Startseitechristmas_next.gifSchiedsrichter christmas_next.gifPsychologiechristmas_next.gifPsychology of Officiating

Allgemeines

 Diskussionsforum

 Hilfe

 Gästebuch

 Impressum

 Leitartikel

 Links

 Mitglieder

 News

 Shop

 Thema des Monats

 Über "uns"

 

Organisationen

 Bundesligen

 DBB

 Regionalligen

 Landesverbände

 Euroleague

 FIBA

 International

 Luxemburg

 Österreich

 Rolli-Basketball

 Schweiz

 USA

 

Psychology of Officiating | Kapitel 2

 

 

Autoren: Dr. Robert S. Weinberg und Peggy A. Richardson / Übersetzung: Uli Sledz / Bearbeitung: Jens Staudenmayer

 

 

Motivation und Zielsetzung

"Psychology of Officiating" jetzt bestellen!

 

 

Die Beiträge sind von Uli Sledz ins Deutsche übertragen und zusammen mit Jens Staudenmayer überarbeitet worden.

An dieser Stelle wollen wir heute ganz bewußt auf das Kapitel "Motivation und Zielsetzung" eingehen. Rechtzeitig im Vorfeld der neuen Spielzeit schien uns dieses Thema besonders geeignet.

Pfeil MOTIVATION

In der vorangegangenen Ausgabe haben wir bereits verschiedene Möglichkeiten beschrieben, was einen guten Schiedsrichter ausmacht. Um seine Effektivität zu verbessern steht jedoch eines außer Frage: Ohne Motivation, ohne Verlangen und ohne Engagement besteht nur eine geringe Chance, den schwierigen Weg hin zu einer gesteigerten Effektivität auch zu Ende zu bringen.

Viele Schiedsrichter beginnen den Weg mit viel Engagement und Motivation, finden jedoch bald heraus, daß es sehr schwierig ist, in jedem Spiel immer wieder ein hohes Maß an Motivation beizubehalten.

Das finanzielle Entgelt für einen Schiedsrichter ist gemessen am betriebenen Aufwand in der Regel sehr gering und es ist außerdem eher ungewöhnlich, Lob und positive Bestätigung von Spielern, Coaches, Fans und den Medien zu bekommen.

Trotzdem ist es eine Tatsache, daß der Schiedsrichter jedes Spiel seinen Fähigkeiten entsprechend leiten muß. Folglich muß man ein gehöriges Maß an Motivation aufbringen, um den Mangel an Lob und reichlich vorhandener Kritik, die man als Schiedsrichter erhält, kompensieren zu können und in positive Energie umzusetzen.

Man darf sich darüber keine Sorgen machen, wie die Leute die Leistung sehen. Wichtig ist die eigene Einschätzung der Leistung und der gemachten Fortschritte. Solange ein Schiedsrichter sich seinen gesteckten Zielen stetig nähert, ist die Chance groß, daß auch seine Motivation auf höchstem Niveau erhalten bleibt.

In der Tat spielt die "Zielsetzung" eine wichtige Rolle in der Motivation und dem Engagement eines Schiedsrichters. Ziele sorgen für ein sicheres Gefühl, geben die Richtung für die Herausforderungen in der Zukunft vor. In der Regel ist den Menschen bewußt, was Ziele sind und warum sie wichtig sind. Nur wenige jedoch verstehen die Prinzipien der Zielsetzung.

Pfeil DEFINITION "ZIELE"

Ein Ziel ist das Ziel oder Zweck einer Aktion. Einfach gesagt, Zielsetzung ist ein Mittel herauszufinden, was man erreichen will und wie man das anstellt. Ein Ziel konzentriert sich im allgemeinen auf das Erreichen eines Standards hoher Qualität, ob es sich um eine bessere Position auf dem Spielfeld handelt oder entschlosseneres Auftreten bei Entscheidungen oder ob man unter Druck ruhig und sachlich bleibt.

