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Übersetzung, Bearbeitung
und verantwortlich für den Inhalt:
- Alfred Drost, Mitglied
der Europa-Technischen Kommission der FIBA
- Dr. Norbert Esser,
Mitglied des Arbeitskreises Regeln des Deutschen
Basketball Bundes
- Klaus Preller, Mitglied
der Schiedsrichterkommission des Deutschen Basketball
Bundes
- Albert Schencking,
Technischer Koordinator der FIBA
Die vorliegende Unterlage dient der Ergänzung und Erläuterung der Offiziellen Basketball-Regeln, da in der Vergangenheit einige Themenbereiche der Regeln Anlass zu Missverständnis, Fehlinterpretation und unterschiedlicher Auslegung bei der Anwendung einer Regel gaben. Die nachfolgenden Themenbereiche beinhalten keine Regeländerungen, sind aber in ihrer Bedeutung den Regeländerungen zumindest gleich, wenn nicht gar im Einzelfall voran zu setzen.
Die vorliegende Unterlage verfolgt die Absicht, den Schiedsrichtern einige allgemein gültige Richtlinien, Grundsätze und Empfehlungen für Spielsituationen in die Hand zu geben, deren Beurteilung und Auslegung im Sinne eines noch attraktiveren Spiels verbessert werden muss, damit Basketball seine derzeitige positive Entwicklung beibehält.
1. Grobes Spiel entfernt vom Ball
In letzter Zeit steigen Anzahl und Intensität der Körperkontakte entfernt vom Ball durch Verteidiger deutlich an.
Ein Kontakt auf der ballfernen Seite mit einer oder beiden Händen, Armen oder Beinen darf nicht zugelassen werden, falls dadurch
- die schnelle Fortbewegung des Angreifers behindert, oder
- die Bewegungsfreiheit eines Spielers beeinträchtigt wird.
Illegale Kontakte dieser Art beeinträchtigen den Spielfluss der angreifenden Mannschaft und führen zu einem offenkundigen Vorteil für die Verteidigung.
Beispiele:
- A4 läuft einen Schnellangriff entlang der Seitenlinie. B4 legt seine Hand auf die Hüfte von A4, behindert hiermit eindeutig die direkte Bewegung von A4 zum gegnerischen Korb und erlangt dadurch einen Vorteil.
- Illegaler Gebrauch der Hände durch den Verteidiger - entfernt vom Ball - ist nicht nur beim unmittelbaren Ziehen zum gegnerischen Korb zu pfeifen, sondern auch dann, wenn ein Postspieler ohne Ball in Korbnähe bewacht wird.
2. Zu viele Fouls in den letzten Spielminuten
In den letzten Jahren hat sich die unfaire taktische Maßnahme eingebürgert, dass in den letzten Minuten oder Sekun-den eines knappen Spiels versucht wird, die Uhr und damit das Spiel auf Kosten eines "normalen" persönlichen Fouls zu stoppen.
Die Qualität des Spiels leidet außerordentlich unter der zum Spielende ansteigenden Zahl von Freiwürfen. Gerade zum entscheidenden Ende eines Spiels sind anstelle attraktiver und spektakulärer Spielzüge oder Einzelaktionen an beiden Körben immer mehr Freiwürfe zu sehen.
In einer solchen Situation sind die Schiedsrichter mit Nachdruck dazu angehalten, das Vorteil/Nachteil-Prinzip weiterhin streng anzuwenden, den Spielfluss nicht unnötig zu unterbrechen und einen persönlichen Kontakt nur dann zu bestrafen, wenn sie der Meinung sind, dass dieser Kontakt
- dem verantwortlichen Spieler einen Vorteil verschafft,
- für den gegnerischen Spieler einen Nachteil bringt,
- systematischer Natur ist und zu einem allzu rohen Spiel führt.
Merke:
Erfolgt ein Körperkontakt unbeabsichtigt und ohne Nachteil für einen Gegen-spieler, dann pfeife nicht!
Situation 1 B4 verfolgt den Dribbler A4 in der Absicht, durch einen Körperkontakt an A4 den Schiedsrichter zu einem Foulpfiff zu veranlassen und somit auf Kosten eines "normalen" persönlichen Fouls die Uhr zu stoppen. Es kommt zum Kontakt, aber A4 behält die Kontrolle über den Ball und setzt sein Dribbling fort. Da kein Pfiff kam, verfolgt B4 weiterhin A4 und verursacht einen erneuten - dieses Mal härteren - Kontakt an A4.
Regelung. Auf die wiederholte Aktion muss der Schiedsrichter reagieren und ein Foul von B4 pfeifen, da eine weitere Wiederholung eines solchen offensichtlich beabsichtigten Kontakts zu einer unkalkulierbaren Gegenreaktion des Dribblers A4 führen könnte.
Situation 2 Situation wie oben: A4 dribbelt und wird von B4 verfolgt, der die Uhr stoppen will. Während es zum Kontakt von B4 an A4 kommt, gelingt es A4, den Ball zu A5 zu passen.
