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FIBA |Artikel

 

 

Autor: Albert Schencking

 

 

Eindrücke der Herren-EM 2001 in der Türkei

 

Lehrgang für nationale Schiedsrichterausbilder

Von den meisten unbemerkt, fand im Rahmen der Europameisterschaft zum dritten Mal ein Lehrgang für die Nationalen Schiedsrichter-Ausbilder Europas statt.

Hierzu wurde die Zeit zwischen der Vorrunde und der Finalrunde in Istanbul genutzt, die als Pause für den Umzug von den Orten der Vorrunden in Ankara und Antalya nach Istanbul eingeplant ist.

Einige der Teilnehmer waren als Schiedsrichter bzw. Kommissare auch bei der Europameisterschaft involviert.

In den 1 ½ Tagen des 4. und 5. Septembers, die also hierfür zur Verfügung standen, wurde das von der Europäisch Technischen Kommission ausgearbeitete Programm abgewickelt. Da es nirgends bessere Experten und somit Referenten für diesen Lehrgang gibt, wurden diese von der Kommission aus dem Kreis der Teilnehmer ausgewählt.

Der Lehrgang wurde von der FIBA mit tatkräftiger Unterstützung durch den Türkischen Basketball Verband vorbereitet und durchgeführt. Die Themen dieses Lehrgangs waren:

  • Die Aufgaben eines nationalen Schiedsrichterausbilders
  • Auswahl und Vorbereitung von Kandidaten für FIBA-Schiedsrichter
  • Schiedsrichterbeobachtungen
  • Unterrichtsmethoden für Schiedsrichterausbilder (Praxis)
  • Gefühl für das Spiel
  • Vorstellung von Ausbildungsmaterial anhand einer Präsentation über 3-Schiedsrichter-Technik

Darüber hinaus wurden von Carl Jungebrand zwei weitere interessante Vorträge mit den Themen "Konflikte" und "Panik oder kontrollierte Angst" zur Verfügung gestellt, die er bereits bei den diesjährigen FIBA-Schiedsrichter Ausbildungslehrgängen gehalten hatte.

Der Lehrgang wurde von den Teilnehmern als sehr erfolgreich bewertet.

Da fast alle Referenten Power-Point-Präsentationen benutzten, war es möglich, diese anschließend auf Papier und auf CD-ROM den Teilnehmern zur Verfügung zu stellen, damit diese Vorträge in allen Ländern weiter verbreitet und in die entsprechenden Sprachen übersetzt werden können.

Impressionen von der Endrunde der Europameisterschaft

Ich hatte die Möglichkeit, alle Spiele der Endrunde in Istanbul zu sehen. Bei den Spielen mit türkischer Beteiligung war in der Halle ein nicht zu überbietender ohrenbetäubender Lärm, wie dies auch in anderen südeuropäischen Ländern üblich ist.

Wie sich so etwas auf die Spieler auswirken kann, die so etwas weder von der Bundesliga noch von der NBA gewöhnt sind, zeigte sich ganz deutlich beim Spiel Deutschland gegen Spanien um Platz 3 während der 2. Spielperiode.

Die Halle war zu diesem Zeitpunkt bereits zu 75 % mit türkischen Fans gefüllt, die auf das an-schließend angesetzte Finale gegen Jugoslawien warteten.

Plötzlich machte sich eine Fangruppe aus Jugoslawien bemerkbar. Dadurch setzte schlagartig ein solch ohrenbetäubender Lärm ein, dass die bis dahin gut mithaltende deutsche Mannschaft innerhalb kürzester Zeit mit über 10 Punk-ten in Rückstand geriet.

Für mich war es nichts ungewöhnliches, da ich solches seit der Europameisterschaft 1987 in Piräus (GR), als die Griechen Europameister wurden, in südeuropäischen Ländern bzw. bei wichtigen Spielen mit südeuropäischer Beteiligung schon öfters erlebt habe.

Bewundert habe ich den Kommentator Dietmar Schott, der neben mir für Rundfunkstationen in stoischer Ruhe eine Kurzreportage nach der anderen ablieferte, obwohl er sicher nicht einmal seine eigenen Worte verstehen konnte.

Die Schiedsrichterleistung wurde von vielen Experten rundweg als gut bezeichnet, wobei als Trend festgestellt wurde, dass der Spielkontrolle Priorität vor einer möglicherweise zu großzügigen Anwendung des Vorteil- / Nachteil-Prinzips gegeben wurde.

Erwähnen möchte ich auch ein Beispiel, wie sehr in einem entscheidendem Spiel die Beteiligten unter Druck standen:

Es ging im Viertelfinale Deutschland gegen Frankreich um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Indianapolis (USA).

Bei meinem Versuch, wenige Minuten vor Spielbeginn den DBB-Generalsekretär mit aufmunternden Worten anzusprechen, blickte ich in ein Gesicht, welches eine Maskierung bei Halloween ersparen würde. Aber auch die französischen Vertreter in den verschiedenen FIBA Gremien direkt hinter mir waren kaum weniger nervös.

Die Türken haben zur Unterstützung ihrer Mannschaft einen Hit kreiert, der die Stärke ihrer Mannschaft hervorhebt: "12 Dev Adam".

Er wurde bei jeder Gelegenheit (auch bei Spielen ohne Beteiligung der türkischen Mannschaft) ca. 15 bis 25 Mal vor und nach dem Spiel, während jeder Spielpause und jeder Auszeit, in voller Lautstärke abgespielt.

Dazu tanzten unermüdlich zahlreiche begeisterte Cheerleaders. Eine kleine Umfrage im Bus und Hotel ergab, dass dieser Ohrwurm bei den meisten anderen internationalen Zuschauern, auch während der Nacht immer wieder abgespielt wurde, als wenn im Gehirn eine CD mit diesem Stück im Autostart Modus abläuft.

Lehrgang für Nationalliga Schiedsrichter der Türkei

Am Samstag vor dem Finale fand in Istanbul ein Schiedsrichterlehrgang für die 1. Nationalliga der Türkei statt. Schwerpunkt dieses Lehrgangs war die Einführung der Drei-Schiedsrichtertechnik in der 1. Nationalliga. Damit ist die Türkei nun nach Spanien und Portugal das dritte europäische Land, welches derzeit in ihrer höchsten Herrenliga die Drei-Schiedsrichtertechnik anwendet.

Der Vormittag wurde von FIBA-Referenten gestaltet. In dem Einführungsreferat stellte Lubomir Kotleba themenbezogen folgende drei Fragen in den Raum, die jeder, der an eine Einführung der Drei-Schiedsrichtertechnik denkt, für sich beantworten muss. Unumstritten dabei ist, dass drei Schiedsrichter für das Spiel besser sind als nur zwei Schiedsrichter.

1. Haben wir genug Spiele in der Qualität, die eine Drei-Schiedsrichtertechnik notwendig machen?

2. Haben wir hierfür die finanziellen Voraussetzungen?

3. Haben wir genug Schiedsrichter in der geforderten Qualität?

Wenn alle Fragen mit "Ja" beantwortet werden können, steht einer Einführung der Drei-Schiedsrichtertechnik nichts mehr im Wege.

Carl Jungebrand referierte anschließend über das interessante Thema "Panik oder kontrollierte Angst", während Eduardo Sancha eine theoretische Einführung in die Drei-Schiedsrichtertechnik gab. Beide Referenten waren übrigens die Schiedsrichter des Finales am nächsten Tag.

 

 

 

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Letztes Update:
28. Dezember 2002

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