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Regeln | Ausarbeitungen | Regelverletzungen

 

 

Autor: Michael Meier / August 2000

 

 

 

Das Technische Foul

 

Schriftliche Hausarbeit als Prüfungsteil der A-Schiedsrichterprüfung des Deutschen Basketball Bundes (Note: 1)

Aufgabenstellung:

Erläutere das technische Foul und seine Bestrafung bei Vergehen durch Spieler, Trainer, Trainer-Assistent, Ersatzspieler, Mannschaftsbegleiter und Zuschauer. Bilde einige Beispiele und gehe auf Problemsituationen ein.

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung
  2. Die Verhaltensregeln
  3. Das technische Foul durch einen Spieler
  4. Das technische Foul durch Trainer, Trainer-Assistent, Ersatzspieler u. Mannschaftsbegleiter
  5. Gewalttätigkeiten
  6. Zuschauer
  7. Das technische Foul während einer Spielpause
  8. Technische Fouls aus Sicht von Spielern und Trainern
  9. Zusammenfassung

  1. Einleitung
    Foul - ein Begriff, der im Sport gemeinhin eine Regelverletzung bedeutet; genauer gesagt verbinden die meisten Personen damit einen Körperkontakt verursachenden, regelwidrigen "Angriff" auf einen Gegenspieler. Diese Art von Fouls stellen auch sicherlich die Mehrheit dar. Doch wie sind Regelverletzungen zu behandeln, die am normalen Spielgeschehen bzw. Spielsinn vorbeigehen?
  2. Um dieses Fehlverhalten ahnden zu können, wurde das technischen Fouls eingeführt. Das technische Foul hat seit je her einen besonderen Stellenwert bei allen am Basketballspiel direkt (Spieler, Trainer, Schiedsrichter usw.) und indirekt (Zuschauer) beteiligten Personen, da sie nur bei "besonderen" Situationen (nicht Ausnahmesituationen!) verhängt werden und daher relativ selten Anwendung finden. Was allerdings sind solch besondere Situationen? Dazu wurden im Regelwerk Verhaltensregeln aufgenommen, die im Art. 48 klar definiert sind und im wesentlichen auf eine ordnungsgemäße Durchführung des Spiels im Geist sportlicher Haltung und "Fair play" verweisen.

    Lassen sich für den Schiedsrichter Regelübertretungen, wie Schrittfehler oder Ausbälle und "normale" Fouls relativ leicht entscheiden, so spielt das Fingerspitzengefühl in technischen Foul-Situationen eine wesentliche Rolle. Sicherlich gibt es Situationen, in denen sofort auf ein technisches Foul zu entscheiden ist, doch meist bauen sich die Situationen auf oder der Schiedsrichter kann durch geschicktes Einwirken ein technisches Foul verhindern. Gemäß der FIBA-Vorgabe soll ein Schiedsrichter von seiner Einstellung bzw. Hemmschwelle ein technisches Foul nicht anders behandelt werden wie ein persönliches Kontaktfoul, doch durch die Art und Höhe der Bestrafung wird rein psychologisch eine Wertung aufgebaut. Diese ist für alle, Spieler, Trainer und Zuschauer offensichtlich. Je nach Spielsituation kann die Entscheidung ein technisches Foul zu verhängen, oder auch nicht (vgl. Art. 48.1.4), für mehr Brisanz in der Begegnung sorgen oder das Spiel beruhigen, da die meisten technischen Fouls auf abfällige Gesten, respektlosen Anreden oder wiederholtes meckern zurückzuführen sind. Hier ist, wie bereits oben erwähnt, das berühmte Fingerspitzengefühl gefordert.

    Schließlich gibt es v.a. in höheren Ligen die taktische Variante des gewollten technischen Fouls, um damit den Schiedsrichter für die weiter Spielzeit zu beeinflussen bzw. für sich zu gewinnen. Wie Spieler und Trainer das technische Foul sehen und welche psychologische Wirkung sie erzielen wird in einem Exkurs am Ende der Arbeit dargestellt.

    Auf die verschiedenen Möglichkeiten eines T-Fouls werde ich nur kurz eingehen, da diese im Regelheft ja detailliert ausgeführt sind. Auch Foulkombinationen und die entsprechende Spielfortführung werde ich nur ansprechen, wenn sich aufgrund der Regeländerung hier Neuerungen ergeben haben. Ich sehe den Schwerpunkt der Arbeit darin, die Grundlagen und Psychologie eines technischen Fouls, typische Spielsituationen und das technische Foul aus Sicht eines Spieler/Trainer zu beleuchten. 

