|
Thema:
Erläuterung der Problematik des Stellens einer
direkten bzw. indirekten Sperre hinsichtlich der Foul-Regel
und der Schiedsrichter - Technik.
Lösung
der Aufgabenstellung:
Unter
Sperren versteht man den Versuch eines Spielers A den
nicht ballbesitzenden Gegenspieler B daran zu hindern,
eine gewünschte Position einzunehmen oder die Bewegungsrichtung
beizubehalten. Hierbei unterscheidet man direkte und
indirekte Sperren. Unter einer direkten Sperre versteht
man das Stellen eines Blocks im Gesichtsfeld des Gegenspielers,
während die indirekte Sperre außerhalb liegt.
Bei der Beurteilung der Legalität der Sperre müssen
diese beiden Fälle unterschieden werden.
1.
Angreifer sperrt Verteidiger.
Setzt
Angreifer A4 eine direkte Sperre am Verteidiger B5,
so kann die Sperre so nahe wie möglich, bis kurz
vor einem Kontakt mit dem Spieler, stellen. Er muß
hierbei eine normale Basketball-Position einnehmen,
mit beiden Füßen Bodenkontakt haben und seine
Arme am Körper haben. Hierbei dürfen die Arme
zum Schutz vor dem Körper verschränkt werden.
Kommt es nun zum Kontakt ist der Verteidiger für
den Kontakt verantwortlich.
' Eine
normale Basketball-Position ist der Aufenthalt innerhalb
seines Zylinders. Der Zylinder schließt den Raum
über ihm und um ihn ein. Begrenzt wird er nach
vorne durch die Zehenspitzen, nach hinten durch das
verlängerte Gesäß und auf den Seiten
durch die Arme und Beine. Die Beine dürfen entsprechend
der Körpergröße normal gegrätscht
werden und die Arme nicht über die Ellenbogen ausgestreckt
werden. Die Ellbogen sind allerdings anzulegen, wenn
der Angreifer versucht an ihm vorbeizuziehen.
Obwohl
dieser Kontakt als Foul gewertet wird, soll der Schiedsrichter
die nachfolgenden Aktionen beobachten. Kann der nun
freigesperrte Angreifer zu einer freien Korbaktion kommen,
so ist nicht auf Foul zu entscheiden. Eine
Ausnahme besteht, wenn der Verteidiger die Sperre bewußt
mit den Armen oder Ellbogen wegräumt oder mit großer
Härte durch die Sperre hindurch gehen will. Hierbei
ist auf jeden Fall auf Foul durch Rempeln gegen den
Verteidiger zu entscheiden. Bei Foulentscheidung, Anzeige
mit Handzeichen Nr. 41 , erhält die angreifende
Mannschaft Einwurf an der nächstgelegenen Auslinie.
Unterliegt die verteidigende Mannschaft bereits der
Mannschaftsfoulstrafe, so wird auf zwei Freiwürfe
für den gefoulten Spieler erkannt. Es liegt eine
No-call Situation vor, wenn es zum Kontakt kommt, der
Verteidiger aber sichtlich bemüht
ist, legal über die Sperre hinwegzugehen und es
zu keiner Benachteiligung der angreifenden Mannschaft
kommt.
Verändert
der sperrende Spieler seine Position seitlich oder durch
das Herausstrecken von Beinen oder Armen, um die Sperre
aufrecht halten zu können, und es kommt somit zum
Kontakt, so ist der sperrende Spieler für den Kontakt
verantwortlich. In der Regel erleidet der Verteidiger
durch diese illegale Sperre einen Nachteil, daher ist
auf Foul zu entscheiden. Eine Ausnahme wäre, wenn
die Sperre keinen Vorteil für die angreifende Mannschaft
hat, z. B. wenn das Angriffsspiel nach der Sperre ohne
direkte Korbaktion weitergeführt wird. Als bewegte
Sperre gilt auch, wenn sich Angreifer A4 Verteidiger
B5 in den Weg stellt und dies immer dann unternimmt,
wenn der Verteidiger versucht direkt an den Ballbesitzer
A5 zu gelangen, da der Verteidiger weder durch Richtungsänderung
noch durch abstoppen an A4 vorbeikommt und es somit
zum Kontakt kommt, der für B5 nachteilig ist. Bei
der Entscheidung auf Blockfoul durch die angreifende
Mannschaft, erhält die gegnerische Team Einwurf
an der nächstliegenden Auslinie. Das Foul wird
mit den Handzeichen Nr. 38 und Nr. 43 angezeigt.
