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Regeln | Ausarbeitungen | Presse

 

 

Schriftliche Hausarbeit zur Erlangung der B-Lizenz 1999 von Michael Kappes (Basketballverband Rheinland-Pfalz)

 

 

 

Die Ganzfeld-Presse

 

Thema:Erläutern Sie die Problematik einer Ganzfeld-Presse der verteidigenden Mannschaft hinsichtlich des Einwurfes, der Zeit-Regeln, der Fouls, des Rückfeldes und der Schiedsrichter-Technik.

1. Vorwort

Der Basketballsport hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert. Nicht nur die Regeln, auch die Spieler haben sich entwickelt. Durch ihre verbesserte Physis sind neue, schnellere und aggressivere Spieltaktiken möglich.

Dazu gehört auch die Ganzfeld-Presse. Hierbei wird die angreifende Mannschaft sofort nach einem Ballbesitzwechsel über das ganze Feld unter Druck gesetzt. Gründe für das Spielen einer GanzfeldPresse gibt es verschiedene:

  • höhere Aggressivität forcieren einen Rückstand gegen Spielende aufholen einen geringen Vorsprung verteidigen
  • "Wachrüttel-Effekt"
  • schlechter Aufbauspieler des Gegners
  • Den Ballvortrag des Gegners verlangsamen (z. B. bei guten Fast-Break-Teams)

In meiner anschließenden Ausführung zu o. g. Thema gehe ich wie folgt vor: Zunächst erörtere ich die Problematik an der im Thema aufgeführten Gesichtspunkte. Am Ende eines jeden Gliederungspunktes erläutere ich dann, auf welche Techniken der Schiedsrichter zu achten hat.

1. Der Einwurf (Art. 30)

Hier ist zunächst einmal zu unterscheiden, ob es sich um einen Einwurf nach Korberfolg handelt, oder um einen Einwurf nach einer Regelübertretung.

a) Einwurf nach Korberfolg

Der Angriffsspieler hat den Ball von einem beliebigen Punkt hinter der Endlinie einzuwerfen. Aufgrund der Press-Verteidigung ist unbedingt darauf zu achten, dass der Spieler nicht über die Endlinie tritt, während er den Ball einwirft. Des weiteren hat der Einwerfer nur 5 s Zeit den Ball zu passen.

Außerdem ist darauf zu achten, dass kein anderer Spieler, sowohl kein Mitspieler als auch kein Gegenspieler, irgend welche Körperteile über der Endlinie hat, bis dass der Ball eingeworfen worden ist.

Voraussetzung für eine korrekte Ausführung des Einwurfes ist natürlich, dass kein Gegenspieler mehr den Ball berührt, nach dem er durch den Korb gegangen ist. Auch der Schiedsrichter sollte den Ball nach einem Korberfolg nicht berühren, es sei denn, das Spiel kann dadurch schneller fortgesetzt werden.

b) Einwurf nach einer Regelübertretung

Im Gegensatz zum Einwurf nach Korberfolg, hat der Spieler den Einwurf von der Stelle aus durchzuführen, die der Schiedsrichter bezeichnet hat. In der Regel ist diese nebst des Punktes, an dem die Regelübertretung begangen wurde (Ausnahme: direkt hinter dem Spielbrett!).

Der Schiedsrichter muss darauf achten, dass der Einwerfer hier nur höchstens einen normalen seitlichen Schritt machen darf (Achtung: Es können auch mehrere kleine sein, aber höchstens 1 m). Nach hinten darf der Einwerfer sich beliebig weit bewegen.

Auch hier darf der Spieler maximal 5 s zum Einwurf benötigen und dabei nicht übertreten. Bei einer Press-Verteidigung sind beide Regelübertretungen sehr häufig, werden sie vom Schiedsrichter nicht konsequent geahndet, wird die verteidigende Mannschaft benachteiligt.

Auch hier ist unbedingt darauf zu achten, dass alle Spieler im Feld bleiben.

Bei beiden Fällen muss der Schiedsrichter beachten, dass der Ball nicht von Angreifer zum anderen übergeben wird. Hat der einwerfende Spieler weniger als 2 in Freiraum, mussen alle anderen Spieler mindestens einen Abstand von einem Meter von ihm haben.

Grundsätzlich sollten die Schiedsrichter die Pfeife im Mund haben, bevor der Ball belebt ist, um schnellst möglich Regelübertretungen, Fouls, etc. ahnden zu können. Außerdem ist notwendig, dass der Schiedsrichter, der dem Einwerfer den Ball zur Verfügung stellt, auf folgendes achtet:

  • Er sollte nicht im Feld stehen.
  • Er sollte sofort mit dem Zählen der 5 s beginnen, wenn der Ball dem Einwerfer zur Verfügung steht (s, oben).
  • Er sollte viel auf die anderen Spieler auf dem Feld achten, um z. B. Fouls beim "Freimachen" zu sehen, oder ob Angriffsspieler beim "Freimachen" gehindert werden (s. auch 11.4. b oder 11.4. c).

