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Regeln | Ausarbeitungen | Sperre

 

 

Hausarbeit von Stefanie Bauer (BV Rheinland-Pfalz) vorgelegt zur Erlangung der B-Lizenz 1998/99

 

 

 

Die Problematik des Stellens einer direkten bzw. indirekten Sperre
hinsichtlich der Foul-Regel und der Schiedsrichter-Technik

 

Laut Paragraph 46.5.6 der Offiziellen Basketballregeln ist "Sperren [...] die Bezeichnung für den Versuch eines Spielers, einen Gegner, der nicht den Ball kontrolliert, daran zu hindern, eine gewünschte Position auf dem Spielfeld einzunehmen."1  Die Regel definiert weiter den Unterschied zwischen einer legalen und einer illegalen Sperre. Damit die Sperre legal ist, muß der sperrende Spieler2 folgende Faktoren beachten:

  • Er muß mit beiden Füßen auf dem Boden stehen.
  • Er muß das Vertikalprinzip einhalten, d.h. in seinem Zylinder stehen, die Beine nicht mehr als schulterbreit auseinander.
  • Arme und Ellbogen dürfen im Moment des Kontakts mit dem Gegenspieler nicht mehr als Schulterbreite haben und müssen innerhalb des Zylinders gesenkt sein. Sie können verschränkt werden, jedoch nur eng am Körper.
  • Beim Stellen einer Sperre außerhalb des Gesichtsfelds des Gegenspielers muß er einen Abstand von mindestens einem normalen Schritt halten, d.h. genug Raum, damit der gesperrte Spieler stoppen oder der Sperre ausweichen kann.

Beachtet der sperrende Spieler eine dieser Vorgaben nicht, handelt es sich um ein Offensivfoul durch Blockieren, daß der Schiedsrichter3  mit Offensivfoul gegen den sperrenden Spieler und Einwurf an der Seitenlinie für die andere Mannschaft zu ahnden hat.

In der folgenden Studie werden die Faktoren und eine Auswahl von Situationen, in denen diese Faktoren Bedeutung erlangen, einzeln betrachtet und im Hinblick auf die notwendige Schiedsrichtertechnik analysiert. Zu diesem Zweck muß darüber hinaus zwischen direkter und indirekter Sperre differenziert werden, obwohl die Strafe in beiden Fällen dieselbe ist. Der Unterschied wirkt sich jedoch auf den Zuständigkeitsbereich der Schiedsrichter aus und auch auf die Stellung der Schiedsrichter zum Geschehen (z.B. auf der ballentfernten Seite).

1. Illegales Verhalten bei der direkten Sperre

1.1 Illegales Verhalten des sperrenden Spielers

Situation

Beurteilung

Schiedsrichtertechnik

1. Mannschaft A hat die Ballkontrolle. Spieler A1 dribbelt den Ball, A2 stellt eine direkte Sperre für Verteidiger B1 auf. B1 merkt das und versucht, hinter der Sperre durchzulaufen. A2 verschiebt die Sperre und es kommt dadurch zum Kontakt.

Die Aktion ist illegal, da sich A2 bewegt und nicht mit beiden Füßen auf dem Boden steht. Sie wird durch Offensivfoul A2 und Einwurf Team B geahndet.

Der dem Spielgeschehen (Spieler mit Ball) nähere Schiedsrichter (aufgrund der Einteilung der Beobachtungsbereiche der Schiedsrichter)4 versucht, eine Position einzunehmen, aus der er die Aktion von A2 beurteilen kann, d.h. er muß die Fußstellung von A2 überwachen.

2. In der gleichen Situation verschiebt A2 nun die Sperre nicht, indem er die Füße bewegt, sondern indem er seinen Oberkörper in die Richtung lehnt, in die B1 die Sperre zu umgehen sucht. Es kommt zum Kontakt.

Die Aktion ist illegal, da A2 das Vertikalprinzip nicht eingehalten hat. Da A2 sich außerhalb seines Zylinders bewegt, ist er für den Kontakt verantwortlich. Einwurf Team B.

Siehe Situation 1. Der dem Spielgeschehen nähere Schiedsrichter muß ebenfalls das Vertikalprinzip in der Aktion von A2 im Auge haben.

3. In der gleichen Situation verschränkt A2 die Arme vor dem Körper, um sich gegen den Aufprall von B1 zu schützen. Dabei streckt er die Ellbogen nach vorne und es kommt zum Kontakt.

