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FIBA |Artikel

 

 

Quelle: FIBA-Assist Ausgabe 01/2003 | Übersetzung: Albert Schencking & Dr. Norbert Esser

 

 

Die wenig bekannte Welt der FIBA-Schiedsrichter
Interview mit Lubomir Kotleba

 

Lubomir Kotleba, der frühere Spieler, Trainer, Funktionär und Schiedsrichter, hat als Schiedsrichter Finalspiele bei Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften, Europäischen und anderen Kontinentalmeisterschaften und Europapokal-Wettbewerben geleitet. Er ist heute als Sportdirektor der FIBA verantwortlich für Fortbildung, Auswahl und Einsatz der FIBA-Schiedsrichter.

Schiedsrichter zu sein ist in jeder Sportart oft eine undankbare Aufgabe, und Schiedsrichter erhalten offensichtlich viel mehr an Kritik als an Anerkennung. Schiedsrichter trachten selten nach Aufmerksamkeit und erhalten sie auch selten, ohne allen Zweifel müssen aber alle FIBA-Schiedsrichter hohen Anforderungen genügen. Wir sprachen mit FIBA-Sportdirektor Lubomir Kotleba und baten ihn, uns hinter die Kulissen der Welt der Schiedsrichter blicken zu lassen.


Wie wird man FIBA-Schiedsrichter?

Kandidaten zum FIBA-Schiedsrichter werden von ihren nationalen Landesverbänden gemeldet, nur die besten nationalen Schiedsrichter schaffen es in dieses Ausleseverfahren. Die Kandidaten nehmen dann an einem der internationalen Schiedsrichter-Lehrgänge teil, bei dem sie die von der Technischen Kommission entwickelten Tests absolvieren müssen. Wer sie besteht, erhält die internationale Schiedsrichterlizenz, die vom Generalsekretär der FIBA ausgestellt wird. Diese neuen FIBA-Schiedsrichter dürfen nun bei allen unter dem Dach der FIBA ausgerichteten Wettbewerben, Pokalspielen und Turnieren pfeifen.

Welche Rolle spielt die Welt-Technische Kommission für die Schiedsrichter?

Neben dem Entwerfen, der fortlaufenden Überarbeitung und Anpassung der Basketball-Regeln hat die Welt-Technische Kommission dafür zu sorgen, dass die Regeln mit der dynamischen Entwicklung des Basketballspiels Schritt halten. Es ist unsere Aufgabe, sicherzustellen, dass alle Schiedsrichter nach gleichen Richtlinien aus- und fortgebildet werden, und dass die Regeln überall auf der Welt in gleicher Weise interpretiert werden.

Die Kommission hat im Jahr 2000 die Regeln überarbeitet und Änderungsvorschläge für 2003 gemacht. Können Sie uns etwas über die geplanten Änderungen erzählen?

Regeländerungen werden normalerweise sehr gut angenommen. Es gab aber auch einige Regeländerungen, die wir uns noch einmal genauer ansehen müssen. In diesen drei Jahren hat die Welt-Technische Kommission zahlreiche Änderungen überprüft und die Regeln dahingehend untersucht, ob sie den Anforderungen eines sich ständig verändernden Spiels auch gewachsen sind. Die Schlüsselfrage betraf dabei die 24-Sekunden-Regel. Sie besagt unter anderem, dass die Spieluhr und damit das Spiel gestoppt werden, wenn die 24-Sekunden-Uhr abläuft, auch wenn sich der Ball dabei in der Luft befindet. In diesem Fall ist aber eine Unterbrechung meist unnötig, und wir wollen die Regel an dieser Stelle ändern. Ich persönlich glaube, dass diese Änderung gut ankommen wird. Einige weitere Änderungen betreffen die Anzahl der Sprungbälle im Spiel, die Anzahl der Auszeiten und weitere kleinere Dinge. Diese Vorschläge der Welt-Technischen Kommission der FIBA sind für das Spieljahr 2003/2004 vorgesehen, sofern das Entscheidungsgremium der FIBA, das Central Board, ihnen zustimmt.

Was soll letztendlich mit Änderungen der Basketball-Regeln erreicht werden?

Ziel ist es letztendlich, mit der Entwicklung des Spiels mitzuhalten. Als wir beschlossen, die 30-Sekunden-Regel auf 24 Sekunden zu reduzieren, taten wir dies deshalb, weil wir festgestellt hatten, dass das Spiel zu langsam und für die Zuschauer immer weniger spektakulär wurde. Um welche Änderung es sich auch immer handelt, entweder ist sie eine Reaktion auf oder eine Weichenstellung für die aktuelle Entwicklung des Spiels. Das Spiel ist viel athletischer geworden, die Spieler sind schneller, das Spiel selbst verändert sich – an diese Änderungen müssen die Regeln daher angepasst werden.

