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Regeln | Ausarbeitungen | Ballkontrolle

 

 

Hausarbeit von Markus Mies (BV Rheinland-Pfalz) vorgelegt zur Erlangung der B-Lizenz 1998/99

 

 

 

Problematik der Begriffe "Spieler im Ballbesitz" und "Mannschaft im Ballbesitz" unter Berücksichtigung der Foul- und Zeitregeln

 

Gliederung

  1. Einführung
  2. Ballbesitz/Ballkontrolle
    2.1 Spieler im Ballbesitz/Ballkontrolle
    2.2 Mannschaft im Ballbesitz/Ballkontrolle
  3. Erörterung von Zeitvorschriften, Regelübertretungen und Fouls unter Berücksichtigung "Spieler im Ballbesitz" und "Mannschaft im Ballbesitz"
    3.2.
    Zeitvorschriften
    3.1.1 Dreißig-Sekunden-Regel
    3.1.2 Zehn-Sekunden-Regel
    3.1.3 Drei-Sekunden-Regel
    3.1.4 Nah bewachter Spieler
    3.2
    Fouls
    3.2.1 Offensivfoul
    3.2.2 Doppelfoul
  4. Schlußbemerkung

1. Einführung

Bei einigen Regelübertretungen muß der Schiedsrichter bzw. das Kampfgericht vor dem Pfiff genau beurteilen, ob sich die jeweilige Mannschaft oder der betreffende Spieler im Ballbesitz - also Kontrolle über den belebten Ball hat - befindet. Teilweise entstehen Situationen, wo die Ballkontrolle auf die andere Mannschaft für kurze Zeit wechselt und eine neue Zeitperiode beachtet werden muß. Des weiteren ist bei der Bestrafung und Bewertung von Fouls oftmals zu berücksichtigen, ob eine Mannschaft die Ballkontrolle hatte oder nicht. Die Begriffe "Ballbesitz" und "Ballkontrolle" werden im weiteren synonym verwandt. Denn nur, wenn jemand etwas in .,Besitz- hat, kann er es auch kontrollieren. Daher sind - bevor auf die angesprochenen Regelübertretungen, Zeitregeln und Fouls eingegangen wird - die Begriffe "Mannschaft IM Ballbesitz" und "Spieler im Ballbesitz" zu klären.

2. Ballbesitz/Ballkontrolle

Die dafür vorgesehene Offizielle Basketball Regel (OBR) steht unter Regel VI - Spielvorschriften Art. 27 Ballkontrolle. Dort wird ebenfalls, Wie durch das Thema schon angedeutet, nach Spieler und Mannschaft in Ballkontrolle unterschieden. Kontrolle heißt, man kann über etwas verfügen, es beherrschen und Einfluß darauf ausüben. Der- oder diejenigen, die Ballkontrolle haben, können darüber bestimmen, wo der Ball hin gespielt werden soll (z.B. durch passen unter den Mitspielern der eigenen Mannschaft).

