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Kontakt
"Basketball
ist theoretisch ein Spiel ohne Körperkontakt".1
Aber bei einem sehr dynamischen und schnellen Mannschaftssport,
der dazu in einem begrenztem Raum mit 10 Spielern stattfindet,
kommt es immer wieder zu körperlichen Kontakten.
Das Prinzip der neuen Regel ist, daß der Spielfluß
nicht durch unnötige Unterbrechungen gehemmt wird.
Damit ist z.B. die Bestrafung, die durch einem zufällig
persönlichem Kontakt zwischen zwei Spielern, geschieht,
gemeint. Die Problematik bei der Vorteil / Nachteil
- Situation ist, daß die neue Regel noch nicht
überall bekannt ist. Bei vielen Spielern und Trainern
herrscht daher noch die Vorstellung, daß jeder
Kontakt geahndet werden muß. Dem Schiedsrichter
kommt hierbei die Aufgabe zu, zu unterscheiden, ob er
einen solchen Körperkontakt bestrafen muß
/ kann. Dabei wendet er das Vorteil / Nachteil - Prinzip
an. Dieses findet dann Anwendung, wenn aus einem zufälligen
persönlichen Kontakt beide Parteien weder einen
Vorteil noch einen Nachteil haben. Diese Regelung hat
sich beim Fußball über Jahre bewährt
und ist für Basketball eine revolutionäre
Entwicklung. Es sind vor allem die Spieler, die aus
dieser neuen Regelung Nutzen ziehen. Diese Situation
erfordert, daß der Schiedsrichter gerade hier
seine ganze Objektivität unter Beweis stellt. Die
Taktik des Spieles war oft darauf ausgelegt, den besten
Spieler des Gegners aus dem Spiel zu foulen, da jeder
Kontakt als ein Foul geahndet werden sollte / mußte.
Die Grundidee von James Naismith (er schuf 1891 die
modernen Regeln für den Basketball)2
jedoch war oder ist es, den Ball in den Korb zu werfen.
Mit dem Vorteil / Nachteil - Prinzip soll dieses eigentliche
Ziel wieder verfolgt werden. Die neue Regel bringt auch
zwei neue Begriffe mit sich. Diese sind der "No
- call" und der "Late - call". In den
folgenden Spielsituationen werden die beiden Begriffe
erklärt und dargestellt.
1. Enge Verteidigung
eines Dribblers / Ballbesitzers
Handchecking
/ Bodycontact
Den Dribbler mit der
Hand zu berühren, ist weiterhin nicht erlaubt.
Aber einmaliges Handchecking sollte (ruhig) toleriert
werden. Bei Ballverlust, der durch den Kontakt verursacht
wurde und somit klar als Nachteil des Ballbesitzers
zu erkennen ist, muß dies als Foul gepfiffen werden.
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Die Vorteil / Nachteil - Regelung findet keine Anwendung
beim Festhalten des Trikot (unsportliches Foul) und
bei ständiger Berührung mit der Hand oder
dem Unterarm am Körper des Dribblers (persönliches
Foul). Ständiges Berühren mit der Hand sollte
im Sinne der Regel mit einem Foul bestraft werden. Falls
es bei einer Aktion zwischen Angreifer und Verteidiger
zu einem kurzen Kontakt mit der Hüfte der Schulter
oder mit der Brust kommt, und hierbei der Dribbler seine
Aktion erfolgreich beenden konnte, sprich Dribbling
oder Passen, so findet hier die Vorteil 4
Nachteil - Regelung seine Anwendung.
Pressing gegen
den Ballbesitzer
Bei einer aggressiven
Verteidigung durch zwei Verteidiger, wodurch der Angreifer
gezwungen wird, den Ball aufzunehmen, sind Berührungen
der Hand am Ball erlaubt. Hierbei muß besonders
auf vorgetäuschte Fouls bzw. auf ein permanentes
Schieben geachtet werden.5
Gegebenfalls sollte auf Foul entschieden werden.
2. Kontakte am /
durch den Paßgeber
Kontakte am
Angreifer, der einen Paß spielt
Welcher aktiver Spieler,
hat die Situation nicht schon kennengelernt: Angreifer
paßt den Ball zu seinem Mitspieler, Verteidiger
kommt einen Moment zu spät, es kommt zu einem geräuschvollem
Kontakt am Arm und ein Foulpfiff ertönt. Frage:
Ist das im Interesse des Artikel 45? Jedenfalls hätte
der Schiedsrichter in diesem Falle abwarten müssen.