  3. Die Verhaltensregeln
    In Art. 48 der Regeln werden Verhaltensregeln definiert, die einen ordnungsgemäßen Spielablauf gewährleisten sollen. Insbesondere der sportliche Geist, die respektvolle Zusammenarbeit der Beteiligten und das "Fair play" sollen im Vordergrund stehen und jede "absichtliche oder wiederholte Beeinträchtigung" dieser Verhaltensregeln sollen mit eine technischen Foul bestraft werden. Offensichtliche Angriffe führen zur sofortigen Disqualifikation. Besondere Bedeutung ist im Regelwerk 2000 dem Art. 48.1.4 beizumessen. Hier wird erstmals dem Schiedsrichter ein gewisser Handlungsspielraum eingeräumt. Verwarnungen gegenüber Spielern war bis dato üblich, doch nun können geringfügige administrative Regelverletzungen gar übersehen werden, die unabsichtlich und keinen direkten Einfluss auf das Spiel haben. In Art. 48.1.5 wird auch kurz auf den Sonderfall eingegangen, dass ein technisches Foul erst dann entdeckt wird, nachdem der Ball wieder belebt wurde. Hier wird derart verfahren, als ob sich das Foul zum Zeitpunkt der Entdeckung ereignet hätte; alle Aktionen zwischen der Regelverletzung und der Unterbrechung behalten ihre Gültigkeit.
  4. In Art. 48.2. wird in verschiedenen Unterpunkten die Regel an sich dargestellt. Da die aufgeführten Fälle aber in den Artikeln 49ff detaillierter dargestellt werden, verzichte ich hier auf eine weiter Ausführung.

     

  5. Das technische Foul durch einen Spieler
    Der Art. 49 der Regeln befasst sich mit diesem Sachverhalt. Hier wir gleich im ersten Absatz erklärt, was unter einem technischen Foul zu verstehen ist. "Alle Spielerfouls, die keinen Kontakt mit einem Gegenspieler einschließen, sind technische Fouls durch einen Spieler". Anschließend wird weiter ausgeführt, dass dies der Fall ist, wenn ein Spieler Ermahnungen missachtet oder ein unsportliches Verhalten (ohne Körperkontakt) an den Tag legt. Hier sind im wesentlichen drei Arten zu unterscheiden:
    1. Das respektlose Verhalten gegenüber allen am Spiel beteiligten Personen, was sich meist durch abfällige Redensarten oder Gesten äußert, bzw. das die Beteiligten den Aufforderungen der Schiedsrichter nicht nachkommen.
    2. Administrative Fehler, wie das Wechseln der Trikotnummer ohne Anmeldung.
    3. Spieltechnische Regelverletzungen, wie das Verlassen des Spielfeldes oder das übermäßige Festhalten am Ring.

    Strafe für ein technisches Foul gegen einen Spieler:

    Dem Spieler wird das Foul auf dem Anschreibebogen angeschrieben (es wird mit einem hochgestelltem "T" an der Minutenangabe gekennzeichnet) und dem Gegner wird ein Freiwurf zzgl. Ballbesitz an der Mittellinie zuerkannt. Ein T-Foul gegen einen Spieler zählt zu den Mannschaftsfouls.

