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Regeln | Ausarbeitungen | Geschichte

 

 

Schriftliche Hausarbeit zum Schiedsrichter-A-Prüfungslehrgang am 24.-25. Oktober 1998 in Rotenburg / Fulda von Volker Raab (Hessischer Basketball Verband)

 

 

 

Vergleich der Offiziellen Basketball-Regeln 1994 und 1998: Definition "Spieler auf dem Boden"

 

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Grundlagen

    2.1 Zitat der Offiziellen Basketball-Regeln 1994 - 1998
    2.2 Zitat der Regelinterpretation 1997
    2.3 Zitat der Offiziellen Basketball-Regeln 1998 - 2002

2 Hauptteil und Diskussion

3 Zusammenfassung

4 Ausblick

5 Anhang

 


0 Einleitung

    Basketball ist ein von großer Athletik, Schnelligkeit und Geschicklichkeit geprägtes Spiel, welches sich ständig weiterentwickelt. Um die Anziehungskraft und den Reiz des Basketballsports für den Zuschauer auf Dauer zu erhalten, ist dieser kontinuierlichen Progression dadurch Rechnung zu tragen, daß die geltenden Regeln regelmäßig den veränderten Bedingungen angepaßt werden. Dies erfolgt im europäischen Bereich seit Gründung der FIBA im Jahre 1932 alle vier Jahre im Anschluß an die Olympischen Spiele [1, S. 21 ff.].

    Sinn von Regeländerungen ist es die Grundidee des Spiels zu erhalten und Gefahren, die das Spiel monoton oder roh werden lassen, zu verhindern [vgl. auch 1, S. 27 ff.].

    Im Vordergrund steht dabei, den Spielfluß möglichst wenig zu stören und das Spiel ohne unnötige Unterbrechungen und Verzögerungen freizugeben. In diesem Zusammenhang steht auch das Prinzip der Beurteilung von Vorteil / Nachteil und der daraus erwachsenden Konsequenzen beispielsweise primär nur Kontakte als Foul zu ahnden, die auch Einfluß auf das Spiel haben und zufällige Kontakte zu vernachlässigen.

    Auf einige der bahnbrechenden Beispiele zur Steigerung der Attraktivität und der Kurzweiligkeit des Basketballspiels sei an dieser Stelle hingewiesen [1, S. 26 ff.]:

  • Wegfall des Mittelsprungballes nach Korberfolg (Berlin 1936)
  • Einführung der- 10-Sekunden-Regel (Berlin 1936)
  • 3-Sekunden-Regel (London 1948)
  • 30-Sekunden-Regel (Melbourne 1956)
  • 3-Punkte-Linie (Los Angeles 1984)

    Darüberhinaus soll eine weitere Vereinheitlichung der immer noch bestehenden Unterschiede in den Regeln der nordamerikanischen Profiliga NBA, sowie der Collegeliga NCAA und des internationalen Basketballverbands FIBA erreicht werden.

    Zudem ist es notwendig einige offizielle FIBA-Regelinterpretationen in das Regelwerk mit aufzunehmen, die der Klarstellung und Verständlichkeit der gültigen Regeln dienen. 

1 Grundlagen

  • Zitat der Offiziellen Basketball-Regeln 1994 - 1998
    siehe 2.3 "Zitat der Offiziellen Basketball-Regeln 1998 - 2002, Art. 38, 38.1 - 38.4.1."
    (Text entspricht abgesehen von der Numerierung dem Regeltext von 1994 - 1998).

     

  • Zitat der Regelinterpretation 1997
    Art. 39 Schritte
    39-5
    Situation. A4 ist im Ballbesitz und fällt mit dem Ball auf den Boden. Danach

    a) paßt er,
    b) versucht er, mit dem Ball wieder aufzustehen.

    Regelung:
    In Fall
    a) gibt es keine Regelübertretung; der liegende Spieler darf sich aber nicht von der Stelle bewegen (wegrollen o.ä.).

    Im Fall
    b)kommt es zu einer Regelübertretung, wenn A4 den Standfuß anhebt.

    Sinngemäß bedeutet dies, daß keine Regelübertretung begangen wird, solange der Ball am Boden gehalten wird und der Spieler sich nicht auf dem Boden fortbewegt oder beim Aufstehen den Standfuß anhebt, d.h. im Zweifelsfall müssen beide Füße in Bodenkontakt bleiben.

