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Denken Sie einmal einen
Augenblick über die sogenannten No-calls nach.
Wie oft beobachten Sie während eines Spiels eine
Aktion und entscheiden dann, daß sich keine Regelverletzung
ereignet hat? Waren Sie schon mal der zuständige
Schiedsrichter für eine "Defensives Blockieren
oder Charging mit Ball?" - Situation, eine Aktion,
bei der Sie keine Zeit zum Nach-denken haben, und haben
- so wie es die Zuschauer beim Studium der Fernsehwiederholung
tun werden - sich Ihre Entscheidung ein zweites Mal
überlegt? Es gibt einen Kontakt zwischen Dribbler
und Verteidiger, Sie sehen, wie der Verteidiger zu Boden
fällt und entscheiden dann, daß es kein Angreiferfoul
war, da der Kontakt nicht heftig genug war, um den Verteidiger
zu Fall zu bringen. In einer solchen Situation einen
kurzen Moment zu zögern und erst zu schauen, welche
Auswirkungen dieser Kontakt auf die Spielaktion hatte,
könnte aus einem möglicherweise schlechten
Foulpfiff einen guten No-call machen. Sie treffen diese
No-call Entscheidung genauso, wie wenn Sie gepfiffen
hätten, falls sich eine Regelverletzung ereignet
hätte. No-calls sind oft wichtiger als die Pfiffe,
die Sie machen.
Wie sieht's aus bei
außergewöhnlichen Aktionen? Ein Spieler steigt
hoch zum Rebound, pflückt den Ball einem kleineren
Spieler weg, der aber offensichtlich die Innenposition
hatte, und die Zuschauer auf den besseren Sitzen brüllen:
'Foul! Over the back!' Aus Ihrer guten Position heraus
konnten Sie aber die Lücke zwischen beiden Spielern
sehen und entscheiden, daß sich überhaupt
kein oder nur eine geringfügiger Kontakt ereignet
hat, der keinerlei Einfluß auf die Aktion hatte.
Der Begriff 'Over the back' gehört nicht zum Bestandteil
der Vokabeln, die ein Foul festlegen. Entweder hat der
Spieler, der sich den Rebound angelte, einen Kontakt
verursacht und dadurch seinen Gegenspieler benachteiligt,
dies wäre als 'Pushing' abzupfeifen, oder es ist
nicht zu pfeifen.
Aktionen dieser Art
sind nicht notwendigerweise Fouls, obwohl die Zuschauer
hier oft anderer Meinung sind. Pfeifen Sie manchmal,
nur weil Sie das Gefühl haben, es müsse sich
irgendeine Regelverletzung ereignet haben? Wünschen
Sie sich beim späteren Nachdenken gelegentlich,
Sie hätten den Pfiff zurückgehalten? Es ist
schon verrückt, aber ein Pfiff kann halt nicht
mehr 'eingeatmet' werden.
Zufällige Kontaktsituationen
sind das primäre Betätigungsfeld, um die Fähigkeit
zu entwickeln, zwischen einem notwendigen Pfiff und
einem No-call zu unterscheiden. Zufällige Kontakte
treten in einem Basketballspiel einfach zwangsläufig
auf. Wodurch ein 'zufälliger Kontakt festgelegt
ist, liefert häufig Zündstoff für Meinungsverschiedenheiten
und hängt in der Tat von der Spielklasse und dem
Kaliber des Wettbewerbs ab.
Das Vorteil-Nachteil
Prinzip sollte Ihnen helfen, solche Aktionen richtig
zu entscheiden. Ein zufälliger Kontakt hört
da auf, wo der Kontakt dem Spieler einen unfairen Vorteil
verschafft und den Gegenspieler benachteiligt. Falls
Sie einen Kontakt als zufällig einstufen, ist die
Entscheidung leicht: Kein Pfiff!
Probieren Sie diese
Technik das nächste Mal aus, wenn Sie ein hohes
Dribbling beobachten, ein Schaufeln, das wie ein Schrittfehler
aussieht oder eine andere komisch aussehende Aktion:
warten Sie mit dem Pfiff, bis Sie sicher sind, daß
sich wirklich eine Regelverletzung ereignet hat. Trainer
und Zuschauer werden eher einen späten, aber richtigen
Pfiff akzeptieren als eine abgepfiffene Regelübertretung,
die sich in Wirklichkeit überhaupt nicht ereignet
hat.
Die Fähigkeit
zu sicheren No-calls unterscheidet die besseren Schiedsrichter
vom Durchschnitt. Die besseren Schiedsrichter sehen
eine solche Situation voraus und sind unmittelbar darauf
geistig vorbereitet, eine Entscheidung zu treffen, wenn
die Situation auftritt. Solche Schiedsrichter sehen
die Aktion voraus, legen sich aber noch nicht auf den
Pfiff fest.
Die meisten Schiedsrichter
sind in der Lage, offensichtliche Fouls und Regelübertretungen
zu pfeifen. Wie Sie aber mit der Grauzone umgehen, das
bestimmt Ihren Erfolg als Schiedsrichter. Sich konzentrieren,
mit dem Pfiff warten, die ganze Aktion sehen und sich
erst dann vergewissern, daß sich eine Regelverletzung
ereignet hat, wird einen wesentlich besseren Schiedsrichter
aus Ihnen machen.
(Steven Ellinger,
Anwalt in Houston, Texas, ist juristischer Berater für
einige Schiedsrichter-Vereinigungen und Amateursport-
Verbände. Er ist Schiedsrichter für Highschool-
und College-Spiele, sowie Direktor der Southwest Basketball
Referees School an der Rice Universität. Seine
e-mail Adresse lautet: ellinger@ghg.net)
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