    Beispiele/Sonderfälle unter Berücksichtigung der Regelinterpretationen

    1. Spieler A1 begeht ein Foul. Der SR pfeift dies und wird anschließend vom Spieler A1 mit den Worte "Das war doch ein Scheißpfiff" angesprochen.
      Hier liegt ein respektloses Anreden vor, dass auf jeden Fall mit einem T-Foul zu bestrafen ist.
    2. wie unter a), doch der Spieler reagiert emotional mit den Worten "Das war doch nichts".
      Dies ist sicherlich kein Grund für ein T-Foul. Hier sollte der Schiedsrichter des Spielers "überhören". Sollte dies doch nochmals vorkommen, so ist ein Ermahnung angebracht.
    3. wie unter a), doch der Spieler reagiert mit "Du bist doch zu dumm zum pfeifen".
      Dies stellt eine Beleidigung gegenüber dem Schiedsrichter dar. Hier ist ein disqualifizierendes Foul (Art. 47) angebracht. Allerdings reicht eine Matchstrafe, da die Äußerungen noch im Rahmen bleibt und nicht die Persönlichkeitsrechte bzw. gegen die guten Sitten verstößt.
    4. Ein Spieler schlägt absichtlich oder bei dem Versuch, den Ball zu blocken, versehentlich gegen das Spielbrett und der Ball geht nach Ansicht des Schiedsrichters deshalb nicht in den Korb.
      Die Korbwertung wird gemäß Art. 41 vorgenommen. Das Schlagen gegen das Spielbrett wird nicht mehr mit einem T-Foul bestraft. Allerdings ist eine Ermahnung angebracht, das weitere derartige Aktionen mit einem T-Foul bestraft werden könnten.
    5. Ein Spieler betritt als sechster Spieler das Spielfeld. Die wird erst bemerkt, nachdem Mannschaft A einen Korb erzielt hat.
      Das Vergehen muss auf jeden Fall mit ein T-Foul bestraft werden (siehe Kommentar 52-7). Obwohl die Regelverletzung von einem Spieler verursacht wurde, wird das Foul dem Trainer (mit eine B-Vermerk) angeschrieben. Der Korberfolg für Mannschaft A bleibt erhalten, da die Regelverletzung erst nach dem Korberfolg entdeckt wurde.
    6. Spieler A1 wird im Wurf von B1 gefoult, der Ball geht nicht in den Korb. A1 beschwert sich und berührt B1 respektlos. Der Schiedsrichter verhängt ein T-Foul gegen A1. War die Entscheidung korrekt und wie setzt sich das Spiel fort?
      In Zusammenhang mit den Beschwerden ist die Berührung ist auf jeden Fall zu ahnden. Handelt es sich um ein leichtes Stoßen mit den Händen, so ist ein T-Foul zu verhängen (vgl. Art. 49.1.2). Wird der Spieler aber deutlich gestoßen, so ist gemäß Art. 46.1.4 auf ein unsportliches Foul zu entscheiden. Eine solche Entscheidung ist situationsabhängig. Hat der Schiedsrichter auf ein T-Foul entschieden, so heben sich nach den neuen Regeln nun die Strafen nicht mehr auf und wirft zuerst A1 seine zwei Freiwürfe und anschließend B1 einen Freiwurf mit anschließendem Ballbesitz für B.
      Hätte A1 den Spieler B1 im Affekt nur kurz an der Brust berührt und leicht weggestoßen, so wäre es angebrachter, als Schiedsrichter dazwischen zu gehen und die Gemüter zu beruhigen. Diese präventive Maßnahme ist sinnvoller als hier unspsychologisch mit einem T-Foul zu agieren.

    Zu Beachten ist sicherlich die Änderung des Strafmaßes in den neuen Regeln. Von früher zwei Freiwürfen, wird ein T-Foul gegen einen Spieler nun mit einem Freiwurf zzgl. Einwurf an der Mittellinie bestraft. Diese bedeutet eine Erhöhung um 0,2 Wertungspunkte (gemäß FIBA-Berechnung). Dadurch ist das unsportlich-technische Foul überflüssig und aus den Regeln gestrichen worden. Doch ob nun die Hemmschwelle der Spieler steigt, ein unsportliches Verhalten an den Tag zu legen, was dem Spiel sicherlich förderlich ist, oder ob vielmehr die Hemmschwelle der Schiedsrichter steigt ein T-Foul zu verhängen, wird die kommende Spielzeit zeigen.

 