Pfeil WARUM ZIELE FUNKTIONIEREN

Immer mehr Menschen im Geschäftsleben und im Sport benutzen Ziele, um die Produktivität oder die Leistung zu steigern. Schiedsrichter, die besonders hohe Ziele verfolgen, verfügen über ein erheblich höheres Leistungsniveau als ein Schiedsrichter, der sich zu leicht zu erreichende Ziele, gar keine Ziele oder nicht konkrete Ziele nach dem Motto "Versuch Dein Bestes" setzt.

Ziele helfen herauszufinden, was wichtig ist. Viele Menschen sind Schiedsrichter geworden, weil sie Spaß am Sport und dem Wettkampf haben. Dieser erste Elan reicht jedoch nicht aus, das Interesse über eine längere Zeit aufrechtzuerhalten. Ziele helfen herauszufinden, was man erreichen will und warum man eigentlich Schiedsrichter geworden ist. Mit anderen Worten, Ziele dienen als Meilensteine auf dem Weg zur endgültigen Bestimmung als Schiedsrichter.

Man sollte aber sicher sein, daß diese Meilensteine (Ziele) nicht zu weit auseinander liegen, denn dann ist die Gefahr hoch, daß der Schiedsrichter frustriert wird und letztlich dann kurz vor dem Ziel versagt.

Wenn ein Schiedsrichter sich ein sehr wichtiges und hohes Ziel setzt, wird er auch die größten Anstrengungen unternehmen, es zu erreichen. Ist es z. B. das Ziel, während des Spieles immer in der besten Position zu sein, wird man sehr hart daran arbeiten, dieses Ziel zu erreichen. Man arbeitet hart, um fit zu bleiben, damit man während des Spieles jedes Tempo ohne Probleme mitgehen kann - eine Vorraussetzung dafür, auch immer in der besten Position sein zu können.

Ein anderer Schiedsrichter möchte vielleicht seine SR-Technik verbessern. Um das zu erreichen, nimmt er an einigen Fortbildungen teil und liest Bücher, um dieses Wissen zu erreichen.

Diese zwei Beispiele zeigen auf, daß Ziele physisch und mental dazu beitragen können, sich als Schiedsrichter weiterzuentwickeln.

Der Mensch muß motiviert sein, um sein Potential zu erreichen - ganz gleich ob im Beruf oder im Sport. Schiedsrichter werden nur selten mit Lob überhäuft. Vielmehr ist es doch so, daß die meisten Schiedsrichter nur dann Aufmerksamkeit erregen, wenn sie eine schlechte Entscheidung getroffen haben, die Kontrolle über das Spiel verloren haben oder sich in eine Diskussion mit dem Coach oder einem Spieler eingelassen haben. Daher ist es nicht verwunderlich, daß viele Schiedsrichter ein Problem mit ihrer Motivation haben.

Ziele, die der persönlichen Weiterentwicklung dienen und nicht Lob und Anerkennung anderer, ermöglichen die einzigartige Erfahrung der Selbstzufriedenheit.

Pfeil RICHTLINIEN ZUR ZIELSETZUNG

Es wäre falsch und irreführend anzunehmen, daß jede Art von Ziel die Leistung fördern kann oder das alle Ziele gleichermaßen effektiv sind.

Einige Ziele funktionieren besser als andere. Sportpsychologen haben Richtlinien entwickelt, die Leistung und Motivation stärken. Nach diesen Richtlinien wird wie folgt vorgegangen:

  • Bestimme die Ziele
  • Gestalte Deine Ziele postitv
  • Setze kurzfristige und langfristige Ziele
  • Schreibe Deine Ziele auf
  • Erarbeite Strategien, um Deine Ziele zu erreichen

Pfeil BESTIMME DEINE ZIELE

Zu Beginn mußt Du festlegen, was Du erreichen willst. Eine Reihe von Fragen über die eigenen Fähigkeiten und die Einstellung zum Schiedsrichtern helfen, die Ziele genau zu bestimmen:

  • Welche Stärken habe ich als Schiedsrichter?
  • Welche Schwächen habe ich als Schiedsrichter?
  • Welche Bereiche beim Schiedsrichtern mag ich besonders?
  • Bereite ich mich mental ausreichend auf ein Spiel vor ?
  • Bin ich während der gesamten Saison in guter körperlicher Verfassung ?
  • Kommuniziere ich gut mit Kollegen, Spielern und Coaches ?
  • Beherrsche ich die Regeln und Vorschriften ?
  • Habe ich eine fundierte SR-Technik ?