Sie haben das Wort "spektakulär" verwendet. Spielt eigentlich der Basketball-Fan bei Überlegungen zu Regeländerungen eine Rolle?

Aber selbstverständlich! Das Spiel muss leicht zu verstehen und besonders für Spieler, Trainer und alle Fans des Spiels attraktiv sein. Eine Änderung, die vor einigen Jahren eingeführt wurde, ermöglichte den "Alley oop", der mit zu den spektakulärsten Szenen im heutigen Spiel führt. Jegliche spektakulären Aspekte, die eingeführt werden können, ohne den eigentlichen Grundgedanken des Spiels zu verändern, sind jederzeit willkommen.

Die FIBA hat versucht, die Basketball-Regeln weltweit zu vereinheitlichen. Es gibt verschiedene Organisationen, die nach unterschiedlichen Regeln spielen, was für die Zuschauer nicht gut ist. Es sieht so aus, dass die FIBA damit nicht auf der ganzen Linie erfolgreich war und dass jetzt noch mehr Organisationen nach unterschiedlichen Regeln spielen. Was kann die FIBA tun, um diese Situation zu verändern?

Es ist sicher die Aufgabe der FIBA, weltweit Standards zu setzen. Ich denke, dass jede Organisation, die einen nationalen oder internationalen Wettbewerb veranstaltet, versucht, das Beste für ihr Spiel herauszufinden. Ein Nachteil des FIBA-Regelhefts ist, dass es für fast alle Altersklassen und alle 212 weltweit angeschlossenen Länder gilt. Es ist äußerst schwierig, mit einem einzigen Regelheft allen Altersklassen und allen Qualitätsniveaus des Basketballspiels gerecht zu werden. Hauptsächlich deshalb passen sich einige Organisationen die Regeln nach ihren Bedürfnissen an. Wir waren immer bemüht, die Regeln zu vereinheitlichen. In letzter Zeit ist es uns teilweise gelungen, die zahlreichen Unterschiede zwischen FIBA, NBA und NCAA zu reduzieren. Bedingt durch die unterschiedlichen Spielbedingungen in verschiedenen Ländern wird es jedoch äußerst schwierig, wenn nicht gar unmöglich sein, in naher Zukunft weltweit einheitliche Regeln zu erreichen.

Kürzlich wurde von der FIBA die Drei-Schiedsrichter-Technik aufgenommen. Werden demnächst bei internationalen Wettbewerben der FIBA drei Schiedsrichter eingesetzt?

Das FIBA-Regelheft sieht für die Schiedsrichter sowohl die Möglichkeit eines Zweier- als auch eines Dreier-Teams vor. Der örtliche Veranstalter kann sich für die eine oder die andere Möglichkeit entscheiden. Bevor man irgendwo zum System mit drei Schiedsrichtern wechselt, muss man nach meiner Meinung folgende drei grundsätzlichen Fragen mit "Ja" beantworten können:

     

  1. Erfordert das Niveau meines Wettbewerbs die Einführung eines dritten Schiedsrichters?
  2. Steht mir eine hierfür ausreichende Anzahl qualifizierter Schiedsrichter zur Verfügung?
  3. Habe ich die finanziellen Möglichkeiten zur Einführung des dritten Schiedsrichters?

Falls alle drei Fragen bejaht werden können, würde ich diesem Wettbewerb die Einführung des dritten Schiedsrichters als vorteilhaft empfehlen. Ab wann die FIBA bei einer Weltmeisterschaft drei Schiedsrichter einsetzt, hängt letztendlich von der Entscheidung ihres Central Boards ab.

Sie waren viele Jahre Schiedsrichter auf höchstem Niveau und haben Erfahrungen mit vielen großartigen Spielern und Trainern gemacht. Interessieren sich Spieler und Trainer überhaupt für die vielfältigen Regeländerungen? Wie viel Einfluss sollten Trainer und Spieler bei Entscheidungen über mögliche Regeländerungen haben?

Es gibt viele Regeländerungen, die den eigentlichen Spielablauf nicht betreffen – administrative Angelegenheiten oder echte Kleinigkeiten. Ich glaube nicht, dass Spieler oder Trainer sich darum wirklich scheren. Aber sie interessieren sich sehr für die großen Änderungen wie die Einführung des Drei-Punkte-Wurfs, die 24-Sekunden-Regel und den Einwurf von der Endlinie. All diese Änderungen wurden durch das Spiel selbst diktiert, dessen wesentlicher Bestandteil Spieler und Trainer sind. Deshalb äußern sie hierzu auch ihre Meinung, und die Welt-Technische Kommission ist für ihre Kommentare extrem empfänglich. Trainer waren schon immer und werden weiterhin Mitglieder in der Technischen Kommission sein. Derzeit haben wir zwei Trainer in der Technischen Kommission: Lindsay Gaze aus Australien und Dusan Ivkovic aus Serbien-Montenegro, der auch Präsident des Weltverbands der Trainer (WABC) ist. Aktive Spieler sind derzeit nicht in der Technischen Kommission, aber vielleicht wird es einmal in der Zukunft eine Art Beratungsgremium geben, das aus aktiven Schiedsrichtern, Spielern und Trainern besteht, als eine Ad hoc - Arbeitsgruppe zur Beratung der Technischen Kommission.