  1. Das technische Foul durch Trainer, Trainer-Assistent, Ersatzspieler u. Mannschaftsbegleiter
    In Art. 50 der Regeln wird nun auf die weiteren aktiv am Spiel beteiligten Personen eingegangen. Bzgl. des Verhaltens gegenüber den anderen am Spiel beteiligten Personen ist hier kein Unterschied zu den Spielern zu machen. Zusätzlich ist in den neuen Regeln noch das Berühren eines Teilnehmers aufgenommen worden. Die o.g. Personen identifizieren sich durch die Eintragung auf dem Anschreibebogen oder dadurch, dass nur sie sich im Mannschaftsbankbereich aufhalten dürfen und müssen. Jede Verletzung der angeführten Punkte führt zu einem technischem Foul. Gemäß den Interpretationen gibt es aber auch hier Fälle, in denen man zuerst ermahnen sollte, bevor ein T-Foul ausgesprochen wird.
  2. Die o.g. Personen dürfen nur in bestimmten Fällen den Mannschaftsbankbereich verlassen, welche in Art. 50.1.2 angeführt sind. Hierzu gehören z.B. bei einer Verletzung (nach Erlaubnis durch den Schiedsrichter), bei einer Beantragung eines Spielerwechsels oder einer Auszeit oder zum Einholen von statistischen Informationen am Anschreibertisch nur wenn die Spieluhr gestoppt ist.

    Auch ein Vertreter des Gastvereins beim Kampfgericht ist Mannschaftsbegleiter und fällt mit seinem Verhalten unter die Entscheidungsgewalt der Schiedsrichter.

    Strafe für ein technisches Foul nach Art. 50:

    Dem Gegner werden zwei Freiwürfe zzgl. Ballbesitz an der Mittellinie zuerkannt, egal von wem der o.g. Personen die Regelverletzung verursacht wurde. Dieses Foul zählt nicht zu den Mannschaftsfouls.

    Problematischer ist die Notierung des T-Fouls. Nach Art. 50.2.1 wird jedes Vergehen gegen den Trainer verhängt und in dessen Namenszeile eingetragen. Wird das Vergehen vom Trainer selbst verursacht, so wird der Minutenangabe ein "C" für Coach hochgestellt. Verursacht es einer der anderen Personen, so wird ein "B" für Bench hochgestellt. Diese Unterscheidung ist wichtig, da ein Trainer bei zwei "C" Fouls, aber erst bei drei "B" Fouls bzw. ein "C" Foul und zwei "B" Fouls disqualifiziert wird.

    Ob "C" oder "B" Foul ist dem Anschreiber verbal mitzuteilen.

    Beispiele/Sonderfälle unter Berücksichtigung der Regelinterpretationen

    1. Ein Trainer beschwert sich wiederholt über subjektiv "falsche" Entscheidungen. Er tut dies in einer Art und Weise, dass es sowohl den Zuschauern als auch der gegnerischen Mannschaft nicht verborgen bleibt.
      Hier ist der Trainer zu verwarnen und beim nächsten Vergehen ein T-Foul zu verhängen.
    2. Ein Trainer beschwert sich z.B. mit den Worten "Ihr pfeift doch nur Mist".
      In diesem Fall ist sofort ein T-Foul zu verhängen.
    3. Ein Trainer will mit dem Schiedsrichter in vernünftiger Weise Kontakt aufnehmen. Dabei betritt er das Spielfeld.
      Hier ist der Trainer in höflicher Weise wieder in seinen Mannschaftsbankbereich zu verweisen. Erst dann sollte sein Anliegen gehört werden.
    4. Immer wenn der Schiedsrichter am Mannschaftsbankbereich vorbeiläuft oder wenn sich das aktuelle Geschehen nicht in seiner Nähe befindet, beschwert sich der Trainer beim Schiedsrichter.
      Der Trainer will den Schiedsrichter beeinflussen und für sich gewinnen. Der Schiedsrichter hat die Möglichkeit die Worte des Trainer einfach zu überhören. Allerdings wird der Trainer mit laufendem Spiel wahrscheinlich lauter werden, was uns zu Fall a) zurückführt. Problematisch wird dies allerdings, wenn sich das Spiel bei knappen Spielstand kurz vor dem Ende befindet.
      Günstiger wäre es, den Trainer während des laufenden Spiels (ohne unnötige Unterbrechung) mit einer einfachen, aber höflichen Geste um Einstellung seines Verhaltens aufzufordern. Sollte der Trainer dies ignorieren, so ist eine günstige Gelegenheit zu wählen (Beschwerde während eines toten Balles) und den Trainer dann deutlich zu verwarnen. Jede weitere Äußerung in der geschilderten Weise ist dann mit einem T-Foul zu belegen
      .
    5. Der Trainer-Assistent läuft immer wieder vor dem Mannschaftsbankbereich herum, obwohl der eingetragene Trainer schon steht.
      Der Trainer ist höflich daraufhin hinzuweisen, dass nur eine Person stehen darf. Im Wiederholungsfall wird ein T-Foul verhängt. Sollte der Assistent dann aber einmal aufspringen, weil z.B. eine gelungene Aktion stattfand, so ist dies natürlich zu übersehen (siehe auch Art. 48.1.4).