2.1 Spieler im Ballbesitz/Ballkontrolle

Ein Spieler, der den Ball vom Schiedsrichter übergeben bekommt, mit ihm dribbelt oder ihn fängt und in den Händen hält, hat die Kontrolle über den Ball. Er bestimmt, in welche Richtung er den Ball dribbelt, paßt oder einfach nur in den Händen hält. In dem Moment oder Zeitraum seiner Ballkontrolle kann kein anderer Spieler Ballkontrolle haben. Daher ist bei einem Halteball auch immer auf Sprungball zu entscheiden, sofern kein Foul in irgendeiner Weise zu, beachten ist. Denn im Moment des Halteballes können ein oder mehrere Spieler der gegnerischen Mannschaften ohne Einsatz übermäßiger Härte nicht in Ballbesitz kommen, da ihre Hände den Ball so fest halten. Regelgerechte Aktionen des Verteidigers, die den Angreifer dazu veranlassen in die eine oder andere Richtung zu dribbeln oder passen bedeuten nicht, daß der oder die Verteidiger die Kontrolle über den Ball haben. Der Angreifer hat immer noch andere Möglichkeiten und verfügt weiterhin über den Ball. Berührt der Verteidiger den Ball kurz, besteht ebenfalls keine Ballkontrolle für ihn. Lediglich, wenn er ihn fängt, erlangt er die Ballkontrolle. Während eines Passes zum Mitspieler verliert der ieweilige Spieler die Ballkontrolle. Bis der Ball den Mitspieler erreicht, vom Gegner abgefangen oder durch einen Pfiff des Schiedsrichters zum toten Ball wird hat keine Person Kontrolle über den Ball.
Bei einem Korbwurf verliert der Spieler generell die Ballkontrolle und damit auch seine Mannschaft. Im Gegensatz dazu, kann eine Mannschaft, obwohl keiner der Spieler die Ballkontrolle hat, im Ballbesitz sein. Dazu mehr unter Punkt 2.2.

2.2 Mannschaft im Ballbesitz/Ballkontrolle

Wie oben schon angedeutet, kann eine Mannschaft sehr wohl in Ballkontrolle sein, obwohl keiner der Mitspieler über diese selbst verfügt. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn der Ball zwischen zwei Spielern der gleichen Mannschaft zugespielt wird. Während der Flugphase hat keiner der beiden Spieler Ballkontrolle, sehr wohl aber die eigene Mannschaft. Denn die Mannschaft als ganzes (in diesem Moment die passenden Spieler) ist immer noch in der Lage den Flug des Balles zu beeinflussen, indem entweder zum einen oder anderen Mitspieler gepaßt wird. Was zu Spieler in Ballbesitz gesagt wurde, gilt uneingeschränkt auch für die Mannschaft bzw. zählt zur Mannschaft in Ballkontrolle.

3. Erörterung von Zeitvorschriften, Regelübertretungen und Fouls unter     Berücksichtigung "Spieler im Ballbesitz" und "Mannschaft im Ballbesitz"

Nachdem nun die Begriffe "Spieler im Ballbesitz" und "Mannschaft im Ballbesitz" geklärt wurden, kann auf Zeit und Foulregeln unter Berücksichtigung dieser Begriffe weiter eingegangen werden.

3.1 Zeitvorschriften

3.1.1 Dreißig-Sekunden-Regel

Über den Inhalt dieser Regel muß nicht weiter diskutiert werden. In der Regel wird auch die Ballkontrolle angesprochen, nur diese soll in Bezug auf diese Regel näher untersucht werden. Jede Mannschaft hat dreißig Sekunden Zeit einen Korbversuch zu unternehmen, sobald sie die Ballkontrolle erlangt hat. Verliert sie diese, endet die Dreißig-Sekunden-Periode. Lenkt ein Gegenspieler den Ball ins Aus, verliert die Mannschaft die Ballkontrolle, da sie den Flug des Balles nicht mehr kontrollieren kann und spätestens beim Pfiff des Schiedsrichters der Ball zum toten wird. Allerdings endet hier die Dreißig-Sekunden-Periode nicht. Zwar hat die Mannschaft die Ballkontrolle verloren, jedoch der Gegner dieselbe nicht erlangt. Somit wird die Mannschaft ab dem Einwurf so gestellt, als ob sie die Ballkontrolle nicht verloren hätte. Sie hat sie zwar kurzzeitig verloren, ist aber weiterhin in der Lage den Flug und die Richtung des Balles zu bestimmen. Aus diesem Grunde wird die Dreißig-Sekunden-Periode ab dem Einwurf der Mannschaft einfach weiter gezählt. Ausnahmen bilden hier die Fouls, der Sprungball, das absichtliche Fußspiel und der Korbversuch. Zur Klarstellung muß noch gesagt werden, daß nicht schon mit Übergabe an den Einwerfer die Periode weiter läuft, sondern erst mit der ersten Berührung eines Mitspielers auf dem Spielfeld.