Wiederum handelt es sich um ein Foul durch Blockieren (vgl. § 46.5.7 der offiziellen Basketballregeln). A2 hätte die Ellbogen senken müssen. Einwurf Team B.

Wenn der Schiedsrichter so positioniert ist, daß er den Zwischenraum zwischen B1 und A2 überwachen kann, wird er das illegale Sperren beobachten können.

4. A2 verschränkt jetzt nicht die Arme vor dem Körper, sondern breitet sie aus, als er merkt, daß B1 die Sperre zu umgehen sucht. Es kommt zum Kontakt.

Es muß auf Foul durch Halten (vgl. § 46.3.4) gegen A2 entschieden werden. Das Zylinderprinzip wurde nicht beachtet. Einwurf Team B.

Siehe Situation 3.

5. A2 versucht durch Herausstellen eines Knie B1 am Umgehen der Sperre zu hindern. Es kommt zum Kontakt.

Auch dies ist regelwidrig, da es gegen das Zylinderprinzip verstößt. Einwurf Team B.

Sihe Situation 3.

6. A2 stellt die Sperre außerhalb des Gesichtsfelds von B1 direkt hinter ihm auf. Es kommt zum Kontakt.

Auch für diesen Kontakt ist A2 verantwortlich, weil er den Einfluß von Raum und Zeit nicht beachtet und B1 nicht den vorgeschriebenen Schritt Raum gelassen hat. Offensivfoul gegen A2 und Einwurf Team B.

Siehe Situation 3. In allen hier aufgeführten Situation geht der dem Spielgeschehen nähere Schiedsrichter, der das Foul gepfiffen hat, zum Anschreibetisch und zeigt es mit den entsprechenden Gesten an. Der andere Schiedsrichter beobachtet die Spieler und sichert dann den Ball.

 

1.2 Illegales Verhalten des von der Sperre profitierenden, ballführenden Spielers

Situation

Beurteilung der Situation

Schiedsrichtertechnik

Mannschaft A hat die Ballkontrolle. Spieler A1 dribbelt den Ball, A2 stellt eine direkte Sperre für Verteidiger B1 auf. B1 merkt das und versucht, vor der Sperre durchzulaufen. A1 schiebt B1 mit dem Arm oder einem anderen Körperteil auf A2 drauf und es kommt dadurch zum Kontakt.

Auch diese Situation ist als regelwidrig zu werten, jedoch begeht hier A1 ein Offensivfoul durch Charging (vgl. § 46.3.2), während A2 eine reguläre Sperre gestellt hat und unbeteiligt ist. Team B erhält Einwurf an der Seitenlinie.

Wie in Punkt 1.1 muß der dem Spielgeschehen nähere Schiedsrichter die Zwischenräume zwischen A1 und B1 im Auge behalten, um die Aktion richtig beurteilen zu können.


1.3
Illegales Verhalten des gesperrten Spielers
Erfolgt das Stellen der direkten Sperre von A2 regelgerecht, ist es dem gesperrten Spieler B1 nicht gestattet, sich den sperrenden Spieler durch Zuhilfenahme der Arme und Hände aus dem Weg zu schaffen. Die Regel §46.5.6 besagt dazu, daß "ein Spieler, der legal gesperrt wird, [...] für jeden Kontakt mit dem sperrenden Spieler verantwortlich" ist. Versucht B1 A2 mit den Händen wegzustoßen, ist diese Aktion als Pushing-Foul gegen B1 zu ahnden (vgl. § 46.3.6). Team A erhält Einwurf an der der Aktion nächsten Linie oder, bei Überschreitung der Teamfoulgrenze bei Team B, A2 zwei Freiwürfe.
Versucht B1 einen möglicherweise körperlich schwächeren A2 nach legal gestellter Sperre dadurch von seiner Position zu entfernen, daß er ihn umrennt und möglicherweise in A1 hineinschiebt, handelt es sich um ein Charging-Foul. Team A erhält ebenfalls Einwurf an der der Aktion nächsten Linie oder, bei Überschreitung der Teamfoulgrenze bei Team B, A2 zwei Freiwürfe.
In allen Fällen ist es Aufgabe des Schiedsrichters, sich so zu positionieren, daß er den Zwischenraum zwischen sperrendem Spieler und gesperrten Spieler, sowie zwischen gesperrtem und von der Sperre profitierendem Spieler, überblicken kann. Nur dann kann eine faire Entscheidung getroffen werden.