    Grundsätzlich ist zu bemerken, dass der Schiedsrichter immer souverän und nicht hektisch auf Äußerungen der Trainer zu reagieren hat. Er darf sich Aktionen der Trainer auch nicht innerlich aufsparen, um dann plötzlich mit einem T-Foul zu reagieren. Man sollte auch nur mit dem Trainer kommunizieren und ihm auch gewisse emotionale Freiheiten einräumen. Assistenztrainer,

    Ersatzspieler oder gar Mannschaftsbegleiter haben sich dzgl. strikt an die Regeln zu halten.

  1. Gewalttätigkeiten
    Werden aufgrund Gewalttätigkeiten (vgl. Art. 52) Spieler disqualifiziert, weil sie den Mannschaftsbankbereich verlassen haben, so wird gegen den Trainer ein T-Foul ("B") verhängt und zwei Freiwürfe zzgl. Ballbesitz an der Mittellinie ausgesprochen (unabhängig von der Anzahl der disqualifizierten Personen).
  2. Für die Spielfortsetzung sind diese Strafen aber auch alle Strafen, die zuvor auf dem Spielfeld gefällt worden sind, unter Anwendung des Art. 56 - Sonderfälle zu beachten.

     

  3. Zuschauer
    Zuschauer können nicht mit einem technischen Foul bestraft werden. Hierzu gibt es in den Regeln keine Möglichkeit. Das bedeutet, dass Zuschauer Entscheidungen des Schiedsrichter immer kommentieren dürfen, ohne dass der Zuschauer oder eine Mannschaft dafür bestraft werden kann.
  4. Sollten die Zuschauer so in das Spiel eingreifen, dass die Gesundheit der am Spiel beteiligten Personen gefährdet ist...(z.B. Gegenstände auf dem Spielfeld), oder die Fortführung nicht möglich ist , so müssen zunächst die Ordnungskräfte sofort einschreiten, (sofern Spieler, Schiedsrichter usw. gefährdet sind (siehe Artikel 48)). In solchen Fällen kann ein Schiedsrichter jederzeit das Spiel abbrechen.

    Beispiele/Sonderfälle unter Berücksichtigung der Regelinterpretationen

    1. Nach einer Entscheidung gegen die Heimmannschaft rufen die Zuschauer immer wieder "Blinder"
      Der Schiedsrichter kann keine Maßnahmen treffen. Er sollte dies einfach überhören und sich auf sein Spiel konzentrieren.
    2. Es fallen Gegenstände auf das Spielfeld.
      Der Schiedsrichter teilt dem Trainer der Heimmannschaft mit, dass die Zuschauer dies unterlassen sollen, da sonst das Spiel abgebrochen wird.
    3. Die Zuschauer kündigen an, nach dem Spiel auf den Schiedsrichter zu "warten".
      Der Schiedsrichter notiert dies auf dem Anschreibebogen und lässt sich vom Ordnungsdienst zum Auto begleiten. Sollten es auf dem Weg dorthin zu Vorfällen kommen, so fertigt er einen gesonderten Bericht für die spielleitende Stelle an.

    Ein Spielabbruch ist immer eine Ermessensfrage. Grundsätzlich sollte der Schiedsrichter immer versuchen das Spiel fortzusetzen. Oftmals kann der Hallensprecher zur geschickten Lösung von Problemsituationen beitragen.

 

  1. Das technische Foul während einer Spielpause
    Als Spielpausen wird der Zeitraum 20 Minuten vor dem Spiel und die Pausen zwischen den Spielperioden und Verlängerungen bezeichnet. Die Spielpause endet, wenn beim Eröffnungssprungball ein Springer legal den Ball tippt (vgl. Art. 51.1)
  2. Strafe für ein technisches Foul während einer Spielpause/vor Spielbeginn:

    Wird das Vergehen von einem spielberechtigtem Mannschaftsmitglied begangen, so wird es diesem angeschrieben. Es gibt zwei Freiwürfe und das Spiel wird Sprungball begonnen. Es zählt zu den Mannschaftsfouls seiner Mannschaft für die nächste Spielperiode.

