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Spezielle Spielsituationen

 

 

Quelle: NASO News Room Februar 2003 / Übersetzung und Überarbeitung: Axel Beckmann

 

 

Crunch-Time: Situationen am Spielende

 

 

Wenn die Sekunden am Ende eines Spiels verrinnen und der Spielstand knapp ist, kochen die Emotionen hoch. Fans, Spieler und Trainer reagieren zunehmend aufgeregter. Du kannst es Dir nicht leisten, das Gleiche zu tun. Es gibt einige Techniken, die man benutzen kann, um entspannt und ruhig zu bleiben, wenn die Anderen ihre Fassung verlieren.

Rede während einer Auszeit mit Deinem Partner. Fast unvermeidlich wird - in fast jeder Mannschaftssportart - eines der Teams kurz vor Spielende eine Auszeit nehmen. Das ist genau der Zeitpunkt, um mit Deinem Partner kurz über die weitere Vorgehensweise zu diskutieren. Spich mit ihm / ihr über die Zuständigkeitsbereiche von Euch beiden und vor allem, wer die Uhr im Auge behält, wenn kurz vor Spielende ein Wurfversuch unternommen wird. Seid Euch im Klaren über die noch verbleibenden Auszeiten der Teams. Wenn Ihr Euch mental auf die letzten Sekunden vorbereitet, werdet Ihr viel unvoreingenommener und leidenschaftsloser Entscheidungen treffen können.

Rede mit den anderen "Offiziellen"! Wenn Du als 1. Schiedsrichter fungierst, geh zum Kampfgericht und sprich die wichtigen Punkte für die letzten Sekunden mit den Zeitnehmern durch. Erinnere den Zeitnehmer und den 24-Sekunden-Zeitnehmer daran, dass sie erst ihre Uhren starten, wenn der Schiedsrichter das entsprechende Signal gibt. Sie müssen sich auf den Referee konzentrieren und nicht auf das Spielgeschehen beim Einwurf. Denk daran: das Kampfgericht wird fast immer von der Heimmannschaft gestellt und der Anschreiber und die Zeitnehmer sind möglicherweise auch emotional voll im Spiel und bejubeln einen möglichen Korb ihres Teams. Die Zeitnehmer müssen sich auf die Schiedsrichter konzentrieren und dürfen nicht mitjubeln, schließlich könnte der Gästecoach eine schnelle Auszeit nach dem Korb haben wollen. Es gibt nichts schlimmeres für einen Schiedsrichter als eine unkonzentrierten Zeitnehmer, der eine beantragte Auszeit nicht mitbekommt oder die Uhr fälschlicherweise laufen läßt. Das kann durchaus verhindert werden!

Wichtig ist auch, dass Du rechtzeitig das Zwischenergebnis kontrollierst und darauf achtest, dass der Anschreiber nicht verzählt hat. Vertrauen ist gut, rechtzeitige Kontrolle ist besser.

Rede mit Dir selbst. Atme tief durch und beruhige Dich. Gleichzeitig läßt Du Dir alle Eventualitäten der nun kommenden Sekunden durch den Kopf gehen. Auf diese Art bist Du sehr gut vorbereitet auf die Dinge, die da kommen mögen.

Rede mit beiden Teams. Normalerweise kommen die Teams in einem Haufen aus den Auszeiten heraus. Dies ist eine gute Gelegenheit, um mit den Spielern zu sprechen. Gib ihnen relevante Informationen, wie beispielsweise die Anzahl der noch verbleibenden Auszeiten oder die noch verbleibende Zeit auf der Schuß-Uhr. Übergib den Ball nicht zu schnell an den Einwerfer und hetze die Mannschaften nicht bei der Wiederaufnahme des Spiels. Vergewissere Dich, dass alle Spielbeteiligten bereit sind.

Zieh Deine Linie durch. Viele Spiele enden in einem aktionslosen Wettbewerb. Es ist nicht lustig, wenn am Ende serienweise Freiwürfe geschossen werden, aber es gibt nun einmal Spiele, die so laufen. Bleib dran. Wenn Du ein Foul siehst, dann musst Du es auch pfeifen. Schwierigkeiten und Kämpfe kommen gerade dann auf, wenn Schiedsrichter kurz vor Schuß in der Hoffnung, dass dieses Spiel bald vorbei ist, Fouls ignorieren. Klar, Du wirst etwas länger bleiben müssen, aber die Alternative - eine Massenschlägerei kurz vor Ende - ist wesentlich schlimmer.

Pfeife sofort. Egal was auch passiert am Schluß, benutze Deine Pfeife ohne Verzögerung. Überreagiere nicht, Du musst erst die Informationen im Kopf verarbeiten, bevor Du eine gute Entscheidung treffen kannst. Aber wenn das erledigt ist, zögere nicht mit dem richtigen Signal. Ist beispielsweise der Ball zum Zeitpunkt des Schlußsignals noch in der Hand des Werfers, pfeife energisch und zeige sofort an, dass die Zeit abgelaufen ist. Wenn der Werfer noch schießt und verfehlt, gibt es eh keine Diskussionen. Trifft er, dann hast Du bereits angezeigt, dass dieser Korb nicht zählen kann und Deine Körpersprache hilft Dir den Pfiff zu verkaufen und Dein Selbstvertrauen nach außen zu zeigen. Wenn Du in dieser Situation zögerst, wirst Du Konfusion und Chaos ernten.

Verlass das Spielfeld. Wenn Du am Schluß des Spiels alles richtig gemacht hast, gibt es keine Veranlassung mehr für Dich auf dem Spielfeld zu bleiben. Wenn nichts mehr wichtiges mit dem Anschreiber und den Zeitnehmern zu besprechen ist, geh sofort in die Kabine und sag dem Anschreiber, dass er Dir den Spielberichtsbogen dorthin bringt. Die Emotionen kochen in diesen Situationen über und Du möchtest Dich nicht mit aufgebrachten Fans, Spielern und Trainern beschäftigen.

Haben alle Offiziellen Deine Entscheidung gesehen und verstanden, gibt es nichts mehr für Dich auf dem Spielfeld zu tun.

Aufgrund der hohen Emotionalität zum Ende eines Spiels solltest Du immer an Deine eigene Sicherheit denken. Manchmal rennen Fans aufs Spielfeld, um den Sieg zu feiern. Manchmal kommen sie auch, um die Schiedsrichter anzugehen. Wenn Du in geringerer Entfernung zur Umkleide stehst als Dein Partner, warte auf ihn. Idealerweise stehen direkt nach Spielende Sicherheitskräfte des Heimvereins bereit. Wenn nicht, vermeide jegliches Aufsehen und komme nicht in Versuchung, Dich in Diskussionen mit Fans einzulassen.

 

 

 

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 Letzte Aktualisierung:
19. März 2003

 

© Axel Beckmann