  • Zitat der Offiziellen Basketball-Regeln 1998 - 2002
    Art. 38 Schritte
  • 38.1Definition:
    38.1.1Ein Spieler, der einen belebten Ball hält,
    pivotiert, wenn er einmal oder mehrmals mit demselben Fuß in beliebiger Richtung Schritte macht, während der andere Fuß, genannt Standfuß (Pivot-Fuß), an seiner Berührungsstelle auf dem Boden bleibt.

    38.1.2
    Schrittfehler oder Fortbewegung mit dem Ball (auf dem Spielfeld) ist eine Bewegung mit einem Fuß oder beiden Füßen in beliebiger Richtung über die Beschränkungen dieses Artikels hinaus, wenn dabei gleichzeitig der Ball gehalten wird.

    38.2 Festlegen des Standfußes (Pivot-Fuß)

    38.2.1
    Ein Spieler, der den Ball fängt, während er mit
    beiden Füßen am Boden ist, darf einen beliebigen Fuß als Standfuß (Pivot-Fuß) benutzen. Sobald ein Fuß angehoben wird, wird der andere zum Standfuß.

    38.2.2
    Ein Spieler, der den Ball
    in der Bewegung oder beim Dribbling aufnimmt, darf stoppen und einen Standfuß wie folgt festlegen:

    38.2.2.1Wenn ein Fuß den Boden berührt:

    38.2.2.1.1 Dieser Fuß wird zum Standfuß, sobald der andere Fuß den Boden berührt.
    38.2.2.1.2 Der Spieler darf mit diesem Fuß abspringen und gleichzeitig mit beiden Füßen landen. In diesem Fall wird
    kein Fuß zum Standfuß.

    38.2.2.2 Wenn beide Füße über dem Boden sind und der Spieler
    38.2.2.2.1 gleichzeitig mit beiden Füßen landet, ist der
    Standfuß beliebig. Sobald ein Fuß angehoben wird, wird der andere zum Standfuß.
    38.2.2.2.2 erst mit einem und dann mit dem anderen Fuß landet, ist der
    erste Fuß, der den Boden berührt, Standfuß.
    38.2.2.2.3 mit einem Fuß landet, darf der Spieler mit diesem Fuß abspringen und gleichzeitig mit beiden Füßen landen. In diesem Fall wird
    kein Fuß zum Standfuß.

    38.3 Fortbewegen mit dem Ball

    38.3.1Nachdem ein Spieler einen Standfuß festgelegt hat, darf
    38.3.1.1 er den Standfuß bei einem Zuspiel oder Korbwurfversuch
    anheben, aber nicht wieder aufsetzen, bevor der Ball seine Hand oder Hände verlassen hat.
    38.3.1.2 er den Standfuß bei Beginn eines Dribblings
    nicht anheben, bevor der Ball seine Hand oder Hände verlassen hat.
    38.3.2 Nachdem ein Spieler zu einem
    Stopp gekommen und kein Fuß Standfuß ist, darf
    38.3.2.1 er einen Fuß oder beide Füße bei einem Zuspiel oder Korbwurfversuch
    anheben, aber nicht wieder aufsetzen, bevor der Ball seine Hand oder Hände verlassen hat
    38.3.2.2 er
    keinen Fuß bei Beginn eines Dribblings anheben, bevor der Ball seine Hand oder Hände verlassen hat.

    38.4 Kommentar

    38.4.1 Ohne Kontrolle des Spielers über einen belebten Ball auf dem Spielfeld kann dieser Artikel nicht übertreten werden.

    38.4.2 Wenn ein Spieler,während er den Ball hält, auf den Boden fällt, oder, während er auf dem Boden liegt oder sitzt, in Ballbesitz kommt und dann dabei rutscht, rollt oder mehr als die erlaubten Kontakte mit den Füßen auf dem Boden macht, oder, während er den Ball hält, versucht aufzustehen, ist dies eine Regelübertretung.

    Der Artikel 38 der Offiziellen Basketball-Regeln von 1998 - 2002 gibt die allgemeinen Bestimmungen der Schritte-Regel wieder. Im Besonderen ist dies die Regelung zu den Rechten des "Spielers am Boden" (vgl. 38.4.2).

