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Regeln | Interpretationen | Regel VI

 

 

Autor: Ross Little / Quelle: FIBA BASKETBALL Dezember 1990 / Übersetzung und Einleitung: Axel Beckmann

 

 

Interpretation der Offiziellen Basketball Regeln 2000
Artikel 36: 3-Sekunden-Regel

DBB

 

In Deutschland wird seit einigen Jahren im Bundesliga-Bereich die Drei-Sekunden-Regel nicht mehr buchstabengetreu angewandt, obwohl zu diesem Thema keinerlei offizielle Versionen im Umlauf sind. Auf den nachfolgenden Text wurde ich durch die FIBA aufmerksam gemacht, als ich meine entsprechende Frage in unserem Diskussionsforum gepostet habe. Es handelt sich hierbei um die offizielle Sichtweise der FIBA seit 1990 und kann daher als Richtlinie für alle Schiedsrichter angesehen werden. Die Übersetzung ist teilweise etwas frei, aber ich denke sinngemäß. [Axel Beckmann]

Es ist offensichtlich, dass das Pfeifen der Drei Sekunden Regelübertretung im modernen Basketball kaum noch zu sehen ist, insbesondere in der NBA, bei internationalen FIBA-Wettbewerben und den höchsten nationalen Ligen auf der ganzen Welt. Es mag sinnvoll sein, darüber nachzudenken, warum dies so ist, aber zuerst wollen wir die Regel an sich betrachten.

Vielleicht ist es der beste Ansatz, sich vorzustellen, wie ein Spiel ohne diese Regel aussieht, wenn man herausfinden möchte, warum die Drei-Sekunden-Regel erfunden wurde. Nehmen wir ein Spiel, indem 7 oder 8 der größten Spieler beider Mannschaften auf einem Haufen in dem sogenannten Begrenzten Raum stehen.

Eine ganze Reihe der Offensivspielzüge würde darauf ausgerichtet sein, den Ball zu den Spielern zu bekommen, die dem Korb des Gegners am nächsten stehen. Die Verteidigung würde versuchen, diese Spieler daran zu hindern, den Ball zu bekommen, indem sie den Passweg schließt oder sie aus der Zone "hinausschiebt".

Kleinere Spieler würden keine Möglichkeit sehen, in diesen "Dschungel" zu penetrieren, und physische Präsenz wäre ein Hauptfaktor in jedem Spiel. Das Spiel wäre statisch und irgendwie "verstopft".

Die Einführung der Drei-Sekunden-Regel durch die FIBA, auf der Konferenz 1948 in London, war eine gravierende Neuerung, die den Effekt hatte, dass die Offensivspieler aus der Nähe des gegnerischen Korbs ferngehalten wurden. Die Mannschaften wurden motiviert, neue Spielzüge zu kreieren, bei denen durch Rotationen, Blöcke usw. versucht wurde, einen maximalen Vorteil durch das Schaffen von freien Räumen zu erreichen. Als ein Nebenprodukt haben kleinere Spieler die Räume zurück gewonnen, die sie verloren hatten, weil große Spieler die nähere Umgebung des Korbes versperrten. Sie konnten nun in die Lücken vorstoßen, die entstanden sind. Das Spiel wurde offener, flüssiger und dynamischer. (Die NBA ging einen Schritt weiter, in dem sie die Zonenverteidigung untersagte und eine defensive Drei Sekunden Regel einführte, die eines der Kriterien für die Feststellung einer illegalen Zone ist. Dies sei hier aber nur nebenbei bemerkt.)

Die Weiterentwicklung des modernen Basketballs hat den Einfluss der Drei-Sekunden-Regel voll erfasst, obwohl die Regel so selten gepfiffen wird, dass es scheint, als sei sie verschwunden. Was ist passiert?

Der Schlüssel für die Beantwortung der Frage liegt vielleicht in dem Text von Dr. Ed Steitz über "Vorteil / Nachteil" aus dem FIBA Bulletin vom Juni 1987, der auf die Überlegungen zur Drei-Sekunden-Regel angewendet werden kann.