Regelung. In dieser Situation ist kein Foul zu pfeifen, da der Kontakt zu keinem Nachteil geführt hat, und damit die unfaire Taktik, die Uhr stoppen zu wollen, nicht oder zumindest noch nicht erfolgreich war.
Situation 3 A4 ist in Ballbesitz und zieht schnell in Richtung des gegnerischen Korbs. B4 und B5 versuchen, ihn von beiden Seiten einzuklemmen und ihm damit den direkten Weg zum Korb zu versperren. Es kommt zu diesem "Sandwich"-Kontakt B4 - A4 - B5, aber es gelingt A4 dennoch, durch die Lücke zwischen beiden gegnerischen Spielern zu dribbeln und nunmehr freien Weg zum Korb zu haben.
Regelung. Auch hier soll der Schiedsrichter kein Foul pfeifen.
3. Anwendung des Vorteil/Nachteil-Prinzips bei Regelübertretungen
Das Vorteil/Nachteil-Prinzip, das bisher ausschließlich auf Kontaktsituationen anzu-wen-den war, ist nach den neuen Regeln erstmalig auch offiziell auf Regelübertretungen aus-geweitet worden. Diese durchaus revolutionäre Neuerung fordert den Spielern, Trainern und Zuschauern eine neue Betrachtungsweise bei der Einschätzung von Regelübertre-tungen ab.
Die Schiedsrichter sind gehalten, dieses Prinzip im Zusammenhang mit Regelüber-tretungen sehr behutsam anzuwenden. Sie dürfen dadurch weder die Spielkontrolle aus der Hand geben noch technisch unfertige Spielweise belohnen.
Situation 1 A4 erhält nach einem Einwurf den Ball in seinem Rückfeld; kein Spieler der Mann-schaft B ist in seiner Nähe. A4 beginnt zu dribbeln und hebt dabei sein Standbein leicht an, bevor der Ball seine Hand verlässt.
Regelung. Diese Aktion sollte der Schiedsrichter ignorieren, insbesondere dann, wenn dabei nicht übertrieben wird.
Situation 2 Gleiche Aktion von A4, aber nun ist ein Spieler der Mannschaft B in aktiver Verteidigungs-Position in der Nähe von A4.
Regelung. Wegen der Nähe des Verteidigers ist die Aktion von A4 völlig anders zu bewerten: Es ist auf Schrittfehler zu entscheiden. Bliebe die Regelübertretung in dieser Situation unbeachtet, hätte Angreifer A4 einen ungerechtfertigten Vorteil und der Verteidiger einen deutlichen Nachteil.
Situation 3 A4 dribbelt mit dem Rücken zum Spielfeld unter seinem eigenen Korb und wird dabei von B4 eng bewacht. Zur gleichen Zeit steht A5 auf der anderen Seite des Spielfelds länger als drei Sekunden in der gegnerischen Begrenzten Zone.
Regelung. Die Regelübertretung durch A5 sollte von den Schiedsrichtern nicht beachtet werden, da A5 keine unmittelbare Bedrohung für die gegnerische Mannschaft darstellt.
Situation 4 Ähnliche Situation wie in Situation 3, aber nun dribbelt A4 in Richtung des gegnerischen Korbs und hätte Gelegenheit, den Ball zu A5 zu passen, der schon länger als drei Sekunden in der gegnerischen Begrenzten Zone steht.
Regelung. Die Regelübertretung durch A5 ist von den Schiedsrichtern zu ahnden (Drei-Sekunden-Pfiff), da nun die Position von A5 in der Begrenzten Zone seiner Mannschaft einen Vorteil verschafft.
4. Schrittfehler
Die Anwendung der Schrittfehler-Regel (Art. 35) ist eine der wenigen Regelverletzungen, die von den Schiedsrichtern unterschiedlich und nicht verlässlich gehandhabt wird. Häufig genug sind Spieler, Trainer und Zuschauer hierüber mehr als verärgert.
Für den Schiedsrichter gilt:
- Bestimme den Standfuß
- Achte auf illegale Bewegung des Standfußes.
A. Wie bestimmt man den Standfuß?
- Hat ein Spieler beide Füße auf dem Boden, wenn er den Ball erhält oder ein Dribbling beendet, kann er seinen Standfuß frei wählen.
- Hat ein Spieler einen Fuß auf dem Boden, wenn er den Ball erhält oder ein Dribbling beendet, ist dieser Fuß der Standfuß.
- Ist ein Spieler in der Luft, also mit keinem Fuß auf dem Boden, wenn er den Ball erhält oder ein Dribbling beendet, und landet dann mit dem Ball, gilt folgendes:
- Berührt bei der Landung zuerst der eine und dann der andere Fuß den Boden, ist der zuerst aufgesetzte Fuß der Standfuß.
- Landet er mit beiden Füßen gleichzeitig, kann er seinen Standfuß frei wählen.