    Die Regel besagt also, daß die Gleichzeitigkeit mehrerer Ereignisse gegeben sein muß, um eine Regelübertretung im Sinne dieses Artikels zu begehen. Der Spieler muß also zunächst Kontrolle über den belebten Ball am Boden haben oder erlangen, d.h. den Ball halten; tippen des Balles wird hierbei gemeinhin nicht als Ballkontrolle angesehen. Dabei muß er sich dann in Form von rutschen, rollen oder ähnlichen Fortbewegungsformen auf dem Boden von der Stelle bewegen, damit es sich um eine Regelübertretung handelt.

2 Hauptteil und Diskussion

  • Vergleich der Regeln von 1994 und 1998
    Im Vergleich zu den Regeln von 1994 wurden die Regeln von 1998 um den Passus 38.4.2 erweitert, der vorangehende Text blieb unverändert. Der "Spieler auf dem Boden" war demnach in den Regeln von 1994 noch gar nicht beschrieben worden. Zieht man in diesem Fall die Regelinterpretation 1997, Art. 39-5 (= 1993, 3.4.5) hinzu, so werden zwei Fälle skizziert, welche die Möglichkeiten eines auf dem Boden befindlichen Spielers regeln (s. 2.2).

    In beiden zu diskutierenden Textstellen muß zunächst die Kontrolle des Spielers über den belebten Ball vorausgesetzt werden, ohne die dieser Artikel nicht übertreten werden kann (vgl. Regeln (R) 1994, Art. 39, Kommentar; Regelinterpretation (RI) 1997, Art. 28-1/2; R 1998, Art. 38.4.1).

    In der Regelinterpretation 1997 darf der "Spieler am Boden" den Ball passen, solange er "sich nicht von der Stelle bewegt". Die Regeln 1998 konkretisieren diese Formen der Bewegung als rutschen, rollen oder mehr als die erlaubten Kontakte mit den Füßen auf dem Boden. Im Wesentlichen unterscheiden sich diese beiden Darstellungen also nicht.

    Eine Verschiedenheit ist die Handhabung im Falle des versuchten Aufstehens vom Boden. Gemäß der Regelinterpretation 1997 begeht der Spieler keine Regelübertretung, sofern er den Standfuß beim Aufstehen nicht anhebt (vgl. RI 1997, 39-5 b)). Dagegen wird in den Regeln von 1998 der Versuch des Aufstehens generell als Verstoß gegen die Regel angesehen (vgl. R 1998, Art. 38.4.2, letzter Abschnitt). Diese Ausführung macht Sinn im Hinblick darauf, daß die Beurteilung ob ein Anheben des Standfußes erfolgt ist oder nicht, schlichtweg entfällt. Es wurde somit der Grundsatz aufgestellt, daß ein am Boden befindlicher Spieler, der den Ball hält, nicht unter Berücksichtigung der Regel legal Aufstehen kann.

    In der Regelauslegung ist demnach die Anwendung eines Quasistationäritätsprinzips erforderlich, wobei der Begriff "quasistationär" beinhaltet, daß keine deutlich sichtbare Fortbewegung stattfindet. Die Ausdrucksweise "deutlich sichtbar fortbewegen" muß aus pragmatischen Gründen gewählt werden, denn nur dann kann man von einem von der Stelle bewegen sprechen, da es nahezu unmöglich ist, sich vollkommen unbeweglich auf dem Boden zu befinden.

    Die Betrachtung der Schritte-Regel allein ist jedoch nicht ausreichend um die Möglichkeiten eines "Spielers auf dem Boden" umfassend zu beleuchten. Vielmehr müssen die Bestimmungen in den Regeln hinsichtlich Ballkontrolle (vgl. R 1994, Art. 28; RI 1997, Art. 28 und 28-1 Kommentar; R 1998, Art. 27), Dribbeln (vgl. R 1994, Art. 38; R 1998, Art. 37), sowie Halteball (vgl. R 1994, Art. 26, 3. a); R 1998, Art. 25.1.3.1) hinzugezogen werden.

    Die genannten Aspekte sollen nun im Zusammenspiel mit der Schritte-Regel anhand von Beispielen näher diskutiert werden.

       

  • Beispiele für eine Regelübertretung
    Die Beispiele werden jeweils möglichst allgemein formuliert, um eine große Zahl von situativen Details miteinzuschließen.
    • Beispiel 1
      Situation. Ein Spieler fällt mit dem Ball in den Händen zu Boden und rutscht dabei deutlich sichtbar über das Spielfeld (z. B. aufgrund hoher Eigengeschwindigkeit).

