Wo
wir waren...
Der europäische Basketball
befindet sich nach wie vor in einer revolutionären Entwicklung.
Im Sommer des Jahres 2000 spalteten sich die europäischen
Top-Teams von der "Suproleague" ab, nachdem
es zu einem Streit über die Höhe der Prämien aus dem
Verkauf der Übertragungsrechte gekommen war. Angeführt
wurde diese Gruppe von den spanischen, italienischen
und griechischen Basketballmächten.
Die Suproleague wurde vom
Internationalen Basketball Verband (FIBA) organisiert.
Die neue "Euroleague" bildete sich unter dem
Dach der Europäischen Union der Basketball Ligen, besser
unter ihrer französischen Abkürzung ULEB bekannt.
Einen hohen Preis bezahlen
Neben den ökonmischen Fragestellungen,
die mit der Bildung einer professionellen Liga automatisch
einhergehen, stellte sich das Problem der Schiedsrichter.
Angesichts der Herausforderung und der Möglichkeit in
einer neuen Umgebung unter Einbeziehung der neuen Drei-Schiedsrichter-Technik
pfeifen zu können, hatten 53 Schiedsrichter einen Vertrag
mit der ULEB unterzeichnet. Die neue Liga hatte mit
der absoluten Trennung des Schiedsrichters von den Clubs
(bei FIBA-Wettbewerben ist die Heimmannschaft für die
Betreuung der Schiedsrichter zuständig - Transport zur
Halle, Mahlzeiten, Souvenirs usw.) und der Chance, die
besten Teams Europas pfeifen zu können, ein neues Level
in diesen Bereich des Basketballs eingeführt.
Dafür musste ein hoher
Preis bezahlt werden. Diese Schiedsrichter wurden nicht
nur von der FIBA suspendiert und von allen anderen internationalen
Wettbewerben ausgeschlossen, sondern außerdem wurden
ihre nationalen Verbände (die als Mitglieder der FIBA
deren Weisungen befolgen müssen) angewiesen, keinen
der betroffenen Schiedsrichter in den nationalen Ligen
einzusetzen. Außer Spanien befolgten alle Verbände diese
Direktive.
Der Kollaps der Suproleague
Während die Suproleague
und die Euroleague in der vergangenen Saison ihre eigenen
Wege bestritten, wurde hinter den Kullissen intensiv
verhandelt, um beide Ligen wieder zu vereinigen. Wie
auch immer, als in diesem Frühjahr klar wurde, dass
die Sportsponsoring-Firma, welche die FIBA-Suproleague
finanzierte, Konkurs anmelden musste (die Euroleague
wird von dem multinationalen spanischen Telefongiganten
Telefonica gesponsort), wurde deutlich, dass die ULEB
alle Trümpfe in der Hand hatte. Die einzige Chance der
FIBA war, einen bestmöglichen Handel zu vereinbaren,
um weiterhin im Geschäft mit der besten europäischen
Basketball-Liga zu verbleiben.
Der tote Handel
Im vergangenen April
wurde eine Vereinbarung angekündigt. Die Euroleague
wurde dadurch von 24 auf 32 Mannschaften aufgestockt,
die acht Teams kommen aus der FIBA-Suproleague. Ein
weiterer wichtiger Punkt der Vereinbarung war, dass
die Verträge mit den 53 "abtrünnigen" Schiedsrichter
der ULEB eingehalten wurden. Zusätzlich wurde ein 4-Personen-Ausschuss
von Vertretern beider Seiten gebildet, der über die
zusätzlichen Schiedsrichter entscheiden sollte.
Die Spielansetzungen
sollten vom Ansetzer der Euroleague und der FIBA zusammen
gemacht werden. Die ULEB unterzeichnete diese Vereinbarung
direkt. Notwendig war noch die Zustimmung der europäischen
Generalversammlung der FiBA, die sich aus den 50 Mitgliedsstaaten
zusammensetzt.
Es sollte aber nicht
sein. Die FIBA lehnte die Empfehlung ihrer eigenen Kommission
ab und provozierte damit den Rücktritt des Franzosen
Yvan Mainnini, dem FIBA-Präsidenten von Europa (und
gleichzeitig ein angesehener Ex-FIBA-Schiedsrichter),
als auch einiger anderer Mitglieder des Vorstandes.
