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Das
Schiedsrichterwesen in den Vereinigten Staaten unterscheidet
sich genuauso wie die gesamte Sportorganisation ganz
erheblich von den in den meisten Staaten der Welt vorherrschenden
Strukturen.
Nicht
nur, dass es in allen Sportarten diverse Profiligen
gibt, in denen immer nur um die Meisterschaft gespielt
wird und es keinerlei Auf- oder Abstieg gibt, auch die
Schiedsrichter werden nicht auf die gleiche Art und
Weise befördert oder degradiert wie bei uns.
Der
Profisport
In
der NBA oder der WNBA sind bekanntermaßen alle Spieler
sehr gut bezahlte Profis (wenn man mal von den
Damen absieht), die in einer harten Saison um die "Weltmeisterschaft"
spielen. Von der Höhe ihrer Entlohnung unterscheiden
sie sich zwar ganz erheblich von unseren Fußballern,
aber letztendlich kann man beides miteinander vergleichen.
Bei
den Schiedsrichtern sieht das ganz anders aus. In den
USA sind alle Schiedsrichter der Profiligen ebenfalls
Vollprofis. Mit anderen Worten: sie verdienen ihr Geld
mit diesem Hobby. Auch hier ist der Basketball einer
der Vorreiter. Nach unbestätigten Informationen verdienen
die Schiedsrichter zwischen 150.000 und 350.000 US-Dollar
pro Saison und je nach Zugehörigkeitsdauer. Das ist
zwar nur ein Bruchteil dessen, was die Spieler erhalten,
aber sicherlich mehr als so mancher im "normalen"
Beruf verdienen würde. Dafür sind sie während der Saison
permanent unterwegs und so gut wie gar nicht zu Hause.
Gepfiffen wird in der NBA bis zum Rentenalter, also
bis ca. 60 Jahre. Die Frage, Schiedsrichter und was
dann, stellt sich diesen Kollegen/innen also nicht.
Vorausgesetzt natürlich, man hält über die Jahre den
notwendigen Standard. Durch die Drei-Schiedsrichter-Technik
sind die läuferischen Qualitäten auch nicht so sehr
im Vordergrund wie bei uns.
Wie
wird man denn nun eine NBA-Schiedsrichter? Auch hier
finden sich deutliche Anleihen bei der gesamten Organisation
des amerikanischen Profi-Sports. Sogenannte Scouts,
also Talent-Späher fahren im Land herum und beobachten
die diversen College-Schiedsrichter bei den Spielen
und sogenannten Referee-Camps in der spielfreien Zeit.
Die besten werden zu den Camps der NBA eingeladen und
bei den Vorbereitungsturnieren /-spielen getestet. Bevor
wir genauer auf die Camps eingehen, will ich erst die
Organisation des "Amateur-Sports" in den USA
erläutern.
Der
Amateur- und Jugendsport
Der
Amateurbereich ist für uns Europäer, die es gewohnt
sind, dass Vereine in den diversen Wettbewerben gegeneinander
antreten, gänzlich ungewohnt und teilweise auch nur
schwer verständlich. Ich werde versuchen, ihn in Grundzügen
zu erklären. Dies ist notwendig, da man ansonsten auch
nicht versteht, wie die Schiedsrichter rekrutiert werden.
In
den USA wird Sport in der High School; dem College und
den Universitäten betrieben. Diese treten in regionalen
und überregionalen Wettbewerben gegeneinander an. Der
bei uns bekannteste Wettbewerb ist die NCAA (National Collegiate Athletic Association)
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Meisterschaft. Man kann diese in etwa mit unserer Bundesliga
vergleichen. Allerdings spielen die Teams in unterschiedlichen
Conferences (Pacific Coast; Pac10 usw.) gegeinander.
Im Laufe der Saison spielt man auch gegen Mannschaften
der anderen Conferences, allerings muss nicht jede immer
gegen die gleiche spielen. Man kann es sich quasi aussuchen.
Am Ende der Saison wird eine Rangliste erstellt und
die Mannschaften qualifizieren sich auf regionaler Ebene
für das nationale Final Four. Diese Qualifikation wird
in Turnierform ausgespielt und ist als "March Madness"
bekannt, weil sie eben im März stattfindet und die Millionen
von Menschen in Atem hält.
Die
Schiedsrichter werden von den einzelnen Verantwortlichen
der Conferences rekrutiert. Es kann also sein, dass
es Schiedsrichter gibt, die in mehreren Conferences
pfeifen und andere pfeifen lediglich in einer. Aufgrund
der Vielzahl der Spiele sind die meisten dieser Schiedsrichter
ebenfalls Profis. Pro Spiel erhalten sie bis zu 1.500$,
also vergleichbar mit der Honorierung unserer Fußball-Schiedsrichter
in der DFL.
In
den USA sind die Schiedsrichter nicht Mitglied in einem
Verein oder im Basketball-Verband, sondern sie sind
Mitglied der regionalen Schiedsrichter-Organisationen,
die über die Qualität wacht und für die Aus- und Weiterbildung
sorgt. In speziellen Schiedsrichter-Camps sorgen die
Schiedsrichter auf eigene Kosten dafür, dass möglichst
viele "Scouts" sie sehen und für ihre Ligen
rekrutieren. Im ganzen Land gibt es unzählige dieser
Referee-Clinics, die von ehemaligen oder auch aktiven
Schiedsrichtern abgehalten werden und die eine echte
"Industrie" darstellen.
Schiedsrichter
zu sein ist zwar in den USA nicht minder aufreibend
wie bei uns und sicherlich auch dort nicht unbedingt
der beliebteste Teil des Sports, hat aber einen wesentlich
höheren Professionalisierungsgrad erreicht. Diesen Hintergrund
muss man kennen, um einige Artikel, die hier veröffentlicht
sind, verstehen zu können.
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