    Wird das T-Foul gegen Trainer, Trainer-Assistent, Spielertrainer oder Mannschaftsbegleiter verhängt, so wird es dem Trainer angeschrieben (C oder B), es gibt zwei Freiwürfe und das Spiel wird mit Sprungball begonnen. Es zählt nicht zu den Mannschaftsfouls seiner Mannschaft für die nächste Spielperiode.

    Bei einem T-Foul vor Spielbeginn wird dies mit der "0ten" Minute eingetragen. Ereignet sich der Zwischenfall in den weiteren Spielpausen, so ist "IN" (für Intervall) zu schreiben und entweder T, C, oder ein B hoch zustellen.

    Interessant ist hier sicherlich, dass bei einem T-Foul gegen einen Spieler zwei Freiwürfe verhängt werden, während im Spielverlauf ein Freiwurf (zzgl. Ballbesitz) gewährt wird.

    Beispiele/Sonderfälle unter Berücksichtigung der Regelinterpretationen

    1. Der Spieler A1 hängt sich kurz vor Spielbeginn trotz Ermahnung immer wieder an den Ring
      Der Spieler erhält ein T-Foul.
    2. 25 Minuten vor Spielbeginn geraten zwei Spieler aneinander und A1 rempelt B1 absichtlich.
      Es kann kein T-Foul verhängt werden, da es noch 25 Minuten zum Spielbeginn sind. Es ist der Vorfall auf dem Anschreibebogen zu vermerken und der Spieler zu ermahnen.
    3. Nachdem der Schiedsrichter den Sprungballkreis zum Eröffnungssprungball betreten hat, beleidigt Springer A1 den Gegenspieler B1.
      A1 bekommt ein T-Foul angeschrieben (0. Minute), B1 darf zwei Freiwürfe werfen und das Spiel wird mit Sprungball begonnen (siehe Art. 51.2.)
    4. d) wie c), doch A1 rempelt B1 leicht beim hochgehen, so dass dieser aus der Balance kommt.
      A1 bekommt ein persönliches Foul angeschrieben (0. Minute), B1 darf zwei Freiwürfe werfen und das Spiel wird mit Sprungball begonnen (siehe Art. 51.2.)
      Dieses Foul gehört gemäß der neuesten FIBA-Interpretation noch zu der Spielpause, da das Spiel erst mit der ersten Berührung durch einen Springer beginnt.

 

  1. Technische Fouls aus Sicht von Spielern und Trainern
    Wie stehen die Betroffenen zu einem T-Foul bzw. wann ist es für sie berechtigt und wann nicht? Um diesen Sachverhalt zu erörtern, habe ich zwei erfahrenen Basketballern einige Fragen gestellt und das Gespräch auszugsweise und sinngemäß festgehalten.
  2. Stephan Harlander, ehem. Zweitligaspieler, langjähriger Damen-Regionalliagatrainer

    Für mich ist ein T-Foul sinnvoll, da es die Disziplin gewährleistet. Es wird berechtigt verhängt, wenn sich Spieler oder Trainer nicht den sportlichen Grundsätzen unterwerfen und Entscheidungen nicht akzeptieren, auch wenn sie falsch sein sollten. Unverständlich sind für mich T-Fouls, wenn der Schiedsrichter die Verantwortung für die Hektik trägt, denkt etwas tun zu müssen und dann ein T-Foul bei der nächsten Gelegenheit bzw. Kleinigkeit verhängt. Auf Ermahnungen der Schiedsrichter reagiere ich dann, wenn sie sachlich und v.a. nicht arrogant sind. Der Schiedsrichter muss in diesem Moment Verständnis für die Situation aufbringen und als Partner und Vermittler wirken - nicht als Richter.

    Natürlich provoziere ich auch manchmal ein T-Foul, wenn ich denke, dass der Schiedsrichter auf der persönlichen Ebene zu greifen ist. Ich versuche damit die Gemüter zu beruhigen, denn der Schiedsrichter denkt, damit sein Durchsetzungsvermögen bewiesen zu haben und lässt mich dann zumeist für den Rest des Spiels in Ruhe.