- Landet er zuerst auf einem Fuß, springt erneut hoch - da er in einer schnellen Vorwärtsbewegung ist - und landet dann auf beiden Füßen gleichzeitig, ist diese Aktion legal. Allerdings darf dieser Spieler anschließend nicht pivotieren, d. h. er hat keinen Standfuß.
Merke: Während eines Dribblings ist kein Schrittfehler möglich!
B. Welche Einschränkungen gibt es für die Bewegung des Standfußes?
Sobald der Standfuß festgelegt ist, kann der Spieler ein Dribbling beginnen, den Ball passen oder auf den Korb werfen. Dabei gelten folgende Einschränkungen:
- Beginnt er ein Dribbling, muss der Ball seine Hand verlassen haben, bevor er den Standfuß anhebt.
- Passt er den Ball oder wirft ihn auf den Korb, kann er zuerst den Standfuß anheben und dann passen oder werfen. Der Ball muss die Hand oder Hände des Spielers verlassen haben, bevor er den Standfuß wieder aufsetzt.
Die Schiedsrichter sollten strenge Maßstäbe bei der Anwendung der Schrittfehler-Regel anlegen, insbesondere dann, wenn eine Regelübertretung die verteidigende Mannschaft benachteiligt!
Beispiele für typische Schrittfehler:
Situation 1
A4 fängt den Ball im Sprung, landet zuerst auf einem Fuß und springt erneut hoch. Als er wieder landet, hat er den Ball noch in den Händen.
Regelung. Die Aktion ist legal, wenn er zum Schluss mit beiden Füßen gleichzeitig landet. Andernfalls begeht er einen Schrittfehler.
Situation 2 A4 fängt den Ball im Sprung, landet zuerst auf einem Fuß, springt erneut hoch und landet dann mit beiden Füßen gleichzeitig. Anschließend setzt er einen Fuß vor und macht einen Korbleger.
Regelung. Das Vorsetzen des Fußes ist in dieser Situation ein Schrittfehler, da A4 nach der Landung auf beiden Füßen keinen Standfuß hatte.
Situation 3 A4 erhält den Ball im Stand und wird in seinem Rücken von B4 eng bewacht. A4 macht mit seinem rechten Fuß einen Schritt rückwärts, setzt anschließend den linken Fuß schnell neben den rechten, springt hoch und wirft auf den Korb.
Regelung. Diese Aktion ist ein Schrittfehler, die häufig fälschlicherweise als Foul von B4 entschieden wird.
Situation 4 Postspieler A4 hat den Ball, steht mit dem Rücken zum gegnerischen Korb und wird dabei von B4 eng im Rücken bewacht. A4 setzt seinen linken Fuß hinter den Fuß von B4, dreht sich schnell um 180º um B4 herum in Richtung Korb und macht mit einem anschließenden Zweierkontakt einen Korbleger.
Regelung. Dies ist ein Schrittfehler. Regelübertretungen in solchen Situationen müssen ausnahmslos geahndet werden, da der Angreifer A4 durch dieses Manöver einen unfairen Vorteil gegenüber B4 erhält.
Situation 5 A4 macht - sei es aus dem Stand oder im Zug zum gegnerischen Korb - einen Schritt vorwärts, zieht seinen Standfuß auf dem Boden nach, nähert sich auf diese Weise um einen Schritt dem Korb und springt dann zum Sprungwurf hoch.
Regelung. Das Nachziehen des Standfußes über den Boden ist ein Schrittfehler.
5. Hängen am Ring
Die Regeln verbieten einem Spieler grundsätzlich, sich in der Weise am Ring festzu-hal-ten, dass das Gewicht des Spielers vom Ring getragen wird. Ein technisches Foul wird gegen den Täter verhängt.
Sich am Ring festzuhalten ist nur erlaubt, wenn
- ein Spieler nach einem Dunking kurzzeitig den Ring umgreift.
- ein Spieler nach Meinung der Schiedsrichter hierdurch versucht, sich oder einen anderen Spieler vor Verletzung zu schützen.
Situation 1 A4 erzielt mit einem spektakulären Dunking einen Korb und hängt sich vorübergehend für eine oder zwei Sekunden an den Ring, sozusagen als Abschluss seines Dunkings.
Regelung. Diese Aktion ist als legal anzusehen.
Situation 2 A4 erzielt einen Korb per Dunking, als A5 (oder B5) ausrutscht und unter dem Korb liegen bleibt. A4 bemerkt dies noch in der Luft und hängt sich an den Ring, um nicht auf den Spieler zu fallen und sich oder diesen womöglich zu verletzen.
Regelung. Diese Aktion ist als legal anzusehen.
Situation 3 A4 erzielt einen Korb per Korbleger und hängt sich anschließend ohne ersichtlichen Grund und übertrieben lange an den Ring ("Affenschaukel").
Regelung. Der Spieler ist zu verwarnen und im Wiederholungsfall mit einem technischen Foul zu bestrafen. In gravierenden Fällen ist das technische Foul ohne vorherige Warnung zu verhängen◊
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