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Thema:Erläutern
Sie die Problematik einer Ganzfeld-Presse der verteidigenden
Mannschaft hinsichtlich des Einwurfes, der Zeit-Regeln,
der Fouls, des Rückfeldes und der Schiedsrichter-Technik.
1.
Vorwort
Der
Basketballsport hat sich in den vergangenen Jahren erheblich
verändert. Nicht nur die Regeln, auch die Spieler
haben sich entwickelt. Durch ihre verbesserte Physis
sind neue, schnellere und aggressivere Spieltaktiken
möglich.
Dazu
gehört auch die Ganzfeld-Presse. Hierbei wird die
angreifende Mannschaft sofort nach einem Ballbesitzwechsel
über das ganze Feld unter Druck gesetzt. Gründe
für das Spielen einer GanzfeldPresse gibt es verschiedene:
- höhere Aggressivität
forcieren einen Rückstand gegen Spielende aufholen
einen geringen Vorsprung verteidigen
- "Wachrüttel-Effekt"
- schlechter Aufbauspieler
des Gegners
- Den Ballvortrag
des Gegners verlangsamen (z. B. bei guten Fast-Break-Teams)
In
meiner anschließenden Ausführung zu o. g.
Thema gehe ich wie folgt vor: Zunächst erörtere
ich die Problematik an der im Thema aufgeführten
Gesichtspunkte. Am Ende eines jeden Gliederungspunktes
erläutere ich dann, auf welche Techniken der Schiedsrichter
zu achten hat.
1.
Der Einwurf
(Art. 30)
Hier
ist zunächst einmal zu unterscheiden, ob es sich
um einen Einwurf nach Korberfolg handelt, oder um einen
Einwurf nach einer Regelübertretung.
a)
Einwurf nach Korberfolg
Der
Angriffsspieler hat den Ball von einem beliebigen Punkt
hinter der Endlinie einzuwerfen. Aufgrund der Press-Verteidigung
ist unbedingt darauf zu achten, dass der Spieler nicht
über die Endlinie tritt, während er den Ball
einwirft. Des weiteren hat der Einwerfer nur 5 s Zeit
den Ball zu passen.
Außerdem
ist darauf zu achten, dass kein anderer Spieler, sowohl
kein Mitspieler als auch kein Gegenspieler, irgend welche
Körperteile über der Endlinie hat, bis dass
der Ball eingeworfen worden ist.
Voraussetzung
für eine korrekte Ausführung des Einwurfes
ist natürlich, dass kein Gegenspieler mehr den
Ball berührt, nach dem er durch den Korb gegangen
ist. Auch der Schiedsrichter sollte den Ball nach einem
Korberfolg nicht berühren, es sei denn, das Spiel
kann dadurch schneller fortgesetzt werden.
b)
Einwurf nach einer Regelübertretung
Im
Gegensatz zum Einwurf nach Korberfolg, hat der Spieler
den Einwurf von der Stelle aus durchzuführen, die
der Schiedsrichter bezeichnet hat. In der Regel ist
diese nebst des Punktes, an dem die Regelübertretung
begangen wurde (Ausnahme: direkt hinter dem Spielbrett!).
Der
Schiedsrichter muss darauf achten, dass der Einwerfer
hier nur höchstens einen normalen seitlichen Schritt
machen darf (Achtung: Es können auch mehrere kleine
sein, aber höchstens 1 m). Nach hinten darf der
Einwerfer sich beliebig weit bewegen.
Auch
hier darf der Spieler maximal 5 s zum Einwurf benötigen
und dabei nicht übertreten. Bei einer Press-Verteidigung
sind beide Regelübertretungen sehr häufig,
werden sie vom Schiedsrichter nicht konsequent geahndet,
wird die verteidigende Mannschaft benachteiligt.
Auch
hier ist unbedingt darauf zu achten, dass alle Spieler
im Feld bleiben.
Bei
beiden Fällen muss der Schiedsrichter beachten,
dass der Ball nicht von Angreifer zum anderen übergeben
wird. Hat der einwerfende Spieler weniger als 2 in Freiraum,
mussen alle anderen Spieler mindestens einen Abstand
von einem Meter von ihm haben.
Grundsätzlich
sollten die Schiedsrichter die Pfeife im Mund haben,
bevor der Ball belebt ist, um schnellst möglich
Regelübertretungen, Fouls, etc. ahnden zu können.
Außerdem ist notwendig, dass der Schiedsrichter,
der dem Einwerfer den Ball zur Verfügung stellt,
auf folgendes achtet:
- Er sollte nicht
im Feld stehen.
- Er sollte sofort
mit dem Zählen der 5 s beginnen, wenn der Ball
dem Einwerfer zur Verfügung steht (s, oben).
- Er sollte viel
auf die anderen Spieler auf dem Feld achten, um
z. B. Fouls beim "Freimachen" zu sehen,
oder ob Angriffsspieler beim "Freimachen"
gehindert werden (s. auch 11.4. b oder 11.4. c).
