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USA | Organisation

 

 

Autor: Axel Beckmann

 

 

Das Schiedsrichterwesen in den USA

 

 

 

 

 

 

CrawfordDas Schiedsrichterwesen in den Vereinigten Staaten unterscheidet sich genuauso wie die gesamte Sportorganisation ganz erheblich von den in den meisten Staaten der Welt vorherrschenden Strukturen.

Nicht nur, dass es in allen Sportarten diverse Profiligen gibt, in denen immer nur um die Meisterschaft gespielt wird und es keinerlei Auf- oder Abstieg gibt, auch die Schiedsrichter werden nicht auf die gleiche Art und Weise befördert oder degradiert wie bei uns.

Der Profisport

In der NBA oder der WNBA sind bekanntermaßen alle Spieler sehr gut bezahlte Profis (wenn man mal von den Damen absieht), die in einer harten Saison um die "Weltmeisterschaft" spielen. Von der Höhe ihrer Entlohnung unterscheiden sie sich zwar ganz erheblich von unseren Fußballern, aber letztendlich kann man beides miteinander vergleichen.

Bei den Schiedsrichtern sieht das ganz anders aus. In den USA sind alle Schiedsrichter der Profiligen ebenfalls Vollprofis. Mit anderen Worten: sie verdienen ihr Geld mit diesem Hobby. Auch hier ist der Basketball einer der Vorreiter. Nach unbestätigten Informationen verdienen die Schiedsrichter zwischen 150.000 und 350.000 US-Dollar pro Saison und je nach Zugehörigkeitsdauer. Das ist zwar nur ein Bruchteil dessen, was die Spieler erhalten, aber sicherlich mehr als so mancher im "normalen" Beruf verdienen würde. Dafür sind sie während der Saison permanent unterwegs und so gut wie gar nicht zu Hause. Gepfiffen wird in der NBA bis zum Rentenalter, also bis ca. 60 Jahre. Die Frage, Schiedsrichter und was dann, stellt sich diesen Kollegen/innen also nicht. Vorausgesetzt natürlich, man hält über die Jahre den notwendigen Standard. Durch die Drei-Schiedsrichter-Technik sind die läuferischen Qualitäten auch nicht so sehr im Vordergrund wie bei uns.

Wie wird man denn nun eine NBA-Schiedsrichter? Auch hier finden sich deutliche Anleihen bei der gesamten Organisation des amerikanischen Profi-Sports. Sogenannte Scouts, also Talent-Späher fahren im Land herum und beobachten die diversen College-Schiedsrichter bei den Spielen und sogenannten Referee-Camps in der spielfreien Zeit. Die besten werden zu den Camps der NBA eingeladen und bei den Vorbereitungsturnieren /-spielen getestet. Bevor wir genauer auf die Camps eingehen, will ich erst die Organisation des "Amateur-Sports" in den USA erläutern.

Der Amateur- und Jugendsport

Der Amateurbereich ist für uns Europäer, die es gewohnt sind, dass Vereine in den diversen Wettbewerben gegeneinander antreten, gänzlich ungewohnt und teilweise auch nur schwer verständlich. Ich werde versuchen, ihn in Grundzügen zu erklären. Dies ist notwendig, da man ansonsten auch nicht versteht, wie die Schiedsrichter rekrutiert werden.

In den USA wird Sport in der High School; dem College und den Universitäten betrieben. Diese treten in regionalen und überregionalen Wettbewerben gegeneinander an. Der bei uns bekannteste Wettbewerb ist die NCAA (National Collegiate Athletic Association) - Meisterschaft. Man kann diese in etwa mit unserer Bundesliga vergleichen. Allerdings spielen die Teams in unterschiedlichen Conferences (Pacific Coast; Pac10 usw.) gegeinander. Im Laufe der Saison spielt man auch gegen Mannschaften der anderen Conferences, allerings muss nicht jede immer gegen die gleiche spielen. Man kann es sich quasi aussuchen. Am Ende der Saison wird eine Rangliste erstellt und die Mannschaften qualifizieren sich auf regionaler Ebene für das nationale Final Four. Diese Qualifikation wird in Turnierform ausgespielt und ist als "March Madness" bekannt, weil sie eben im März stattfindet und die Millionen von Menschen in Atem hält.

Die Schiedsrichter werden von den einzelnen Verantwortlichen der Conferences rekrutiert. Es kann also sein, dass es Schiedsrichter gibt, die in mehreren Conferences pfeifen und andere pfeifen lediglich in einer. Aufgrund der Vielzahl der Spiele sind die meisten dieser Schiedsrichter ebenfalls Profis. Pro Spiel erhalten sie bis zu 1.500$, also vergleichbar mit der Honorierung unserer Fußball-Schiedsrichter in der DFL.

In den USA sind die Schiedsrichter nicht Mitglied in einem Verein oder im Basketball-Verband, sondern sie sind Mitglied der regionalen Schiedsrichter-Organisationen, die über die Qualität wacht und für die Aus- und Weiterbildung sorgt. In speziellen Schiedsrichter-Camps sorgen die Schiedsrichter auf eigene Kosten dafür, dass möglichst viele "Scouts" sie sehen und für ihre Ligen rekrutieren. Im ganzen Land gibt es unzählige dieser Referee-Clinics, die von ehemaligen oder auch aktiven Schiedsrichtern abgehalten werden und die eine echte "Industrie" darstellen.

Schiedsrichter zu sein ist zwar in den USA nicht minder aufreibend wie bei uns und sicherlich auch dort nicht unbedingt der beliebteste Teil des Sports, hat aber einen wesentlich höheren Professionalisierungsgrad erreicht. Diesen Hintergrund muss man kennen, um einige Artikel, die hier veröffentlicht sind, verstehen zu können.

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
6. April 2003

 

© Axel Beckmann