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Vielen
der heutigen, jüngeren Bundesliga-Schiedsrichter dürfte
der Name Silvia Otto bis vor einem Jahr nichts mehr
gesagt haben. Sie hatte zwar noch die ein oder andere
Funktion in diversen Verbandsgremien, aber der breiten
"Schiedsrichter-Öffentlichkeit" war sie nicht
unbedingt ein Begriff. Seit einem Jahr ist sie nun wieder
präsent. Im Rahmen der Neustrukturierung des Schiedsrichterwesens
hat sie sich der Frauenförderung angenommen und ist
gleichzeitig Mitglied der Schiedsrichter-Kommission.
Grund genug, an dieser Stelle ein kleines Porträt zu
veröffentlichen, garniert mit zwei Zeitungsartikeln
und einigen interessanten Bildern.
Meine
erste und bisher einzige Begegnung mit Silvia ist zwei
Jahre her. Sie war als Zuschauer bei einem Plazierungsspiel
der Damen-Bundesliga zwischen Bonn und Nördlingen anwesend
und mein Kollege Wolfgang Ockert stellte uns vor. Mir
war ihr Name durchaus ein Begriff. Ich wusste von einigen
erfahreneren Kollegen, dass sie die einzige deutsche
Schiedsrichterin gewesen war, die jemals in der 1. Herren-Bundesliga
gepfiffen hatte. Danach blieb sie der Liga als Technische
Kommissarin erhalten und war nicht unbedingt eine der
gern gesehensten. Gerade die arivierten Kollegen waren
wohl nicht immer begeistert, wenn Silvia ihre Leistung
einer schonungslosen Kritik unterzog. Insbesondere bei
Damen-Spielen schaute sie sehr genau hin, wie sich die
Herren der Schöpfung verhielten. Zum Glück für Wolfgang
und mich, hatten wir in Bonn einen guten Tag erwischt.
Silvia fing uns auf dem Weg in die Kabine ab und zeigte
sich von unserer Leistung sehr angetan. Wolfgang meinte
dann in der Umkleide zu mir, dass wir soeben den Ritterschlag
erhalten hätten. Das war dann doch mal ein angenehmer
Abschluss eines Spiels.
In
ihrer bisherigen Amtszeit als Vorsitzende des Arbeitskreises
Frauenföderung hat sich Silvia viele Freundinnen, aber
ungewollt nicht sehr viele Freunde geschaffen. Die überraschende
Ansetzung der von ihr betreuten Schützlinge in den diversen
Bundesligen hat doch für einige Unruhe bei den Bundesliga-Schiedsrichtern
gesorgt. Schuld war jedoch nicht sie, sondern der Ansetzer,
der einfach auf die guten Beurteilungen der Nachwuchs-Schiedsrichterinnen
reagierte und ihnen eine Chance in der Bundesliga geben
wollte. Hierbei hatte er nicht bedacht, dass dies ein
Politikum darstellte.
In einem
Telefonat mit ihr vor wenigen Tagen durfte ich feststellen,
dass Silvia erfreulicherweise nicht zu den vielen Ja-Sagern
im Schiedsrichterwesen gehört, sondern kritisch ist
und vieles hinterfragt. Sie hält auch nicht mit der
Meinung hinterm Berg und so ist es kein Wunder, dass
so manch männlicher Bundesliga-Kollege nicht immer nur
Gutes über sie spricht.
Ich hoffe
sehr, dass Silvia weiter durchhält und offen den Leuten
die Meinung sagt, das brauchen nämlich sehr viele in
der SRK und den Arbeitskreisen. Meine besten Wünsche
begleiten sie.
Zeitungsartikel
in der NRZ aus den 80er Jahren:
Ein wehmütiger Abschied
aus dem "Oberhaus"
"Altersgrenze":
Silvia Otto verläßt Basketball-Bundesliga - Protestaktion
der Vereine
Von Michael Nickels
Bonn. (Eig. Ber.)