      Regelung. Das Rutschen ist hierbei der unerlaubten Fortbewegung gleichzusetzen und somit handelt es sich um eine Regelübertretung, da gleichzeitig Ballkontrolle gegeben ist.

    • Beispiel 2
      Situation. Spieler A5 stolpert während er den Ball hält und stürzt auf den Boden. Dabei rollt er um seine Körperachse weiter.

      Regelung. Die Regelung entspricht der unter 3.2.1, wobei hierin das Rollen als illegal angesehen wird. 

    • Beispiel 3
      Situation. Spieler B6 verliert am Ende eines Dribblings das Gleichgewicht und geht zu Boden. Danach versucht er dem herannahenden Verteidiger A7 zu entkommen, indem er ein Stück "krabbelt" und dann den Ball weiterpaßt.

      Regelung. Das "Krabbeln" stellt hierbei die mehr als erlaubten Kontakte der Füße auf dem Boden dar und ist ein Regelverstoß. 

    • Beispiel 4
      Situation. Centerspieler A15 geht bei einer Reboundaktion zu Boden nachdem er den abprallenden Ball gefangen hat. Da die Verteidiger keinen Paß vom Boden aus zulassen steht A 15 auf (ohne einen Fuß anzuheben) und paßt dann zu einem Mitspieler.

      Regelung. A15 begeht einen Regelverstoß indem er aufsteht, egal ob mit oder ohne Anheben eines Fußes, bzw. der Füße. 

    • Beispiel 5
      Situation.
      Spieler B8 und A9 befinden sich beim Kampf um den Ball am Boden und haben beide ihre Hände am Ball. Dabei rutschen sie etwas über das Spielfeld. Dann, als beide am Ball ziehen, läßt B8 plötzlich los und A9 rollt daraufhin durch seinen eigenen Schwung zur Seite.

      Regelung. Wenn zwei oder mehrere Spieler gleichzeitig den Ball halten, besteht für keinen Spieler Ballkontrolle (vgl. R 1998, Art. 27.1 und Art. 25.1.3.1). Deshalb ist es zunächst keine Regelübertretung wenn sie dabei über das Feld rutschen. Als danach A9 jedoch, während er den Ball hält, auf dem Boden (zur Seite) rollt begeht er eine Regelübertretung.

      Kommentar. Die Regelung für die Beispiele 3.2.1 - 3.2.4 bleibt bestehen, wenn der jeweilige Spieler sich schon am Boden befindet und dann erst Ballkontrolle erlangt. Zum Beispiel durch "Hechten" nach einem "loose ball" o.ä., Erhalt der Ballkontrolle und weitere Fortbewegung entsprechend der o.g. Beispiele.

  • Beispiele die keine Regelübertretung darstellen
    • Beispiel 1
      Situation. Ein Spieler fällt zu Boden während er den Ball hält und bewegt sich nicht in Form von rutschen, rollen o.ä. fort.
      Anschließend
      a) paßt er,
      b) wirft er auf den Korb,
      c) beginnt er auf dem Boden ein Dribbling und steht dann auf.

      Regelung. Alle drei Aktionen sind legal, vorausgesetzt es findet keine "deutlich sichtbare" Fortbewegung - a), bzw. b) - statt. Auch im Falle c) wird die Schritte-Regel nicht verletzt, da bei einem Dribbling keine Begrenzung bezüglich der Anzahl der Schritte besteht (vgl. R 1998, Art. 37.3), sofern der Spieler vorher nicht gedribbelt hat (Þ Doppeldribbling) und nicht versucht aufzustehen, bevor er das Dribbling aufgenommen hat.

      Kommentar. Dieselbe Regelung greift auch dann, wenn der Spieler sich vor Erlangen der Ballkontrolle bereits am Boden befunden hat.
       
    • Beispiel 2
      Situation. Spieler A11 hechtet sich nach einem "loose ball" und rutscht dabei oder "krabbelt", bereits am Boden, auf den Ball zu. Unmittelbar als er den Ball erreicht kommt er zum Stopp am Boden und paßt dann den Ball zu einem Mitspieler.

      Regelung. Die gesamte Aktion ist legitim. In den Regeln ist hervorgehoben, daß die beiden Faktoren der Ballkontrolle und der Fortbewegung, bzw. des Aufstehens zusammen, d.h. gleichzeitig, gegeben sein müssen um eine Regelübertretung zu begehen.
       