Können Sie uns Näheres über den Ablauf eines Schiedsrichter-Lehrgangs erzählen?

FIBA-Lehrgänge werden für zwei Gruppen von Schiedsrichtern durchgeführt, für diejenigen, die FIBA Schiedsrichter werden möchten und für diejenigen, die bereits FIBA-Schiedsrichter sind. Hauptaugenmerk bei den Lehrgängen lag bisher auf den Regeln und ihrer Interpretationen. Darüber hinaus werden die Technik des Schiedsrichtern, die Philosophie des Spiels und psychologische Aspekte des Schiedsrichterns behandelt.

Wie sieht ein typisches Programm für einen solchen Lehrgang aus?

Das Programm ist sehr ausgereift, und es gibt einige Programmteile, die bei jedem internationalen Lehrgang enthalten sein müssen. Alle Kandidaten müssen drei Tests absolvieren: eine schriftliche Prüfung, einen Test der körperlichen Fitness und eine praktische Prüfung beim Spiel. Der weiteren Entwicklung des Spiels Rechnung tragend entwickelte die FIBA inzwischen ein verbessertes Programm mit neuen Testelementen, die noch im Überarbeitungsprozess sind. In der Vergangenheit haben wir uns hauptsächlich auf die Regeln, ihre Erklärung und Interpretation konzentriert. Neuerdings wird bei den Lehrgängen der Schwerpunkt auf die Dinge gelegt, die ein Schiedsrichter sich nicht unbedingt selbst beibringen kann. Man kann sich das Verständnis der Regeln aneignen, sich in einem guten körperlichen Zustand bringen und eine gute Schiedsrichter-Technik entwickeln. Sich nicht selbst beibringen kann man psychologische und mentale Aspekte des Spiels: Wie gehe ich mit dem Spiel um, wie bereite ich mich mental auf das Spiel vor, wie gehe ich mit all den Konfliktsituationen um und wie werde und bleibe ich bei einem Spiel mental stark?

Produziert die FIBA eigentlich Lehrvideos für Schiedsrichter?

Einige nationalen Verbände stellen bereits gute Ausbildungsvideos her. Ich glaube, wir müssen dies auf FIBA-Ebene ebenfalls machen. Die Welt-Technische Kommission der FIBA wird mit einem guten Wurf für ein qualitativ hochwertiges Lehrvideo aufwarten, es wird weltweit verwendet werden können.

Die FIBA hat ein System mit "Schiedsrichter-Ausbildern der FIBA" eingeführt. Bitte erklären Sie uns, was darunter zu verstehen ist.

Vor einigen Jahren hat die FIBA ein System entwickelt, das auf der Funktion von nationalen und internationalen Schiedsrichter-Ausbildern der FIBA basiert. Internationale Schiedsrichter-Ausbilder werden bei den Lehrgängen der FIBA eingesetzt, und sie unterstützen auch die Angestellten der FIBA bei der Durchführung dieser Veranstaltungen. Weltweit arbeiten derzeit fünfzehn Ausbilder bei den FIBA-Lehrgängen mit. Die Funktion der nationalen Schiedsrichter-Ausbilder der FIBA wird inzwischen als das noch wichtigere Projekt angesehen. Die FIBA ist inzwischen der Auffassung, dass in jedem Land jeweils eine Person als der "verlängerte Arm der FIBA" fungieren sollte. Dieser "nationale FIBA-Instruktor" hat die Aufgabe, innerhalb seines Landes das selbe Lehr- und Ausbildungskonzept umzusetzen, das die FIBA auf internationaler Ebene verwendet. Dieses Konzept funktioniert bereits sehr gut in Europa und in Nord- und Süd-Amerika, und es soll künftig auch auf die anderen Kontinente ausgedehnt werden. Dieses Projekt ist nun acht Jahre alt, und die Technische Kommission der FIBA wird es überprüfen und wiederbeleben, um es an die gegenwärtigen Anforderungen anzupassen.