Stellt
der Angreifer eine Sperre außerhalb des Gesichtsfeldes
des Verteidigers oder auf der ballfernen Seite, so muß
er mindestens einen Schritt Abstand halten, um dem Verteidiger
die Möglichkeit zu geben, vor einem Kontakt abzustoppen
bzw. die Richtung zu ändern. Ist dieser Mindestabstand
eingehalten und der sperrende Spieler nicht illegal
seine Hände, Schultern, Hüften oder Beine
einsetzt, dann ist der Verteidiger für einen Kontakt
verantwortlich. Die Schiedsrichter sollten auf No-call
entscheiden, wenn der nun frei werdende Angreifer 2
zu einer Korbaktion gelangt. Ausnahme ist die bereits
oben beschriebene Härte des Verteidigers. Die beiden
beschriebenen Situationen gehen davon aus, daß
sich der zu sperrende Spieler nicht bewegt oder besser
sich nur wenig bewegt in Bezug auf seine Position. Befindet
sich der Spieler, an den Angreifer A4 eine Sperre stellen
will, in Bewegung, so muß das Verhältnis
von Zeit und Raum beachtet werden. Dies bedeutet, daß
die Sperre nicht so gestellt werden darf, daß
der Verteidiger, der sich bewegt, nicht genug Zeit und
Raum zur Verfügung hat, um einen Kontakt zu vermeiden
indem er ausweicht oder abstoppt. Sperren müssen
in einer Entfernung von mindestens einem Schritt gestellt
werden ( bei einer indirekten Sperre zwei Schritt).
Mehr als zwei Schritte Abstand müssen allerdings
nicht eingehalten werden. Wird der Einfluß von
Zeit und Raum nicht beachtet und es kommt zum Kontakt,
so ist der sperrende Spieler dafür verantwortlich.
Bei der Foulentscheidung gilt ebenfalls die Vorteil-/
Nachteil - Regel. Besonders bei Schnellangriffen kommt
es häufig vor, daß sich Spieler in den Weg
des Angreifers stellen. So z. B. bei langen Pässen:
wenn Angreifer A4 einen weiten Pass zu A2 spielt, B5
sich aber in einem Abstand von ca. zwei Metern in die
Bahn von A2 stellt, bevor dieser den Ball erhält,
und es zum Kontakt kommt, ist auf Offensivfoul zu entscheiden.
Würde sich B5 in die Bahn von A4 stellen, nachdem
dieser den Pass gespielt hat und es zum Kontakt kommt
liegt ebenfalls ein Offensivfoul vor. Allerdings kann
der Schiedsrichter im zweiten Fall je nach Härte
und Art des Kontaktes auf No-call entscheiden und das
Vorteil -/ Nachteil -Prinzip zur Geltung kommen lassen.
Wird allerdings auf Offensivfoul von A4 entschieden,
kann ein möglicher erzielter Korb nicht zählen.
Der Vorteil-
/ Nachteil - Regel zu Folge sind spielirrelevante Kontakte
nicht zu pfeifen bzw. diejenigen, die keine Parteien
benachteiligen. Beim Sperren ist allerdings von den
Schiedsrichtern sehr genau zu beobachten, ob es in der
Tat nicht zu einer Benachteiligung kommt. Besonders
bei der Beurteilung der Legalität der Sperre ist
der sperrende Spieler genau zu beobachten. Allerdings
schadet eine zu kleinliche Auslegung der Regel dem Spiel
und besonders die angreifende Mannschaft. Bei der Beobachtung
der nachfolgenden Aktionen ist auch der Verteidiger
des Sperrers in den Blick zu nehmen. Es ist diesem nicht
gestattet den Block unnütz zu machen, indem er
sich in eine blockähnliche Position in Verlängerung
der Sperre bringt. Dies wird häufig beim sogenannten
Switch vollzogen. Ein solche Bekämpfung der Sperre
ist mit Foulpfiff zu ahnden, da die angreifende Mannschaft
auf jeden Fall hierdurch benachteiligt wird. Die Strafe
lautet auf Einwurf an der nächsten Seitenlinie
oder zwei Freiwürfe, wenn die Mannschaft sich bereits
in den Teamfouls befindet.
11.
Verteidiger sperrt Angreifer (Bump the cut-bump the
pick - defense)
Wenn der
Verteidiger versucht einen Angreifer daran zu hindern
eine gewünschte Position auf dem Spielfeld einzunehmen,
gelten für ihn dieselben Regeln wie für die
angreifende Mannschaft. Er muß das Prinzip von
Zeit und Raum beachten und muß seine legale
Basketballposition die ganze Zeit aufrecht erhalten.
Der folgende
Schiedsrichter, der fast immer die Situation am Ball
verfolgt, muß sein Augenmerk auch auf die Sperren
richten, die am Ballverteidiger gestellt werden. Begibt
sich der Ball in die rechte untere Ecke, so beobachtet
er die anderen Spieler auch im Hinblick auf Sperren
auf der weak-side. Der vordere Schiedsrichter sollte
sein Hauptaugenmerk auf die Geschehnisse weg vom Ball
und besonders in der Zone richten. Durch dieses Blickfeld
muß er ganz besonders das Sperren beobachten und
beurteilen. Befindet sich der Ball allerdings direkt
vor ihm in der Ecke, so muß er den Ball beobachten.
Die Schiedsrichter arbeiten als Team und müssen
sich gegenseitig helfen. Jeder Schiedsrichter sollte
zwar immer bemüht sein, einen sehr guten Blickwinkel
zu haben, aber auf Grund des schnellen Spiels und den
teilweise engen Spielsituationen muß der andere
Schiedsrichter jederzeit in der Lage sein, seinem Kollegen
zu helfen. Zudem soll das Spielgeschehen immer zwischen
den beiden Schiedsrichtern stattfinden (Boxing-in-Prinzip).
Nur dies kann gewährleisten, daß wirklich
alle Spielsituationen beobachtet und entsprechen gewertet
werden können.
|