    • Beispiel 3
      Situation. Spieler B10 strauchelt während des Dribblings, kommt, immer noch weiterdribbelnd, mit dem Körper auf den Boden auf und rutscht dabei "deutlich sichtbar" über das Spielfeld. Weiterhin dribbelnd stützt er sich dann mit einer Hand ab und steht wieder auf, danach wirft er auf den Korb.

      Regelung. Da während des gesamten Zeitraumes des Vorgangs das Dribbling durch den Spieler aufrechterhalten wird, kann keine Regelübertretung begangen werden.
       
    • Beispiel 4
      Situation. Ein Spieler rutscht auf dem Boden auf einen Ball zu und rutscht weiter als er diesen erreicht. Dabei tippt er den Ball mit einer Hand in Richtung eines Mitspielers.

      Regelung. Keine Regelübertretung, da zu keinem Zeitpunkt Ballkontrolle bestanden hat. Tippen des Balles wird hierbei noch nicht als Ballkontrolle angesehen. Dieser Fall stellt jedoch einen Grenzfall dar, denn ein Tippen des Ball kann durchaus zielgerichtet erfolgen. Auch ist es durchaus möglich den Ball mit nur einer Hand zu halten, bzw. zu kontrollieren. Dann wäre allerdings Ballkontrolle gegeben (vgl. auch RI 1997, Art. 28-1, "...Kontrolle über den Ball gegeben ist, wenn ein Spieler bzw. eine Mannschaft in der Lage ist, die Fortbewegung oder den Flug des Balles zu beeinflussen.") und demzufolge hätte sich bei der gleichzeitigen Fortbewegung auf dem Boden eine Regelübertretung ereignet. In dieser Situation liegt es also im Ermessen des Schiedsrichters ob die Ballkontrolle durch den Spieler gegeben war oder nicht.
       
    • Beispiel 5
      Situation. Ein Spieler sitzt auf dem Boden und hält (erhält) den Ball, beide Füße sind dabei am Boden.

      Er paßt den Ball
      a) ohne den Fuß / die Füße anzuheben,
      b) wobei er einen Fuß / beide Füße anhebt,
      c) wie b) und dann einen Fuß / beide Füße wieder aufsetzt, bevor er den Ball paßt o.ä..

      Regelung. Im Falle a) und b) kommt es nicht zu einer Regelübertretung. Im Falle c) begeht der Spieler Regelverstoß (vgl. R 1998, Art. 38.2; 38.3; 38.4.2). Das Wiederaufsetzen des Fußes / der Füße stellt in diesem Fallbeispiel "mehr als die erlaubten Kontakte" dar (vgl. R 1998, Art. 38.4.2). Dieser Zustand wird auch in dem FIBA-Video "Rules Changes 1998 - 2002" bildlich dargestellt. Es ist ein Sachverhalt aufgezeigt, in dem ein auf dem Spielfeld sitzender Spieler, der beide Füße auf dem Boden hat, den Ball erhält und anschließend weiterpaßt. Die Füße des Spielers sind durch einen Lichtkegel hell umrahmt, wodurch verdeutlicht wird, daß die Füße am Boden verbleiben müssen. Das Miteinbeziehen der Abschnitte über das "Festlegen des Standfußes" und das "Fortbewegen mit dem Ball" (s.o.) liefern dasselbe Ergebnis.
  • Schlußfolgerungen
    Der Schiedsrichter muß, um die Regel bezüglich des "Spielers auf dem Boden" korrekt anzuwenden, primär beurteilen wann und ob die Ballkontrolle durch den Spieler erlangt wurde. Die Entscheidung ob dann ein Fortbewegen vorliegt wird durch den Zusatz "deutlich sichtbar" grundlegend erleichtert, da nur dann von einer Veränderung des Zustandes, sprich der Verschaffung eines unfairen Vorteils, gesprochen werden kann.

Alle weiteren Regeln, insbesondere Zeitregeln (5-, 10-, 30-Sekunden-Regel), haben natürlich nach wie vor Gültigkeit; Nachsicht kann bei Anwendung der 3-Sekunden-Regel geübt werden.

3 Zusammenfassung

    Vergleicht man die Aussage der Regeln 1998 mit der in den Regelinterpretationen von 1997 stellt man fest, daß lediglich die Formulierung hinsichtlich der Fortbewegung auf dem Boden genauer spezifiziert wurde. Also im Prinzip nicht mehr als eine Konkretisierung und Aufnahme des Textes der Regelinterpretation in den Regeltext.