SchiedsrichterTrainer und Spieler beklagen sich manchmal darüber, dass sie bei den Schiedsrichtern auf unterschiedliche Auffassungen treffen, je nachdem, ob sie gerade in ihrer nationalen Liga oder auf internationaler Ebene spielen. Hilft dieses Projekt dabei, unterschiedliche Philosophien und Interpretationen abzubauen und zu vermeiden?

Das Programm mit den nationalen und internationalen Schiedsrichter-Ausbildern der FIBA wurde genau aus diesem Grund eingeführt, nämlich um eine identische Philosophie und Interpretation der Regeln sowohl bei internationalen als auch bei nationalen Wettbewerben herbeizuführen. Wir müssen zusammenarbeiten, aber wir müssen auch akzeptieren, dass die Menschen unterschiedlich denken und empfinden. Jeder Trainer oder Spieler hat seine eigene Persönlichkeit, wie übrigens auch jeder Schiedsrichter. Dies alles auf einen gemeinsamen Nenner bringen zu wollen, ist äußerst schwierig. Obwohl es sogar innerhalb einer nationalen Liga viele Unterschiede gibt, müssen wir trotzdem so gut wie möglich zu weltweit derselben Philosophie des Schiedsrichterns kommen.

Was empfehlen Sie einem jungen Schiedsrichter, der ein internationaler Spitzenschiedsrichter der FIBA werden möchte?

Zuerst und vor allem muss er bereit sein, sich total dem Basketballspiel zu widmen. Da die Tätigkeit eines Basketball-Schiedsrichters immer mehr den "Halb-Profi" erfordert, muss er sich entscheiden, welchen Weg er gehen möchte. Eine internationale Schiedsrichtertätigkeit stellt hohe Anforderungen hinsichtlich Zeitaufwand, Hingabe und Leistungsbereitschaft.

Für einen FIBA-Schiedsrichter ist es heute fast nicht mehr möglich, in seinem Beruf und parallel hierzu sportlich als Basketball-Schiedsrichter die obersten Sprossen der Karriereleiter zu erklimmen. Nachdem ein Schiedsrichter seine erste Prüfung bestanden hat, muss er beinahe jederzeit und überall zum schiedsrichtern zur Verfügung stehen. Er muss mit seinen erfahrenen Kollegen Kontakt halten, offen für Kritik sein, und ständig als Ziel vor Augen haben: "Ich will ein Spitzenschiedsrichter werden".

Hilft es einem Schiedsrichter, Spieler gewesen zu sein, oder ist dies keine notwendige Voraussetzung?

Es ist keine notwendige Voraussetzung, zuvor Spieler gewesen zu sein, aber es sicher ein großer Vorteil. Bei unseren Schiedsrichter-Lehrgängen versuchen wir, den Schiedsrichtern ein noch besseres Verständnis des Spiel beizubringen und Spieler und Trainer verstehen zu lernen. Man muss nicht unbedingt früher ein Spieler gewesen sein, aber wenn ein Schiedsrichter zuvor Spieler war, erleichtert dies seinen Lernprozess erheblich, da er das Spiel und die Mentalität von Spielern und Trainern aus eigener Erfahrung kennt.

Früher hat man Schiedsrichter während des Spiels nur selten mit Spielern reden sehen, jetzt kommt das häufig vor. Was ist da anders geworden?

Jeder Schiedsrichter muss seinen eigenen Weg finden, das Spiel zu meistern und zu einem "glücklichen Abschluss" zu bringen, möglichst ohne Konflikte. Wir empfehlen eine Philosophie des "präventiven", also vorbeugenden schiedsrichterns, welche die verbale Kommunikation mit Spielern und Trainern einschließen kann. Wenn ein Schiedsrichter meint, mittels verbaler Kommunikation mit Spielern und Trainern das Spiel besser kontrollieren oder reibungsloser ablaufen lassen zu können, ist das von unserer Seite aus in Ordnung. Auf der anderen Seite müssen jedoch hierfür einige Einschränkungen gelten, da sonst aus einem Spiel eine "Konferenz" werden kann, welche die Autorität der Schiedsrichter untergräbt und den Ablauf des Spiels verzögert.

Sind Sie mit der Qualität der FIBA-Schiedsrichter zufrieden?

Ja, ich bin äußerst zufrieden. In jeder FIBA-Zone gibt es zahlreiche sehr gute Schiedsrichter. Es gibt aber immer Raum für Verbesserungen, und daran arbeitet die Welt-Technische Kommission der FIBA. Schiedsrichter wurden jedoch schon immer von Spielern, Trainern und Zuschauern zum Sündenbock für eine schwache Leistung der eigenen Mannschaft gemacht. Das wird es immer geben, ganz egal wie gut oder schlecht ein Schiedsrichter pfeift.

 

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Letztes Update:
30. Juni 2003

 

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