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Die gerade
zu Ende gehende Saison in der s.Oliver BBL stand ganz
unter dem Zeichen der bedeutendsten Regeländerung
im europäischen Basketball seit der Einführung
des Dreipunkte-Wurfs, der Verkürzung der Angriffszeit
von 30 auf 24 Sekunden - so jedenfalls lautete die allgemeine
Einschätzung noch im letzten Sommer. Die Änderung
der Zeitregel würde das Spiel schneller, dynamischer
und attraktiver machen, glaubten viele. Andere
prophezeiten, genau das Gegenteil werde eintreten: "Ich
hatte befürchtet, dass wir ein zerfahreneres Spiel
mit deutlich mehr Ballverlusten und mehr Fehlwürfen
bekommen würden", räumt Stefan Koch ein.
Nach einem Jahr Praxis
mit der neuen Regel haben sich die Gemüter jedoch
bei Gegnern wie Befürwortern gelegt. Zwar kann
Koch noch immer wenig Gutes an den neuen Regeln finden
- vor allem die Tatsache, dass in Europa anders als
in der NBA jedes Viertel mit einem Sprungball beginnt,
brachte den bisherigen Skyliners-Coach regelmäßig
auf die Palme: "Das sind im Schnitt vier Punkte
pro Spiel, die allein dadurch entschieden werden, welche
Mannschaft die größeren Spieler hat".
Vier Punkte für den Gegner - hieß das somit
in der abgelaufenen Saison in der Regel für die
Frankfurter angesichts deren Verletzungsmisere auf den
langen Positionen.
Auch daran, dass - ebenfalls
im Gegensatz zur NBA - nach einem Überschreiten
der 24 Sekunden das Spiel unterbrochen wird, mag sich
weder Koch noch irgendein anderer Bundesliga-Coach gewöhnen.
Aber insgesamt revidiert der scheidende Skyliners-Coach
seine Vorbehalte gegen die neuen Zeitregeln: "Ich
muss zugeben, dass es weniger negative Auswirkungen
hat, als ich gedacht habe." Dass dem so ist, liegt
vielleicht auch daran, dass die Teams in der Verteidigung
viel weniger als erwartet die Shot-Clock ausnutzen.
So hatten alle erwartet, dass man in dieser Saison mehr
Zonenverteidigung sehen würde, vor allem
mehr aggressive Zonenpresse, um zu verhindern, dass
der Angreifer innerhalb der vorgeschriebenen acht Sekunden
(statt bisher zehn) aus der eigenen Hälfte kommt.
"In der Praxis kam es aber gar nicht so oft vor,
dass die acht Sekunden gepfiffen wurden", resümiert
Leverkusens Assistenztrainer Achim Kuczmann: "An
die 24 Sekunden ist man schon öfter rangekommen,
aber insgesamt haben sich alle im Laufe der Saison schnell
daran gewöhnt."
Berlins Assistenztrainer
Burkhardt Prigge hat das ähnlich beobachtet: "Es
wird weniger Pressverteidigung als erwartet gespielt.
Offenbar lohnt sich der Einsatz der Energie dafür
nicht, man gewinnt zu wenig." Bonns Trainer Bruno
Soce verweist darauf, dass die Adaption der neuen Regeln
noch gar nicht abgeschlossen ist, vor allem für
die Verteicligungsarbeit. Die Mannschaften würden
in der Offense schneller spielen, aber nicht in
der Verteidigung: "Das braucht nämlich Zeit.
Eine Defense muss man sechs Monate trainieren, bevor
sie richtig funktioniert. Deshalb braucht eine Mannschaft
ungefähr eineinhalb Jahre, um sich an die neuen
Regeln anzupassen."
Soces Kontrahent im Finale,
Alba-Trainer Emir Mutapcic, geht ebenfalls davon aus,
dass die Mannschaften noch lange nicht alle Möglichkeiten
der neuen Zeitregeln ausgeschöpft haben: "Wir
haben noch nicht genug Zeit gehabt, um wirklich neue
Systeme einzuüben, um Experimente mit der neuen
Regel zu machen." Sein Assistent Prigge, der seit
Jahren akribisch die Systeme von Albas Gegnern auskundschaftet,
hat herausgefunden: "Viele komplexe Systeme kann
man heute nicht mehr spielen. Sie werden über Bord
geworfen, ohne dass jedoch neue hinzukommen. Das führt
in taktischer Hinsicht zu einer gewissen Armut."
Albas Headeoach Mutapcic
will das indes nicht negativ sehen: "Wir haben
jetzt schwerpunktmäßig Systeme mit offenem
Ausgang. Das ist meiner Meinung nach eine positive Entwicklung.
Ein Athlet muss heute schnell und kreativ sein."
Die neue Zeitregel scheint
damit vor allem auch das Anforderungsprofil an die Spieler
zu verändern - so wie in Bonn: "Mit der alten
Mannschaft hätten wir nicht so spielen können
wie jetzt. Ich hatte das Glück (oder das Pech -
wie man will), dass ich im letzten Sommer praktisch
eine komplett neue Mannschaft zusammenstellen
musste. Da habe ich natürlich nach Spielern Ausschau
gehalten, die zu den neuen Regeln passen", erklärt
Soce die spektakuläre Wandlung seiner in der letzten
Saison noch eher gemächlichen Telekom Baskets zur
schnellsten Mannschaft der Liga, die so aufs Tempo drückt,
dass es manchmal sogar dem Coach zu viel wird: "Ich
stelle jetzt mitunter im Training sogar die Uhr auf
40 Sekunden, damit meine Spieler wieder lernen, das
Tempo zu kontrollieren."
Horst Schneider
|
Liga
|
Punkte
pro Spiel
|
Punkte
pro Minute
|
|
Bundesliga
|
1999-2000
|
2000-01
|
|
Italien
|
168.67
|
4,22
|
Punkte
pro Spiel
|
161,1
|
166,5
|
|
Bundesliga
|
166,49
|
4,17
|
Wurfversuche
pro Sp.
|
121,7
|
128,2
|
|
Euroleague
|
162,68
|
4,07
|
Spiele
über 100 Pkte
|
30
|
44
|
|
SuproLeague
|
162,49
|
4,06
|
Trefferquote
2-Pkte
|
51,4
|
52,7
|
|
Griechenland
|
162,27
|
4,06
|
Trefferquote
3-Pkte
|
36,4
|
34,2
|
|
Spanien
|
159,81
|
4
|
Baltverluste
pro Sp.
|
24,6
|
26,4
|
|
NBA[*]
|
189,62
|
3,95
|
Rebounds
pro Spiel
|
62
|
63,4
|
|
[*]
NBA-Spiel dauert 48 Minuten (in Europa 40)
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