Der freie Schiedsrichter sollte bei einer Press-Verteidigung sich nicht schnellst möglich zur anderen Grundlinie bewegen, um seinem Kollegen besser helfen zu können.

2. Die Zeit-Regeln

a) Drei-Sekunden-Regel (Art. 39)

Wenn die verteidigende Mannschaft eine Ganzfeld-Presse spielt kommt eine Übertretung der Drei-Sekunden-Regel nicht so häufig vor. Zum einen dauert der Ballvortrag deutlich länger als gegen eine andere Verteidigungsform, zum anderen wird schneller abgeschlossen, wenn man einmal die Presse ausgespielt hat.

Aus diesem Grund ist bei Press-Verteidigung auf die Drei-Sekunden-Regel kein besonderes Augenmerk zu legen, es sei denn, ein Angriffsspieler wartet im Vorfeld auf einen langen Pass über das gesamte Spielfeld, um einen einfachen Korbleger zu machen. Hier muss der Schiedsrichter darauf achten, dass der Spieler sich nicht in der begrenzten Zone befindet.

b) Fünf-Sekunden-Regel

b.1. beim Einwurf (Art. 30.2.1.3)

Der Angreifer darf nicht länger als 5 s für den Einwurf benötigen.

Hier sollte der Schiedsrichter sofort, d. h. sobald der Ball belebt ist, mit dem Zählen beginnen, und zwar so, dass die Spieler und Trainer es sehen können (z. B. sekündliches Ausstrecken eines Fingers bei gleichzeitigem Schwenken des Armes).

b.2. bei nah bewachten Spielern (Art. 40)

Ein nah bewachter Spieler (die es ja bei Ganzfeld-Pressen häufig gibt), der den Ball hält, muss den Ball innerhalb von 5 s wieder loswerden oder ein Dribbling beginnen,

Hier ist unbedingt darauf zu achten, dass er daran nicht durch Foulspiel gehindert wird. Der Schiedsrichter muss hierfür ein Zeitgeffihl entwickeln und ein evtl. Übertreten der FünfSekunden-Regel abpfeifen, um die verteidigende Mannschaft für ihre gute Defensivarbeit belohnen zu können.

c) Zehn-Sekunden-Regel (Art. 41)

Eine Mannschaft, die in ihrem Rückfeld Ballkontrolle erlangt, muss - solbald die Uhr läuft - den Ball innerhalb von zehn Sekunden ins Vorfeld spielen.

Auf diese Regel ist bei einer Ganzfeld-Presse besonders zu achten. Um eine Ubertretung der Zehn-SekundenRegel ahnden zu können, muss der Schiedsrichter auch die 30-Sek.-Anlage im Auge haben. Ist diese bis auf 20 s heruntergelaufen, muss er das Spiel unterbrechen.

Steht ihm keine 30-Sek.-Anlage zur Verfügung, muss er die Zeit selbst mitzählen. Wenn absehbar ist, dass eine Ganzfeld-Presse gespielt wird, sollte der Schiedsrichter sofort mit dem Zählen beginnen, d. h. wenn der erste Spieler auf dem Feld den Ball berührt. Die ersten 5 s kann er dies für sich tun, aber spätestens ab der sechsten sollte für alle Beteiligten sichtbar sein, wieviel Zeit der angreifenden Mannschaft noch zur Verfügung steht (z. B. ein Arm mit gespreizten Fingern nach oben gestreckt für die ersten 5 s, anderer Arm: sekündliches Ausstrecken eines Fingers bei gleichzeitigem Schwenken des Armes).

Die Zehn-Sekunden-Regel tritt neu in Kraft, sobald ein durch einen Verteidiger verursachter Ausball zustande kommt (z. B.: Ein Verteidiger lenkt einen Pass ins Seitenaus.).

d) Dreißig-Sekunden-Regel (Art. 39)

Bei einer Press-Verteidigung werden oft Pässe abgefangen bzw. Bälle von den Verteidigern ins Aus gelenkt. Das bedeutet, dass der Ballbesitz häufig wechselt und die Uhr zurückgestellt wird bzw, bei Ausbällen nicht zurückgestellt wird,

Hier muss der Schiedsrichter sich von der Regel-Kenntnis des Dreißig-Sekunden-Zeitnehmers überzeugen.

Ansonsten stellt eine Ganzfeld-Presse hinsichtlich der Dreißig-Sekunden-Regel kein Problem dar.

3. Die Rückfeld-Regel (Art. 42)

a) Beim Doppeln an der Mittellinie

Das Ziel einer Press-Verteidigung ist es, an bestimmten Stellen des Spielfeldes ein Doppeln des Ballhalters zu forcieren. Unter anderen sind dies die Ecken des Vorfeldes, also auch unmittelbar hinter der Mittellinie. Denn dort stellen die Außenlinie und die Mittellinie zusätzliche ..Gegenspieler" dar.

