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Der gute Schiedsrichter

 

 

Autor: Jonathan Meersman / Übersetzung und Überarbeitung: Axel Beckmann

 

 

Die Zuschauer bei einem Jugendspiel kontrollieren

 

 

Geh irgendwo zu einem Fußball-Spiel und Du wirst immer meckernde Zuschauer erleben. Einige Leute tun dies ab und sagen, "das gehört halt zum Spiel!" Sicher, zahle Deine 15€ Eintritt und geh zu einem Bundesliga-Spiel, dann ist es tatsächlich Bestandteil des Sports, wie in den meisten professionell betriebenen Sportarten. Je jünger und unerfahrener der Schiedsrichter, desto schlimmer das Gepöbel. Ich glaube, dass wir derartige verbalen Attacken in Jugendspielen nicht zulassen dürfen. Die Zuschauer zu kontrollieren, hilft dabei, dass die Spiele für jedermann ein Spaß sind und wir viele neue Schiedsrichter auch bei der Stange halten können.

Vor vielen Jahren war ein dürrer 15-Jähriger als Assistenz-Schiedsrichter in einem Halbfinale des Ohio's State Pokals eingesetzt auf der Wright Patterson Air Force Base eingesetzt. In der Halbzeit wurde ein Ball anscheinend durch die angreifende Mannschaft über die Torauslinie geschossen. Der Assistent hatte den Ball von einem Verteidiger kommen sehen und deutete auf den Eckpunkt. Der Schiedsrichter gab dementsprechend sofort einen Eckstoß.

Ein Vater eines Spielers der verteidigenden Mannschaft, ungefähr 130 Kilo wiegend, sprang vom Parkplatz kommend auf das Feld. Er balancierte in der einen Hand eine Kühlbox und in der anderen einen Liegestuhl. Er sah in der Entscheidung einen Fehler und begann in Richtung des Assistenten zu schreien - mich. Ich ignorierte ihn, was ihn ausraten ließ. Er kam näher und setzte seine Attacken fort. Er stand nun auf dem Feld, verhinderte so, dass der Eckstoß ausgeführt werden konnte. Der erwachsene Schiedsrichter rannte zu ihm hin, um ihn zu stoppen. Der Zuschauer warf seinen Stuhl kraftvoll vor mich, dieser zerbarst und traf mich am Bein.

Für den ausrastenden Zuschauer unglücklich, dass ein Golf-Auto das Feld erreichte, in dem ein Militär-Polizist saß, der die ganzen Ereignisse beobachtet hatte. Der Zuschauer wurde festgenommen und weggebracht. Sein Stuhl wurde weggetragen und das Spiel wieder gestartet. Und das alles nur wegen einer Ausballentscheidung. Was für ein armselige Darstellung von Sportlichkeit gegenüber den Kindern.

Wäre es nicht schön, wenn jedes Jugendspiel mit Gesetzeshütern an den Auslinien besetzt würde? Zu häufig gehen solche Szenen nicht gut aus. Das Verhalten vieler Zuschauer würde niemals bei Erwachsenen zugelassen werden, ist aber übliche Praxis, wenn es sich um unsichere, junge Schiedsrichter handelt. Wenn wir das weiterhin zulassen, werden wir auch in Zukunft immer neue frustrierte Schiedsrichter verlieren. Sie mögen auf ihren Lehrgängen lernen, wie man mit solchen Situationen umgeht, werden aber in der Praxis Angst haben, dies umzusetzen. Viele junge Schiedsrichter würden lieber die Probleme ignorieren als eine Angesicht-zu-Angesicht Konfrontation mit einem Erwachsenen zu riskieren.

Gelegentlich kommt es bei Jugendspielen zu derartigen Ausrastern an der Seitenlinie, mit denen die jungen Schiedsrichter umgehen müssen. Während die Liga-Offiziellen nach Auswegen für dieses Problem suchen, müssen die Schiedsrichter in der Lage sein, darauf sofort zu reagieren. Schiedsrichter müssen die Youngsters trainieren und unterstützen, indem sie die Mehrzahl ihrer Spiele in den Jugendklassen pfeifen (dieser Tipp gilt auch für Erwachsene, die mit den gleichen Problemen kämpfen).

