenn das gelingt, dann entsprechen sich die Akzeptanzen auf Beobachter-Seite und Schiedsrichter-Seite.
Ein SR kommt mehr und mehr in die Lage, das Fremdbild des Beobachter als wertvolle, ergänzende Hilfe zur Selbstwahrnehmung zu verstehen und zu nutzen.
Dabei kommt es auf die Art an, wie der Beobachter mit den SR umgeht, wie er seine Leistungsautorität spüren lässt bzw. diese einem SR vermittelt.
Für den Beobachter gilt: Das "Wie" seines Tuns überwiegt das "Was" seiner Beobachtertätigkeit.
Was könnte helfen?
u. a.
Beobachter verbessern ihre "Kommunikation"
Übersicht/Gliederung
- Verhalten in 'sozialen Situationen' verstehen/beachten
- Konflikte‘ lösen lernen
- Günstiges Erleben und Verhalten in Gespräch und Auseinandersetzung
- Ich-Botschaften senden
- Sie/Du-Botschaften vermeiden
Es folgen anregende Aspekte zu diesen 5 Punkten.
1. Verhalten in sozialen Situationen verstehen/beachten
für Beobachter z. B. über
- 'Selbstvertrauen' und Selbstsicherheit
- nicht nach Ursachen oder Motiven bewerten
- eigene Sicht der Situation mitteilen
Sagen Sie, was ist, und nicht, was sein sollte!
Von Bedeutung ist es, das eigene Verhalten mitzubekommen, da
es hilft, sich beobachten zu können, z. B. über diese drei Fragen:
Was haben Sie sich gesagt?
Was haben Sie gefühlt?
Was haben Sie körperlich empfunden?
Wenn ich weiß, was in mir vor- oder abgeht, kann ich "das" benennen und dann etwas unternehmen, z. B. mich zu regulieren, Ruhe und Distanz bewahren zu können.
Mir "anonymen Gefühlen" bin ich eher ausgeliefert, sachlich bleiben fällt dann echt schwer. Ich reagiere "aus dem Bauch" heraus, wie es in der Alltagssprache heißt. Ruhe und Distanz sind dahin, ein sachliches Gespräch kaum noch möglich.
2) 'Konflikte' lösen lernen
für Beobachter könnte das heißen, u. a.:
- Konflikte möglichst direkt besprechen
- Machtkämpfe erkennen
- Beteiligte fragen, bevor eingegriffen wird
- Ich-Botschaften nutzen, Kommunikation vorbereiten
- Wer fragt, muss auch Antworten akzeptieren
- unbedingt nach getroffenen Vereinbarungen vorgehen -
weitere Kompromisse suchen und beachten
3) Günstiges Erleben und Verhalten in Gespräch und Auseinandersetzung
für Beobachter mag aus diesem Themenbereich gelten:
Kümmern Sie sich vor allem um sich selbst: Was erleben Sie, wie tun sie etwas?
Auf der Suche nach Motiven beim Gegenüber (z. B. SR) folgt dann meistens eine ‚Schuldzuschreibung‘ ("Der nimmt mich nicht ernst").
Da diese selten stimmen kann (wer kann schon dem anderen 'hinter die Stirn' schauen), wird eine Motiv-Aussage ("Sie wollen mich beleidigen") vom Gegenüber als Angriff gesehen und schon geht ein 'Machtkampf' los.
In Machtkämpfen dieser Art wird fast immer auf der Gefühlsseite operiert, die Argumente, die Sachebene wird verlassen:
Dessen Anfang sollten Beobachter nicht verpassen, sonst sitzen Sie schnell im untergehenden Boot.
Es hat sich bewährt, in so einem Fall das Gespräch (Beobachtergespräch nach einem Spiel) zu beenden, sich zu vertagen.
Zuvor: Es erweist sich als günstig, dass eigene Erleben deutlich zu machen z. B. über:
- "Jetzt höre ich keine Aussagen zur Sache mehr."
- "Bitte kommen Sie zur Sache zurück."
- "Ihre Äußerungen machen mich wütend."
- "Ich fühle mich von Ihnen beleidigt."
- "Ich fühle mich von Ihnen angegriffen."
Über Antworten zu diesen Aussagen, kann ein Beobachter den Zeitpunkt erkennen, an dem das Sachgespräch in einen 'Machtkampf' umkippt.
Ist dieser Punkt erreicht, sollten Sie – wie erwähnt - das Gespräch beenden.
4) Ich-Botschaften senden
ICH-Botschaften erhöhen bei Konfrontation und Konflikt die Wahrscheinlichkeit,
- dass ich verstanden werde,
- die andere Person auf mich reagiert,
- dass sich ihr Verhalten ändert, während der Selbstwert der anderen Person nicht angetastet wird,
- dass die Beziehung erhalten bleibt,
- dass ich zum spürbaren Partner/in werde, dem/der es nicht um einen Machtkampf, sondern um die Sache, um die Lösung eines Problems, eines Konfliktes geht.
Das sollten Beobachter für sich und den SR nutzen.
Weiteres zu ICH-Botschaften
Wenn ich ein Problem habe mit dem Verhalten anderer, dann spreche ich über Mich in einer Ich-Botschaft:
"Wenn ich in meiner Arbeit gestört werde,
schadet das meiner Leistung, ich bin ...... und verärgert."
Das ist eine effektive Form zu kommunizieren
ICH-Botschaften sind eindeutige Botschaften, die den anderen weder bewerten noch verletzen. Das ist der Gewinn von Ich-Botschaften!
Anders dagegen verhält es sich mit Sie/DU-Botschaften.
(Leider im Alltag/Sportalltag weit verbreitet und daher stetiger Quell und Ausgangspunkt für wenig sachliches Auseinandersetzen.)
5) Sie/Du-Botschaften vermeiden
Sie/Du-Botschaften als ineffektive Form der Kommunikation ansehen:
- Über diese Botschaften wird bewertet,
- werden Motive gesucht und ausgesprochen,
- wird der Gegenüber verletzt, er setzt sich dann zur Wehr und es kommt zum ungewollten Auseinandersetzung/‚Konflikt’.
In diesen Botschaften verschlüssele ich z. B. meinen Ärger:
- Du bist unmöglich
(als abwertend),
- Lass’ mich in Ruhe
(als befehlend),
- Du solltest wissen, dass ich zu beobachten habe
(als moralisierend),
- Wenn jemand ernsthaft etwas tut, dann darf man ihn nicht stören
(als belehrendes Verallgemeinern).
Kurzes Fazit:
Das sind einige Aspekte, die es Beobachtern erlauben,
Kommunikation leichter zu verstehen und in Konfrontation und Konflikt sachlich bleiben zu können. Auf dieser Basis gelingt es, sich nach und nach um ein verbessertes und dann auch erfolgreicheres Kommunizieren mit SR zu bemühen.
Denn es sind manchmal Kleinigkeiten, die Art und Ausgang eines BE-Gesprächs mit SR beeinflussen, z. B:
Ein Beobachter, der ungefragt das "Revier-Kabine" von SR betritt, handelt sich den ersten Protest ein, verspielt Akzeptanz. Sagt er dann noch: Ihr habt schlecht gepfiffen - anstelle ich denke, manchmal wäre ein Pfiff angebracht gewesen-, so ist ein Graben errichtet, den er zwar mit möglicher Amtsautorität überbrücken kann.
Ein fruchtbares SR-Coaching wird ihm auf diese Art kaum gelingen.
© 2003, Walter Hospelt
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