Da der Ball ungehindert an den Mitspieler kam, entspricht
dies einer "No-call - Situation". Würde
der Ball durch den Kontakt am Arm sein Ziel verfehlen,
bzw. die Verteidigung in Ballbesitz kommen, so hat ein
direkter Foulpfiff oder ein "Late-call" zu
folgen.
Kontakte durch
einen Spieler, der einen Paß gegeben hat
Wie sieht die Fallgestaltung
denn aus, wenn der Ballführende an der Mittellinie
aus vollem Lauf seinem Mitspieler den Ball zupasst und
im Anschluß danach auf den stehenden Verteidiger
aufläuft? Hier muß der Schiedsrichter die
Situation beobachtet haben, um sie richtig einschätzen
zu können. Suchte der Verteidiger den Kontakt,
wollte also ein Foul provozieren, dann sollte das Spiel
hier nicht unterbrochen werden ("No-call - Situation"
). Hätte der Angreifer den Kontakt vermeiden können,
da er genug Zeit hatte dem Verteidiger auszuweichen,
ihn aber bewußt aus dem Weg räumte, muß
der Schiedsrichter ein Offensivfoul zu pfeifen. Bei
gleicher Situation in der Zone, muß normalerweise
ein Offensivfoul gepfiffen werden, da hier ein am Boden
liegender Verteidiger für beide Mannschaften eine
potentielle Verletzungsgefahr darstellt. Bei solchen
Aktionen in der Zone, kann man davon ausgehen, daß
die hier entstandenen Kontakte nur selten zufällig
passieren.
3. Spieler der zum
Korb penetriert und einen Korbversuch unternimmt
Kontakte vor
der Wurfaktion
Kommt es auf dem Weg
zum Korb zum Kontakt mit dem Dribbler, wobei dieser
seine eingeschlagene Richtung beibehalten und entsprechend
seine Korbaktion beginnen kann, so hat der Schiedsrichter
das Spiel weiter laufen zu lassen. Auch ein kurzes Berühren
durch die Hand, Unterarm oder Schulter sollte nicht
wie bereits unter 1. beschrieben, direkt zu einem Foulpfiff
führen. Dies ist eine sogenannte "No-call
- Situation". Die beschriebene Situation kann aber
auch zu einem "Late-call" des Schiedsrichter
führen, nämlich dann, wenn während des
Kontaktes für den Schiedsrichter nicht sofort erkennbar
ist, ob die Korbaktion trotzdem begonnen / abgeschlossen
werden kann. Hier kann der Schiedsrichter das Spiel
weiter laufen lassen, um die Situation sicher beurteilen
zu können. Stellt sich dann heraus.. daß
der Kontakt für den Dribbler nachteilig war, kann
der Schiedsrichter noch ein Foul pfeifen. Dieser sogenannte
"Late-call" sollte jedoch in einem nachvollziehbaren
direkten Zusammenhang zur jeweiligen Spielsituation
stehen. Eine "Late-call - Situation" verlangt
nicht nur Mut und Selbstbewußtsein des Schiedsrichters,
sondern vor allem auch Verständnis seitens der
Spielern. Aus der beschriebenen Anfangssituation kann
sich aber noch eine Dritte entwickeln, nämlich
folgende: Aufgrund des Kontaktes kann der Dribbler offensichtlich
seine Korbaktion nicht beginnen / abschließen.
Hier muß der Schiedsrichter wie bisher mit einem
direkten Foulpfiff reagieren. Das Spiel wird mit Einwurf
an der Seitenlinie fortgesetzt. Ist die Anzahl der zulässigen
Mannschaftsfoul überschritten, so kommt es zu Freiwürfen.
Kontakte während
der Wurfaktion
Das beim vorherigen
Abschnitt behandelte, gilt auch für den ballführenden
Angreifer, der sich in der Korbwurfaktion befindet.
Leichte Kontakte am Körper und an der Hand, in
der sich der Ball befindet, sollen nicht gepfiffen werden.
Kommt ein Kontakt am Handgelenk oder am Arm der ballführenden
Hand zustande, ist dies nach wie vor ein Foul. Nimmt
der Verteidiger eine legale Verteidigungsposition ein,
und es kommt an den Armen oder Händen zum Kontakt,
so ist dies eine normale, zum Spiel gehörende Aktion,
also eine "No-call Situation". Eine legale
Verteidigungsposition hat ein Spieler eingenommen, wenn
er seinem Gegenspieler wie folgt gegenüber steht
- mit beiden Beinen
eine leichte Grätschstellung ( Schulterbreite
) einnehmend und mit beiden Füßen auf
dem Boden stehend
- in seinem Raum,
der sich senkrecht über seinen Armen erstreckt
( Zylinder ). In diesem Raum darf er auch springen.
