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Die Beiträge
sind von Uli Sledz ins Deutsche übertragen und
zusammen mit Jens Staudenmayer überarbeitet worden.
An dieser
Stelle wollen wir heute ganz bewußt auf das Kapitel
"Motivation und Zielsetzung" eingehen. Rechtzeitig
im Vorfeld der neuen Spielzeit schien uns dieses
Thema besonders geeignet.
MOTIVATION
In der
vorangegangenen Ausgabe
haben wir bereits verschiedene Möglichkeiten beschrieben,
was einen guten Schiedsrichter ausmacht. Um seine Effektivität
zu verbessern steht jedoch eines außer Frage:
Ohne Motivation, ohne Verlangen und ohne Engagement
besteht nur eine geringe Chance, den schwierigen Weg
hin zu einer gesteigerten Effektivität auch zu
Ende zu bringen.
Viele
Schiedsrichter beginnen den Weg mit viel Engagement
und Motivation, finden jedoch bald heraus, daß
es sehr schwierig ist, in jedem Spiel immer wieder ein
hohes Maß an Motivation beizubehalten.
Das finanzielle
Entgelt für einen Schiedsrichter ist gemessen am
betriebenen Aufwand in der Regel sehr gering und es
ist außerdem eher ungewöhnlich, Lob und positive
Bestätigung von Spielern, Coaches, Fans und den
Medien zu bekommen.
Trotzdem
ist es eine Tatsache, daß der Schiedsrichter jedes
Spiel seinen Fähigkeiten entsprechend leiten muß.
Folglich muß man ein gehöriges Maß
an Motivation aufbringen, um den Mangel an Lob und reichlich
vorhandener Kritik, die man als Schiedsrichter erhält,
kompensieren zu können und in positive Energie
umzusetzen.
Man darf
sich darüber keine Sorgen machen, wie die Leute
die Leistung sehen. Wichtig ist die eigene Einschätzung
der Leistung und der gemachten Fortschritte. Solange
ein Schiedsrichter sich seinen gesteckten Zielen stetig
nähert, ist die Chance groß, daß auch
seine Motivation auf höchstem Niveau erhalten bleibt.
In der
Tat spielt die "Zielsetzung" eine wichtige
Rolle in der Motivation und dem Engagement eines Schiedsrichters.
Ziele sorgen für ein sicheres Gefühl, geben
die Richtung für die Herausforderungen in der Zukunft
vor. In der Regel ist den Menschen bewußt, was
Ziele sind und warum sie wichtig sind. Nur wenige jedoch
verstehen die Prinzipien der Zielsetzung.
DEFINITION "ZIELE"
Ein Ziel
ist das Ziel
oder Zweck einer Aktion. Einfach gesagt, Zielsetzung
ist ein Mittel herauszufinden, was man erreichen will
und wie man das anstellt. Ein Ziel konzentriert sich
im allgemeinen auf das Erreichen eines Standards hoher
Qualität, ob es sich um eine bessere Position auf
dem Spielfeld handelt oder entschlosseneres Auftreten
bei Entscheidungen oder ob man unter Druck ruhig und
sachlich bleibt.
WARUM ZIELE FUNKTIONIEREN
Immer
mehr Menschen im Geschäftsleben und im Sport benutzen
Ziele, um die Produktivität oder die Leistung zu
steigern. Schiedsrichter, die besonders hohe Ziele verfolgen,
verfügen über ein erheblich höheres Leistungsniveau
als ein Schiedsrichter, der sich zu leicht zu erreichende
Ziele, gar keine Ziele oder nicht konkrete Ziele nach
dem Motto "Versuch Dein Bestes" setzt.
Ziele
helfen herauszufinden, was wichtig ist. Viele Menschen
sind Schiedsrichter geworden, weil sie Spaß am
Sport und dem Wettkampf haben. Dieser erste Elan reicht
jedoch nicht aus, das Interesse über eine längere
Zeit aufrechtzuerhalten. Ziele helfen herauszufinden,
was man erreichen will und warum man eigentlich Schiedsrichter
geworden ist. Mit anderen Worten, Ziele dienen als Meilensteine
auf dem Weg zur endgültigen Bestimmung als Schiedsrichter.
Man sollte
aber sicher sein, daß diese Meilensteine (Ziele)
nicht zu weit auseinander liegen, denn dann ist die
Gefahr hoch, daß der Schiedsrichter frustriert
wird und letztlich dann kurz vor dem Ziel versagt.
Wenn ein
Schiedsrichter sich ein sehr wichtiges und hohes Ziel
setzt, wird er auch die größten Anstrengungen
unternehmen, es zu erreichen. Ist es z. B. das Ziel,
während des Spieles immer in der besten Position
zu sein, wird man sehr hart daran arbeiten, dieses Ziel
zu erreichen. Man arbeitet hart, um fit zu bleiben,
damit man während des Spieles jedes Tempo ohne
Probleme mitgehen kann - eine Vorraussetzung dafür,
auch immer in der besten Position sein zu können.
