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Laut Paragraph 46.5.6
der Offiziellen Basketballregeln ist "Sperren [...]
die Bezeichnung für den Versuch eines Spielers,
einen Gegner, der nicht den Ball kontrolliert, daran
zu hindern, eine gewünschte Position auf dem Spielfeld
einzunehmen."1
Die Regel definiert weiter den Unterschied zwischen
einer legalen und einer illegalen Sperre. Damit die
Sperre legal ist, muß der sperrende Spieler2
folgende Faktoren beachten:
- Er muß mit
beiden Füßen auf dem Boden stehen.
- Er muß das
Vertikalprinzip einhalten, d.h. in seinem Zylinder
stehen, die Beine nicht mehr als schulterbreit auseinander.
- Arme und Ellbogen
dürfen im Moment des Kontakts mit dem Gegenspieler
nicht mehr als Schulterbreite haben und müssen
innerhalb des Zylinders gesenkt sein. Sie können
verschränkt werden, jedoch nur eng am Körper.
- Beim Stellen einer
Sperre außerhalb des Gesichtsfelds des Gegenspielers
muß er einen Abstand von mindestens einem
normalen Schritt halten, d.h. genug Raum, damit
der gesperrte Spieler stoppen oder der Sperre ausweichen
kann.
Beachtet der sperrende
Spieler eine dieser Vorgaben nicht, handelt es sich
um ein Offensivfoul durch Blockieren, daß der
Schiedsrichter3
mit Offensivfoul gegen den sperrenden Spieler
und Einwurf an der Seitenlinie für die andere Mannschaft
zu ahnden hat.
In der folgenden Studie
werden die Faktoren und eine Auswahl von Situationen,
in denen diese Faktoren Bedeutung erlangen, einzeln
betrachtet und im Hinblick auf die notwendige Schiedsrichtertechnik
analysiert. Zu diesem Zweck muß darüber hinaus
zwischen direkter und indirekter Sperre differenziert
werden, obwohl die Strafe in beiden Fällen dieselbe
ist. Der Unterschied wirkt sich jedoch auf den Zuständigkeitsbereich
der Schiedsrichter aus und auch auf die Stellung der
Schiedsrichter zum Geschehen (z.B. auf der ballentfernten
Seite).
1. Illegales Verhalten
bei der direkten Sperre
1.1 Illegales Verhalten
des sperrenden Spielers
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Situation |
Beurteilung
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Schiedsrichtertechnik |
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1.
Mannschaft A hat die Ballkontrolle.
Spieler A1 dribbelt den Ball, A2 stellt
eine direkte Sperre für Verteidiger
B1 auf. B1 merkt das und versucht, hinter
der Sperre durchzulaufen. A2 verschiebt
die Sperre und es kommt dadurch zum
Kontakt. |
Die
Aktion ist illegal, da sich A2 bewegt
und nicht mit beiden Füßen
auf dem Boden steht. Sie wird durch
Offensivfoul A2 und Einwurf Team B geahndet. |
Der
dem Spielgeschehen (Spieler mit Ball)
nähere Schiedsrichter (aufgrund
der Einteilung der Beobachtungsbereiche
der Schiedsrichter)4
versucht, eine Position einzunehmen,
aus der er die Aktion von A2 beurteilen
kann, d.h. er muß die Fußstellung
von A2 überwachen. |
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2.
In der gleichen Situation verschiebt
A2 nun die Sperre nicht, indem er die
Füße bewegt, sondern indem
er seinen Oberkörper in die Richtung
lehnt, in die B1 die Sperre zu umgehen
sucht. Es kommt zum Kontakt. |
Die
Aktion ist illegal, da A2 das Vertikalprinzip
nicht eingehalten hat. Da A2 sich außerhalb
seines Zylinders bewegt, ist er für
den Kontakt verantwortlich. Einwurf
Team B. |
Siehe
Situation 1. Der dem Spielgeschehen
nähere Schiedsrichter muß
ebenfalls das Vertikalprinzip in der
Aktion von A2 im Auge haben. |
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3.
In der gleichen Situation verschränkt
A2 die Arme vor dem Körper, um
sich gegen den Aufprall von B1 zu schützen.
Dabei streckt er die Ellbogen nach vorne
und es kommt zum Kontakt. |
Wiederum
handelt es sich um ein Foul durch Blockieren
(vgl. § 46.5.7 der offiziellen
Basketballregeln). A2 hätte die
Ellbogen senken müssen. Einwurf
Team B. |
Wenn
der Schiedsrichter so positioniert ist,
daß er den Zwischenraum zwischen
B1 und A2 überwachen kann, wird
er das illegale Sperren beobachten können. |
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4.
