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Schriftliche Hausarbeit
als Prüfungsteil der A-Schiedsrichterprüfung des Deutschen
Basketball Bundes (Note: 1)
Aufgabenstellung:
Erläutere
das technische Foul und seine Bestrafung bei Vergehen
durch Spieler, Trainer, Trainer-Assistent, Ersatzspieler,
Mannschaftsbegleiter und Zuschauer. Bilde einige Beispiele
und gehe auf Problemsituationen ein.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Verhaltensregeln
- Das technische
Foul durch einen Spieler
- Das technische
Foul durch Trainer, Trainer-Assistent, Ersatzspieler
u. Mannschaftsbegleiter
- Gewalttätigkeiten
- Zuschauer
- Das technische
Foul während einer Spielpause
- Technische
Fouls aus Sicht von Spielern und Trainern
- Zusammenfassung
- Einleitung
Foul
- ein Begriff, der im Sport gemeinhin eine Regelverletzung
bedeutet; genauer gesagt verbinden die meisten Personen
damit einen Körperkontakt verursachenden, regelwidrigen
"Angriff" auf einen Gegenspieler. Diese
Art von Fouls stellen auch sicherlich die Mehrheit
dar. Doch wie sind Regelverletzungen zu behandeln,
die am normalen Spielgeschehen bzw. Spielsinn vorbeigehen?
Um
dieses Fehlverhalten ahnden zu können, wurde das
technischen Fouls eingeführt. Das technische Foul
hat seit je her einen besonderen Stellenwert bei
allen am Basketballspiel direkt (Spieler, Trainer,
Schiedsrichter usw.) und indirekt (Zuschauer) beteiligten
Personen, da sie nur bei "besonderen"
Situationen (nicht Ausnahmesituationen!) verhängt
werden und daher relativ selten Anwendung finden.
Was allerdings sind solch besondere Situationen?
Dazu wurden im Regelwerk Verhaltensregeln aufgenommen,
die im Art. 48 klar definiert sind und im wesentlichen
auf eine ordnungsgemäße Durchführung des Spiels
im Geist sportlicher Haltung und "Fair play"
verweisen.
Lassen
sich für den Schiedsrichter Regelübertretungen,
wie Schrittfehler oder Ausbälle und "normale"
Fouls relativ leicht entscheiden, so spielt das
Fingerspitzengefühl in technischen Foul-Situationen
eine wesentliche Rolle. Sicherlich gibt es Situationen,
in denen sofort auf ein technisches Foul zu entscheiden
ist, doch meist bauen sich die Situationen auf oder
der Schiedsrichter kann durch geschicktes Einwirken
ein technisches Foul verhindern. Gemäß der FIBA-Vorgabe
soll ein Schiedsrichter von seiner Einstellung bzw.
Hemmschwelle ein technisches Foul nicht anders behandelt
werden wie ein persönliches Kontaktfoul, doch durch
die Art und Höhe der Bestrafung wird rein psychologisch
eine Wertung aufgebaut. Diese ist für alle, Spieler,
Trainer und Zuschauer offensichtlich. Je nach Spielsituation
kann die Entscheidung ein technisches Foul zu verhängen,
oder auch nicht (vgl. Art. 48.1.4), für mehr Brisanz
in der Begegnung sorgen oder das Spiel beruhigen,
da die meisten technischen Fouls auf abfällige Gesten,
respektlosen Anreden oder wiederholtes meckern zurückzuführen
sind. Hier ist, wie bereits oben erwähnt, das berühmte
Fingerspitzengefühl gefordert.
Schließlich
gibt es v.a. in höheren Ligen die taktische Variante
des gewollten technischen Fouls, um damit den Schiedsrichter
für die weiter Spielzeit zu beeinflussen bzw. für
sich zu gewinnen. Wie Spieler und Trainer das technische
Foul sehen und welche psychologische Wirkung sie
erzielen wird in einem Exkurs am Ende der Arbeit
dargestellt.
Auf
die verschiedenen Möglichkeiten eines T-Fouls werde
ich nur kurz eingehen, da diese im Regelheft ja
detailliert ausgeführt sind. Auch Foulkombinationen
und die entsprechende Spielfortführung werde ich
nur ansprechen, wenn sich aufgrund der Regeländerung
hier Neuerungen ergeben haben. Ich sehe den Schwerpunkt
der Arbeit darin, die Grundlagen und Psychologie
eines technischen Fouls, typische Spielsituationen
und das technische Foul aus Sicht eines Spieler/Trainer
zu beleuchten.