Die Regel existiert auch weiterhin, aber fortschrittliches Pfeifen bedeutet, dass der Angreifer einen unfairen Vorteil haben muss, bevor er Drei Sekunden gepfiffen bekommt. Um eine sehr stark reduzierte Logik anzuwenden: eine Definition des "absoluten Vorteils" bedeutet, einen Gegenspieler zu besiegen, indem man mehr Punkte erzielt als er. Wenn ein Team durch seine Post-Spieler zu Punkten kommen will, müssen diese erstmal den Ball bekommen. Ohne Ball kann niemand punkten oder passen und kann demzufolge keinen Vorteil (unfair oder sonstwie) gegenüber seinem Gegenspieler erzielen, wenn er mehr als drei Sekunden in der Begrenzten Zone bleibt. Deshalb ist, mit einer Ausnahme, ein "No-Call" für sein Verhalten angebracht.

Dies heißt nicht, das der Pfiff niemals kommen soll. Wenn der Post-Spieler den Ball erhält, nachdem er bereits drei Sekunden oder länger in der Begrenzten Zone gestanden hat, muss die Regelverletzung in dem Moment gepfiffen werden, wo er den Ball fängt. Dies bedeutet, dass die Regel angewendet wird, wenn es wirklich darauf ankommt und verhindert, dass die Mannschaften eine Art der Offense spielen, wie es vor Einführung der Regel der Fall war.

Die einzige Ausnahme (wie bereits oben angekündigt) ist, wenn ein Angreifer bereits zu lange in der Begrenzten Zone steht und dann einen Block ebenfalls innerhalb der Zone für seinen Mitspieler stellt, der sich daraufhin von seinem Gegenspieler lösen kann. Diese Drei-Sekunden-Übertretung verursacht einen unfairen Vorteil für die Offense, da sie nun eine direkte Möglichkeit erhält, eine Korb-Aktion zu starten - das muss gepfiffen werden.

Widerstand gegen diese Auslegung der Regel kommt von Schiedsrichtern, die fragen, "Was ist mit großen Spielern, die einfach nur unter dem Korb stehen?" oder "Was ist mit dem Vorteil, den die Angreifer beim Rebound haben, wenn vorher die Spieler in der Begrenzten Zone zu lange stehen?"

Wir haben bereits in den vorhergehenden Fällen gesehen, wie die Übertretung gepfiffen werden soll und kann, wenn ein die Regel verletzender Spieler den Ball bekommt. In den beiden aufgeworfenen Fragen, ist festzustellen, dass bei Rebounds nicht vorhersehbar ist, wohin sie fallen. Es ist schwierig, einen Vorteil für den Angreifer zu entdecken, nur weil er länger als drei Sekunden in der Begrenzten Zone steht. Exakter kann man sagen, dass er dadurch die "gleiche" Chance wie der Verteidiger erhält.

Wenn das Rebounding der entscheidende Faktor für die Drei-Sekunden-Regel wäre, könnte man ein starkes Argument für die Einführung der Regel auch für die Verteidigung anführen, da sie schließlich durch ihr erlaubtes Aufhalten in der Zone bei jedem Rebound einen unfairen Vorteil haben. Es ist schwer zu begründen, warum sie dies tun dürfen und die Angreifer nicht.

(Statistiken belegen, dass 70% der Schüsse, die aus einem rechten Winkel vom Korb genommen werden und nicht erfolgreich sind, einen Rebound auf der gegenüberliegenden Seite des Spielfeldes, weg vom Korb, verursachen. Bei diesen Schüssen, hätte sich ein Angreifer, der sich durch zu langes Aufhalten in der Begrenzten Zone eine Position in Korbnähe gesichert hat, selbst einen Nachteil zugefügt, da er weiter vom Rebound entfernt wäre, als sein Gegenspieler.)

Wenn man die Drei-Sekunden-Pfiffe im Zusammenhang mit dem oben dargestellten betrachtet, dürfte klar sein, warum sie fast verschwunden sind, abgesehen von  ganz seltenen Situationen. Sobald die Mannschaften merken, wie die Regel ausgelegt wird, fordern sie von den Schiedsrichtern, dies genauso strikt anzuwenden. Das Spiel wird seltener unterbrochen und läuft ein bisschen mehr, da die Pfiffe nicht mehr unnötigerweise getätigt werden und niemand benachteiligt wird. Das Spiel hat ebenfalls nicht gelitten, da die Teams weiterhin ihre Spielzüge durchziehen, das Post-Spiel eine brauchbare Alternative ist und kleine Spieler immer noch genügend Platz zum Penetrieren haben.


Der in Auckland lebende Autor ist National Development Officer des Neuseeländischen Basketball Verbandes.

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
24. April 2003

 

© Axel Beckmann