Ein anderer
Schiedsrichter möchte vielleicht seine SR-Technik
verbessern. Um das zu erreichen, nimmt er an einigen
Fortbildungen teil und liest Bücher, um dieses
Wissen zu erreichen.
Diese
zwei Beispiele zeigen auf, daß Ziele physisch
und mental dazu beitragen können, sich als Schiedsrichter
weiterzuentwickeln.
Der Mensch
muß motiviert sein, um sein Potential zu erreichen
- ganz gleich ob im Beruf oder im Sport. Schiedsrichter
werden nur selten mit Lob überhäuft. Vielmehr
ist es doch so, daß die meisten Schiedsrichter
nur dann Aufmerksamkeit erregen, wenn sie eine schlechte
Entscheidung getroffen haben, die Kontrolle über
das Spiel verloren haben oder sich in eine Diskussion
mit dem Coach oder einem Spieler eingelassen haben.
Daher ist es nicht verwunderlich, daß viele Schiedsrichter
ein Problem mit ihrer Motivation haben.
Ziele,
die der persönlichen Weiterentwicklung dienen und
nicht Lob und Anerkennung anderer, ermöglichen
die einzigartige Erfahrung der Selbstzufriedenheit.
RICHTLINIEN ZUR ZIELSETZUNG
Es wäre
falsch und irreführend anzunehmen, daß jede
Art von Ziel die Leistung fördern kann oder das
alle Ziele gleichermaßen effektiv sind.
Einige
Ziele funktionieren besser als andere. Sportpsychologen
haben Richtlinien entwickelt, die Leistung und Motivation
stärken. Nach diesen Richtlinien wird wie folgt
vorgegangen:
- Bestimme die Ziele
- Gestalte Deine
Ziele postitv
- Setze kurzfristige
und langfristige Ziele
- Schreibe Deine
Ziele auf
- Erarbeite Strategien,
um Deine Ziele zu erreichen
BESTIMME DEINE ZIELE
Zu Beginn
mußt Du festlegen, was Du erreichen willst. Eine
Reihe von Fragen über die eigenen Fähigkeiten
und die Einstellung zum Schiedsrichtern helfen, die
Ziele genau zu bestimmen:
-
Welche Stärken
habe ich als Schiedsrichter?
- Welche Schwächen
habe ich als Schiedsrichter?
- Welche Bereiche
beim Schiedsrichtern mag ich besonders?
- Bereite ich mich
mental ausreichend auf ein Spiel vor ?
- Bin ich während
der gesamten Saison in guter körperlicher
Verfassung ?
- Kommuniziere ich
gut mit Kollegen, Spielern und Coaches ?
- Beherrsche ich
die Regeln und Vorschriften ?
- Habe ich eine
fundierte SR-Technik ?
Wenn man
sich diese Fragen stellt, findet man schnell heraus,
daß die Antworten nicht unbedingt einfach sind.
Doch allein der Gedanke an diese Dinge kann dabei helfen
herauszufinden, was man als Schiedsrichter erreichen
will und kennzeichnet spezielle, weiterzuentwickelnde
Bereiche.
SETZE ANSPRUCHSVOLLE ABER REALISTISCHE ZIELE
Je
schwieriger das Ziel, um so besser die Leistung, solange
die Person in der Lage ist, das Ziel zu erreichen.
Man sollte
aber nie zum Perfektionisten werden und sich unrealistische
Ziele setzen. Schiedsrichter zu sein ist ein schwieriger
Job und es ist unrealistisch anzunehmen, ein perfektes
Spiel leiten zu können. Gleiches gilt übrigens
für einen Spieler der annimmt, jeden Schuß
zu jeder Zeit treffen zu können.
Gleichwohl:
zu leichte Ziele sind nicht vorteilhaft, weil diese
Ziele einen Schiedsrichter in seiner Weiterentwicklung
stark hemmen würden. Ziele, die zu niedrig angesetzt
werden, können dazu führen, daß man
sich mit einer Leistung zufrieden gibt, die unter den
eigenen Ansprüchen und dem eigentlichen Leistungspotential
liegt.
Wenn es
z.B. nur das Ziel ist, für eine ganz bestimmte
Spielpaarung ausgewählt zu werden, ist man mit
dieser Situation bereits zufrieden, anstatt sich darauf
vorzubereiten, eine gute Leistung zu bringen.
GESTALTE DEINE ZIELE POSITIV
Beschreibe
Deine Ziele immer positiv. Halte Dich an Dinge, die
Du tun möchtest und nicht an Dinge, die Du nicht
tun möchtest. Gibt es z. B. eine Verhaltensweise,
die Du versuchst abzustellen, setze Dir ein alternatives,
positives Verhalten zum Ziel. In einem anderen Beispiel
zögert ein Schiedsrichter oft zu lange, eine Entscheidung
zu treffen. Er will diese Schwäche abbauen. Falsch
wäre es nun, wenn er sich zum Ziel setzt, nicht
mehr zu zögern. Er sollte vielmehr seine Entschlußfreudigkeit
verbessern, indem er trainiert, seine Entscheidung unmittelbar
nach dem Pfiff zu treffen. In seiner Phantasie versetzt
er sich in die Situationen, in denen er in der Vergangenheit
gezögert hat. Diesmal jedoch stellt er sich vor,
direkt nach dem Pfiff eine schnelle, entschlossene Entscheidung
in überzeugender Art und Weise zu treffen.