- Die
Verhaltensregeln
In Art. 48 der
Regeln werden Verhaltensregeln definiert, die einen
ordnungsgemäßen Spielablauf gewährleisten sollen.
Insbesondere der sportliche Geist, die respektvolle
Zusammenarbeit der Beteiligten und das "Fair
play" sollen im Vordergrund stehen und jede
"absichtliche oder wiederholte Beeinträchtigung"
dieser Verhaltensregeln sollen mit eine technischen
Foul bestraft werden. Offensichtliche Angriffe führen
zur sofortigen Disqualifikation. Besondere Bedeutung
ist im Regelwerk 2000 dem Art. 48.1.4 beizumessen.
Hier wird erstmals dem Schiedsrichter ein gewisser
Handlungsspielraum eingeräumt. Verwarnungen gegenüber
Spielern war bis dato üblich, doch nun können geringfügige
administrative Regelverletzungen gar übersehen werden,
die unabsichtlich und keinen direkten Einfluss auf
das Spiel haben. In Art. 48.1.5 wird auch kurz auf
den Sonderfall eingegangen, dass ein technisches
Foul erst dann entdeckt wird, nachdem der Ball wieder
belebt wurde. Hier wird derart verfahren, als ob
sich das Foul zum Zeitpunkt der Entdeckung ereignet
hätte; alle Aktionen zwischen der Regelverletzung
und der Unterbrechung behalten ihre Gültigkeit.
In
Art. 48.2. wird in verschiedenen Unterpunkten die
Regel an sich dargestellt. Da die aufgeführten Fälle
aber in den Artikeln 49ff detaillierter dargestellt
werden, verzichte ich hier auf eine weiter Ausführung.
- Das
technische Foul durch einen Spieler
Der Art. 49 der
Regeln befasst sich mit diesem Sachverhalt. Hier
wir gleich im ersten Absatz erklärt, was unter einem
technischen Foul zu verstehen ist. "Alle Spielerfouls,
die keinen Kontakt mit einem Gegenspieler einschließen,
sind technische Fouls durch einen Spieler".
Anschließend wird weiter ausgeführt, dass dies der
Fall ist, wenn ein Spieler Ermahnungen missachtet
oder ein unsportliches Verhalten (ohne Körperkontakt)
an den Tag legt. Hier sind im wesentlichen drei
Arten zu unterscheiden:
- Das
respektlose Verhalten gegenüber allen am Spiel
beteiligten Personen, was sich meist durch abfällige
Redensarten oder Gesten äußert, bzw. das die
Beteiligten den Aufforderungen der Schiedsrichter
nicht nachkommen.
- Administrative
Fehler, wie das Wechseln der Trikotnummer ohne
Anmeldung.
- Spieltechnische
Regelverletzungen, wie das Verlassen des Spielfeldes
oder das übermäßige Festhalten am Ring.
Strafe für ein
technisches Foul gegen einen Spieler:
Dem Spieler wird
das Foul auf dem Anschreibebogen angeschrieben (es
wird mit einem hochgestelltem "T" an der
Minutenangabe gekennzeichnet) und dem Gegner wird
ein Freiwurf zzgl. Ballbesitz an der Mittellinie
zuerkannt. Ein T-Foul gegen einen Spieler zählt
zu den Mannschaftsfouls.
Beispiele/Sonderfälle
unter Berücksichtigung der Regelinterpretationen
- Spieler
A1 begeht ein Foul. Der SR pfeift dies und wird
anschließend vom Spieler A1 mit den Worte "Das
war doch ein Scheißpfiff" angesprochen.
Hier
liegt ein respektloses Anreden vor, dass auf
jeden Fall mit einem T-Foul zu bestrafen ist.
- wie
unter a), doch der Spieler reagiert emotional
mit den Worten "Das war doch nichts".
Dies
ist sicherlich kein Grund für ein T-Foul. Hier
sollte der Schiedsrichter des Spielers "überhören".
Sollte dies doch nochmals vorkommen, so ist
ein Ermahnung angebracht.
- wie
unter a), doch der Spieler reagiert mit "Du
bist doch zu dumm zum pfeifen".
Dies
stellt eine Beleidigung gegenüber dem Schiedsrichter
dar. Hier ist ein disqualifizierendes Foul (Art.