Vorsichtshalber hatte sie ihre Sonnenbrille mit in die
Sporttasche gepackt. Und als ihr dann der Präsident
des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) Hans Joachim Höfig
in sehr persönlichen Worten bescheinigte, viel für den
guten Ruf des deutschen Basketballs getan zu haben,
neue Maßstäbe gesetzt und Impulse gegeben zu haben,
war sie froh, den fast eintausend Zuschauern mit "verdunkelten
Augen" entgegenblicken zu können. Silvia Otto aus
Villip, erste und einzige Basketball- Bundesliga- Schiedsrichterin
Deutschlands, wurde beim Endspiel um die Deutsche Damen-Meisterschaft
zwischen Agon Düsseldorf und TuS 04 Leverkusen vom DBB
offiziell verabschiedet.
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IM HEXENKESSEL
der Hagener Ischelandhalle leitete Silvia
Otto souverän ihre letzte Bundesligabegegnung
zwischen dem SSV Hagen und dem USC Bayreuth.
Auch von einer großen und stimmgewaltigen
Kulisse läßt sie sich nicht verunsichern.
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Mit einem ganzen Kofferraum
voller Blumen trat sie dann am Abend nach dem Bankett
die Rückreise an, glücklich und doch ein wenig wehmütig.
Glücklich, weil ihr eine ungeheure Welle von Sympathie
entgegengeschlagen war. Nicht nur von den Verbandsfunktionären,
deren Aufgabe es schließlich ist, eine verdienstvolle
Spielerin oder Schiedsrichterin mit herzlichen Worten
zu ehren, viel tiefer beeindruckt war sie vielmehr von
den Reaktion der Zuschauer, die in wahre Jubelstürme
ausbrachen. Die ehemaligen Nationalspieler Rudi Kleen
(heute Giants Osnabrück) oder Otto Reintjes (TuS 04
Leverkusen) intonierten gar einen Klatschchor mit "Silvia,
Silvia''-Rufen.
Wehmütig aber, weil
sie in der kommenden Saison für Bundesligaspiele keine
Ansetzungen mehr erhalten wird. Silvia Otto hat mit
50 Jahren die Altersgrenze für Basketball-Bundesliga-Schiedsrichter
erreicht - und gegen diese formalistische Bestimmung
helfen offenbar auch keine guten Leistungen. Tatsache
ist nämlich, daß sie von den Bundesligavereinen und
den objektiven Schiedsrichterbeobachtern, die bei jedem
Spiel der obersten Liga auf der Tribüne sitzen, hervorragend
beurteilt wurde. Sie gehört, und dies ist sicher, zu
den allerbesten deutschen Unparteiischen, doch dies
scheint in diesem Fall nicht von Belang.
Mit fünfzig Jahren
zum "alten Eisen" abgeschoben, das war dann
auch einigen Bundesligavereinen zu viel. Noch am Abend
der offiziellen Verabschiedung starteten die Spielerinnen
des deutschen Damen-Meisters Agon Düsseldorf eine Unterschriftensammlung,
um gegen diese Regelung zu protestieren. Mittlerweile
sollen sich mehrere Vereine dieser Aktion angeschlossen
haben. Silvia Otto steht diesen Aktivitäten abwartend
gegenüber. "Natürlich würde ich gerne noch Bundesligaspiele
pfeifen, doch ich möchte auf keinen Fall eine "Ausnahmeregelung
Silvia Otto". Diese Regelung müßte generell geändert
werden, so daß auschließlich die Leistung bestimmt."
Zwei Jahre lang hat
die 1,63 m große zehnmalige Westdeutsche Meisterin (mit
dem ATV Düsseldorf zwischen 1948 und 1959) die Spiele
der besten deutschen Zwei-Meter-Männer in der Bundesliga
geleitet, und im Nachhinein kann sie sich an kein einziges
negatives Erlebnis erinnern. "Ich habe eigentlich
nur schöne Erlebnisse, und meine Freude und Begeisterung
hat sich eigentlich, von Samstag zu Samstag gesteigert.
Lediglich die weiten Anreisen bei Wind und Wetter waren
ab und zu recht anstrengend und unangenehm."
Silvia Ottos gute Schiedsrichterleistungen
lassen sich nicht nur auf ihr gutes Auge und das blitzschnelle
Erfassen von schwierigen Spielsituationen zurückführen.
In ihrer langen erfolgreichen Spielpraxis hat sie vielmehr
die Kniffe und Tricks der Spieler selbst miterlebt und
angewandt. Ihr kann man so leicht nichts vormachen.