Wenn man sich diese Fragen stellt, findet man schnell heraus, daß die Antworten nicht unbedingt einfach sind. Doch allein der Gedanke an diese Dinge kann dabei helfen herauszufinden, was man als Schiedsrichter erreichen will und kennzeichnet spezielle, weiterzuentwickelnde Bereiche.

Pfeil SETZE ANSPRUCHSVOLLE ABER REALISTISCHE ZIELE

Je schwieriger das Ziel, um so besser die Leistung, solange die Person in der Lage ist, das Ziel zu erreichen.

Man sollte aber nie zum Perfektionisten werden und sich unrealistische Ziele setzen. Schiedsrichter zu sein ist ein schwieriger Job und es ist unrealistisch anzunehmen, ein perfektes Spiel leiten zu können. Gleiches gilt übrigens für einen Spieler der annimmt, jeden Schuß zu jeder Zeit treffen zu können.

Gleichwohl: zu leichte Ziele sind nicht vorteilhaft, weil diese Ziele einen Schiedsrichter in seiner Weiterentwicklung stark hemmen würden. Ziele, die zu niedrig angesetzt werden, können dazu führen, daß man sich mit einer Leistung zufrieden gibt, die unter den eigenen Ansprüchen und dem eigentlichen Leistungspotential liegt.

Wenn es z.B. nur das Ziel ist, für eine ganz bestimmte Spielpaarung ausgewählt zu werden, ist man mit dieser Situation bereits zufrieden, anstatt sich darauf vorzubereiten, eine gute Leistung zu bringen. 

Pfeil GESTALTE DEINE ZIELE POSITIV

Beschreibe Deine Ziele immer positiv. Halte Dich an Dinge, die Du tun möchtest und nicht an Dinge, die Du nicht tun möchtest. Gibt es z. B. eine Verhaltensweise, die Du versuchst abzustellen, setze Dir ein alternatives, positives Verhalten zum Ziel. In einem anderen Beispiel zögert ein Schiedsrichter oft zu lange, eine Entscheidung zu treffen. Er will diese Schwäche abbauen. Falsch wäre es nun, wenn er sich zum Ziel setzt, nicht mehr zu zögern. Er sollte vielmehr seine Entschlußfreudigkeit verbessern, indem er trainiert, seine Entscheidung unmittelbar nach dem Pfiff zu treffen. In seiner Phantasie versetzt er sich in die Situationen, in denen er in der Vergangenheit gezögert hat. Diesmal jedoch stellt er sich vor, direkt nach dem Pfiff eine schnelle, entschlossene Entscheidung in überzeugender Art und Weise zu treffen.

Diese Übung hilft dabei, diese Situationen in der Zukunft fast automatisch postitiv zu meistern.

Pfeil SETZE KURZFRISTIGE UND LANGFRISTIGE ZIELE

Befragt man Menschen nach ihren Zielen, wird die Mehrzahl sehr ambitionierte, langfristige Ziele nennen, wie z.B. Präsident einer großen Firma, Millionär oder Chirurg werden. Schiedsrichter tendieren auch zu solchen großartigen Zielen, z. B. Profischiedsrichter zu werden.

Langfristige Ziele sind wichtig, kurzfristige Ziele aus zwei Gründen jedoch absolut erforderlich.

Ein Grund ist, daß kurzfristige Ziele Hinweise über die Fortschritte auf ein langfristiges Ziel geben. Wenn das langfristige Ziel z.B. Profischiedsrichter heißt, kann man den Fortschritt auf dieses Ziel hin mit kurzfristigen Zielen bei jedem Einsatz als Schiedsrichter überprüfen. Die kurzfristigen Ziele in diesem Beispiel können die Verbesserung der Regelkenntnisse, entschlußfreudigeres Verhalten, unter Druck die Ruhe bewahren, Verbesserung der Kommunikation mit Spielern, Coaches und Fans und selbstsicherer werden beinhalten. Der Schlüssel hier ist, daß kurzfristige Ziele den Schiedsrichter ständig an den eigenen Standard während des Spieles erinnern.

