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Unsere
Schiedsrichter Philosophie definiert wer wir sind, wie
wir mit Situationen umgehen und wir das Spiel laufen
wird, das wir pfeifen. Die Entwicklung einer Philiosophie
- dem mentalen Annähern ans Pfeifen - ist kritisch.
Die meisten Leute brauchen dazu Jahre und ändern sie
während der Zeit. Auch wenn bestimmte Kernelemente der
Philosophie immer konstant bleiben, so korrigieren gute
Schiedsrichter Teile Ihrer Philosophie im Laufe der
Zeit. Sie hören nie auf zu lernen.
Was
ist Philosophie? Einfach gesagt, ist Philosophie,
wie wir unsere Arbeit erledigen. Deshalb dauert es gewöhnlich
auch Jahre, um diese zu entwickeln. Unsere Entwicklung
startet, wenn wir nicht alles was wir von anderen Schiedsrichtern
hören als Evangelium ansehen und Entscheidungen darüber
treffen, was richtig und was nicht richtig ist.
Wer wir sind. Häufig
beeinflusst Deine Persönlichkeit Deine Schiedsrichter
Philosophie. Das ist ganz natürlich. Wenn Du ein detail-orientierter
Perfektionist mit dem Kopf eines Ingenieurs bist, wirst
Du vermutlich ein pedantischer Regelfetischist sein,
dem es Spaß macht, diese permanent zu studieren. Wenn
Du hingegen mehr nach dem Motto "ich nehme es wie
es kommt" und gelassener Mensch bist, wirst Du
vermutlich mehr Wert darauf legen, mit Spielern und
Trainern effektiv zu kommunizieren als Regel Artikel
und Verse zu zitieren. Ausgeglichene Menschen tendieren
dazu, ausgeglichene Schiedsrichter zu sein; sie können
mit den Regeln umgehen, ohne daß das Spiel darunter
leidet.
Drei Sorten von Schiedsrichtern. Schiedsrichter
kann man grob in drei Kategorien einteilen: Regelbuch
Anwälte, Windhunde und eine Kombination aus beidem. Die
Regelbuch Anwälte sind die Kleinkrämer. Sie lernen die
Regeln auswendig, können locker die Regeln aufsagen
und sind generell reaktionäre Schiedsrichter. Sie sehen
etwas, reagieren darauf, wenden schnell die richtige
Regel darauf an und wenden gedanklich den nächsten Schritt.
Ihr Kopf arbeitet im "A+B=C"-Modus.
Die
Windhunde öffnen normalerweise das Regelheft erst, wenn
ihnen nichts mehr anderes übrig bleibt. Sie versuchen
die richtigen Dinge zu tun, ungeachtet was die Regeln
sagen würden. Sie sprechen permanent mit den Leuten
und sind effiziente Kommunikatoren. Ihre Technik ist
meist asymmetrisch, aber sie versuchen durch ihre Spiele
mit Allgemeinverstand und List zu kommen.
Die
Kombination dieser beiden Typen - also das beste der
beiden Bündel - verinnerlichen die positiven Aspekte.
Sie kennen die Regeln, wenden sie sinnvoll an und kommunizieren
gut. Sie sind ausgeglichene Leute, haben eine Schiedsrichterphilosophie,
die von allen akzeptiert wird.
Wie unterschiedliche
Philosophien anderen schaden können. Eine
Klage, die Schiedsrichter immer von den Trainern, Spielern
und Fans hören, ist "Unbeständigkeit".
Auch wenn man dies häufig als Gejammer verbuchen kann,
so ist Konstanz eine lebensnotwendig Eigenschaft für
die Schiedsrichter. Unbestreitbar kann nichts ein Spiel
negativer beeinflussen als Schiedsrichter, die nicht
einheitlich pfeifen und eine differierende Schiedsrichter-Philosophie
vertreten.
Schiedsrichtern ist eine
Kunst, nicht eine Wissenschaft, daher bietet es reichlich
Raum für Unbeständigkeit. Was für den einen Schiedsrichter
ein Foul ist, muss für den anderen noch lange keins
sein. Auf dem nationalen Niveau haben Regel"macher"
und Schiedsrichter-Funktionäre uns jedes Jahr mehr auf
eine bestimmte Philosophie eingeschworen. Sie haben
uns in verschiedenen Formen erklärt, wie sie wollen,
dass wir pfeifen. Das hat dazu beigetragen, dass auf
der nationalen Ebene mehr Kontinuität Einzug gehalten
hat.
Auf
dem lokalen Niveau müssen wir sicher stellen, dass wir
mit anderen Schiedsrichtern auf der gleichen Seite stehen.
Was passiert, wenn zwei lokale Gruppen unterschiedliche
Philosophien predigen. Frust und Chaos in der Region!
Arbeite mit Deinen Bezirks- und Landesverbänden zusammen,
um eine einheitliche Philosophie zu entwickeln. Dieser
Punkt ist sehr wichtig und man muss auch Kompromisse
schließen, um größtmögliche Harmonie zu erreichen. Denk
immer daran: das Spiel ist das wichtigste, nicht wer
Recht oder Unrecht hat.
Was akzeptiert wird.
Wenn
Du Deine Philosophie entwickelst, beachte was auf Deinem
Niveau und in Deinem Bezirk akzeptiert wird und was
nicht. Die "wenn ich in Rom wäre"-Theorie
wird Dir helfen, Akzeptanz zu erzielen. Wenn die allgemeingültige
Philosophie in Deiner Umgebung inakzeptabel für Dich
ist, hast Du nur zwei Möglichkeiten: hör auf oder arbeite
daran, die Dinge in Deine Richtung zu bewegen. Bedenke,
dass akzeptierte Sachen von Niveau zu Niveau und von
Geschlecht zu Gechlecht variieren. So sind zum Beispiel
Fouls in einem Mädchen-Spiel nicht unbedingt auch Fouls
in einem Jungen-Spiel. Es ist so wie es ist und wir
können nicht dem Spiel unsere Philosophie aufzwingen,
sondern wir müssen die Philosophie dem Spiel anpassen.
Wenn Du das nicht bewältigen kannst oder denkst, dass
dies Deine Leistung in höherklassigen Spielen negativ
beeinflusst, darfst Du die anderen Spiele nicht mehr
pfeifen. Du und das Spiel werden davon profitieren.
Unser Tipp. Im
Allgemeinenen sind die Schiedsrichter die besten, die
das Spiel auf sich zukommen lassen. Sie sehen, was auf
dem Feld passiert, mixen dies mit allen verfügbaren
Informationen, halten ihre Entscheidung den Bruchteil
einer Sekunde zurück, überlegen, ob ein Pfiff das Spiel
positiv oder negativ beeinflussen würde und treffen
dann ihre Entscheidung, ob pfeifen oder nicht pfeifen.
Sie kennen die Regeln, aber benutzen sie nicht als Krücke.
Sie stellen das Spiel über alles andere. Sie kommunizieren,
arbeiten mit anderen zusammen und haben keine Angst
vor dem großen Pfiff (oder Nicht-Pfiff). Sie passen
ihre Philosophie dem Spielniveau an. Sie sind ausgeglichen
und hören nie auf zu lernen.
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