    Weiterhin wurde die Regel dahingehend vereinfacht, daß ein versuchtes Aufstehen generell eine Regelübertretung darstellt. Dies war gemäß RI 1997, Art. 39-5 Fall b) solange der Standfuß nicht angehoben wurde, keine Verletzung der Regeln. Man geht hierbei davon aus, daß bei dem Versuch aus der Bodenlage aufzustehen es prinzipiell immer zu einer Bewegung und somit Anhebung des Standfußes kommt. Diese Vereinfachung erleichtert die Handhabung in der praktischen Anwendung der Regel, da die Schiedsrichter nun nicht mehr exakt beurteilen müssen, ob nun tatsächlich der Standfuß beim Aufstehen angehoben wurde oder nicht.

4 Ausblick

    Hinsichtlich der in der Einleitung gemachten Aussagen über die Notwendigkeit von Regeländerungen muß die Frage aufgeworfen werden, ob die im Rahmen dieser Hausarbeit diskutierte Regeländerung eine Verbesserung in der Absicht das Basketballspiel noch kurzweiliger (und schneller) zu machen, darstellt.

    Abgesehen von den primären Eindrücken des Spiels, des Erzielens möglichst auch noch spektakulärer Körbe, ist das zweite wichtige Element in diesem Sport der Aspekt, daß es sich um ein Kampfspiel handelt. Die Popularität des Basketballspiels steht dabei in direktem Zusammenhang mit dem "lohnenden" kämpferischen Einsatz der Spieler. Durch solche Situationen, zu denen auch der Kampf um den Ball am Boden gehört, wird der Anreiz zu besonderer persönlicher Aufopferung der Spieler gesteigert, welches wiederum von den Zuschauern ebenso honoriert wird wie Korberfolge.

    Aus diesem Grunde muß nun die Frage erlaubt sein, ob die Regel bezüglich des "Spielers auf dem Boden" ganz allgemein nicht dem o.g. Ziel kontraproduktiv gegenübersteht, oder ob nicht eine Liberalisierung der Regel wünschenswert wäre. Von Einschränkungen dahingehend befreien, daß von Spielern sofern sie sich auf dem Boden befinden ohnehin kein unfairer Vorteil erlangt werden kann, da die Ausgangssituation gegenüber stehenden Spielern stets schlechter ist. Somit stellt auch eine Fortbewegung (z.B. rutschen während des Hechtens nach dem Ball) auf dem Boden innerhalb eines gewissen Aktionsradius nicht gerade eine Verbesserung für den jeweiligen Spieler dar.

    Gleichwohl ist es nicht zu legalisieren, daß ein Spieler, der zuvor zum Ball rutschte o.ä. und dann "quasistationär" auf dem Boden zur Ruhe gekommen ist, eine erneute Fortbewegung beginnt, um eventuellen Verteidigungsaktionen zu entgehen. Diese Art von "Kriecherei" auf dem Boden sollte in der Tat unterbunden werden, da dies nur wenig ansehnlich für das Publikum ist und den Sport dann eher in die Lächerlichkeit ziehen würde.

    Was jedoch entfallen würde, ist zum Einen die Beurteilung durch den Schiedsrichter ob sich der Spieler nun "deutlich sichtbar" fortbewegt hat oder nicht. Zum Anderen, wohl noch wichtiger, ist die Tatsache, daß ein Pfiff mehr unterbleibt und sich somit eine Unterbrechung weniger ereignet, außerdem der betreffende Spieler für seinen kämpferischen Einsatz "belohnt" wird, indem seine Mannschaft keinen Ballverlust hinnehmen muß.

5 Anhang

  • Fußnoten
    [1] G. Hagedorn, D. Niedlich, G. J. Schmidt, Basketball Handbuch, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Hamburg, 16. -18. Tausend, November 1989.
  • Thema (Aufgabenstellung)
    • In den Offiziellen Basketball-Regeln 1998 ist "der Spieler auf dem Boden" neu definiert worden.
    • Vergleiche die Offiziellen Basketball-Regeln 1994 und 1998 im Hinblick auf "den Spieler am Boden".
    • Bilde mindestens fünf Beispiele, bei denen ein Spieler "auf dem Boden" nach den Basketball-Regeln 1998 eine Regelübertretung begeht.

 

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 Letztes Update:
28. Dezember 2002

 

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