Der
freie Schiedsrichter sollte bei einer Press-Verteidigung
sich nicht schnellst möglich zur anderen Grundlinie
bewegen, um seinem Kollegen besser helfen zu können.
2.
Die Zeit-Regeln
a)
Drei-Sekunden-Regel (Art.
39)
Wenn
die verteidigende Mannschaft eine Ganzfeld-Presse spielt
kommt eine Übertretung der Drei-Sekunden-Regel
nicht so häufig vor. Zum einen dauert der Ballvortrag
deutlich länger als gegen eine andere Verteidigungsform,
zum anderen wird schneller abgeschlossen, wenn man einmal
die Presse ausgespielt hat.
Aus
diesem Grund ist bei Press-Verteidigung auf die Drei-Sekunden-Regel
kein besonderes Augenmerk zu legen, es sei denn, ein
Angriffsspieler wartet im Vorfeld auf einen langen Pass
über das gesamte Spielfeld, um einen einfachen
Korbleger zu machen. Hier muss der Schiedsrichter darauf
achten, dass der Spieler sich nicht in der begrenzten
Zone befindet.
b)
Fünf-Sekunden-Regel
b.1.
beim Einwurf (Art.
30.2.1.3)
Der
Angreifer darf nicht länger als 5 s für den
Einwurf benötigen.
Hier
sollte der Schiedsrichter sofort, d. h. sobald der Ball
belebt ist, mit dem Zählen beginnen, und zwar so,
dass die Spieler und Trainer es sehen können (z.
B. sekündliches Ausstrecken eines Fingers bei gleichzeitigem
Schwenken des Armes).
b.2.
bei nah bewachten Spielern (Art.
40)
Ein
nah bewachter Spieler (die es ja bei Ganzfeld-Pressen
häufig gibt), der den Ball hält, muss den
Ball innerhalb von 5 s wieder loswerden oder ein Dribbling
beginnen,
Hier
ist unbedingt darauf zu achten, dass er daran nicht
durch Foulspiel gehindert wird. Der Schiedsrichter muss
hierfür ein Zeitgeffihl entwickeln und ein evtl.
Übertreten der FünfSekunden-Regel abpfeifen,
um die verteidigende Mannschaft für ihre gute Defensivarbeit
belohnen zu können.
c)
Zehn-Sekunden-Regel (Art. 41)
Eine
Mannschaft, die in ihrem Rückfeld Ballkontrolle
erlangt, muss - solbald die Uhr läuft - den Ball
innerhalb von zehn Sekunden ins Vorfeld spielen.
Auf
diese Regel ist bei einer Ganzfeld-Presse besonders
zu achten. Um eine Ubertretung der Zehn-SekundenRegel
ahnden zu können, muss der Schiedsrichter auch
die 30-Sek.-Anlage im Auge haben. Ist diese bis auf
20 s heruntergelaufen, muss er das Spiel unterbrechen.
Steht
ihm keine 30-Sek.-Anlage zur Verfügung, muss er
die Zeit selbst mitzählen. Wenn absehbar ist, dass
eine Ganzfeld-Presse gespielt wird, sollte der Schiedsrichter
sofort mit dem Zählen beginnen, d. h. wenn der
erste Spieler auf dem Feld den Ball berührt. Die
ersten 5 s kann er dies für sich tun, aber spätestens
ab der sechsten sollte für alle Beteiligten sichtbar
sein, wieviel Zeit der angreifenden Mannschaft noch
zur Verfügung steht (z. B. ein Arm mit gespreizten
Fingern nach oben gestreckt für die ersten 5 s,
anderer Arm: sekündliches Ausstrecken eines Fingers
bei gleichzeitigem Schwenken des Armes).
Die
Zehn-Sekunden-Regel tritt neu in Kraft, sobald ein durch
einen Verteidiger verursachter Ausball zustande kommt
(z. B.: Ein Verteidiger lenkt einen Pass ins Seitenaus.).
d)
Dreißig-Sekunden-Regel (Art. 39)
Bei
einer Press-Verteidigung werden oft Pässe abgefangen
bzw. Bälle von den Verteidigern ins Aus gelenkt.
Das bedeutet, dass der Ballbesitz häufig wechselt
und die Uhr zurückgestellt wird bzw, bei Ausbällen
nicht zurückgestellt wird,
Hier
muss der Schiedsrichter sich von der Regel-Kenntnis
des Dreißig-Sekunden-Zeitnehmers überzeugen.
Ansonsten
stellt eine Ganzfeld-Presse hinsichtlich der Dreißig-Sekunden-Regel
kein Problem dar.
3.
Die Rückfeld-Regel (Art. 42)
a)
Beim Doppeln an der Mittellinie
Das
Ziel einer Press-Verteidigung ist es, an bestimmten
Stellen des Spielfeldes ein Doppeln des Ballhalters
zu forcieren. Unter anderen sind dies die Ecken des
Vorfeldes, also auch unmittelbar hinter der Mittellinie.
Denn dort stellen die Außenlinie und die Mittellinie
zusätzliche ..Gegenspieler" dar.