47) angebracht. Allerdings reicht eine Matchstrafe,
da die Äußerungen noch im Rahmen bleibt und
nicht die Persönlichkeitsrechte bzw. gegen die
guten Sitten verstößt.
- Ein
Spieler schlägt absichtlich oder bei dem Versuch,
den Ball zu blocken, versehentlich gegen das
Spielbrett und der Ball geht nach Ansicht des
Schiedsrichters deshalb nicht in den Korb.
Die
Korbwertung wird gemäß Art. 41 vorgenommen.
Das Schlagen gegen das Spielbrett wird nicht
mehr mit einem T-Foul bestraft. Allerdings ist
eine Ermahnung angebracht, das weitere derartige
Aktionen mit einem T-Foul bestraft werden könnten.
- Ein
Spieler betritt als sechster Spieler das Spielfeld.
Die wird erst bemerkt, nachdem Mannschaft A
einen Korb erzielt hat.
Das
Vergehen muss auf jeden Fall mit ein T-Foul
bestraft werden (siehe Kommentar 52-7). Obwohl
die Regelverletzung von einem Spieler verursacht
wurde, wird das Foul dem Trainer (mit eine B-Vermerk)
angeschrieben. Der Korberfolg für Mannschaft
A bleibt erhalten, da die Regelverletzung erst
nach dem Korberfolg entdeckt wurde.
- Spieler
A1 wird im Wurf von B1 gefoult, der Ball geht
nicht in den Korb. A1 beschwert sich und berührt
B1 respektlos. Der Schiedsrichter verhängt ein
T-Foul gegen A1. War die Entscheidung korrekt
und wie setzt sich das Spiel fort?
In
Zusammenhang mit den Beschwerden ist die Berührung
ist auf jeden Fall zu ahnden. Handelt es sich
um ein leichtes Stoßen mit den Händen, so ist
ein T-Foul zu verhängen (vgl. Art. 49.1.2).
Wird der Spieler aber deutlich gestoßen, so
ist gemäß Art. 46.1.4 auf ein unsportliches
Foul zu entscheiden. Eine solche Entscheidung
ist situationsabhängig. Hat der Schiedsrichter
auf ein T-Foul entschieden, so heben sich nach
den neuen Regeln nun die Strafen nicht mehr
auf und wirft zuerst A1 seine zwei Freiwürfe
und anschließend B1 einen Freiwurf mit anschließendem
Ballbesitz für B. Hätte A1 den Spieler B1
im Affekt nur kurz an der Brust berührt und
leicht weggestoßen, so wäre es angebrachter,
als Schiedsrichter dazwischen zu gehen und die
Gemüter zu beruhigen. Diese präventive Maßnahme
ist sinnvoller als hier unspsychologisch mit
einem T-Foul zu agieren.
Zu Beachten ist
sicherlich die Änderung des Strafmaßes in den neuen
Regeln. Von früher zwei Freiwürfen, wird ein T-Foul
gegen einen Spieler nun mit einem Freiwurf zzgl.
Einwurf an der Mittellinie bestraft. Diese bedeutet
eine Erhöhung um 0,2 Wertungspunkte (gemäß FIBA-Berechnung).
Dadurch ist das unsportlich-technische Foul überflüssig
und aus den Regeln gestrichen worden. Doch ob nun
die Hemmschwelle der Spieler steigt, ein unsportliches
Verhalten an den Tag zu legen, was dem Spiel sicherlich
förderlich ist, oder ob vielmehr die Hemmschwelle
der Schiedsrichter steigt ein T-Foul zu verhängen,
wird die kommende Spielzeit zeigen.
- Das
technische Foul durch Trainer, Trainer-Assistent,
Ersatzspieler u. Mannschaftsbegleiter
In Art. 50 der
Regeln wird nun auf die weiteren aktiv am Spiel
beteiligten Personen eingegangen. Bzgl. des Verhaltens
gegenüber den anderen am Spiel beteiligten Personen
ist hier kein Unterschied zu den Spielern zu machen.
Zusätzlich ist in den neuen Regeln noch das Berühren
eines Teilnehmers aufgenommen worden. Die o.g. Personen
identifizieren sich durch die Eintragung auf dem
Anschreibebogen oder dadurch, dass nur sie sich
im Mannschaftsbankbereich aufhalten dürfen und müssen.
