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In Deutschland wird seit einigen
Jahren im Bundesliga-Bereich die Drei-Sekunden-Regel nicht mehr buchstabengetreu
angewandt, obwohl zu diesem Thema keinerlei offizielle Versionen im Umlauf sind.
Auf den nachfolgenden Text wurde ich durch die FIBA aufmerksam gemacht, als
ich meine entsprechende Frage in unserem Diskussionsforum gepostet habe. Es handelt sich hierbei um die offizielle Sichtweise der FIBA
seit 1990 und kann daher als Richtlinie für alle Schiedsrichter
angesehen werden. Die Übersetzung ist teilweise etwas frei, aber ich denke
sinngemäß. [Axel Beckmann] Es ist offensichtlich,
dass das Pfeifen der Drei Sekunden Regelübertretung im modernen Basketball
kaum noch zu sehen ist, insbesondere in der NBA, bei internationalen FIBA-Wettbewerben
und den höchsten nationalen Ligen auf der ganzen Welt. Es mag sinnvoll sein,
darüber nachzudenken, warum dies so ist, aber zuerst wollen wir die Regel an
sich betrachten.
Vielleicht ist es der beste Ansatz, sich vorzustellen,
wie ein Spiel ohne diese Regel aussieht, wenn man herausfinden möchte, warum
die Drei-Sekunden-Regel erfunden wurde. Nehmen wir ein Spiel, indem 7 oder 8
der größten Spieler beider Mannschaften auf einem Haufen in dem sogenannten
Begrenzten Raum stehen.
Eine ganze Reihe der Offensivspielzüge würde
darauf ausgerichtet sein, den Ball zu den Spielern zu bekommen, die dem Korb
des Gegners am nächsten stehen. Die Verteidigung würde versuchen, diese Spieler
daran zu hindern, den Ball zu bekommen, indem sie den Passweg schließt oder
sie aus der Zone "hinausschiebt".
Kleinere Spieler würden keine Möglichkeit
sehen, in diesen "Dschungel" zu penetrieren, und physische Präsenz
wäre ein Hauptfaktor in jedem Spiel. Das Spiel wäre statisch und irgendwie
"verstopft".
Die Einführung der Drei-Sekunden-Regel durch
die FIBA, auf der Konferenz 1948 in London, war eine gravierende Neuerung, die
den Effekt hatte, dass die Offensivspieler aus der Nähe des gegnerischen Korbs
ferngehalten wurden. Die Mannschaften wurden motiviert, neue Spielzüge zu kreieren,
bei denen durch Rotationen, Blöcke usw. versucht wurde, einen maximalen Vorteil
durch das Schaffen von freien Räumen zu erreichen. Als ein Nebenprodukt haben
kleinere Spieler die Räume zurück gewonnen, die sie verloren hatten, weil
große Spieler die nähere Umgebung des Korbes versperrten. Sie konnten nun
in die Lücken vorstoßen, die entstanden sind. Das Spiel wurde offener, flüssiger
und dynamischer. (Die NBA ging einen Schritt weiter, in dem sie die Zonenverteidigung
untersagte und eine defensive Drei Sekunden Regel einführte, die eines der
Kriterien für die Feststellung einer illegalen Zone ist. Dies sei hier aber
nur nebenbei bemerkt.)
Die Weiterentwicklung des modernen Basketballs
hat den Einfluss der Drei-Sekunden-Regel voll erfasst, obwohl die Regel so selten
gepfiffen wird, dass es scheint, als sei sie verschwunden. Was ist passiert?
Der Schlüssel für die Beantwortung der Frage
liegt vielleicht in dem Text von Dr. Ed Steitz über "Vorteil / Nachteil"
aus dem FIBA Bulletin vom Juni 1987, der auf die Überlegungen zur Drei-Sekunden-Regel
angewendet werden kann.
Die Regel existiert auch weiterhin, aber fortschrittliches
Pfeifen bedeutet, dass der Angreifer einen unfairen
Vorteil haben muss, bevor er Drei Sekunden
gepfiffen bekommt. Um eine sehr stark reduzierte Logik anzuwenden: eine Definition
des "absoluten Vorteils" bedeutet, einen Gegenspieler zu besiegen,
indem man mehr Punkte erzielt als er. Wenn ein Team durch seine Post-Spieler
zu Punkten kommen will, müssen diese erstmal den Ball bekommen. Ohne Ball kann
niemand punkten oder passen und kann demzufolge keinen Vorteil (unfair oder
sonstwie) gegenüber seinem Gegenspieler erzielen, wenn er mehr als drei Sekunden
in der Begrenzten Zone bleibt. Deshalb ist, mit einer Ausnahme, ein "No-Call" für sein Verhalten angebracht.