2. Illegales Verhalten bei einer indirekten Sperre
Bei einer indirekten, d.h. nicht am Verteidiger des Ballführers sondern am Verteidiger eines anderen Mitglieds der Mannschaft in Ballkontrolle, gestellten Sperre sind alle unter Punkt 1 dargestellten Arten von Fehlverhalten ebenfalls möglich. Es ist dementsprechend nicht notwendig, sie im Einzelnen noch einmal aufzulisten. Sie werden ebenfalls, wie oben berichtet, durch Einwurf für die andere Mannschaft an der der Aktion nächsten Linie (bei Offensivfoul immer die Seitenlinie) oder durch 2 Freiwürfe für den gefoulten Spieler in Ballkontrolle im Falle der Überschreitung der Teamfoulgrenze der verteidigenden Mannschaft geahndet.
Unterschiedlich ist im Fall der indirekten Sperre der Zuständigkeitsbereich der Schiedsrichter. Während bei der direkten Sperre meist der dem Spielgeschehen nähere Schiedsrichter tätig wird (z.B. bei Spielgeschehen in der Nähe der Mittellinie der nachfolgende Schiedsrichter), muß bei indirekter Sperre auf der ballentfernten Seite der entferntere Schiedsrichter die Aktion beurteilen. Seine Aufgabe ist es dann, alle nicht direkt an der Spielaktion mit Ball beteiligten Spieler im Blick zu haben. Bei dem Stellen einer indirekten Sperre ist ganz besonders auf die Einhaltung des Schrittabstands zwischen sperrendem Spieler und gesperrtem Spieler zu achten, da sich die Sperre meist nicht im Gesichtsfeld des Gegners befindet.

3. Problematik der Schiedsrichtertechnik bei Sperren
Abschließend ist anzumerken, daß die spielgerechte Beurteilung von Aktionen beim Stellen oder Vermeiden von direkten oder indirekten Sperren von weiteren Faktoren abhängt, die die Entscheidung für die Schiedsrichter noch schwieriger machen. Im Sinne des in § 45.2 der offiziellen Basketballregeln beschriebenen Vorteil-/Nachteil-Prinzips sollten die Schiedsrichter jederzeit abwägen, ob der Kontakt zwischen gesperrtem und sperrendem Spieler zufällig oder mit Absicht erfolgt und ob sich daraus für den verantwortlichen Spieler ein Vorteil und für seinen Gegner ein Nachteil ergibt. Ist letzteres nicht der Fall, so ist mit Rücksicht auf den Spielfluß auf ,no call' zu entscheiden. Weiterhin für die Schiedsrichter schwierig, ist die Uneinsehbarkeit des engen Raums, auf dem sich die Sperraktionen ereignen. Sie müssen sehr beweglich agieren und möglichst immer so positioniert sein, daß sie den Zwischenraum zwischen den an der Sperre beteiligten Spieler einsehen und die Aktion beurteilen können. Bei indirekten Sperren auf der ballentfernten Seite muß der Schiedsrichter, der nicht die Spielaktion um den Ball verfolgt, versuchen, eine günstige Position einzunehmen, aus der er einen weiten Radius und damit alle nicht direkt um den Ball kämpfenden Spieler überwachen kann. In jedem Fall muß die Aktion sehr aufmerksam beobachtet werden, damit bei Kontakt der verantwortliche Spieler ausgemacht werden kann. Wie im Vorangegangenen beschrieben, können bei dieser Aktion sowohl der sperrende, der gesperrte, wie auch der von der Sperre profitierende Spieler eine Regelwidrigkeit begehen. Da die direkte bzw. indirekte Sperre das größte Maß an Körperkontakt zwischen mehreren gegnerischen Spielern außerhalb der 3-Sekunden-Zone (z.B. beim Rebound) mit sich bringt, ist ihre richtige Beurteilung für den fairen Ablauf eines Spiels von größter Bedeutung.


Fußnoten

1  Offizielle Basketballregeln für Männer und Frauen, beschlossen vom INTERNATIONALEN BASKETBALL-VERBAND (FIBA) am 25./26. Juli 1998.
2  Der Einfachheit halber wird in der gesamten Arbeit nur die männliche Form "Spieler" verwendet. Trotzdem gilt das hier Dargestellte selbstverständlich auch für Spielerinnen.
3  Auch hier steht die männliche Form ebenso für Schiedsrichterinnen.
4  Siehe Aufteilung der Beobachtungsbereiche laut Basketball. Die Technik des Schiedsrichterns.

 

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Letztes Update:
28. Dezember 2002

 

© Axel Beckmann