E-Plus Online-Shop

 

 

Startseitechristmas_next.gifOrganisationenchristmas_next.gifUSAchristmas_next.gifNews

Allgemeines

 Diskussionsforum

 Hilfe

 Gästebuch

 Impressum

 Leitartikel

 Links

 Mitglieder

 News

 Shop

 Thema d. Monats

 Über "uns"

 

Organisationen

 Bundesligen

 DBB

 Regionalligen

 Landesverbände

 Euroleague

 FIBA

 International

 Luxemburg

 Österreich

 Rolli-Basketball

 Schweiz

 USA

 

USA | NBA | News

 

 

Quellen: Diverse amerikanische Webseiten / 29. Februar 2004 / Übersetzung und Bearbeitung: Axel Beckmann

 

 

NBA-Schiedsrichter protestieren gegen Sperre eines Kollegen

 

Dan Crawford | Blane Reiche | Bill Kennedy

Dan Crawford, Blane Reichelt und Bill Kennedy zeigen offen ihre Solidarität mit Michael Henderson.

CHICAGO (AFP) - Die NBA-Schiedsrichter haben öffentlich gegen die Suspendierung ihres Kollegen Michael Henderson protestiert. Der Schiedsrichter wurde mit einer 3-Spiele-Sperre für eine Fehlentscheidung im Spiel Denver gegen Lakers bestraft.

"Man könnte sagen, dass die Dinge von innen nach außen gedreht werden, aber wir werden die Trikots in diesem Prozess nicht wegwerfen," heißt es in einer Pressemitteilung der NBA Schiedsrichter Association, deren Mitglieder die offiziellen Trikots von innen nach außen gedreht haben, um ihre Solidarität mit Henderson zu demonstrieren. In den 10 Spielen am Freitag trugen die Schiedsrichter ihre Trikots auf links, die Rückseite mit "62" beschriftet, der Nummer von Henderson. Lediglich beim Spiel Bucks gegen Grizzlies liefen die beiden Schiedsrichter Eddie F. Rush und Nolan Fine in ordnungsgemäßer Kleidung auf. Der Vertreter der National Basketball Referees Association gab bekannt, dass die beiden vor dem Spiel von NBA-Schiedsrichter-Direktor Ronnie Nunn, der bis zur letzten Saison noch selber in der NBA gepfiffen hat, unter Druck gesetzt worden sind: "Ich würde sagen, dass dies eine der typischen Schikanen der NBA gewesen ist. Ronnie Nunn kam in die Kabine und drohte den beiden Schiedsrichtern damit, dass sie gefeuert würden, falls sie sich der Protest-Aktion anschliessen würden." Lediglich ihr Kollege Rodney Mott liess sich davon nicht beeindrucken.

Dan Crawford | Blane Reiche | Bill Kennedy

Bennie Adams | Jess Kersey | Jack Nies

Henderson wurde vom NBA Senior Vice President für den Spielbetrieb, Stu Jackson, öffentlich getadelt, weil er in den Schlussminuten des Mittwoch-Spiels zwischen den Denver Nuggets und den Los Angeles Lakers einen Fehler begangen hatte. Sein Pfiff habe den Ausgang des Spiels, das die Lakers mit 112:111 gewannen, direkt beeinflusst. Obwohl die NBA die Sperre nicht öffentlich bekannt gegeben hat, sickerte durch, dass der 43-jährige Schiedsrichter bis zu einer endgültigen Beurteilung des Vorfalls für drei Spiele gesperrt wurde.

In seinem ersten Jahr als leitender Unterhändler der Gewerkschaft bezeichnete NBRA Rechtsanwalt Lamell McMorris diese Sperre als "beispiellos", da die NBA weder eine Abmahnung noch eine Geldstrafe ausgesprochen hat, sondern direkt eine Suspendierung veranlasste. "Die Verfügung der NBA, einem Schiedsrichter Ansetzungen aufgrund einer Entscheidung in einem Spiel abzunehmen, steht in völligem Wiederspruch zu den bestehenden Leistungs-Standards für NBA Schiedsrichter," teilte McMorris in einer offiziellen Pressemitteilung mit. "Die Aktion von Jackson wird einen beunruhigenden Effekt auf den hohen Qualitätsstandard der NBRA-Schiedsrichter haben. Der NBRA-Vertreter hat ein vorläufig auf Dienstag Morgen terminiertes Meeting mit den NBA-Offiziellen in New York. McMorris wird gleichzeitig den gesperrten Referee als Rechtsanwalt vertreten. Dieser sei völlig enttäuscht und niedergeschlagen. "Bis heute hat er noch keinerlei schriftiche Beurteilungen von Spielen dieser Saison erhalten, die begründen könnten, warum eine derartige Sperre ausgesprochen wurde. Es gibt klare Bewertungs-Standards in der NBA, in denen die Kommunikation zwischen Beobachtern und Schiedsrichtern festgelegt ist. Noch nie wurde ein schlechter Pfiff mit einer Sperre bestraft."