Folglich
muss der folgende Schiedsrichter unbedingt darauf achten,
dass der gedoppelte Angriffsspieler nicht auf oder hinter
die Mittellinie tritt.
Allerdings
ist entschieden darauf zu achten, dass der Angreifer
nicht etwa durch Fouls dazu gezwungen wird, wie z. B.
durch Stoßen oder Drücken.
b)
Der Mittelspieler bei Angriff gegen Ganzfeldpresse
Spielt
die angreifende Mannschaft ein bestimmtes System gegen
die Ganzfeldpresse, stellt sie dabei meist einen Spieler
in die Mitte des Spielfeldes. Normalerweise sollte dieser
Mittelspieler im Rückfeld stehen.
Durch
die aufkommende Hektik stehen die Spieler aber auch
häufig mit je einem Fuß im Vorfeld und im
Rückfeld oder sogar ganz im Vorfeld, Wird der Mittelspieler
angepasst, muss der Schiedsrichter genau beobachten
wo der Angreifer steht, wenn er den Ball fängt,
und wohin er ihn weiterspielt.
Als
Schiedsrichter muss man genau entscheiden können,
ob ein Spieler in seinem Vorfeld Ballkontrolle hatte
oder nicht. Hatte der Spieler keine, bevor der Ball
ins Rückfeld gegangen ist, handelt es sich nicht
um ein Spielen des Balles ins Rückfeld. Ansonsten
müssen die Schiedsrichter auf Regelübertretung
entscheiden.
4.
Die Fouls (Art. 44, 45)
Press-Verteidigungen
werden meist gespielt, um Rückstande scheller aufholen
zu können, Dabei wird die Aggressivität der
verteidigenden Mannchaft deutlich erhöht. Mehr
Druck in der Defense impliziert in gewisser Weise eine
höhere Anfälligkeit für Fouls, da die
Häufigkeit von Kontakt zwischen Gegenspielern steigt.
Bei der Beurteilung, ob solche Kontakte bestraft werden
sollen oder nicht, müssen die Schiedsrichter auf
alle Fälle die Integrität des Spiels sowie
den Geist und den Sinn aufrechterhalten.
Außerdem
sollten sie gleichmäßig das "Vorteil
/ Nachteil"-Prinzip anwenden. Zufällige persönliche
Kontakte sollten dabei nicht bestraft werden, so dass
der Spielfluss nicht unnötig unterbrochen wird,
Es sei denn, der für den Kontakt verantwortliche
Spieler erlangt einen Vorteil bzw. sein Gegenspieler
wird benachteiligt.
Die
Schiedsrichter sollten nur das pfeifen, was für
das Spiel richtig ist. Sie müssen ein Gefühl
dafür entwickeln, für das, was die Spieler
zu unternehmen versuchen.
a)
Verteidigung des Spielers mit Ball (Art. 46.5.3)
Hier
sollten die Verteidingungsspieler möglichst nur
mit den Beinen verteidigen. Denn sonst kommt es meist
zu einem regelwidrigen Gebrauch der Hände, in dem
der Verteidiger seinen
Gegenspieler
mit einer oder beiden berührt und ihn so an seiner
Fortbewegung hindert. PressVerteidigungen rufen solche
Regelverletzungen gerne hervor.
Hier
sollten die Schiedsrichter absprechen, auf welcher Linie
sie fahren, um gegebenenfalls Unstimmigkeiten zu beseitigen.
b)
Verteidigung eines Spielers ohne Ball (Art. 46.5.5)
Im
Gegensatz zu allen anderen Verteidigungsformen, stehen
die Verteidiger bei PressVerteidigungen immer zwischen
Ball und Gegenspieler.
Dabei
läuft man häufig Gefahr, überlaufen zu
werden. Die verteidigenden Spieler können sich
nur noch unfair wehren und begehen Foulspiele, wie z.
B. Festhalten des Gegenspielers oder regelwidriger Gebrauch
der Hände.
5.
Offensiv-Fouls
Doch
nicht nur die Verteidiger können bei Ganzfeld-Pressen
Fouls begehen, sondern auch die Angriffsspieler. Zum
einen müssen die Schiedsrichter das "Freimachen"
der Angreifer beobachten, damit sie etwaiges Wegstoßen
des Verteidigers ahnden können, zum anderen entstehen
häufig Foulspiele, wenn Angreifer von ihren Verteidigern
freigeblockt werden sollen.
6.
Schlusswort
Wenn
die Schiedsrichter die wichtigsten Punkte meiner Ausführung
beherzigen, dürfte eine GanzfeldPresse in Zukunft
kein Problem mehr darstellen. Erfahrene Schiedsrichter
haben viele Vorgänge schon automatisiert, jüngere
dürfen sich von der allgemeinen Hektik, die auf
dem Spielfeld zwangsläufig entsteht, nicht anstecken
lassen.
Ein
guter Schiedsrichter ist man eben noch nicht mit Bestehen
der Prüfung, sondern erst, wenn man auf dem Spielfeld
die richtigen Entscheidungen trifft und die korrekte
Technik aufweist.
Kordel,
27. Februar 1999
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