Im Juli wurde der hitzige
und umstrittene George Vassilakopoulos aus Griechenland
zu seinem Nachfolger gewählt. der sofort den Kampf gegen
den Zusammenschluss anführte und die FIBA wieder an
den nach seiner Meinung ihr zustehenden Platz an der
Spitze des europäischen Vereinsbasketballs führen möchte.
Die FIBA produziert einen
Schnellschuss
Beide Seiten trafen
sich wieder an einem Tisch zu einer zweiten Runde von
Verhandlungen. Ohne Sponsor (und ohne Liga) versuchte
die FIBA einige Punkte erneut zu diskutieren, über die
man sich eigentlich schon im April geeinigt hatte. Der
Einsatz der Schiedsrichter war einer der zähesten Punkte
am Tisch.
Für die 32-Mannschaften-Liga,
deren Spiele von jeweils drei Schiedsrichtern geleitet
werden, benötigt die Euroleague jeweils 48 Schiedsrichter
pro Runde. Beide Seiten waren sich einig, dass man dafür
ungefähr 70 bis 74 Referees im Kader haben sollte.
Die FIBA-Vertreter
forderten, dass die Hälfte der Liste aus Kollegen bestehen
sollte, die im vergangenen Jahr auch in ihrer Suproleague
eingesetzt wurden. Die ULEB hingegen bestand auf den
Einsatz ihrer 53 Schiedsrichter, die ja immerhin alle
einen Dreijahresvertrag besaßen.
Die FIBA schlug als
Kompromiss folgendes vor: 40 Schiedsrichter werden von
ihr zusätzlich auf die Liste gesetzt und diejenigen,
die während einer Woche nicht in der Euroleague pfeifen,
werden in den anderen FIBA-Vereins-Wettbewerben zum
Einsatz kommen.
Die Euroleague war
einverstanden und 93 Schiedsrichter wurden mit großem
Applaus zum Schiedsrichter-Lehrgang im August nach Ljublijana
in Slowenien eingeladen. Dann kamdie überraschende Mitteilung
der FIBA-Verantwortlichen, dass die "politischen
Führer", vor allem Herr Vassilakopoulos und andere
nicht mit dem zweiten Teil der Vereinbarung einverstanden
waren. Jeder, der in der Euroleague pfeift, darf in
keinem der anderen Klub-Wettbewerbe der FIBA mehr pfeifen.
Der kleine Unterschied
ist sehr wichtig: diese Aussage hindert die FIBA nicht
daran, Euroleague-Schiedsrichter für die großen nationalen
Turniere zu nominieren, wie zum Beispiel die in Idianapolis
statt findenden Weltmeisterschaften im nächsten Jahr.
Unhaltbare Situation
Die Euroleague ist
nun gefangen in einer unhaltbaren Situation: sie hat
eine 90 und mehr Namen umfassende Liste von Schiedsrichtern
unter Vertrag, von denen aber nur 48 jede Woche gebraucht
werden. Dies bedeutet für jeden im Schnitt ein Spiel
alle zwei Wochen, wobei natürlich einige häufiger und
einige weniger pfeifen werden.
Nicht zu vergessen,
dass die Euroleague die Drei-Schiedsrichter-Technik
anwendet. Keiner der 40 von der FIBA nominierten Referees
hat Erfahrung mit dieser Technik, erst auf dem Lehrgang
kamen sie damit in Berührung. Einige der FIBA-Schiedsrichter
sind Veteranen mit 15 und mehr Jahren Erfahrung. Die
Umstellung von der Zwei- auf die Drei-Schiedsrichter-Technik
benötigt Erfahrung und wird nicht gerade durch die Tatsache
vereinfacht, dass in den nationalen Ligen immer noch
nach der alten Technik gepfiffen wird. Lediglich Spanien
und seit neuestem auch die Türkei wenden die neue Technik
in ihren höchsten Spielklassen an.
Wenn die ULEB doch
offenkundig die Macht an sich gerissen hat, warum kürzt
sie nicht die Liste auf eine vernünftige Anzahl von
Schiedsrichtern und gibt diesen mehr Spiele und damit
auch mehr Gelegenheit zur Einübung der neuen Technik.
Das ist eine Frage, die momentan erstmal unbeantwortet
bleibt.
Todd Warnick ist
ehemaliger FIBA- und aktueller Euroleague-Schiedsrichter aus Israel.
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