Jede Verletzung der angeführten Punkte führt zu
einem technischem Foul. Gemäß den Interpretationen
gibt es aber auch hier Fälle, in denen man zuerst
ermahnen sollte, bevor ein T-Foul ausgesprochen
wird.
Die o.g. Personen
dürfen nur in bestimmten Fällen den Mannschaftsbankbereich
verlassen, welche in Art. 50.1.2 angeführt sind.
Hierzu gehören z.B. bei einer Verletzung (nach Erlaubnis
durch den Schiedsrichter), bei einer Beantragung
eines Spielerwechsels oder einer Auszeit oder zum
Einholen von statistischen Informationen am Anschreibertisch
nur wenn die Spieluhr gestoppt ist.
Auch ein Vertreter
des Gastvereins beim Kampfgericht ist Mannschaftsbegleiter
und fällt mit seinem Verhalten unter die Entscheidungsgewalt
der Schiedsrichter.
Strafe für ein
technisches Foul nach Art. 50:
Dem Gegner werden
zwei Freiwürfe zzgl. Ballbesitz an der Mittellinie
zuerkannt, egal von wem der o.g. Personen die Regelverletzung
verursacht wurde. Dieses Foul zählt nicht
zu den Mannschaftsfouls.
Problematischer
ist die Notierung des T-Fouls. Nach Art. 50.2.1
wird jedes Vergehen gegen den Trainer verhängt und
in dessen Namenszeile eingetragen. Wird das Vergehen
vom Trainer selbst verursacht, so wird der Minutenangabe
ein "C" für Coach hochgestellt. Verursacht
es einer der anderen Personen, so wird ein "B"
für Bench hochgestellt. Diese Unterscheidung ist
wichtig, da ein Trainer bei zwei "C" Fouls,
aber erst bei drei "B" Fouls bzw. ein
"C" Foul und zwei "B" Fouls
disqualifiziert wird.
Ob "C"
oder "B" Foul ist dem Anschreiber verbal
mitzuteilen.
Beispiele/Sonderfälle
unter Berücksichtigung der Regelinterpretationen
- Ein
Trainer beschwert sich wiederholt über subjektiv
"falsche" Entscheidungen. Er tut dies
in einer Art und Weise, dass es sowohl den Zuschauern
als auch der gegnerischen Mannschaft nicht verborgen
bleibt.
Hier
ist der Trainer zu verwarnen und beim nächsten
Vergehen ein T-Foul zu verhängen.
- Ein
Trainer beschwert sich z.B. mit den Worten "Ihr
pfeift doch nur Mist".
In
diesem Fall ist sofort ein T-Foul zu verhängen.
- Ein
Trainer will mit dem Schiedsrichter in vernünftiger
Weise Kontakt aufnehmen. Dabei betritt er das
Spielfeld.
Hier
ist der Trainer in höflicher Weise wieder in
seinen Mannschaftsbankbereich zu verweisen.
Erst dann sollte sein Anliegen gehört werden.
- Immer
wenn der Schiedsrichter am Mannschaftsbankbereich
vorbeiläuft oder wenn sich das aktuelle Geschehen
nicht in seiner Nähe befindet, beschwert sich
der Trainer beim Schiedsrichter.
Der
Trainer will den Schiedsrichter beeinflussen
und für sich gewinnen. Der Schiedsrichter hat
die Möglichkeit die Worte des Trainer einfach
zu überhören. Allerdings wird der Trainer mit
laufendem Spiel wahrscheinlich lauter werden,
was uns zu Fall a) zurückführt. Problematisch
wird dies allerdings, wenn sich das Spiel bei
knappen Spielstand kurz vor dem Ende befindet.
Günstiger wäre es, den Trainer während des
laufenden Spiels (ohne unnötige Unterbrechung)
mit einer einfachen, aber höflichen Geste um
Einstellung seines Verhaltens aufzufordern.
Sollte der Trainer dies ignorieren, so ist eine
günstige Gelegenheit zu wählen (Beschwerde während
eines toten Balles) und den Trainer dann deutlich
zu verwarnen. Jede weitere Äußerung in der geschilderten
Weise ist dann mit einem T-Foul zu belegen.
- Der
Trainer-Assistent läuft immer wieder vor dem
Mannschaftsbankbereich herum, obwohl der eingetragene
Trainer schon steht.
