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Regeln | Ausarbeitungen | Regelübertretungen

 

 

Quelle: Basketball-Zeitung Mai 2001

 

 

 

"Alles halb so wild?"
Nach der Umstellung auf 24 Sekunden ist in der BBL vieles beim Alten geblieben!

 

Die gerade zu Ende gehende Saison in der s.Oliver BBL stand ganz unter dem Zeichen der bedeutendsten Regeländerung im europäischen Basketball seit der Einführung des Dreipunkte-Wurfs, der Verkürzung der Angriffszeit von 30 auf 24 Sekunden - so jedenfalls lautete die allgemeine Einschätzung noch im letzten Sommer. Die Änderung der Zeitregel würde das Spiel schneller, dynamischer  und  attraktiver machen, glaubten viele. Andere prophezeiten, genau das Gegenteil werde eintreten: "Ich hatte befürchtet, dass wir ein zerfahreneres Spiel mit deutlich mehr Ballverlusten und mehr Fehlwürfen bekommen würden", räumt Stefan Koch ein.

Nach einem Jahr Praxis mit der neuen Regel haben sich die Gemüter jedoch bei Gegnern wie Befürwortern gelegt. Zwar kann Koch noch immer wenig Gutes an den neuen Regeln finden - vor allem die Tatsache, dass in Europa anders als in der NBA jedes Viertel mit einem Sprungball beginnt, brachte den bisherigen Skyliners-Coach regelmäßig auf die Palme: "Das sind im Schnitt vier Punkte pro Spiel, die allein dadurch entschieden werden, welche Mannschaft die größeren Spieler hat". Vier Punkte für den Gegner - hieß das somit in der abgelaufenen Saison in der Regel für die Frankfurter angesichts deren Verletzungsmisere auf den langen Positionen.

Auch daran, dass - ebenfalls im Gegensatz zur NBA - nach einem Überschreiten der 24 Sekunden das Spiel unterbrochen wird, mag sich weder Koch noch irgendein anderer Bundesliga-Coach gewöhnen. Aber insgesamt revidiert der scheidende Skyliners-Coach seine Vorbehalte gegen die neuen Zeitregeln: "Ich muss zugeben, dass es weniger negative Auswirkungen hat, als ich gedacht habe." Dass dem so ist, liegt vielleicht auch daran, dass die Teams in der Verteidigung viel weniger als erwartet die Shot-Clock ausnutzen. So hatten alle erwartet, dass man in dieser Saison mehr Zonenverteidigung sehen würde, vor allem mehr aggressive Zonenpresse, um zu verhindern, dass der Angreifer innerhalb der vorgeschriebenen acht Sekunden (statt bisher zehn) aus der eigenen Hälfte kommt. "In der Praxis kam es aber gar nicht so oft vor, dass die acht Sekunden gepfiffen wurden", resümiert Leverkusens Assistenztrainer Achim Kuczmann: "An die 24 Sekunden ist man schon öfter rangekommen, aber insgesamt haben sich alle im Laufe der Saison schnell daran gewöhnt."

Berlins Assistenztrainer Burkhardt Prigge hat das ähnlich beobachtet: "Es wird weniger Pressverteidigung als erwartet gespielt. Offenbar lohnt sich der Einsatz der Energie dafür nicht, man gewinnt zu wenig." Bonns Trainer Bruno Soce verweist darauf, dass die Adaption der neuen Regeln noch gar nicht abgeschlossen ist, vor allem für die Verteicligungsarbeit. Die Mannschaften würden in der Offense schneller  spielen, aber nicht in der Verteidigung: "Das braucht nämlich Zeit. Eine Defense muss man sechs Monate trainieren, bevor sie richtig funktioniert. Deshalb braucht eine Mannschaft ungefähr eineinhalb Jahre, um sich an die neuen Regeln anzupassen."

Soces Kontrahent im Finale, Alba-Trainer Emir Mutapcic, geht ebenfalls davon aus, dass die Mannschaften noch lange nicht alle Möglichkeiten der neuen Zeitregeln ausgeschöpft haben: "Wir haben noch nicht genug Zeit gehabt, um wirklich neue Systeme einzuüben, um Experimente mit der neuen Regel zu machen." Sein Assistent Prigge, der seit Jahren akribisch die Systeme von Albas Gegnern auskundschaftet, hat herausgefunden: "Viele komplexe Systeme kann man heute nicht mehr spielen. Sie werden über Bord geworfen, ohne dass jedoch neue hinzukommen. Das führt in taktischer Hinsicht zu einer gewissen Armut."

Albas Headeoach Mutapcic will das indes nicht negativ sehen: "Wir haben jetzt schwerpunktmäßig Systeme mit offenem Ausgang. Das ist meiner Meinung nach eine positive Entwicklung. Ein Athlet muss heute schnell und kreativ sein."

Die neue Zeitregel scheint damit vor allem auch das Anforderungsprofil an die Spieler zu verändern - so wie in Bonn: "Mit der alten Mannschaft hätten wir nicht so spielen können wie jetzt. Ich hatte das Glück (oder das Pech - wie man will), dass ich im letzten Sommer praktisch eine komplett neue Mannschaft zusammenstellen musste. Da habe ich natürlich nach Spielern Ausschau gehalten, die zu den neuen Regeln passen", erklärt Soce die spektakuläre Wandlung seiner in der letzten Saison noch eher gemächlichen Telekom Baskets zur schnellsten Mannschaft der Liga, die so aufs Tempo drückt, dass es manchmal sogar dem Coach zu viel wird: "Ich stelle jetzt mitunter im Training sogar die Uhr auf 40 Sekunden, damit meine Spieler wieder lernen, das Tempo zu kontrollieren."       Horst Schneider

Liga

Punkte pro Spiel

Punkte pro Minute

 

Bundesliga

1999-2000

2000-01

Italien

168.67

4,22

Punkte pro Spiel

161,1

166,5

Bundesliga

166,49

4,17

Wurfversuche pro Sp.

121,7

128,2

Euroleague

162,68

4,07

Spiele über 100 Pkte

30

44

SuproLeague

162,49

4,06

Trefferquote 2-Pkte

51,4

52,7

Griechenland

162,27

4,06

Trefferquote 3-Pkte

36,4

34,2

Spanien

159,81

4

Baltverluste pro Sp.

24,6

26,4

NBA[*]

189,62

3,95

Rebounds pro Spiel

62

63,4

[*] NBA-Spiel dauert 48 Minuten (in Europa 40)

 

 

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Letztes Update:
28. Dezember 2002

 

© Axel Beckmann