Scott Foster | Mike Callahan

Scott Foster | Mike Callahan

Michael Henderson, der als Spieler von den New York Knicks gedraftet wurde und bei den Harlem Globetrotters gespielt hat, pfeift in seiner 3. Saison in der NBA. Er hat knapp 100 NBA-Spiele geleitet und war fünf Jahre in der USBL bzw. vier in der WNBA und CBA als Schiedsrichter im Einsatz. Sein umstrittener Pfiff geschah, als auf der 24-Sekunden-Uhr noch 2 Sekunden angezeigt wurden und ein Schuss der Denver Nuggets, die zu diesem Zeitpunkt mit zwei Punkten führten, den Ring berührte. Denver-Spieler Carmelo Anthony holte sich den Rebound, aber Henderson unterbrach die Aktion, da er der Meinung war, dass eine 24-Sekunden-Regel-Verletzung vorläge. Er beriet sich mit seinen Kollegen Jess Kersey und Jack Nies und das Gespann entschied, dass es sich um einen unabsichtlichen Pfiff handelte. Daraufhin wurde das Spiel regelgerecht mit einem Sprungball fortgesetzt, den Lakers Center Shaquille O'Neal gewann und Kareem Rush konnte diesen Angriff mit einem siegbringenden Dreipunkte-Wurf drei Sekunden vor Spielende abschliessen. Stu Jackson äußerte sich zu dieser Szene in ungewohnter Form: "Dies war ein unglücklicher Pfiff zu einem hochkritischen Zeitpunkt und wir bedauern diesen Fehler sehr." Nach dem Spiel kam es zu tumultartigen Szenen, deren Ablauf von den Beteiligten unterschiedlich dargestellt wird. So soll laut einem Augenzeugen Denver-Spieler Markus Camby dem Schiedsrichter Jack Nies ein Handtuch im Kabinengang hintergeworfen haben, welches diesen nur um wenige Zentimeter verfehlt habe. Camby bestritt dies zuerst und versicherte, dass er lediglich Jack Nies zugerufen habe, dass dieser als erfahrener Schiedsrichter seinen jüngeren Kollegen hätte überstimmen müssen. Später gab sein Agent den Handtuchwurf zu, betonte aber, dass sein Schützling dieses nicht nach dem Schiedsrichter, sondern auf den Boden geworfen habe.

Derick Collins | Kevin Fehr | Jim Clark

Derick Collins | Kevin Fehr | Jim Clark

Die Reaktionen auf den Protest fielen von offizieller Seite erwartungsgemäß aus. NBA-Commissioner David Stern, der sich ansonsten immer vor die Schiedsrichter stellt, äußerte sich mächtig verärgert: "Dieser Auftritt war ein bedauerlicher Widerspruch zu der Professionalität, der sich die NBA Schiedsrichter normalerweise verpflichtet fühlen. Mehr habe ich dazu momentan nicht zu sagen." Der stellvertretende Commissioner, Russ Granik, wurde da schon etwas deutlicher: "Jeder Schiedsrichter, der sich an dieser Aktion beteiligt hat, wird mit Disziplinarmaßnahmen rechnen müssen." Welcher Art diese sein werden, gab der Funktionär allerdings nicht bekannt. Sollten ebenfalls Sperren gegen diese Referees verhängt werden, wären ausgerechnet in einer wichtigen Phase der Saison so bekannte und renommierte Leute wie Tom Washington, Dan Crawford, Bennett Salvatore, Jack Nies, Jess Kersey und Steve Javie aus dem Verkehr gezogen.

Dan Crawford | Blane Reiche | Bill Kennedy

Phil Robbinson | Greg Willard

Interessant waren die Aussagen verschiedener Spieler und Trainer. Clippers-Spieler Elton Brand zeigte sich beeindruckt: "Die Jungs halten zusammen. Sie haben Stolz. Ich denke, Sie wollen ihren Standpunkt durchsetzen." Lakers Coach Phil Jackson war über die offizielle Entschuldigung der NBA bezüglich der Schiedsrichter-Entscheidung im oben genannten Spiel erzürnt. "Sie haben einen Fehler begangen. Allerdings nicht die Schiedsrichter, sondern die NBA. Die waren nicht beim Spiel, wir aber. Wir haben den Wurf gesehen, er hat nicht den Ring berührt. Kobe Bryant sprang hoch und tippte den Ball an den Ring, Carmelo hat danach den Rebound gefangen. Das geschah alles sehr schnell und ich bin davon überzeugt, dass Henderson die richtige Entscheidung getroffen hatte. Seine beiden älteren Kollegen haben ihn gezwungen, den Pfiff zurückzunehmen. Ich kann mich nicht an eine derartige Entscheidung der NBA zuungunsten der Schiedsrichter erinnern. Die Funktionäre müssen ein sehr schlechtes Gewissen haben."

