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Lehrgang
für nationale Schiedsrichterausbilder
Von den meisten unbemerkt,
fand im Rahmen der Europameisterschaft zum dritten Mal
ein Lehrgang für die Nationalen Schiedsrichter-Ausbilder
Europas statt.
Hierzu wurde die Zeit
zwischen der Vorrunde und der Finalrunde in Istanbul
genutzt, die als Pause für den Umzug von den Orten der
Vorrunden in Ankara und Antalya nach Istanbul eingeplant
ist.
Einige der Teilnehmer
waren als Schiedsrichter bzw. Kommissare auch bei der
Europameisterschaft involviert.
In den 1 ½ Tagen des
4. und 5. Septembers, die also hierfür zur Verfügung
standen, wurde das von der Europäisch Technischen Kommission
ausgearbeitete Programm abgewickelt. Da es nirgends
bessere Experten und somit Referenten für diesen Lehrgang
gibt, wurden diese von der Kommission aus dem Kreis
der Teilnehmer ausgewählt.
Der Lehrgang wurde
von der FIBA mit tatkräftiger Unterstützung durch den
Türkischen Basketball Verband vorbereitet und durchgeführt.
Die Themen dieses Lehrgangs waren:
- Die Aufgaben eines
nationalen Schiedsrichterausbilders
- Auswahl und Vorbereitung
von Kandidaten für FIBA-Schiedsrichter
- Schiedsrichterbeobachtungen
- Unterrichtsmethoden
für Schiedsrichterausbilder (Praxis)
- Gefühl für das
Spiel
- Vorstellung von
Ausbildungsmaterial anhand einer Präsentation über
3-Schiedsrichter-Technik
Darüber hinaus wurden
von Carl Jungebrand zwei weitere interessante Vorträge
mit den Themen "Konflikte" und "Panik
oder kontrollierte Angst" zur Verfügung gestellt,
die er bereits bei den diesjährigen FIBA-Schiedsrichter
Ausbildungslehrgängen gehalten hatte.
Der
Lehrgang wurde von den Teilnehmern als sehr erfolgreich
bewertet.
Da fast alle Referenten
Power-Point-Präsentationen benutzten, war es möglich,
diese anschließend auf Papier und auf CD-ROM den Teilnehmern
zur Verfügung zu stellen, damit diese Vorträge in allen
Ländern weiter verbreitet und in die entsprechenden
Sprachen übersetzt werden können.
Impressionen von
der Endrunde der Europameisterschaft
Ich hatte die Möglichkeit,
alle Spiele der Endrunde in Istanbul zu sehen. Bei den
Spielen mit türkischer Beteiligung war in der Halle
ein nicht zu überbietender ohrenbetäubender Lärm, wie
dies auch in anderen südeuropäischen Ländern üblich
ist.
Wie sich so etwas auf
die Spieler auswirken kann, die so etwas weder von der
Bundesliga noch von der NBA gewöhnt sind, zeigte sich
ganz deutlich beim Spiel Deutschland gegen Spanien um
Platz 3 während der 2. Spielperiode.
Die Halle war zu diesem
Zeitpunkt bereits zu 75 % mit türkischen Fans gefüllt,
die auf das an-schließend angesetzte Finale gegen Jugoslawien
warteten.
Plötzlich machte sich
eine Fangruppe aus Jugoslawien bemerkbar. Dadurch setzte
schlagartig ein solch ohrenbetäubender Lärm ein, dass
die bis dahin gut mithaltende deutsche Mannschaft innerhalb
kürzester Zeit mit über 10 Punk-ten in Rückstand geriet.
Für mich war es nichts
ungewöhnliches, da ich solches seit der Europameisterschaft
1987 in Piräus (GR), als die Griechen Europameister
wurden, in südeuropäischen Ländern bzw. bei wichtigen
Spielen mit südeuropäischer Beteiligung schon öfters
erlebt habe.
Bewundert habe ich
den Kommentator Dietmar Schott, der neben mir für Rundfunkstationen
in stoischer Ruhe eine Kurzreportage nach der anderen
ablieferte, obwohl er sicher nicht einmal seine eigenen
Worte verstehen konnte.
Die Schiedsrichterleistung
wurde von vielen Experten rundweg als gut bezeichnet,
wobei als Trend festgestellt wurde, dass der Spielkontrolle
Priorität vor einer möglicherweise zu großzügigen Anwendung
des Vorteil- / Nachteil-Prinzips gegeben wurde.
Erwähnen möchte ich
auch ein Beispiel, wie sehr in einem entscheidendem
Spiel die Beteiligten unter Druck standen:
Es ging im Viertelfinale
Deutschland gegen Frankreich um die Qualifikation für
die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Indianapolis
(USA).
Bei meinem Versuch,
wenige Minuten vor Spielbeginn den DBB-Generalsekretär
mit aufmunternden Worten anzusprechen, blickte ich in
ein Gesicht, welches eine Maskierung bei Halloween ersparen
würde. Aber auch die französischen Vertreter in den
verschiedenen FIBA Gremien direkt hinter mir waren kaum
weniger nervös.
Die
Türken haben zur Unterstützung ihrer Mannschaft einen
Hit kreiert, der die Stärke ihrer Mannschaft hervorhebt:
"12 Dev Adam".
Er wurde bei jeder
Gelegenheit (auch bei Spielen ohne Beteiligung der türkischen
Mannschaft) ca. 15 bis 25 Mal vor und nach dem Spiel,
während jeder Spielpause und jeder Auszeit, in voller
Lautstärke abgespielt.
Dazu tanzten unermüdlich
zahlreiche begeisterte Cheerleaders. Eine kleine Umfrage
im Bus und Hotel ergab, dass dieser Ohrwurm bei den
meisten anderen internationalen Zuschauern, auch während
der Nacht immer wieder abgespielt wurde, als wenn im
Gehirn eine CD mit diesem Stück im Autostart Modus abläuft.
Lehrgang für Nationalliga
Schiedsrichter der Türkei
Am Samstag vor dem
Finale fand in Istanbul ein Schiedsrichterlehrgang für
die 1. Nationalliga der Türkei statt. Schwerpunkt dieses
Lehrgangs war die Einführung der Drei-Schiedsrichtertechnik
in der 1. Nationalliga. Damit ist die Türkei nun nach
Spanien und Portugal das dritte europäische Land, welches
derzeit in ihrer höchsten Herrenliga die Drei-Schiedsrichtertechnik
anwendet.
Der Vormittag wurde
von FIBA-Referenten gestaltet. In dem Einführungsreferat
stellte Lubomir Kotleba themenbezogen folgende drei
Fragen in den Raum, die jeder, der an eine Einführung
der Drei-Schiedsrichtertechnik denkt, für sich beantworten
muss. Unumstritten dabei ist, dass drei Schiedsrichter
für das Spiel besser sind als nur zwei Schiedsrichter.
1. Haben wir genug
Spiele in der Qualität, die eine Drei-Schiedsrichtertechnik
notwendig machen?
2. Haben wir hierfür
die finanziellen Voraussetzungen?
3. Haben wir genug
Schiedsrichter in der geforderten Qualität?
Wenn alle Fragen mit
"Ja" beantwortet werden können, steht einer
Einführung der Drei-Schiedsrichtertechnik nichts mehr
im Wege.
Carl Jungebrand referierte
anschließend über das interessante Thema "Panik
oder kontrollierte Angst", während Eduardo Sancha
eine theoretische Einführung in die Drei-Schiedsrichtertechnik
gab. Beide Referenten waren übrigens die Schiedsrichter
des Finales am nächsten Tag.
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