A2 verschränkt jetzt nicht die
Arme vor dem Körper, sondern breitet
sie aus, als er merkt, daß B1
die Sperre zu umgehen sucht. Es kommt
zum Kontakt. |
Es
muß auf Foul durch Halten (vgl.
§ 46.3.4) gegen A2 entschieden
werden. Das Zylinderprinzip wurde nicht
beachtet. Einwurf Team B. |
Siehe
Situation 3. |
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5.
A2 versucht durch Herausstellen eines
Knie B1 am Umgehen der Sperre zu hindern.
Es kommt zum Kontakt. |
Auch
dies ist regelwidrig, da es gegen das
Zylinderprinzip verstößt.
Einwurf Team B. |
Sihe
Situation 3. |
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6.
A2 stellt die Sperre außerhalb
des Gesichtsfelds von B1 direkt hinter
ihm auf. Es kommt zum Kontakt. |
Auch
für diesen Kontakt ist A2 verantwortlich,
weil er den Einfluß von Raum und
Zeit nicht beachtet und B1 nicht den
vorgeschriebenen Schritt Raum gelassen
hat. Offensivfoul gegen A2 und Einwurf
Team B. |
Siehe
Situation 3. In allen hier aufgeführten
Situation geht der dem Spielgeschehen
nähere Schiedsrichter, der das
Foul gepfiffen hat, zum Anschreibetisch
und zeigt es mit den entsprechenden
Gesten an. Der andere Schiedsrichter
beobachtet die Spieler und sichert dann
den Ball. |
1.2 Illegales Verhalten
des von der Sperre profitierenden, ballführenden
Spielers
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Situation |
Beurteilung
der Situation |
Schiedsrichtertechnik |
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Mannschaft
A hat die Ballkontrolle. Spieler A1
dribbelt den Ball, A2 stellt eine direkte
Sperre für Verteidiger B1 auf.
B1 merkt das und versucht, vor der Sperre
durchzulaufen. A1 schiebt B1 mit dem
Arm oder einem anderen Körperteil
auf A2 drauf und es kommt dadurch zum
Kontakt. |
Auch
diese Situation ist als regelwidrig
zu werten, jedoch begeht hier A1 ein
Offensivfoul durch Charging (vgl. §
46.3.2), während A2 eine reguläre
Sperre gestellt hat und unbeteiligt
ist. Team B erhält Einwurf an der
Seitenlinie. |
Wie
in Punkt 1.1 muß der dem Spielgeschehen
nähere Schiedsrichter die Zwischenräume
zwischen A1 und B1 im Auge behalten,
um die Aktion richtig beurteilen zu
können. |
1.3
Illegales Verhalten
des gesperrten Spielers Erfolgt das Stellen
der direkten Sperre von A2 regelgerecht, ist es dem
gesperrten Spieler B1 nicht gestattet, sich den sperrenden
Spieler durch Zuhilfenahme der Arme und Hände aus
dem Weg zu schaffen. Die Regel §46.5.6 besagt dazu,
daß "ein Spieler, der legal gesperrt wird, [...]
für jeden Kontakt mit dem sperrenden Spieler verantwortlich"
ist. Versucht B1 A2 mit den Händen wegzustoßen,
ist diese Aktion als Pushing-Foul gegen B1 zu ahnden
(vgl. § 46.3.6). Team A erhält Einwurf an
der der Aktion nächsten Linie oder, bei Überschreitung
der Teamfoulgrenze bei Team B, A2 zwei Freiwürfe.
Versucht B1 einen möglicherweise körperlich
schwächeren A2 nach legal gestellter Sperre dadurch
von seiner Position zu entfernen, daß er ihn umrennt
und möglicherweise in A1 hineinschiebt, handelt
es sich um ein Charging-Foul. Team A erhält ebenfalls
Einwurf an der der Aktion nächsten Linie oder,
bei Überschreitung der Teamfoulgrenze bei Team
B, A2 zwei Freiwürfe. In allen Fällen
ist es Aufgabe des Schiedsrichters, sich so zu positionieren,
daß er den Zwischenraum zwischen sperrendem Spieler
und gesperrten Spieler, sowie zwischen gesperrtem und
von der Sperre profitierendem Spieler, überblicken
kann. Nur dann kann eine faire Entscheidung getroffen
werden.