Der
Trainer ist höflich daraufhin hinzuweisen, dass
nur eine Person stehen darf. Im Wiederholungsfall
wird ein T-Foul verhängt. Sollte der Assistent
dann aber einmal aufspringen, weil z.B. eine
gelungene Aktion stattfand, so ist dies natürlich
zu übersehen (siehe auch Art. 48.1.4).
Grundsätzlich ist
zu bemerken, dass der Schiedsrichter immer souverän
und nicht hektisch auf Äußerungen der Trainer zu
reagieren hat. Er darf sich Aktionen der Trainer
auch nicht innerlich aufsparen, um dann plötzlich
mit einem T-Foul zu reagieren. Man sollte auch nur
mit dem Trainer kommunizieren und ihm auch gewisse
emotionale Freiheiten einräumen. Assistenztrainer,
Ersatzspieler oder
gar Mannschaftsbegleiter haben sich dzgl. strikt
an die Regeln zu halten.
- Gewalttätigkeiten
Werden aufgrund
Gewalttätigkeiten (vgl. Art. 52) Spieler disqualifiziert,
weil sie den Mannschaftsbankbereich verlassen haben,
so wird gegen den Trainer ein T-Foul ("B")
verhängt und zwei Freiwürfe zzgl. Ballbesitz an
der Mittellinie ausgesprochen (unabhängig von der
Anzahl der disqualifizierten Personen).
Für die Spielfortsetzung
sind diese Strafen aber auch alle Strafen, die zuvor
auf dem Spielfeld gefällt worden sind, unter Anwendung
des Art. 56 - Sonderfälle zu beachten.
- Zuschauer
Zuschauer können
nicht
mit einem technischen Foul bestraft werden. Hierzu
gibt es in den Regeln keine Möglichkeit. Das bedeutet,
dass Zuschauer Entscheidungen des Schiedsrichter
immer kommentieren dürfen, ohne dass der Zuschauer
oder eine Mannschaft dafür bestraft werden kann.
Sollten die Zuschauer
so in das Spiel eingreifen, dass die Gesundheit
der am Spiel beteiligten Personen gefährdet ist...(z.B.
Gegenstände auf dem Spielfeld), oder die Fortführung
nicht möglich ist , so müssen zunächst die Ordnungskräfte
sofort einschreiten, (sofern Spieler, Schiedsrichter
usw. gefährdet sind (siehe Artikel 48)). In solchen
Fällen kann ein Schiedsrichter jederzeit das Spiel
abbrechen.
Beispiele/Sonderfälle
unter Berücksichtigung der Regelinterpretationen
- Nach
einer Entscheidung gegen die Heimmannschaft
rufen die Zuschauer immer wieder "Blinder"
Der
Schiedsrichter kann keine Maßnahmen treffen.
Er sollte dies einfach überhören und sich auf
sein Spiel konzentrieren.
- Es
fallen Gegenstände auf das Spielfeld.
Der
Schiedsrichter teilt dem Trainer der Heimmannschaft
mit, dass die Zuschauer dies unterlassen sollen,
da sonst das Spiel abgebrochen wird.
- Die
Zuschauer kündigen an, nach dem Spiel auf den
Schiedsrichter zu "warten".
Der
Schiedsrichter notiert dies auf dem Anschreibebogen
und lässt sich vom Ordnungsdienst zum Auto begleiten.
Sollten es auf dem Weg dorthin zu Vorfällen
kommen, so fertigt er einen gesonderten Bericht
für die spielleitende Stelle an.
Ein Spielabbruch
ist immer eine Ermessensfrage. Grundsätzlich sollte
der Schiedsrichter immer versuchen das Spiel fortzusetzen.
Oftmals kann der Hallensprecher zur geschickten
Lösung von Problemsituationen beitragen.
- Das
technische Foul während einer Spielpause
Als Spielpausen
wird der Zeitraum 20 Minuten vor dem Spiel und die
Pausen zwischen den Spielperioden und Verlängerungen
bezeichnet. Die Spielpause endet, wenn beim Eröffnungssprungball
ein Springer legal den Ball tippt (vgl. Art. 51.1)
Strafe für ein
technisches Foul während einer Spielpause/vor Spielbeginn:
Wird das Vergehen
von einem spielberechtigtem Mannschaftsmitglied
begangen, so wird es diesem angeschrieben. Es gibt
zwei Freiwürfe und das Spiel wird Sprungball begonnen.