Dick Bavetta

Im ersten Samstags-Spiel war Dick Bavetta wieder normal gekleidet.

Beim ersten Samstags-Spiel zwischen den New Jersey Nets und den Miami Heat trugen alle drei Schiedsrichter ihre Trikots wieder auf die gewohnte Art. Spieler und Trainer zollten den nicht immer beliebten Spielbeteiligten ihren Respekt. "Ich bin stolz auf sie", sagte Nets-All Star Spieler Jason Kidd vor dem Spiel. "Einigkeit ist gut. Sie haben zusammengehalten. Das ist das Recht auf freie Meinungsäußerung. Sie müssen mit der Liga verhandeln. Die meisten haben ihr Trikot rumgedreht, das war wirklich clever." Auch sein Coach Lawrence Frank, der in diesem Spiel sein viertes Technisches Foul seit Januar kassiert hat, äußerte sich respektvoll. "Es gibt Momente im Leben, in denen man für das einstehen muss, an das man glaubt." Auch Stan Van Gundy äußerte sich positiv: "Du musst jede Gruppe respektieren, die zusammen steht und einen der Ihren unterstützt." Miami-Spieler Brian Grant sah dies etwas anders und meinte, dass diese Suspendierung zeigt, dass Jeder in der Liga hinterfragt wird. "Wenn ein Pfiff gemacht wurde und die NBA in der Betrachtung dieser Entscheidung zu dem Urteil kommt, dass diese Anlass zu einer Suspendierung gibt, dann ist dies genauso, wie wenn wir aufgrund einer Aussage über die Schiedsrichter-Leistung gesperrt werden. Niemand kann sich der Überwachung durch die NBA widersetzen." Heat-Forward Lamar Oden zeigte hingegen Verständnis für die Schiedsrichter: "Wir regen uns immer wieder über die Referees auf, aber ich habe selbst schon bei Basketball Camps als Schiedsrichter fungiert und festgestellt, wie schwierig dieser Job ist. Insbesondere dann, wenn Du permanent angegriffen wirst."

Derick Collins | Kevin Fehr | Jim Clark

Derick Stafford | Steve Javie

Uneingeschränkte Solidarität mit den Schiedsrichtern erklärte auch Jerry Sloan, der Coach von Utah Jazz. Sloan, der schon mehrfach aufgrund von Schiedsrichter-Beleidigungen gesperrt wurde, zeigte völliges Unverständnis für die seiner Meinung nach übertriebene Strafe gegen Henderson. "Es war ein Fehler, das ist alles. Menschen machen Fehler. Die Schiedsrichter liegen häufiger richtig als das sie falsch entscheiden. Wir alle sind immer wieder sauer auf sie, aber sie haben einen herausfordernden Job und arbeiten hart. Ich hasse es, wenn jemand suspendiert wird. Das ist einer, der seinen Lebensunterhalt damit verdient und einfach nur einen Fehler gemacht hat." Sloan war überrascht von der Sperre, denn er habe schon häufig in seiner Karriere Fehler der Schiedsrichter gesehen und noch nie sei einer derart bestraft worden. "Ich hoffe, dass dies nicht zur Gewohnheit wird, denn dieser Job ist undankbar genug. Nicht zuletzt mein Verhalten macht es den Schiedsrichtern sehr schwer. Ich wurde dafür ja auch schon häufiger bestraft, vielleicht müssen die Referees nun auch bestraft werden. Wenn die NBA denkt, dass dies notwendig ist, um die Schiedsrichter-Leistungen zu verbessern, dann hoffe ich, dass sie das erreichen."

Es wird mit Spannung zu verfolgen sein, welche Konsequenzen diese Geschehnisse haben. Nicht zuletzt hinsichtlich des am Ende dieser Saison auslaufenden Tarifvertrages der Schiedsrichter mit der NBA. Dieser Fünf-Jahres-Vertrag kam seinerzeit erst zustande, nachdem die NBA-Schiedsrichter über mehrere Wochen in den Ausstand getreten waren.

 

 

 

Regeln

 Änderungen

 Ausarbeitungen

 Grundlagen

 Interpretationen

 Ordnungen

 Regelfragen

 Texte

 

Schiedsrichter

 Ausbildung

 Förderung

 Fortbildung

 Frauen

 Funktionäre

 Kritik

 Porträts

 Presse

 Psychologie

 Technik

 Tipps

 Vereine

Letzte Aktualisierung:
29. Februar 2004

 

© Axel Beckmann