Dies heißt nicht, das der Pfiff niemals kommen
soll. Wenn der Post-Spieler den Ball erhält, nachdem er bereits drei Sekunden
oder länger in der Begrenzten Zone gestanden hat, muss die Regelverletzung
in dem Moment gepfiffen werden, wo er den Ball fängt. Dies bedeutet, dass die
Regel angewendet wird, wenn es wirklich darauf ankommt und verhindert, dass
die Mannschaften eine Art der Offense spielen, wie es vor Einführung der Regel
der Fall war.
Die einzige Ausnahme (wie bereits oben angekündigt)
ist, wenn ein Angreifer bereits zu lange in der Begrenzten Zone steht und dann
einen Block ebenfalls innerhalb der Zone für seinen Mitspieler stellt, der
sich daraufhin von seinem Gegenspieler lösen kann. Diese Drei-Sekunden-Übertretung
verursacht einen unfairen Vorteil für die Offense, da sie nun eine direkte
Möglichkeit erhält, eine Korb-Aktion zu starten - das muss gepfiffen werden.
Widerstand gegen diese Auslegung der Regel
kommt von Schiedsrichtern, die fragen, "Was ist mit großen Spielern, die
einfach nur unter dem Korb stehen?" oder "Was ist mit dem Vorteil,
den die Angreifer beim Rebound haben, wenn vorher die Spieler in der Begrenzten
Zone zu lange stehen?"
Wir haben bereits in den vorhergehenden Fällen
gesehen, wie die Übertretung gepfiffen werden soll und kann, wenn ein die Regel
verletzender Spieler den Ball bekommt. In den beiden aufgeworfenen Fragen, ist
festzustellen, dass bei Rebounds nicht vorhersehbar ist, wohin sie fallen. Es
ist schwierig, einen Vorteil für den Angreifer zu entdecken, nur weil er länger
als drei Sekunden in der Begrenzten Zone steht. Exakter kann man sagen, dass
er dadurch die "gleiche" Chance wie der Verteidiger erhält.
Wenn das Rebounding der entscheidende Faktor
für die Drei-Sekunden-Regel wäre, könnte man ein starkes Argument für die
Einführung der Regel auch für die Verteidigung anführen, da sie schließlich
durch ihr erlaubtes Aufhalten in der Zone bei jedem Rebound einen unfairen Vorteil
haben. Es ist schwer zu begründen, warum sie dies tun dürfen und die Angreifer
nicht.
(Statistiken belegen, dass 70% der Schüsse,
die aus einem rechten Winkel vom Korb genommen werden und nicht erfolgreich
sind, einen Rebound auf der gegenüberliegenden Seite des Spielfeldes, weg vom
Korb, verursachen. Bei diesen Schüssen, hätte sich ein Angreifer, der sich
durch zu langes Aufhalten in der Begrenzten Zone eine Position in Korbnähe
gesichert hat, selbst einen Nachteil zugefügt, da er weiter vom Rebound entfernt
wäre, als sein Gegenspieler.)
Wenn man die Drei-Sekunden-Pfiffe im Zusammenhang
mit dem oben dargestellten betrachtet, dürfte klar sein, warum sie fast verschwunden
sind, abgesehen von ganz seltenen Situationen. Sobald die Mannschaften
merken, wie die Regel ausgelegt wird, fordern sie von den Schiedsrichtern, dies
genauso strikt anzuwenden. Das Spiel wird seltener unterbrochen und läuft ein
bisschen mehr, da die Pfiffe nicht mehr unnötigerweise getätigt werden und
niemand benachteiligt wird. Das Spiel hat ebenfalls nicht gelitten, da die Teams
weiterhin ihre Spielzüge durchziehen, das Post-Spiel eine brauchbare Alternative
ist und kleine Spieler immer noch genügend Platz zum Penetrieren haben.
Der in Auckland lebende Autor ist National
Development Officer des Neuseeländischen Basketball Verbandes. |