Beim Halteball, wird ebenfalls auf neue Dreißig-Sekunden entschieden. Allerdings nicht schon ab der Entstehung, sondern erst mit dem Pfiff des Schiedsrichters und seiner Entscheidung zum Sprungball. Solange der Schiedsrichter nicht pfeift, bleibt die Ballkontrolle bei der Mannschaft, die sie bis zu diesem Zeitpunkt inne hatte, obwohl durch den Halteball keine Ballkontrolle mehr besteht. Entsteht beispielsweise ein Halteball kurz vor Ablauf der Dreißig-Sekunden-Periode und das Signal der Uhr ertönt, so ist das eine Regelübertretung der Mannschaft die vor dem Halteball in Ballbesitz war. Denn erst der Pfiff des Schiedsrichters läßt den Ball zum toten werden und stoppt die Uhr. Fängt ein Gegenspieler den Ball ab, hat er Ballkontrolle (im Gegensatz zur Lenkung des Balles in eine andere Richtung) und die Dreißig-Sekunden-Periode beginnt für seine Mannschaft. Wird sein Paß dann wiederum durch die andere Mannschaft abgefangen, erhält diese trotz kurzer Unterbrechung ihrer Ballkontrolle eine neue Dreißig-Sekunden-Periode. Die Ballkontrolle lag nämlich für kurze Zeit bei der gegnerischen Mannschaft. Ein Korbversuch läßt die Dreißig-Sekunden-Periode enden. Das Signal darf somit nicht während der Flugphase des Balles zum Korb ertönen. Im Gegensatz zur NBA zählt bei uns nicht erst die Berührung des Balles mit dem Ring als Ende der Periode, sondern schon der Korbversuch Sobald der Ball die Hand des Spielers in Richtung Korb verlassen hat, endet die Dreißig-Sekunden-Periode.

3.1.2 Zehn-Sekunden-Regel

Erlangt ein Spieler im Rückfeld Kontrolle über den Ball, muß seine Mannschaft innerhalb von zehn Sekunden den Ball ins Vorfeld bringen. Der Spieler mit Ball oder nur der Ball alleine muß das Vorfeld berühren. Ein Unterschied zur vorgenannten Zeitregel besteht dann, daß die Mannschaft jedesmal neue zehn Sekunden zugestanden bekommt, wenn sie einen Ball unter Kontrolle bekommt. Lenkt ein Gegenspieler den Ball ins Aus, erhält die Mannschaft erneute zehn Sekunden, sobald ein Spieler im Rückfeld die Ballkontrolle nach dem Einwurf erlangt. Diese Regelung steht im krassen Gegensatz zur Dreißig-Sekunden-Regel und bestraft die gut verteidigende Mannschaft. Zur guten Verteidigung zählt auch das Lenken des Balles ins Aus. Ansonsten gilt auch hier das schon gesagte unter 3. 1. 1.

3.1.3 Nah bewachter Spieler

Voraussetzung für das Beginnen der fünf Sekunden ist, daß der Ballbesitzer und sormt der Spieler mit Ballkontrolle nah bewacht wird. Der Spieler in Ballbesitz muß den Ball dann innerhalb von fünf Sekunden passen, dribbeln, rollen oder auf den Korb werfen.

3.1.4 Drei-Sekunden-Regel

Ein Spieler darf nicht länger als drei aufeinanderfolgende Sekunden in der begrenzten Zone des Gegners bleiben während seine Mannschaft Ballkontrolle hat. Hier soll nur auf die neue Regel hingewiesen werden. Früher begannen die drei Sekunden schon ab der Übergabe des Balles an den Einwerfer - ab dort besteht ja Ballkontrolle - zu laufen. Dies ist nicht mehr so. Es erfolgte eine Anpassung an die anderen Zeitregeln und daher beginnen auch hier erst die drei Sekunden, wenn die Spieluhr läuft. Das was bei der Dreißig-Sekunden-Regel gesagt wurde, gilt auch hier.