2. Illegales Verhalten
bei einer indirekten Sperre Bei einer indirekten,
d.h. nicht am Verteidiger des Ballführers sondern
am Verteidiger eines anderen Mitglieds der Mannschaft
in Ballkontrolle, gestellten Sperre sind alle unter
Punkt 1 dargestellten Arten von Fehlverhalten ebenfalls
möglich. Es ist dementsprechend nicht notwendig,
sie im Einzelnen noch einmal aufzulisten. Sie werden
ebenfalls, wie oben berichtet, durch Einwurf für
die andere Mannschaft an der der Aktion nächsten
Linie (bei Offensivfoul immer die Seitenlinie) oder
durch 2 Freiwürfe für den gefoulten Spieler
in Ballkontrolle im Falle der Überschreitung der
Teamfoulgrenze der verteidigenden Mannschaft geahndet.
Unterschiedlich ist im Fall der indirekten Sperre
der Zuständigkeitsbereich der Schiedsrichter. Während
bei der direkten Sperre meist der dem Spielgeschehen
nähere Schiedsrichter tätig wird (z.B. bei
Spielgeschehen in der Nähe der Mittellinie der
nachfolgende Schiedsrichter), muß bei indirekter
Sperre auf der ballentfernten Seite der entferntere
Schiedsrichter die Aktion beurteilen. Seine Aufgabe
ist es dann, alle nicht direkt an der Spielaktion mit
Ball beteiligten Spieler im Blick zu haben. Bei dem
Stellen einer indirekten Sperre ist ganz besonders auf
die Einhaltung des Schrittabstands zwischen sperrendem
Spieler und gesperrtem Spieler zu achten, da sich die
Sperre meist nicht im Gesichtsfeld des Gegners befindet.
3. Problematik der
Schiedsrichtertechnik bei Sperren Abschließend
ist anzumerken, daß die spielgerechte Beurteilung
von Aktionen beim Stellen oder Vermeiden von direkten
oder indirekten Sperren von weiteren Faktoren abhängt,
die die Entscheidung für die Schiedsrichter noch
schwieriger machen. Im Sinne des in § 45.2 der
offiziellen Basketballregeln beschriebenen Vorteil-/Nachteil-Prinzips
sollten die Schiedsrichter jederzeit abwägen, ob
der Kontakt zwischen gesperrtem und sperrendem Spieler
zufällig oder mit Absicht erfolgt und ob sich daraus
für den verantwortlichen Spieler ein Vorteil und
für seinen Gegner ein Nachteil ergibt. Ist letzteres
nicht der Fall, so ist mit Rücksicht auf den Spielfluß
auf ,no call' zu entscheiden. Weiterhin für die
Schiedsrichter schwierig, ist die Uneinsehbarkeit des
engen Raums, auf dem sich die Sperraktionen ereignen.
Sie müssen sehr beweglich agieren und möglichst
immer so positioniert sein, daß sie den Zwischenraum
zwischen den an der Sperre beteiligten Spieler einsehen
und die Aktion beurteilen können. Bei indirekten
Sperren auf der ballentfernten Seite muß der Schiedsrichter,
der nicht die Spielaktion um den Ball verfolgt, versuchen,
eine günstige Position einzunehmen, aus der er
einen weiten Radius und damit alle nicht direkt um den
Ball kämpfenden Spieler überwachen kann. In
jedem Fall muß die Aktion sehr aufmerksam beobachtet
werden, damit bei Kontakt der verantwortliche Spieler
ausgemacht werden kann. Wie im Vorangegangenen beschrieben,
können bei dieser Aktion sowohl der sperrende,
der gesperrte, wie auch der von der Sperre profitierende
Spieler eine Regelwidrigkeit begehen. Da die direkte
bzw. indirekte Sperre das größte Maß
an Körperkontakt zwischen mehreren gegnerischen
Spielern außerhalb der 3-Sekunden-Zone (z.B. beim
Rebound) mit sich bringt, ist ihre richtige Beurteilung
für den fairen Ablauf eines Spiels von größter
Bedeutung.
Fußnoten
1 Offizielle
Basketballregeln für Männer und Frauen, beschlossen
vom INTERNATIONALEN BASKETBALL-VERBAND (FIBA) am 25./26.
Juli 1998. 2
Der Einfachheit halber wird in der gesamten Arbeit
nur die männliche Form "Spieler" verwendet. Trotzdem
gilt das hier Dargestellte selbstverständlich auch
für Spielerinnen. 3 Auch
hier steht die männliche Form ebenso für Schiedsrichterinnen.
4 Siehe
Aufteilung der Beobachtungsbereiche laut Basketball.
Die Technik des Schiedsrichterns.
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