     Wolfgang Heyder, langjähriger Zweitligatrainer, Landestrainer in Bayern

    Ich halte technische Fouls zu 85% für überflüssig. Für mich ist ein T-Foul dann berechtigt, wenn das Spiel aus den Fugen gerät und nicht mehr nach den Regeln durchgeführt wird. Ich kann allerdings en T-Foul nicht akzeptieren, wenn es gegen mich ohne jede Verwarnung ausgesprochen wird oder gleiche Vergehen unterschiedlich geahndet werden. Auch ist für mich keine Verwarnung, wenn der Schiedsrichter mir nur sagt, ich soll bitte ruhig sein. Es muss eine kommunikative Situation entstehen und der Schiedsrichter soll mir seine Entscheidungen kurz erläutern. Dies hat sich in der letzten Zeit in der 1. und 2. Bundesliga verbessert.

    Fühle ich mich schlechter behandelt, so provoziere aus psychologischer Sicht auch ein T-Foul. Ich versuche dadurch den Schiedsrichter zu beeinflussen, sensibler zu machen und schließlich auch für mich zu gewinnen. Meist kommuniziert er dann auch mit mir.

  3. Zusammenfassung
    Wie schon eingangs erwähnt, ist die T-Foulentscheidung immer etwas besonderes. Meist hinterläßt es einen komischen Beigeschmack. Allerdings ist es manchmal notwendig, damit das Spiel vernünftig verlaufen kann.
  4. Zu den meisten Situationen kann keine Richtlinie vorgegeben werden. Oftmals ist die Situation und dann das Fingerspitzengefühl entscheidend, wie zu reagieren ist. Von jungen Kollegen wird oft der Fehler gemacht, zu oft weg zuhören, um sich ärger zu ersparen. Kleinigkeiten (vgl. Art. 48.1.4) sollten sicherlich nicht bestraft werden ("Kleinigkeiten die nur der Schiedsrichter gehört hat, hat niemand gehört") oder kurz "nebenbei" mit den Trainer /Spieler geklärt werden. Dadurch fühlt er sich angesprochen und ernst genommen. Sollte dies doch nicht nutzen, dann lieber frühzeitig mit dem Trainer bzw. Spieler ein kurzes, deutlich klärendes Gespräch und alle Beteiligten wissen Bescheid. Einer der größten Fehler ist es, erst in der Schlussphase ein T-Foul zu verhängen, obwohl das unkorrekte Verhalten schon viel länger andauert.

    Allergisch reagieren alle Trainer und Spieler auf ermahnende Handzeichen. Sie fühlen sich schnell wie Schuljungen behandelt und die emotionale Situation steigert sich.

    Wurde dann ein T-Foul z.B. gegen einen Trainer verhängt, weil er es vielleicht auch noch provoziert hat, dann darf sich der Schiedsrichter auf keine Fall davon beeinflussen lassen. Denn nach der Foulentscheidung rückt der Schiedsrichter noch mehr in den Vordergrund als vor der Entscheidung. Jeder, Bestrafter, Gegner und Zuschauer "lauern" jetzt auf die nächsten Entscheidungen. Jetzt heißt es sich nicht aus dem Konzept bringen zu lassen und seine Linie zu halten.

    Das technische Foul sollte auch ohne große Umschweife angezeigt werden. Der SR-Kollege kann positiv einwirken, wenn er die anderen Spieler gleich ermuntert die Freiwurfpositionen einzunehmen, damit das Spiel zügig fortgesetzt werden kann oder sich in die Sichtlinie von "Bestraften" und dem auf ein T-Foul entscheidenden Schiedsrichter stellen. Der entscheidende Schiedsrichter sollte sich keinesfalls auf eine Diskussion einlassen.

    Die Schiedsrichter sollten bei technischen Fouls immer als Team auftreten. Hat der Schiedsrichter A einen Trainer xy verwarnt, so ist es förderlich, dass das T-Foul von Schiedsrichter B ausgesprochen wird. So bietet man dem Spieler/Trainer keine Angriffsfläche und er kann sich nicht einen Schiedsrichter als "Sündenbock" aussuchen.

    Wichtig ist nach einem technischen Foul auch, dass das Spiel anschließend zügig weiter geführt wird: Pfiff "technisches Foul" - Entscheidung zum Kampfgericht - Ausführung der Strafe - das Spiel geht weiter.

 

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Letztes Update:
28. Dezember 2002

 

© Axel Beckmann