Vermeide die Konfrontation mit ausrastenden Zuschauern. In ihr Gesicht schauen und zurückschreien bedeutet lediglich, dass man Öl ins Feuer gießt. In Jugendspielen kann man leicht feststellen, für welches Team die pöbelnden Zuschauer halten. Wenn es einem zu bunt wird, sollte der Schiedsrichter in einer nicht-konfrontierenden Art, den betroffenen Trainer informieren, dass man das Spiel nicht fortsetzen wird, solange die Zuschauer derart ausfällig sind. Eltern sollten begreifen, dass ihre Anwesenheit am Spielfeld ein Privileg ist. Kann das Problem nicht gelöst werden, muss das Spiel abgebrochen und ein Bericht an die Spielleitung geschickt werden. Denke daran, dass Du kein Recht hast, die andere Mannschaft zum Sieger zu erklären. Schreib lediglichdie Fakten auf und erlaube der Liga, das Team zu bestrafen.

Häufig hat ein neuer Schiedsrichter nicht die Courage, einen erwachsenen Coach anzusprechen, ganz zu Schweigen von den agressiven Eltern. Hier müssen erfahrene Schiedsrichter helfen. Wenn Du Zeuge eines derartiges Verhaltens gegenüber einem Neuling bist, tue, was Du kannst, um es zu verhindern. Wenn Du das Spiel als Beobachter ohne Trikot anschaust, geh auf die problematischen Zuschauer zu und frag sie, wie sie es finden würden, wenn ihr eigenes Kind das Schiedsrichter-Trikot tragen würde. Frag sie: "Wie würden Sie sich fühlen, wenn andere Ihr Kind so behandeln würden?" Das reicht normalerweise, um sie zu stoppen. Noch wichtiger ist aber, dass Du mit dem Schiedsrichter das Spiel besprichst, ihm auf den Rücken klopfst und für das nächste Mal ein paar Tipps gibst.

Als Erwachsener hilft es bei Jugendspielen manchmal, wenn Du den Eltern gelegentlich Eure Entscheidungen erklärst, insbesondere wenn Dein Kollege ein Rookie ist. Ich sage nicht, dass Du kontinuierlich mit den Zuschauern reden sollst, lediglich ein kurzer Satz, damit sie begreifen, was vor sich geht. Nicht selten hängt ihr Verhalten mit der Unkenntnis der "Gesetze des Spiels" zusammen. Dies kann allerdings ein Boomerang sein, wenn Du selbst die Regeln nicht gut genug kennst oder zu defensiv reagierst. Sei vorsichtig, wenn Du mit den Eltern sprichst - sei humorvoll, wenn Du kritische Situationen meistern willst. Auch hier natürlich wieder sehr achtsam sein, denn Eltern eines gefoulten Spielers finden in diesem Moment überhaupt nichts lustig.

Wann ist genug wirklich genug? Sei nicht so dünnhäutig, dass Du gleich eine Mutter eines acht-jährigen aus der Halle schickst, wenn sie das erste Mal ruft: "Hey, er hat meinen Sohn gefoult!" Aber achte gleichzeitig darauf, dass die Zuschauer so penetrant schreien, dass sie das Spiel beeinflussen. Oft sind die Spieler selbst vom Verhalten ihrer eigenen Eltern peinlicher berührt als die Schiedsrichter. Ich habe Kinder zu ihren Eltern rufen hören: "Halt die Klappe, Papi!" Offenkundig beeinträchtigt dann das Verhalten der Eltern das Spiel. Hier musst Du eingreifen.

Wir müssen bei Jugendspielen den ausrastenden Zuschauern Einhalt gebieten. Erfahrene Schiedsrichter müssen die jungen Rookies schützen, damit sie nicht gleich wieder aufhören. Wenn Du das Publikum kontrollierst, machst Du das Spiel für alle interessanter und attraktiver!

 

 

 

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 Letzte Aktualisierung:
19. März 2003

 

© Axel Beckmann