Sollte der Angreifer
bei der Wurfaktion mit ausgestreckten Armen oder Beinen
in den Verteidiger springen, so daß er seine legale
Verteidigungs - Position aufgeben muß, muß
auf Offensivfoul8
entschieden werden. Der erzielte Korb zählt nicht
und das Spiel wird mit Einwurf an der Seitenlinie fortgesetzt.
Kommt es bei der Korbwurfaktion doch zum Kontakt, so
muß das Verursacher - Prinzip in Betracht gezogen
werden, d.h. wer war der Verursacher und hat sich so
einen Vorteil verschafft. Eine weitere "No-call
- Situation" entsteht, wenn der Angreifer nach
einer erfolgreichen Korbwurfaktion den unter dem Korb
stehenden Verteidiger berührt. Ein Late-call würde
entstehen, wenn der Korbwurf des Angreifers mißlingt,
und der Verteidiger am Rebound gehindert werden würde.
Dann hat ein Foulpfiff zu folgen. Schließlich
ist auch folgende Situation denkbar: Der Schiedsrichter
wartet nach einem Kontakt den Spielverlauf mit der Möglichkeit
eines "Late-calls" ab. Der Kontakt führt,
wie es sich zeigt, zwar zu einer Beeinträchtigung
des Dribblers, diesem gelingt es jedoch dennoch einen
regulären Korb zu erzielen. Eher sollte der Schiedsrichter,
obwohl er von dem "Late-call" Gebrauch machen
könnte, darauf verzichten.
Kontakte nach
der Wurfaktion
Nach dem Korbwurf versuchen
Werfer und Verteidiger eine optimale Position unter
dem Korb einzunehmen. Dies geschieht nicht ohne Kontakte,
wobei leichte Kontakte an der Hand oder am Körper
durchaus erlaubt sind und einem "No-call"
zur Folge haben. Kommt es bei solchen Aktionen zu offensichtlichen
Behinderungen, um an den Rebound zu gelangen, so muß
ein Foulpfiff9
erfolgen. Spieler versuchen durch theatralisches Verhalten
ein Foul zu provozieren. Darauf sollte der Schiedsrichter
besonders achten und Fingerspitzengefühl zeigen
und gegebenenfalls den Spieler ermahnen. Sollte sich
so etwas jedoch mehrmals wiederholen, kann dies durchaus
als unsportliches Verhalten bewertet werden, das mit
einem technischen Foul mit zwei Freiwürfen bestraft
werden muß.
4. Anmerkungen
Das Spiel wurde durch
die neue Regelung schneller, dynamischer und interessanter
gemacht. Gerade die neue Situation verlangt vom Schiedsrichter
sehr viel Spielverständnis. In der Praxis sieht
es wie folgt aus: Viele Spieler verstehen die neue Regelung
noch nicht und wenn doch, wird zu recht die Willkür
der Schiedsrichter bei der Umsetzung des Vorteil / Nachteil
- Prinzips kritisiert. Vorwiegend Schiedsrichter, die
in den unteren Klassen Spiele leiten, haben nur wenig
oder überhaupt keinen Bezug zu Regel VIII, Persönliche
Fouls, Art. 45, Kontakt.
5. Literaturverzeichnis
- Das moderne Lexikon;
Band 2; Herausgegeben vom Lexikon - Institut Bertelsmann
- Internet - Hompage
des BVRP - Schiedsrichterwesens (Regel - Ausführungen)
- Offizielle Basketball
- Regeln für Männer und Frauen beschlossen
vorn Internationalen Basketball - Verband ( FIBA
) am 25. / 26. Juli 1998
1
Regel VIII Art. 45 (Kontakt) 2
Das moderne Lexikon, Band 2, S.271 3
Regel VIII; Art. 46.3.5. (Regelwidriger Gebrauch der
Hände) 4
Regel VIII; Art. 48.4.3. (Unsportliches Foul- Festhalten
eines Spielers) und Art. 48.6. Strafe
5 Regel VIII, Art. 46.3.5. (Regelwidriger Gebrauch der
Hände) 5
Regel VIII; Art, 46.3.2. (Charging, Rempeln) 6
Regel VIII; Art. 46.5.1.3.2. (Kommentar zum illegalen
Kontakt von dem Angreifer an den Verteidiger) 7
Regel VIII Art, 46.5.2. ( Legale Verteidigungsposition)
8
Regel VIII, Art. 46.5. 1 ~ 3.2. ( Kommentar zum illegalen
Kontakt von dem Angreifer an den Verteidiger) 9
Regel IX ( Technische Fouls ); Art. 51.3. ( technisches
Foul )
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