Es zählt zu den Mannschaftsfouls seiner Mannschaft
für die nächste Spielperiode.
Wird das T-Foul
gegen Trainer, Trainer-Assistent, Spielertrainer
oder Mannschaftsbegleiter verhängt, so wird es dem
Trainer angeschrieben (C oder B), es gibt zwei Freiwürfe
und das Spiel wird mit Sprungball begonnen. Es zählt
nicht zu den Mannschaftsfouls seiner Mannschaft
für die nächste Spielperiode.
Bei einem T-Foul
vor Spielbeginn wird dies mit der "0ten"
Minute eingetragen. Ereignet sich der Zwischenfall
in den weiteren Spielpausen, so ist "IN"
(für Intervall) zu schreiben und entweder T, C,
oder ein B hoch zustellen.
Interessant ist
hier sicherlich, dass bei einem T-Foul gegen einen
Spieler zwei Freiwürfe verhängt werden, während
im Spielverlauf ein Freiwurf (zzgl. Ballbesitz)
gewährt wird.
Beispiele/Sonderfälle
unter Berücksichtigung der Regelinterpretationen
- Der
Spieler A1 hängt sich kurz vor Spielbeginn trotz
Ermahnung immer wieder an den Ring
Der
Spieler erhält ein T-Foul.
- 25
Minuten vor Spielbeginn geraten zwei Spieler
aneinander und A1 rempelt B1 absichtlich.
Es
kann kein T-Foul verhängt werden, da es noch
25 Minuten zum Spielbeginn sind. Es ist der
Vorfall auf dem Anschreibebogen zu vermerken
und der Spieler zu ermahnen.
- Nachdem
der Schiedsrichter den Sprungballkreis zum Eröffnungssprungball
betreten hat, beleidigt Springer A1 den Gegenspieler
B1.
A1
bekommt ein T-Foul angeschrieben (0. Minute),
B1 darf zwei Freiwürfe werfen und das
Spiel
wird mit Sprungball begonnen (siehe Art. 51.2.)
- d)
wie c), doch A1 rempelt B1 leicht beim hochgehen,
so dass dieser aus der Balance kommt.
A1 bekommt ein persönliches Foul angeschrieben
(0. Minute), B1 darf zwei Freiwürfe werfen und
das Spiel wird mit Sprungball begonnen (siehe
Art. 51.2.) Dieses Foul gehört gemäß der
neuesten FIBA-Interpretation noch zu der Spielpause,
da das Spiel erst mit der ersten Berührung durch
einen Springer beginnt.
- Technische
Fouls aus Sicht von Spielern und Trainern
Wie stehen die
Betroffenen zu einem T-Foul bzw. wann ist es für
sie berechtigt und wann nicht? Um diesen Sachverhalt
zu erörtern, habe ich zwei erfahrenen Basketballern
einige Fragen gestellt und das Gespräch auszugsweise
und sinngemäß festgehalten.
Stephan Harlander,
ehem. Zweitligaspieler,
langjähriger Damen-Regionalliagatrainer
Für mich ist ein
T-Foul sinnvoll, da es die Disziplin gewährleistet.
Es wird berechtigt verhängt, wenn sich Spieler oder
Trainer nicht den sportlichen Grundsätzen unterwerfen
und Entscheidungen nicht akzeptieren, auch wenn
sie falsch sein sollten. Unverständlich sind für
mich T-Fouls, wenn der Schiedsrichter die Verantwortung
für die Hektik trägt, denkt etwas tun zu müssen
und dann ein T-Foul bei der nächsten Gelegenheit
bzw. Kleinigkeit verhängt. Auf Ermahnungen der Schiedsrichter
reagiere ich dann, wenn sie sachlich und v.a. nicht
arrogant sind. Der Schiedsrichter muss in diesem
Moment Verständnis für die Situation aufbringen
und als Partner und Vermittler wirken - nicht als
Richter.
Natürlich provoziere
ich auch manchmal ein T-Foul, wenn ich denke, dass
der Schiedsrichter auf der persönlichen Ebene zu
greifen ist. Ich versuche damit die Gemüter zu beruhigen,
denn der Schiedsrichter denkt, damit sein Durchsetzungsvermögen
bewiesen zu haben und lässt mich dann zumeist für
den Rest des Spiels in Ruhe.