Hinzu kommt ihre bewußte Höflichkeit auf dem Spielfeld,
ein Lächeln bei der Ballübergabe oder einige freundliche
Worte zu einem Spieler in einer besonders hektischen
Spielphase. Ihre Freundlichkeit überträgt sich
fast zwangsläufig auf das Spielfeld.
Wenn
sie nun auch voraussichtlich aus der Bundesliga abtritt,
so wird sie doch weiterhin dem Basketball verbunden
bleiben. In verstärktem Maß steht sich nun dem westdeutschen
Landesverband WBV als Unparteiische zur Verfügung, daneben
möchte sie sich ausgiebig der Schulung des Schiedsrichternachwuchses
widmen. Bereits jetzt hat sie Einladungen zu zahllosen
internationalen Freundschaftsturnieren, zu Abschiedsspielen
und für die Endrunde von .Jugend trainiert für Olympia"
in Berlin vorliegen. "Ihr" Abschiedsspiel
pfeift Silvia Otto am 22. Mai, wenn am "Tag des
Basketballs" in Meckenheim anläßlich der Einweihung
der neuen Sporthalle der mehrfache Deutsche Meister
TuS 04 Leverkusen gegen den Godesberger TV zu einem
Freundschaftsspiel antritt.
Silvia Otto ist der
beliebteste Schiedsrichter
Die Frau mit
der Pfeife
Von MICHAEL HOHMEIER
MONHEIM. Mit Bravour
meisterten die Basketball-Damen der Spielgermeinschaft
Monheim (SGB) den Aufstieg in die Bundesliga. Die Frauen
blieben dabei sozusagen unter sich - Silvia Otto, einzige
Schiedsrichterin in der höchsten nationalen Basketball-Spielklasse,
leitete in der Sporthalle des Otto-Hahn-Gymnasiums drei
der sechs Begegnungen. Silvia Otto geht der Ruf voraus,
unter dem Korb ebenso besonnen wie entschlußfreudig
zu agieren. Von den deutschen Basketball-Clubs e wird
soeben der derzeit beliebteste Unparteiische genannt:
"Unser bester Pfeifenmann ist eine Frau."
Im grauen Dreß der
"Schiris" fühlt sie sich nach eigener Aussage
"pudelwohl". Gegenüber ihren männlichen Kollegen
hat sie sich längst durchgesetzt. Erstmals trat sie
in dieser Saison auch in der ersten Liga der Herren
an. "Doch ich werde da zurückstecken müssen"
- die Belastung, vor allem die weiten Anfahrzswege zu
den samstäglichen Spielen, ist der 5Ojährigen zu groß.
In der zweiten Liga Herren und den beiden Damen-Spielklassen
will sie allerdings weiter mitwirken.
Die Partie in Monheim
bereitete Silvia Otto schon vor Anpfiff besondere Probleme:
sie verpaßte die richtige Autobahnabfahrt und hätte
eins der Spiele beinahe versäumt. Sie legte einen Irrweg
von rund 350 Kilometern zurück, ehe sie in der Halle
ankam. Zu Hause ist sie im Rhein-Sieg-Kreis, in der
Nähe Bonns. Dort sammelte sie auch ihre frühen Basketball-Erfahrungen.
Vor gut zehn Jahren
beobachtete sie Turniere von Schüler-Mannschaften aus
der Zuschauer-Perspektive. "Die Leistungen der
Schiedsrichter waren äußerst schludrig. Die schienen
das Geschehen nicht ernst zu nehmen", erinnert
sie sich. Postwendend nahm sie die Trillerpfeife selbst
in die Hand und erwarb sich alle erforderlichen Lizenzen
Besonnen und entschlußfreudig:
Basketball-Schiedsrichterin Silvia Otto. NRZ-Poto: Reimann
In mittlerweile fast
tausend Spielen legte sich Silvia Otto ein "dickes
Fell" zu. Fouls beurteilt sie stets mit gemischten
Gefühlen. "Man kann ein Spiel auch zerpfeifen",
ist sie sich bewußt. Und im Rücken das Publikum - "was
man da alles zu hören bekommt." Wichtig erscheint
ihr deshalb, "daß man nach dem Schlußpfiff wieder
miteinander reden kann," Der
Rest sei "reine Nervensache".
Bei "Jugend trainiert
für Olympia" hatte Silvia Otto ihr vielleicht schönstes
Schieri-Erlebnis: "Ich bekam-Sekt vom Verlierer."
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