3.2 Fouls

Die Fouls, bei denen die Ballkontrolle eine wichtige Rolle bei der Entscheidung der jeweiligen Strafe bzw. für die Weiterführung des Spiels hat, sind das Offensivfoul und das Doppelfoul. Nur diese beiden sollen nachfolgend behandelt werden.

3.2.1 Offensivfoul

Ein sogenanntes Offensivfoul liegt dann vor, wenn das persönliche Fouls von einem Spieler begangen wird, dessen Mannschaft sich in diesem Moment in Ballkontrolle befindet. Ein solches Foul kann sowohl durch den Ballbesitzer aber auch einen sonstigen Spieler der Mannschaft in Ballkontrolle begangen werden. Wichtig ist, daß es bei einem Offensivfoul keinesfalls Freiwürfe für die andere Mannschaft geben darf. Das Spiel wird mit einem Einwurf nächst dem Punkt, an dem das Foul geschah für die gegnerische Mannschaft fortgesetzt. Ein erzielter Korb kann bei einem Offensivfoul nicht zählen. Es erfolgt dann Einwurf auf der Höhe der Freiwurflinie für die andere Mannschaft. Sobald der Ball die Hand des Werfers verlassen hat, endet die Ballkontrolle für ihn und seine Mannschaft. Ein dann gepfiffenes Foul gegen einen Spieler dieser Mannschaft kann nie ein Offensivfoul sein. Ein erzielter Korb zählt und wenn die Mannschaft das 8. Mannschaftsfoul erreicht hat, erhält die gegnerische Mannschaft zwei Freiwürfe zugesprochen.

3.2.2 Doppelfoul

Im letzten Jahr spielte die Ballkontrolle noch keinerlei Bedeutung bei einem Doppelfoul. Das Spiel wurde immer mit einem Sprungball fortgesetzt (Ausnahme, ein Korb wurde erzielt). Dies hat sich ab der laufenden Saison geändert. Entscheiden die Schiedsrichter auf Doppelfoul, erhält die Mannschaft den Einwurf, die zum Zeitpunkt des Doppelfouls Ballkontrolle hatte. Somit müssen die Schiedsrichter nun bei Doppelfoul beachten, wer Ballkontrolle hatte, damit das Spiel korrekt weiter laufen kann. Lediglich wenn keine Mannschaft in Ballkontrolle zum Zeitpunkt des Doppelfouls war, wird das Spiel mit einem Sprungball fortgesetzt. Zählt der erzielte Korb, wird der Ball an der Endlinie wie normal nach einem Korberfolg ins Spiel gebracht.

4. Schlußbemerkung

Neben den hier behandelten Regeln und Fouls gibt es noch andere Regelübertretungen, bei denen die Ballkontrolle zu beachten ist. Diese waren aber nicht Thema dieser Arbeit, sollen aber abschließend wenigstens genannt werden.

Damit auf Rückfeld entschieden werden kann, muß die angreifende Mannschaft im Vorfeld den Ball unter Kontrolle haben. Weiter kann auch erst dann auf Schritt- oder Dribbelfehler entschieden werden, wenn der jeweilige Spieler Ballkontrolle über einen belebten Ball hat.

Abschließend soll noch kurz der Fehlpfiff eines Schiedsrichters behandelt werden. Auch ein Schiedsrichter kann sich irren und einen Fehlpfiff verursachen. Es gehört viel Mut, einen solchen zuzugeben und das Spiel mit einem Einwurf fortzusetzen. Allerdings muß für die richtige Mannschaft entschieden werden. nämlich die, die Ballkontrolle zum Zeitpunkt des Fehlpfiffs hatte. Weiter soll auf diesen speziellen Punkt nicht eingegangen und das Thema insgesamt abgeschlossen werden.

 

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Letztes Update:
28. Dezember 2002

 

© Axel Beckmann