Wolfgang
Heyder,
langjähriger
Zweitligatrainer, Landestrainer in Bayern
Ich halte technische
Fouls zu 85% für überflüssig. Für mich ist ein T-Foul
dann berechtigt, wenn das Spiel aus den Fugen gerät
und nicht mehr nach den Regeln durchgeführt wird.
Ich kann allerdings en T-Foul nicht akzeptieren,
wenn es gegen mich ohne jede Verwarnung ausgesprochen
wird oder gleiche Vergehen unterschiedlich geahndet
werden. Auch ist für mich keine Verwarnung, wenn
der Schiedsrichter mir nur sagt, ich soll bitte
ruhig sein. Es muss eine kommunikative Situation
entstehen und der Schiedsrichter soll mir seine
Entscheidungen kurz erläutern. Dies hat sich in
der letzten Zeit in der 1. und 2. Bundesliga verbessert.
Fühle ich mich
schlechter behandelt, so provoziere aus psychologischer
Sicht auch ein T-Foul. Ich versuche dadurch den
Schiedsrichter zu beeinflussen, sensibler zu machen
und schließlich auch für mich zu gewinnen. Meist
kommuniziert er dann auch mit mir.
- Zusammenfassung
Wie schon eingangs
erwähnt, ist die T-Foulentscheidung immer etwas
besonderes. Meist hinterläßt es einen komischen
Beigeschmack. Allerdings ist es manchmal notwendig,
damit das Spiel vernünftig verlaufen kann.
Zu den meisten
Situationen kann keine Richtlinie vorgegeben werden.
Oftmals ist die Situation und dann das Fingerspitzengefühl
entscheidend, wie zu reagieren ist. Von jungen Kollegen
wird oft der Fehler gemacht, zu oft weg zuhören,
um sich ärger zu ersparen. Kleinigkeiten (vgl. Art.
48.1.4) sollten sicherlich nicht bestraft werden
("Kleinigkeiten die nur der Schiedsrichter
gehört hat, hat niemand gehört") oder kurz
"nebenbei" mit den Trainer /Spieler geklärt
werden. Dadurch fühlt er sich angesprochen und ernst
genommen. Sollte dies doch nicht nutzen, dann lieber
frühzeitig mit dem Trainer bzw. Spieler ein kurzes,
deutlich klärendes Gespräch und alle Beteiligten
wissen Bescheid. Einer der größten Fehler ist es,
erst in der Schlussphase ein T-Foul zu verhängen,
obwohl das unkorrekte Verhalten schon viel länger
andauert.
Allergisch reagieren
alle Trainer und Spieler auf ermahnende Handzeichen.
Sie fühlen sich schnell wie Schuljungen behandelt
und die emotionale Situation steigert sich.
Wurde dann ein
T-Foul z.B. gegen einen Trainer verhängt, weil er
es vielleicht auch noch provoziert hat, dann darf
sich der Schiedsrichter auf keine Fall davon beeinflussen
lassen. Denn nach der Foulentscheidung rückt der
Schiedsrichter noch mehr in den Vordergrund als
vor der Entscheidung. Jeder, Bestrafter, Gegner
und Zuschauer "lauern" jetzt auf die nächsten
Entscheidungen. Jetzt heißt es sich nicht aus dem
Konzept bringen zu lassen und seine Linie zu halten.
Das technische
Foul sollte auch ohne große Umschweife angezeigt
werden. Der SR-Kollege kann positiv einwirken, wenn
er die anderen Spieler gleich ermuntert die Freiwurfpositionen
einzunehmen, damit das Spiel zügig fortgesetzt werden
kann oder sich in die Sichtlinie von "Bestraften"
und dem auf ein T-Foul entscheidenden Schiedsrichter
stellen. Der entscheidende Schiedsrichter sollte
sich keinesfalls auf eine Diskussion einlassen.
Die Schiedsrichter
sollten bei technischen Fouls immer als Team auftreten.
Hat der Schiedsrichter A einen Trainer xy verwarnt,
so ist es förderlich, dass das T-Foul von Schiedsrichter
B ausgesprochen wird. So bietet man dem Spieler/Trainer
keine Angriffsfläche und er kann sich nicht einen
Schiedsrichter als "Sündenbock" aussuchen.
Wichtig ist nach
einem technischen Foul auch, dass das Spiel anschließend
zügig weiter geführt wird: Pfiff "technisches
Foul" - Entscheidung zum Kampfgericht - Ausführung
der Strafe - das Spiel geht weiter.
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