Der zweite Grund ist, daß kurzfristige Ziele unbedingt notwendige Quellen für die Motivation sind. Es ist manchmal sehr hart nach vorne zu schauen und wirklich an das Erreichen eines langfristigen Zieles zu glauben, denn es ist ja noch so weit weg !

Motivation kann viel leichter aufrechterhalten werden, wenn die Fortschritte in der Leistung bei jedem Einsatz erkennbar sind. Das heißt aber nicht, daß die Leistung mit jedem Spiel gesteigert wird, aber kurzfristige Ziele dienen als Meßlatte zur Beurteilung der eigenen Fortschritte - jedesmal wenn man das Schiedsrichterhemd überzieht.

Pfeil SCHREIBE DEINE ZIELE AUF

Menschen, die ihre Ziele nicht aufschreiben, werden sie in der Regel auch nicht erreichen.

Die Ziele aufzuschreiben bedeutet auch eine erhebliche Verpflichtung ihnen gegenüber. Ziele sind nutzlos, wenn man sich ihnen nicht verpflichtet fühlt.

Die Führung eines Notizbuches mit den niedergeschriebenen Zielen und den jeweilig erbrachten Leistungen ist eine gute Möglichkeit, gemachte Fortschritte auf dem Weg zu den gestellten Zielen zu beobachten. Die Beobachtung der Fortschritte gibt die Möglichkeit, Ziele gegebenenfalls neu zu definieren, sollten sie entweder zu leicht oder unmöglich zu erreichen sein.

Pfeil ERARBEITE STRATEGIEN, UM DEINE ZIELE ZU ERREICHEN

Obgleich Ziele eine Richtung vorgeben, muß man trotzdem eine Strategie haben, um sie zu erreichen. Nehmen wir z. B. an, daß ein Ziel die Verbesserung der körperlichen Verfassung ist, um ständig ein Spiel auf höchstem Niveau leiten zu können.

Was unternimmt man zur Verbesserung der körperlichen Verfassung? Eine Strategie muß her. Z.B. betätigt man sich körperlich 3-4 mal in der Woche jeweils 30 Minuten oder nimmt täglich bis zu 500 Kalorien weniger zu sich. Der Punkt ist, daß man einen Plan hat und erkennt was zu tun ist, um das Ziel zu erreichen.

Pfeil ZUSAMMENFASSUNG

Ein Schiedsrichter, der nicht motiviert genug ist sein Potential auszuschöpfen, wird wahrscheinlich nie ein kompetenter, mit großer Akzeptanz ausgestatteter Schiedsrichter werden. Immer motiviert zu sein ist sicherlich schwer, da Schiedsrichter nur sehr selten eine finanzielle oder soziale Belohnung ihrem Aufwand entsprechend erhalten.

Eine effektive Art und Weise motiviert zu bleiben ist es, Ziele zu setzen. Wenn sie korrekt gesetzt sind, können sie sehr effektive Werkzeuge für eine gesteigerte Motivation und gesteigerte Leistungsfähigkeit sein. Ziele sollten positiver Natur, realistisch aber auch herausfordernd sein. Alle Ziele sollten immer kontrollierbar sein und Verbesserungen auf der Basis hohen persönlichen Niveaus reflektieren.

 

 

 

Regeln

 Änderungen

 Ausarbeitungen

 Grundlagen

 Interpretationen

 Ordnungen

 Regelfragen

 Texte

 

Schiedsrichter

 Ausbildung

 Förderung

 Fortbildung

 Frauen

 Funktionäre

 Kritik

 Porträts

 Presse

 Psychologie

 Technik

 Tipps

 Vereine

 

 Letzte Aktualisierung:
31. Dezember 2002

 

© Axel Beckmann