Diese
Übung hilft dabei, diese Situationen in der Zukunft
fast automatisch postitiv zu meistern.
SETZE KURZFRISTIGE UND LANGFRISTIGE ZIELE
Befragt
man Menschen nach ihren Zielen, wird die Mehrzahl sehr
ambitionierte, langfristige Ziele nennen, wie z.B. Präsident
einer großen Firma, Millionär oder Chirurg
werden. Schiedsrichter tendieren auch zu solchen großartigen
Zielen, z. B. Profischiedsrichter zu werden.
Langfristige
Ziele sind wichtig, kurzfristige Ziele aus zwei Gründen
jedoch absolut erforderlich.
Ein Grund
ist, daß kurzfristige Ziele Hinweise über
die Fortschritte auf ein langfristiges Ziel geben. Wenn
das langfristige Ziel z.B. Profischiedsrichter heißt,
kann man den Fortschritt auf dieses Ziel hin mit kurzfristigen
Zielen bei jedem Einsatz als Schiedsrichter überprüfen.
Die kurzfristigen Ziele in diesem Beispiel können
die Verbesserung der Regelkenntnisse, entschlußfreudigeres
Verhalten, unter Druck die Ruhe bewahren, Verbesserung
der Kommunikation mit Spielern, Coaches und Fans und
selbstsicherer werden beinhalten. Der Schlüssel
hier ist, daß kurzfristige Ziele den Schiedsrichter
ständig an den eigenen Standard während des
Spieles erinnern.
Der zweite
Grund ist, daß kurzfristige Ziele unbedingt notwendige
Quellen für die Motivation sind. Es ist manchmal
sehr hart nach vorne zu schauen und wirklich an das
Erreichen eines langfristigen Zieles zu glauben, denn
es ist ja noch so weit weg !
Motivation
kann viel leichter aufrechterhalten werden, wenn die
Fortschritte in der Leistung bei jedem Einsatz erkennbar
sind. Das heißt aber nicht, daß die Leistung
mit jedem Spiel gesteigert wird, aber kurzfristige Ziele
dienen als Meßlatte zur Beurteilung der eigenen
Fortschritte - jedesmal wenn man das Schiedsrichterhemd
überzieht.
SCHREIBE DEINE ZIELE AUF
Menschen,
die ihre Ziele nicht aufschreiben, werden sie in der
Regel auch nicht erreichen.
Die Ziele
aufzuschreiben bedeutet auch eine erhebliche Verpflichtung
ihnen gegenüber. Ziele sind nutzlos, wenn man sich
ihnen nicht verpflichtet fühlt.
Die Führung
eines Notizbuches mit den niedergeschriebenen Zielen
und den jeweilig erbrachten Leistungen ist eine gute
Möglichkeit, gemachte Fortschritte auf dem Weg
zu den gestellten Zielen zu beobachten. Die Beobachtung
der Fortschritte gibt die Möglichkeit, Ziele gegebenenfalls
neu zu definieren, sollten sie entweder zu leicht oder
unmöglich zu erreichen sein.
ERARBEITE STRATEGIEN, UM DEINE ZIELE ZU ERREICHEN
Obgleich
Ziele eine Richtung vorgeben, muß man trotzdem
eine Strategie haben, um sie zu erreichen. Nehmen wir
z. B. an, daß ein Ziel die Verbesserung der körperlichen
Verfassung ist, um ständig ein Spiel auf höchstem
Niveau leiten zu können.
Was unternimmt
man zur Verbesserung der körperlichen Verfassung?
Eine Strategie muß her. Z.B. betätigt man
sich körperlich 3-4 mal in der Woche jeweils 30
Minuten oder nimmt täglich bis zu 500 Kalorien
weniger zu sich. Der Punkt ist, daß man einen
Plan hat und erkennt was zu tun ist, um das Ziel zu
erreichen.
ZUSAMMENFASSUNG
Ein Schiedsrichter,
der nicht motiviert genug ist sein Potential auszuschöpfen,
wird wahrscheinlich nie ein kompetenter, mit großer
Akzeptanz ausgestatteter Schiedsrichter werden. Immer
motiviert zu sein ist sicherlich schwer, da Schiedsrichter
nur sehr selten eine finanzielle oder soziale Belohnung
ihrem Aufwand entsprechend erhalten.
Eine effektive
Art und Weise motiviert zu bleiben ist es, Ziele zu
setzen. Wenn sie korrekt gesetzt sind, können sie
sehr effektive Werkzeuge für eine gesteigerte Motivation
und gesteigerte Leistungsfähigkeit sein. Ziele
sollten positiver Natur, realistisch aber auch herausfordernd
sein. Alle Ziele sollten immer kontrollierbar sein und
Verbesserungen auf der Basis hohen persönlichen
Niveaus reflektieren.
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