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Regeln | Ausarbeitungen | Vorteil- / Nachteil-Prinzip

 

 

Autor: Steven Ellinger / Übersetzung: Dr. Norbert Esser (SRK Baden-Württemberg)

 

 

 

Hervorragende No-Calls

 

Denken Sie einmal einen Augenblick über die sogenannten No-calls nach. Wie oft beobachten Sie während eines Spiels eine Aktion und entscheiden dann, daß sich keine Regelverletzung ereignet hat? Waren Sie schon mal der zuständige Schiedsrichter für eine "Defensives Blockieren oder Charging mit Ball?" - Situation, eine Aktion, bei der Sie keine Zeit zum Nach-denken haben, und haben - so wie es die Zuschauer beim Studium der Fernsehwiederholung tun werden - sich Ihre Entscheidung ein zweites Mal überlegt? Es gibt einen Kontakt zwischen Dribbler und Verteidiger, Sie sehen, wie der Verteidiger zu Boden fällt und entscheiden dann, daß es kein Angreiferfoul war, da der Kontakt nicht heftig genug war, um den Verteidiger zu Fall zu bringen. In einer solchen Situation einen kurzen Moment zu zögern und erst zu schauen, welche Auswirkungen dieser Kontakt auf die Spielaktion hatte, könnte aus einem möglicherweise schlechten Foulpfiff einen guten No-call machen. Sie treffen diese No-call Entscheidung genauso, wie wenn Sie gepfiffen hätten, falls sich eine Regelverletzung ereignet hätte. No-calls sind oft wichtiger als die Pfiffe, die Sie machen.

Wie sieht's aus bei außergewöhnlichen Aktionen? Ein Spieler steigt hoch zum Rebound, pflückt den Ball einem kleineren Spieler weg, der aber offensichtlich die Innenposition hatte, und die Zuschauer auf den besseren Sitzen brüllen: 'Foul! Over the back!' Aus Ihrer guten Position heraus konnten Sie aber die Lücke zwischen beiden Spielern sehen und entscheiden, daß sich überhaupt kein oder nur eine geringfügiger Kontakt ereignet hat, der keinerlei Einfluß auf die Aktion hatte. Der Begriff 'Over the back' gehört nicht zum Bestandteil der Vokabeln, die ein Foul festlegen. Entweder hat der Spieler, der sich den Rebound angelte, einen Kontakt verursacht und dadurch seinen Gegenspieler benachteiligt, dies wäre als 'Pushing' abzupfeifen, oder es ist nicht zu pfeifen.

Aktionen dieser Art sind nicht notwendigerweise Fouls, obwohl die Zuschauer hier oft anderer Meinung sind. Pfeifen Sie manchmal, nur weil Sie das Gefühl haben, es müsse sich irgendeine Regelverletzung ereignet haben? Wünschen Sie sich beim späteren Nachdenken gelegentlich, Sie hätten den Pfiff zurückgehalten? Es ist schon verrückt, aber ein Pfiff kann halt nicht mehr 'eingeatmet' werden.

Zufällige Kontaktsituationen sind das primäre Betätigungsfeld, um die Fähigkeit zu entwickeln, zwischen einem notwendigen Pfiff und einem No-call zu unterscheiden. Zufällige Kontakte treten in einem Basketballspiel einfach zwangsläufig auf. Wodurch ein 'zufälliger Kontakt festgelegt ist, liefert häufig Zündstoff für Meinungsverschiedenheiten und hängt in der Tat von der Spielklasse und dem Kaliber des Wettbewerbs ab.

Das Vorteil-Nachteil Prinzip sollte Ihnen helfen, solche Aktionen richtig zu entscheiden. Ein zufälliger Kontakt hört da auf, wo der Kontakt dem Spieler einen unfairen Vorteil verschafft und den Gegenspieler benachteiligt. Falls Sie einen Kontakt als zufällig einstufen, ist die Entscheidung leicht: Kein Pfiff!

Probieren Sie diese Technik das nächste Mal aus, wenn Sie ein hohes Dribbling beobachten, ein Schaufeln, das wie ein Schrittfehler aussieht oder eine andere komisch aussehende Aktion: warten Sie mit dem Pfiff, bis Sie sicher sind, daß sich wirklich eine Regelverletzung ereignet hat. Trainer und Zuschauer werden eher einen späten, aber richtigen Pfiff akzeptieren als eine abgepfiffene Regelübertretung, die sich in Wirklichkeit überhaupt nicht ereignet hat.

Die Fähigkeit zu sicheren No-calls unterscheidet die besseren Schiedsrichter vom Durchschnitt. Die besseren Schiedsrichter sehen eine solche Situation voraus und sind unmittelbar darauf geistig vorbereitet, eine Entscheidung zu treffen, wenn die Situation auftritt. Solche Schiedsrichter sehen die Aktion voraus, legen sich aber noch nicht auf den Pfiff fest.

Die meisten Schiedsrichter sind in der Lage, offensichtliche Fouls und Regelübertretungen zu pfeifen. Wie Sie aber mit der Grauzone umgehen, das bestimmt Ihren Erfolg als Schiedsrichter. Sich konzentrieren, mit dem Pfiff warten, die ganze Aktion sehen und sich erst dann vergewissern, daß sich eine Regelverletzung ereignet hat, wird einen wesentlich besseren Schiedsrichter aus Ihnen machen.

(Steven Ellinger, Anwalt in Houston, Texas, ist juristischer Berater für einige Schiedsrichter-Vereinigungen und Amateursport- Verbände. Er ist Schiedsrichter für Highschool- und College-Spiele, sowie Direktor der Southwest Basketball Referees School an der Rice Universität. Seine e-mail Adresse lautet: ellinger@ghg.net)

 

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Letztes Update:
28. Dezember 2002

 

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