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Psychologie | Trainer & Schiedsrichter

 

 

Quelle: Referee Online-Magazin 2002 / Autor: Mike Scott / Übersetzung & Überarbeitung: Axel Beckmann

 

 

Erster Kontakt mit den Coaches

 

 

 

Schiedsrichter Stefan erreicht die Halle für sein Landesliga-Basketballspiel. Er geht mit seinem unerfahrenen Kollegen Dieter im Schlepptau zum Trainer der Heimmannschaft Thomas Fischer. "Hi Thomas", begrüßt er den Coach mit einem kräftigen Händedruck und einem Klaps auf die Schulter.

"Stefan, schön Dich zu sehen", antwortet der Trainer und klapst ihm ebenfalls auf die Schulter.

"Wie ist Dein Team dieses Jahr?", fragt Stefan.

"Nicht schlecht. Nicht schlecht.", antwortet der Coach. "Mensch Stefan, ich weiß nicht, ob Du es schon gehört hast, aber siehst Du den 10er da drüben?". Coach Fischer deutet auf einen gegnerischen Spieler. "Er bedeutet Ärger! Dreckiger Spieler. Hat einen miesen Ruf. Ich habe gehört, dass er dauernd mit den Schiedsrichtern rummeckert und sie ihm alles durchgehen lassen, weil er regelmäßig von den Bundesliga-Vereinen beobachtet wird. Soll wohl der kommende Star sein!"

"Mach Dir keine Sorgen, ich werde ein Auge auf ihn haben," sagt Stefan. Sie setzen ihre Unterhaltung noch einige Minuten fort, ohne zu merken, dass der Gästecoach Christian Schmitt sie die ganze Zeit beobachtet. Als Stefan zu ihm kommt, herrscht keine vertraute Stimmung. Stefan gibt kurze Informationen, fragt nach der Trikotfarbe und wünscht viel Glück im Weggehen.

Coach Schmitt ist nicht begeistert. Das Spiel hat noch nicht begonnen und Stefan hat schon schlechte Karten.

Besinne Dich Deiner Pflichten. Was hat Stefan falsch gemacht. Er war freundlich und ansprechbar für beide Trainer. Leider, hat Caoch Schmitt das nicht so gesehen.

Larry Donovan, der in der NCAA Fussball-Divion I über 30 Jahre gepfiffen hat, davon 1991 das Finale, glaubt, dass man Professionalität zu jedem Zeitpunkt ausstrahlen muss. "Als erstes musst Du rechtzeitig vor Ort sein", sagt Donovan, der außerdemnoch College Baseball und High School Basketball pfeift. "Du willst Deine Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen!"

Donovan ist der Meinung, dass Schiedsrichter alle Basis-Regeln, spezielle Interpretationen und ligaspezifische Anweisungen kennen müssen und sich bei jedem Coach gleich intensiv vorstellen. Schiedsrichter müssen darauf achten, dass alle Spieler ordnungsgemäß gekleidet sind, Schmuck ausgezogen und alle Taschen und Sportmaterialien mit genügend Abstand zum Feld, insbesondere bei Freiluftsportarten, abgestellt sind.

Lass die Trainer außen vor. Viele Trainer kommen vor dem Spiel auf die Schiedsrichter zu und versuchen sie vor bestimmten Eigenarten des Gegners zu warnen. Zum Beispiel, könnte ein Football-Trainer einen Schiedsrichter auffordern, auf das Halten der gegnerischen Angreiferlinie zu achten. Donovon empfiehlt, dass der Schiedsrichter sich die Mitteilung anhört und dann betont, dass man sein Bestes geben und versuchen wird, das Spiel konsquent über die Bühne zu bekommen. Möchte der Coach Dich danach noch weiter "zutexten", entschuldige Dich und entferne Dich von ihm. Wenn der Coach Dir hinterherläuft, hol den gegnerischen Coach zum Gespräch hinzu, das wird dann meistens die Diskussion schnell beenden.

"Du musst Dir bewußt sein, dass der Coach bewußt mir Dir redet," sagt Donovan. "Als Schiedsrichter willst Du nicht widersprechen. Vielleicht hat er ja ein bischen Recht, aber Du versprichst ihm gar nichts."

Ein anderer unerwünschter Punkt, den Trainer gerne mit Schiedsrichtern diskutieren ist die Art, wie diese das Spiel leiten werden. Ein Coach könnte sagen: "Wenn Du heute gut bist, wirst Du sicherlich im nächsten Jahr mehr Spiele bekommen," oder "Die Schiris letzte Wochen haben alles mögliche mit den Händen abgepfiffen, wie werdet Ihr das heute handhaben?"

Behandle sie alle gleich. Einige Trainer werden Dir freundliche Kommentare entgegnen, wenn sie Dich gut kennen. Donovan warnt, dass es wichtig sei, diese Beziehung herunterzuspielen.

"Du magst vielleicht einige Coaches mehr als andere. Aber Du musst, sobal das Spiel losgeht, die Nachricht rüberbringen, dass alle Freundlichkeiten nichts nutzen, da Du das Spiel so pfeifen wirst, wie Du es siehst."

Außerdem sollte seiner Meinung nach, ein Schiedsrichter niemals vor dem Spiel darüber diskutieren, wie ein Trainer auf eine Entscheidung während des Spiels reagieren wird.

"Du darfst nicht vor ihnen zugeben, dass Du Fehler machen wirst," glaubt Donovan. Wenn eine Diskussion während des Spieles entbrennt, musst Du damit umgehen können. Aber vor dem Spiel bist Du genauso perfekt wie Spieler und Trainer."

Für weniger erfahrene Schiedsrichter. Laß Deinen Partner das Vorgespräch führen. Du musst Dich lediglich vorstellen und zuhören, wie Dein Kollege das Gespräch führt. Wenn Du etwas erfahrener bist, selbst wenn Du dann immer noch ein Neuling bsit, wirst Du Dich dann schnell in der Rolle des "Seniors" finden. Wenn das passiert, halte Deine Treffen mit den Trainern knapp und laß nicht zu, dass die Konversation in die Länge gezogen wird.

High School Schiedsrichter Dan Krone hat vor sechs Jahren mit dem Pfeifen begonnen und pfeift momentan zwei Klassen höher Jungen und Mädchen Spiele. Er erzählt, dass die Coaches ihn am Anfang sehr viel gefragt haben vor dem Spiel, dies aber mit zunehmender Erfahrung nachgelassen habe.

"Wenn Du erstmal das Vertrauen gewonnen hast, werden die Trainer schnell merken, dass Du Dein Handwerk beherrschst und versuchen nicht mehr, dass Vorgespräch mit vielen Fragen in die Länge zu ziehen." Es gelten immer die gleichen Prinzipien, egal wie erfahren Du bist: Sei nicht zu kameradschaftlich. Wenn ein Coach unangebrachte Punkte aufbringt, stopp ihn und unterbrich die Diskussion. Sein immer freundlich, aber bestimmt. Zu guter Letzt, gib jedem Coach die gleiche Chance.

Mike Scott ist freier Journalist aus Waterford, Michigan. Er hat selbst 10 Jahre Baseball und Softball gepfiffen.

 

 

 

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 Letzte Aktualisierung:
31. Dezember 2002

 

© Axel Beckmann