Folglich muss der folgende Schiedsrichter unbedingt darauf achten, dass der gedoppelte Angriffsspieler nicht auf oder hinter die Mittellinie tritt.

Allerdings ist entschieden darauf zu achten, dass der Angreifer nicht etwa durch Fouls dazu gezwungen wird, wie z. B. durch Stoßen oder Drücken.

b) Der Mittelspieler bei Angriff gegen Ganzfeldpresse

Spielt die angreifende Mannschaft ein bestimmtes System gegen die Ganzfeldpresse, stellt sie dabei meist einen Spieler in die Mitte des Spielfeldes. Normalerweise sollte dieser Mittelspieler im Rückfeld stehen.

Durch die aufkommende Hektik stehen die Spieler aber auch häufig mit je einem Fuß im Vorfeld und im Rückfeld oder sogar ganz im Vorfeld, Wird der Mittelspieler angepasst, muss der Schiedsrichter genau beobachten wo der Angreifer steht, wenn er den Ball fängt, und wohin er ihn weiterspielt.

Als Schiedsrichter muss man genau entscheiden können, ob ein Spieler in seinem Vorfeld Ballkontrolle hatte oder nicht. Hatte der Spieler keine, bevor der Ball ins Rückfeld gegangen ist, handelt es sich nicht um ein Spielen des Balles ins Rückfeld. Ansonsten müssen die Schiedsrichter auf Regelübertretung entscheiden.

4. Die Fouls (Art. 44, 45)

Press-Verteidigungen werden meist gespielt, um Rückstande scheller aufholen zu können, Dabei wird die Aggressivität der verteidigenden Mannchaft deutlich erhöht. Mehr Druck in der Defense impliziert in gewisser Weise eine höhere Anfälligkeit für Fouls, da die Häufigkeit von Kontakt zwischen Gegenspielern steigt. Bei der Beurteilung, ob solche Kontakte bestraft werden sollen oder nicht, müssen die Schiedsrichter auf alle Fälle die Integrität des Spiels sowie den Geist und den Sinn aufrechterhalten.

Außerdem sollten sie gleichmäßig das "Vorteil / Nachteil"-Prinzip anwenden. Zufällige persönliche Kontakte sollten dabei nicht bestraft werden, so dass der Spielfluss nicht unnötig unterbrochen wird, Es sei denn, der für den Kontakt verantwortliche Spieler erlangt einen Vorteil bzw. sein Gegenspieler wird benachteiligt.

Die Schiedsrichter sollten nur das pfeifen, was für das Spiel richtig ist. Sie müssen ein Gefühl dafür entwickeln, für das, was die Spieler zu unternehmen versuchen.

a) Verteidigung des Spielers mit Ball (Art. 46.5.3)

Hier sollten die Verteidingungsspieler möglichst nur mit den Beinen verteidigen. Denn sonst kommt es meist zu einem regelwidrigen Gebrauch der Hände, in dem der Verteidiger seinen

Gegenspieler mit einer oder beiden berührt und ihn so an seiner Fortbewegung hindert. PressVerteidigungen rufen solche Regelverletzungen gerne hervor.

Hier sollten die Schiedsrichter absprechen, auf welcher Linie sie fahren, um gegebenenfalls Unstimmigkeiten zu beseitigen.

b) Verteidigung eines Spielers ohne Ball (Art. 46.5.5)

Im Gegensatz zu allen anderen Verteidigungsformen, stehen die Verteidiger bei PressVerteidigungen immer zwischen Ball und Gegenspieler.

Dabei läuft man häufig Gefahr, überlaufen zu werden. Die verteidigenden Spieler können sich nur noch unfair wehren und begehen Foulspiele, wie z. B. Festhalten des Gegenspielers oder regelwidriger Gebrauch der Hände.

5. Offensiv-Fouls

Doch nicht nur die Verteidiger können bei Ganzfeld-Pressen Fouls begehen, sondern auch die Angriffsspieler. Zum einen müssen die Schiedsrichter das "Freimachen" der Angreifer beobachten, damit sie etwaiges Wegstoßen des Verteidigers ahnden können, zum anderen entstehen häufig Foulspiele, wenn Angreifer von ihren Verteidigern freigeblockt werden sollen.

6. Schlusswort

Wenn die Schiedsrichter die wichtigsten Punkte meiner Ausführung beherzigen, dürfte eine GanzfeldPresse in Zukunft kein Problem mehr darstellen. Erfahrene Schiedsrichter haben viele Vorgänge schon automatisiert, jüngere dürfen sich von der allgemeinen Hektik, die auf dem Spielfeld zwangsläufig entsteht, nicht anstecken lassen.

Ein guter Schiedsrichter ist man eben noch nicht mit Bestehen der Prüfung, sondern erst, wenn man auf dem Spielfeld die richtigen Entscheidungen trifft und die korrekte Technik aufweist.

Kordel, 27. Februar 1999

 

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 Letztes Update:
28. Dezember 2002

 

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